184. Jahrgang
Gietzener Anzeiger
OerAbschied vom Vater des Vaterlandes
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Ergreifende Trauersitzung des Reichstags
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Der Wrer und Reichskanzler Adolf Hitler
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auswärtigen Mächte, die Verwandten des Generalfeldmarschalls und die übrigen geladenen Gäste, so- wie die Mitglieder des Reichstages. Das ganze Haus erhob sich von den Plätzen. Der Präsident stellte fest, daß sich der Deutsche Reichstag zum Zeichen des Andenkens und der Trauer von den Plätzen erhoben habe.
Die Trauerfeier wurde dann eingeleitet durch die Coriolan - Ouvertüre von Beethoven, die das Staatsorchester unter Leitung von Professor Heger zum Vortrag brachte. Nachdem die Musik verklungen war, erteilte Präsident Göring dem Führer und Reichskanzler das Wort.
Reichskanzler Adolf Hitler betritt die Tribüne und wendet sich zunächst an den trauernden Sohn des verstorbenen Reichspräsidenten. Dieser erhebt sich und dankt dem Führer mit dem deutschen Gruß.
rechtigkeit zu entsprechen, mit der Erforschung die- ser Erscheinung beginnen, ermessen wir erst den Umfang und den Inhalt eines Menschenlebens, das in solcher Größe in Jahrhunderten nur selten wiederkehrt.
Wie hat sich das Gesicht dieser Welt verwandelt seit jenem 2. Oktober 1847, da Paul o. Hindenburg geboren wurde?
Inmitten einer Revolution nahm dieses Leben seinen Anfang. Der Geist des politischen Jakobinis- muß ließ Europa damals nicht zur Ruhe kommen. Die Ideen einer neuen, vermeintlichen Menschlichkeit rangen gegen die Elemente und Formen einer überalterten Ordnung. Als das Jahr 1848 sein Ende nahm, schienen wohl die hellen Flammen erstickt, allein die innere Gärung war geblieben.
Die Welt kannte damals noch kein Deutsches Reich, kein Italien. In Preußen regierte Friedrich Wilhelm IV. Das Erzhaus Habsburg beherrschte nicht nur den Deutschen Bund, sondern auch Venetien und die Lombardei. Die Balkanstaaten aber waren tributäre Provinzen des Türkischen Reiches.
Preußen selbst, genau so wie die anderen Staaten des Deutschen Bundes, ist innerlich zu schwach und unfähig, die Menschen mit einer wirklich tragenden Idee zu erfüllen. Die Schande von Olmütz brennt in den Herzen der wenigen Patrioten.
Prinz Wilhelm wird König von Preußen. Der Knabe Hindenburg aber erlebt nun das große Triumvierat der politischen und militärischen Reorganisation unseres Volkes. Vismarck. Woltke und Roon treten ein in die Geschichtet Während die amerikanische Union siegreich den Bürgerkrieg überwindet, geht Preußens Weg von den Düppeler Schanzen nach Königgrätz. In diesen Regimentern aber marschiert mit ein blutjunger Sekondeleutnant, tapfer und begeistert: PaulvonHindenburg. Ein Schrap- nell zerschlägt seinen Helm und gibt dem jungen Kämpfer für des Reiches Einigung damit dis
hielt dann folgende Rede:
Herr und Frau von Hindenburg! Verehrte Trauergemeinschaft!
Abgeordnete, Männer des Deutschen Reichstages!
Seit Monaten litten wir unter einer schweren Sorge. Die Nachricht von der Erkrankung des hochehrwürdigen Alten Herrn erfüllte Millionen deutsche Herzen mit innerer Bangigkeit um das Leben eines Greises, der uns mehr war als nur das Staatsoberhaupt.
Denn dieser Mann, den seit nunmehr bald 87 Jahren der Allmächtige in seinen Schuh genommen hatte, war für uns alle zum symbolischen Ausdruck der unzerstörbaren, sich stets erneuernden Lebenskraft unseres Volkes geworden.
