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Feuertaufe.

Vier Jahre später hat ihn das Schicksal erwählt, Zeuge zu sein in der Stunde der Geburt des Deutschen Reiches. Da Bismarck die Prokla­mation über des neuen Staates Kraft und Herr- kichkelt und seinen Willen, sich zu mehren an den Gütern des Friedens und der Kultur, beendet hat und des neuen Reiches Kaiser zum ersten­mal leben läßt, fährt auch der Degen des Leutnants von Hindenburg empor und kreuzt sich zum Schwur für Kaiser und Reich.

Lin Leben der Arbeit für dleses neue Reich nimmt nun seinen An­fang. Der große Kaiser stirbt, ein zweiter und dritter kommen, Bismarck wird entlassen, Roon und Wollte schließen die Augen, Deutsch­land aber wächst als ein Garant des Friedens und einer wirklichen europäischen Ordnung. Die Welt erhält ein neues Gesicht. Auf allen Ge­bieten der INenschheitsentwicklung löst eine um­wälzende Erfindung die andere ab. Immer von neuem erweist sich das Bessere als des Guten Feind. Deutschland wird Großmacht. Dem Leben dieses Reiches und unseres Volkes ununterbrochen dienend, nahm der Kommandierende General von Hindenburg am 18. März 1911 als 64jähriger Mann seinen Abschied. Damit schien sein Dienst beendet zu sein. Ein namenloser Offi­zier unter all den anderen Zehntausend, die stets ihre Pflicht erfüllen, dem Vaterland dienen und dennoch unbekannt vergessen sind.

Als daher der Weltkrieg über Deutschland her­einbricht und das deutsche Volk in der heiligsten Ueberzeugung, u.nschuldig angegriffen zu sein, sich zum Widerstand erhebt, da trifft in schwe­rer Stunde der Ruf des Kaisers einen Mann, der, im Ruhestande lebend, an Krieg und Kriegs­beginn so unschuldig war, wie es nur irgend­jemand in dieser Welt sein konnte.

Am 22. August 1914 erhielt Hindenburg den Auftrag, den Oberbefehl einer Armee in Ostpreußen zu übernehmen. Acht Tage später erfahren zum erstenmal das deutsche Volk und die Welt von die­ser Ernennung und erhalten damit Kenntnis vom Namen des neuen Generalobersten. Wolffs Tele­graphisches Büro meldet amtlich:

Unsere Truppen in Preußen unter Führung des Generalobersten von Hindenburg haben die vom Rarem vorgegangene russische Armee in der Stärke von fünf Armeekorps und drei Kaval­lerie-Divisionen in dreitägiger Schlacht in der Gegend von Gilgenburg und Ortelsburg geschla­gen und verfolgen sie jetzt über die Grenze.

Der Generalquartiermeister: v. Stein." Tannenberg war geschlagen!

Von nun ab ist das grüßte Ringen der Welt­geschichte unzertrennlich verbunden mit diesem Ramen. Er hat mit seinen großen Gehilfen die Krise des Jahres 1916 wieder gewendet und als Ehef des deutschen Feldheeres die Ration so oft vor der Vernichtung gerettet. Wäre die politische Führung unseres Volkes in dieser Zeit gleich würdig der militärischen gewesen, so würde Deutschland die schwerste Demütigung vor der Geschichte erspart worden sein!

Als die November-Revolution endlich doch das Deutsche Reick und das deutsche Volk zerbrach, da wurde durch die schon ge­schichtlich gewordene Erscheinung des Generalfeld­marschalls wenigstens die ärgste- Katastrophe ver­mieden.

Zum zweitenmal trat der Heerführer in den Ruhestand. Und ein zweites Mal wurde er wieder gerufen. Am 26. April 1925 erwählte ihn das deutsche Volk zum Präsidenten des Reiches, und ohne daß man es damals ahnte, damit zum Schirmherrn der neuen natio­nalen Revolution.

Und hier erfülle ich nun die Pflicht einer wahrheitsgetreuen Feststellung, wenn ich vor dem deutschen Volke in ergriffener Dankbarkeit auf das unmeßbare Verdienst Hinweise, das sich der Generalfeldmarschall geschichtlich erworben hat durch die in seinem Hamen geschlossene Versöhnung der besten deutschen Vergangenheit mit einer heiß erstrebten besseren deutschen Zu­kunft.