Der schicksalhafte Wille der Vorsehung hatte ihn sichtbar emporgehoben über das Maß des Alltäglichen. Als die Nation,ihre höchste Würde in seine Hände legte, wurde diese Stelle erst zur h ö ch - st e n Würde gebracht. Unzertrennlich ist uns allen der deutsche Reichspräsident verbunden mit dem ehrwürdigen Namen des nunmehr Dahingeschiedenen.
Jetzt, da wir uns anschicken, dem teuren Toten die letzten Ehren zu erweisen, überfällt uns erst die Erkenntnis von dem Umfang und der Größe dieses einzigartigen Lebens. Und wir beugen uns demütig vor dem unerforschlichen Willen, der mit dem scheinbar Zufälligen oder gar Belanglosen einer Lebensgestaltung dient, die der forschende Mensch erst nachträglich in der ganzen wunderbaren Notwendigkeit der Zusammenhänge sieht und erkennt.
Reichspräsident Generalfeldmarschall von Hindenburg ist tot. Wenn wir uns bemühen, die Empfindungen zu erklären, die das ganze Volk im Innersten bewegt, möchten wir auf deutsche Art m immerneuerDankbarkeituns des großen Dahinqeschiedenen erinnern. Indem wir aber, befangen von dem Wunsche, der geschichtlichen Ge-
Kabinett am Regierungstisch Platz zu nehmen. Der Reichskanzler trug ebenfalls die braune Uniform. Neben ihm nahmen der bisherige Vizekanzler von Papen Platz. Daran schloffen sich Reichsaußenminister v. N e u r a t h , der Stellvertreter des Führers, Minister Heß» und die übrigen Kabinettsmitglieder. An den weiteren Regierungstischen hatten die Minister der deutschen Länder und die Staatssekretäre des Reiches und der Länder Platz genommen.
Vor den Abgeordnetenplätzen waren drei Stühle aufgestellt, die von Oberst von Hindenburg und Gattin und Staatssekretär Dr. Meißner, eingenommen wurden.
Der Beginn der Sitzung.
Reichstagspräsident Göring eröffnet die Trauersitzung und begrüßte insbesondere die Vertreter der
2 oten. Sie Worte Adolf Hitlers waren em tz chwur, ein Glaubensbekenntnis. Der bsnburgs wird über uns wachen, der Geist des tz-eneralfeldmarschalls und Reichspräsidenten wird l den, wenn wir alle schon gestorben sein werden. 1 nd der Führer, Adolf Hitler, wird darüber wachen, tnß das Erbe nicht nutzlos vertan wird.
Nicht Trauer allein blieb in unseren Herzen: nein, der Stolz, daß der Tote uns erhalten bleibt, r-enngleich er gestorben ist, leuchtete aus aller L ugen. Es war eine Feier, die nicht niederdruckte, Hndern die erhob, aufwärts zu den Sternen und n die Unendlichkeit. Weitweg über allem Irdischen ochte in den stillen Minuten des Gedenkens das ^uge Adolf Hitlers die Seele des Dahingegangenen Er der Lebende, hielt während der Trauer- nufiT Zwiesprache mit ihm dem Totem Beide werden einst zusammen -mg-h-n in die Geschichte als ke Retter unseres geliebten deutschen Vaterlandes.
Das Bild der Straße.
B e r l i n , 6. August. (DNB.) Vom Krollgebäude, vo heute mittag die erste der großen offiziellen 2 rauerveranstaltungen für den verstorbenen Reichspräsidenten, die Trauersitzung d e s D e u t- scheu Reichstags stattfindet, wehen die Fahren halbmast. Die Zugangsstraßen sind schon seit t?n frühen Vormittagsstunden von SS. flankiert. 5*ie Außenfront des Krollgebaudes hat würdigen ^.rauerschmuck angelegt. Bis zur ersten Etage ist
die ganze Front mit frischem Tannengrun ver- ! kleidet, nach oben von einer Kette weißer Bluten, einer Hortensienart, sogenannter Hydrangen, ab- . geschlossen. Von den Balkonen hängen lange chwarze Schleifen, und zu jeder Seite des Haupt- i portals sind auf je sieben hohen Masten große um- lorte Banner in den Reichsfarben aufgestellt. Das i Portal ist vollständig mit schwarzem Trauerflor abgefaßt. Die Türen sind von Lorbeerbäumen, ' Efeuranken und Hortensienbüschen flankiert.
Das Innere des Krollgebäudes ist in mystisches Halbdunkel getaucht, da sämtliche Lampen und Spiegel mit Trauerflor verhängt sind. Alle Pfeiler sind mit Tannengrün verkleidet. In der Eingangshalle, wo sich die Garderoben befinden, ist m Der Mitte der riesige, fast drei Meter hohe Kranz des Diplomatischen Korps mit einer schwarzen Schleife aufgestellt, je zur Hälfte aus roten Rosen und weißen Lilien bestehend.
Einzigartig ist auch die Ausstattung des großen Sitzungssaales. Die Stirnseite des Saales die Wand'hinter dem Präsidium, an der sonst das gewaltige Hakenkreuz, flankiert von schwarzweißroten Fahnen leuchtet, ist in voller Hohe mlt schwarzem Flor verkleidet, ebenso alle Tribunen, die a ß - dem mit Lorbeerranken eingefaßt sind. Alles L ch ist schwarz verhängt. Der rote Fußbodenbelagist mit schwarzem Plüsch überdeckt worden. Zubeiden Seiten der Bühne senken von^.den Tribunen Trauerweiden ihre Zweige herab. Dle groß Psi empöre mit den Regierungstl chen lst m ein B Blütenmeer von seltene Lilien H°r nsieri n
Astern getaucht. Inmitten dieser schneeweißen Pracht erhebt sich, von Lorbeer umgeben, eine weiße Bupe des verstorbenen Reichspräsidenten. „
Oie Anfahrt der Trauergaste.
Zu der Trauersitzung des Reichstages kannte nur für geladene Gäste Zutritt erfolg . aUer Reichstagsabgeordneten waren »nfchaft der
Stände und Organisationen, der B
Reichswehr, der Arbeitsfront, d begann
eingelaben w°fden Dw Ansahtt d 0.^
bereits gegen 11 Uhr Dem g
hatte eine Ehrenkompanie der Feld'jäqerei, Abordnungen der Landespoliz , -Sturm
der Flieger, des Arbeitsd.enstes und em
Ausstellung genommen. Auf dem »° 8^ trotz des beginnenden Reg nsXra»eraft beizu- w7h^en^de7Ärch Lautsprecher auf den Platz übertragen wurde. , .
Oer Reichskanzler erscheint.
„ .... nhr „ar der Saal bereits dicht besetzt.
Um 1145. J” fan ausschließlich m ihren Die Abgeordneten Parteiuniformen erschienen, braunen und schwarzen s! |d)maw Anzug wahrend auf benDfr1,omatCnloge hatte das Dipla- ube.r®°fl’ Sorcs unter Führung des Apostolischen NuntLs Ö?,enig° vollzählig, zum Tell nut
EF» Reichskanzler Adolf
Vunft 12 ^er Traueroersammlung stehend nut krhobener Hand begrüßt, tm Saale, um mit dem
Der Führer — links oberhalb der mit Lilien umkränzten Büste des Heimgegangenen Reichspräsidenten stehend — bei seiner Trauerrede.
Hindenburgs Vermächtnis.
(Eindrücke unseres H. W.-Miiarbeiiers von der Trauerfeier des Reichstages.