Seit der Stunde, da ich als Kanzler des Reiches in feine ehrwürdige Hand den Eid ab­legen durfte, empfand ich steigend immer mehr die Gnade eines Schicksals, das uns diesen väterlich-gütigen Schirmherrn gegeben hat. Gleich einem mystischen Bogen spann sich das Leben dieser Erscheinung von der verworrenen Revolution des Jahres 1848 über einen unfaß­bar langen Weg zur nationalen Erhebung des Jahres 1933. Das deutsche Volk kann nur be­glückt fein über die Fügung einer Vorsehung, die feine deutscheste Erhebung unter den Schuh und Schirm seines ehrwürdigsten Edelmannes und Soldaten stellte. Wir, die wir nicht nur das Glück besaßen, ihn zu kennen, sondern jeder zu unserem Teil mithelfen durften am Wunder dieser neuen Auferstehung unseres Volkes, wollen in dankbarer Erinnerung das Bild dieses großen Deutschen fest in unser Herz einschliehen. Wir wollen es bewahren als ein teueres Vermächtnis einer großen Zeit und wollen es weitergeben an die Geschlechter, die nach uns kommen.

Wer feinem Volke fo die Treue hielt, soll selbst in Treue nie vergessen fein!

Da das Schicksal uns bestimmt hat, Reich und Volk weiter zu führen, können wir nur den Allmächtigen bitten, er möge unsere Arbeit und unser Ringen zum Glück unseres Volkes gedeihen lassen. Er möge auch uns die Kraft geben, uns jeder- zeit einzusetzen für des V o l k e s Freiheit und die Ehre der deutschen Nation, und ins­besondere möge er uns gnädig stets die richtigen Wege finden lassen, um unserem Volk das Glückdes Friedenszusichern und es vor dem Unglück des Krieges zu bewahren, so wie der große Verstorbene es selbst immer aufrichtig und mit ganzem Herzen gewollt hat.

Abgeordnete des Deutschen Reichtages! Männer und Frauen! Deutsches Volk!

In dieser weihevollen Stunde bitte ich alle, nunmehr vom vergänglichen Augenblick in die Zukunft zu sehen. Lassen wir eine starke Er­kenntnis einziehen in unser Herz: Der Herr Reichspräsident Generalfeldmarschall von Hin­denburg ist nicht tot, er lebt, denn indem er starb, wandelt er nun über uns inmitten der

Unsterblichen unseres Volkes, umgeben von den großen Geistern der Vergangenheit als ein ewiger Schuhherr des Deutschen Reiches und der deutschen Ration.

Als der Führer geendet, geht er zu den Angehö­rigen des Generalfeldmarschalls, um ihnen sein Bei­leid auszusprechen. Wehmütig und doch erhebend steigt die Trauermusik aus derGötterdämmerung" empor.

OieGchlußanspracheGörings

Am Schluß der Trauerkundgebung wendet sich Reichstagspräsident Göring noch einmal an den Sohn des verstorbenen Reichspräsidenten: Herr Oberst von Hindenburg! Der Deutsche Reichstag spricht Ihnen und der gesamten Familie am Schluß der Trauerkundgebung sein tief­empfundenes Mitgefühl zu dem schmerz­lichen Verlust aus. Was uns der große Verstorbene ist, das hat in nicht zu übertreffenden Worten der Führer und Reichskanzler ausgesprochen. Seine Mahnung, daß der Dahingeschiedene unter uns und über uns leben soll und daß wir in unseren Herzen sein Gedenken treu zu tragen

hoben, wird, heg mbgen Sie versichert sein, in- londerheit die Vertretung des deutschen Volkes in ihrem Herzen bewahren.

Die Mitglieder der Reichsregierung verlassen die Estrade und begeben sich zu den Familienmitglie­dern, um sich dem Beileid des Hauses noch persön­lich anzuschließen. Dor dem Verlassen des Saales grüßen in schweigender Ehrfurcht die Abgeordneten wie zum Abschied die Büste des großen Toten mit erhobener Rechten.

Damit schließt der Reichstagspräsident die Trauer­kundgebung, nach deren Beendigung sich die Kabi­nettsmitglieder und andere Trauergäste zu dem Sohn des verstorbenen Reichspräsidenten begeben, um ihm persönlich noch ihr Beileid aus­zudrücken.