Das Erleben dieser kurzen Stunde läßt sich mit Dorten nicht beschreiben. Schon die Anfahrt über die regennaßen Straßen, mitten hindurch zwischen bin Mauern der hoch aufgerichteten SS.-Männer, Darbei an den Hunderttausenden schweigender Volksgenossen, die den Weg zum Reichstag umsäumten, vor ein unauslöschliches Erlebnis. Vor einigen ' Wochen erst die Auffahrt zu der denkwürdigen Sitzung des 13. Juni, heute die Trauerverfamm- Ung für den greifen Feldmarschall, der damals ich dem Führer den Rückhalt, die stolze Gewiß- it strengster Pflichterfüllung gegeben hatte.
Es ist noch nicht so lange her, als Generalfeld- parschall von Hindenburg selbst Zeuge war n Totenfeier, in der man im Gedenken an die Millionen gefallener Kämpfer des Weltkrieges an eefer Stätte, in der Krolloper, gegenüber der iegesfäule und im Angesicht des Reichstages, ver- -Mmelt war. Viele von uns ahnten damals be- nts, daß es mit dem greifen Staatsoberhaupt k rperlich nicht zum besten bestellt war. Wir wuß- tin davon, daß es bergab gehe mit feiner eisernen l?>esundheit. Und gerade darum war uns damals de Tragik des Augenblickes bewußt, als das weiße fciupt des ehrwürdigen Mannes sich senkte vor der Wgewalt des Todes.
Nun war der gleiche Reichstag, der die Erhebung d's Volkes in der nationalsozialistischen Revolution s o sehen hat, Zeuge einer Trauerfeier, wie sie ernster mb würdiger nicht zu denken ist. Umflort die leuch- tnben Farben des alten und des neuen Reiches; umflort die strahlenden Leuchter und Kandelaber; mit dunklem Grün die Emporen und Balustraden; Und vor uns, inmitten der schweigenden Menge der Abgeordneten, der Gäste und Vertreter aller Döl- k' der Erde, gerade vor den Plätzen des Obersten C3n Hindenburg und seiner Gattin, sowie Des kkaatssekretärs Meißner die Büste des Verewigten at5 weißleuchtendem Marmor.
Es war ein erschütterndes Erleben, als Reichs- kcmzler Adolf Hitler dem großen Toten zum Gedächtnis sprach. Niemals sah man den Führer sc innerlich ergriffen und aufgewühlt, wie in diesen Minuten, als die ganze Welt den Atem anhielt, um $CUge zu sein der Trauer des deutschen Volkes, es war die Erschütterung eines tiefempfindenden brutschen Mannes, der sich uns offenbarte; eines Menschen, der zu Menschen sprach; eines Propheten, br den Geist des großen Verstorbenen beschwor, um durch ihn an alle Nationen der Welt die ernste, eindringliche Mahnung zu richten, daß Frieden sein Höge, Frieden um der Völker, um der Lebenden Villen. Gerade diese Sprache des Friedens im Gedanken an den toten Soldaten wird ihren tiefen (üindruck nicht verfehlen. Wir alle wissen es, wie , Ist natisch Reichspräsident von Hindenburg bei aller abgeklärten Milde den Frieden liebte, wie uner- Mütterlich sein Bekenntnis war, wenn es galt, die Kiriegsschuldlüge zurückzuweisen, wie er immer und v jeder betonte, daß nur die Einigkeit des Volkes es befähigen würde zu großen Taten.
Diesem politischen Testament des Staatsober- puptes diente die Trauerrede des Führers. Sie f ßen in ihren Logen, die Diplomaten der Natio- ren. Der riesige Kranz des „Corps diplomatique log zu Füßen der Marmorbüste. Die Pressevertreter d-r ganzen Welt waren versammelt, um ihren Ein- kutf zu verzeichnen. Er kann und wird nur so ge- v-eien sein, daß sie erkennen mußten: hier, in uuemorian eines Helden, wie ihn die Jahrhunderte hum jemals hervorbringen, sprach ein Staats- ruoiHi, den ein gütiges Geschick uns als würdigsten Nachfolger des großen Feldmarschalls schenkte, hrach aber auch ein Mann, der tief durchdrungen var von Der alles überschattenden Bedeutung Des
82 Erstes Blatt 184. Jahrgang Dienstag, 7. August 1934
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