Oie Heimfahrt des Führers.

Als der Führer vor dem Kroll-Gebäude erschien, verharrte die Menge in tiefem Schweigen. Sie grüßte Adolf Hitler mit erhobenen Händen. Reichswehr, Arbeitsdienst und SA. marschierten vor dem Führer vorbei, der von den Mitgliedern des Reichskabinetts und anderen Trauergästen um­geben war.

! Der Fährverkehr in der Wilhelmstraße und atu Pariser Platz ruhte während dieser Stunde voll­kommen. Nach Beendigung der Trauerkundgebung zogen neue unübersehbare Massen zu der Straße, die der Wagen des Führers nehmen mußte. Hinter dem SS.-Spalier standen die Menschen in 40 bis 50 Gliedern. Am Kreuzungspunkt Unter den LindenWilhelmstraße standen Zehn­tausende. Alle Fenster und Dächer der umliegenden Häuser waren mit Menschen besetzt. Durch die Wilhelmstraße war nur eine schmale Fahrbahn offengehalten. Wenige Minuten vor 13 Uhr fuhr der Wagen des Führers in langsamer Fahrt durch das Brandenburger Tor über die Mittel- Promenade der Linden und bog an der Wilhelm­straße ein, um den Weg in die Reichskanzlei zu nehmen. Lautlos, in ehrfurchtsvollem Gedenken an die große Schicksalsstunde der Nation, reckten die Hunderttausende, die den Weg säumten, den Arm zum Gruß und Treueschwur. Dem Wagen des Führers folgten diejenigen des preu- ßischen Ministerpräsidenten General Göring, der Reichsminister Goebbels und Heß, sowie der übrigen Regierungsmitglieder und der hohen SA.- und SS.-Führer.

WM

Die Aufbahrung des Generalfeldmarschalls in seinem Neudecker Arbeitszimmer.

Der Heimgegangene ruht unter dem schwarzen Mantel eines Ehrenkommendators des Johanniter-Ordens.

Oes Führers Flug nach Ostpreußen

Marienburg, 6. Aug. (DNB.) Der Führer hat sich am Montagnachmittag im Flugzeug nach Ostpreußen begeben. Etwa um 14.30 Uhr startete in Berlin zunächst das Flugzeug mit Oberst von Hindenburg und Frau, dem Feld­bischof Dohrmann und den Staatssekretären Meißner und Funk nach Marienburg. Bald darauf erhob sich die rote Ju 52 des Ministerpräsi­denten General Hermann Göring und bann das Flugzeug des Führers, in dessen Begleitung sich Gruppenführer Brückner, Reichspressechef Gruppenführer Dr. Dietrich und Oberführer Schaub befanden. Während Berlin regenverhängt war, klärte sich das Wetter schon über Pommern auf, und die Weichselniederung und Marienburg lagen in strahlendem Sonnenschein.

Neudeck, 6. Aug. (DNB.) Gegen 20 Uhr rüstet man in Neudeck zur letzten Stunde der An­gehörigen des verblichenen Feldmar­schalls mit ihrem großen Toten, zu einer letzten Stunde des Gedenkens, zur Stunde des A b - s ch i e d s. Vom Parktor von Neudeck bis hinauf zum Gutshaus ein enges Spalier von Reichswehr­soldaten mit Fackeln.

In der Halle des Gutshauses Neudeck steht auf dem Katafalk der Sarg. Die Kriegsflagge deckt ihn, darauf liegen Helm und Säbel, auf einem Tischchen davor auf einem Kissen der Marschallsstab und die Kissen mit den Orden. Zwei Hauptleute und zwei Kapitänleutnants halten die« Totenwache. Durch das geöffnete Fenster hinter dem Kopfende des Sarges rauschen die Bäume des Parkes von Neu­deck das letzte Lied.

Nun wird es dunkel. Die Türen der Halle schlie­ßen sich, die Angehörigen kommen und nehmen Platz, die Kinder, die Enkel und Urenkel. Rechts von der Wand leuchtet aus dem goldenen Rahmen das Bild des Generalfeldmarschalls, so wie er in der Tannenbergschlacht stand, an der linken Seite ein Bild stürmender Soldaten in einer der Material­schlachten des Großen Krieges, zwei Landschaften 3U beiden Seiten des Sarges an der Wand: ein Bild aus Oberbayern, das Hindenburg darstellt, so wie er lebte, und ein Bild ostpreuhischer Landschaft mit knorrigen Kiefern. Um den Sarg herum Kränze, die Kränze der 2Ing et) origen mit den Schleifen den blauweißen Hindenburg'schen Hausfarben. Der Kranz des Führers, folroie der Kranz, den Staatssekretär Meißner im Namen der Beamten und Angestellten des Büros des Reichspräsidenten am Sarge niederlegte. Außer der Familie sind die Angestellten des Hauses Neudeck in der Halle erschienen Auch der Postbeamte, der den Postverkehr für den Reichspräsidenten versah, nimmt an der Trauerfeier teil.

Feldbischof Dohrmann spricht mit gedämpfter stimme von dem großen Toten.Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden", so beginnt er (eine Trauerpredigt. Und dann spricht er van dem guten Kampf, den der Tote gekämpft seiner Gläubigkeit und von seiner Treue. Psalm 62, Vers 2 ist es, den er feiner Trauerpre-

Die Flugzeuge wurden in Marienburg von den Stürmen der SS., SA. und des Deutschen Luft- sportverbandes empfangen. Eine Staffel aus Sport­flugzeugen war außerdem den Apparaten ent­gegengeflogen, um sie nach Marienburg zu geleiten. Nach dem Abschreiten der Front der Ehrenforma­tionen begab sich der Führer und Reichskanzler im Auto ins ostpreußische Land hinein, um sich dann morgen nach Tannenberg zu begeben. Ueberall ent­bot die Bevölkerung stumm mit erhobenem Arm den Deutschen Gruß. Ueberall wehen die Fahnen halbmast. Das weite ostpreußisck. Land hatte sich noch einmal in spätsommerlichei Pracht geschmückt, an dem Tage, an dem sein größter Feldherr und größter Sohn seine letzte Fahrt antreten wird.

digt zu Grunde legt:Meine Seele ist still zu Gott, der mir hilft." Dann spricht er von der stillen Stunde, die die Familie mit dem Toten verlebt, ehe sie ihn hinausgibt an das Volk, dem er gehört und dem er ein Vater des Vaterlandes war. Er weist darauf hin, daß das Wort des Psalms dem Verewigten besonders lieb und teuer

roar. Aus feiner Stille jju Gott, aus seiner Gläu­bigkeit habe er die Kraft gewonnen, das zu tra­gen, was das Schicksal an Großem und Schönem und auch an Bitterem ihm auferlegte. Das schöne und tiefe WortM e i n" ist es, mit dem die An­gehörigen den großen Toten nennen konnten. Das verbindet sie mit ihm besonders über jenes Band hinaus, das alle Deutschen mit ihrem Hindenburg verknüpft. Feldbischof Dohrmann weist auf den Tod der treuen Lebensgefährtin Hindenburgs hin, spricht von jenen Minuten, als er in die Einsam­keit ging. Und er rühmt seine Geduld, seine wun­derbare Gelassenheit und seine Hoffnung mit den Menschen. Aus seinen gefalteten Händen auf dem Totenbett haben wir alle noch einmal die Stille gefühlt, in der er uns Bild und Vorbild wahrer Frömmigkeit und Herzengüte war.Er dankte dort, wo er hätte gebieten können, er bat, wo er hätte fordern können."

Noch einmal dankte Feldbischof Dohrmann dem Toten für alles, was er feiner Familie, dem deutschen Volk und darüber hinaus der Welt ge­geben und geschenkt hat. Dann sprach er den Segen.

Aus .bem dunklen Park tönt mehrstimmig durch das Fenster zu Häupten des Sarges fast wie unter- irdische Stimmen herein der PsalmSei getreu bis in den Tod!" Der Freystadter Gemischte Ehor, der schon oft vor dem Lebenden fang, bringt ihm das letzte Lied. Feldbischof Dohrmann spricht das Gebet, dann Helle jugendliche Stimmen: Die Neu- beeter Schulkinder: ,Zaß mich gehen, laß mich gehen, daß ich Jesum möge sehen? Sie fingen den letzten Choral. Weither aus dem dunklen Park

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Die Aufbahrung des geschlossenen Sarges im Arbeitszimmer von Neudeck.

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Der Abschied der Familie in Aendeck.