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Bullmann als Vertreter -er Polizeidirektion Gießen und Vertretern des Unteroffizierkorps unse­rer Garnison.

Noch einem flotten Marsch der Stahlhelmkapelle hielt der Ortsgruppenführer der Ortsgruppe Gie­ßen Kamerad Loppe eine Ansprache. Er wies dabei auf das große Fronterlebnis unserer Feld­grauen der alten ruhmreichen Armee, auf das selbst­lose und hingebungsvolle Einsetzen des echten deut­schen Soldaten zum Schutz der Heimat und des deutschen Volkes hin und stellte dem gegenüber die ganze Jämmerlichkeit, die sich den feldgrauen Krie­gern nach dem furchtbaren Zusammenbruch im No­vember 1918 bei der Rückkehr in die Heimat darbot. Nachdrücklich betonte der Redner, daß der Frontsol­dat, der die deutsche Ehre und die deutsche Fahne bis zum bitteren Ende hochgehalten hatte, gar nicht anders konnte, als den Kampf gegen das volksfeind­liche und fremdrassige Gesindel aufzunehmen, das sich daheim im Rücken der deutschen Heere breit gemacht hatte, groß geworden war und nach dem Dolchstoß in den Rücken der deutschen Front glaubte, seine Zeit sei nun gekommen. Der Frontsoldat habe draußen nicht gefragt, ob der Nebenmann auf dem Marsche, im Graben, im Unterstand und bei den Kämpfen Handwerker oder Jurist, Kaufmann oder Bauernknecht, Protestant oder Katholik, Mecklen­burger oder Badener gewesen sei, für ihn sei nur eins maßgebend gewesen, ob der Mann im feld­grauen Rock ein guter Soldat, ein rechter Kämpfer und ein ganzer und anständiger Kerl war. Der Red­ner betonte dann eindrucksvoll die schöne Front­kameradschaft draußen vor dem Feind, die auch das letzte Stück Brot, den letzten Trunk oder die letzte Zigarette mit den Kameraden teilen ließ, und er­klärte unter dem starken Beifall der Versammlung, daß an der Front im wahrsten Sinn des Wortes sozial gehandelt wurde und unter dem Stahlhelm in der vordersten Linie der Nationalsozialismus des alten Preußentums wiedererstanden sei. Dieser Front­geist und diese gute Kameradschaft habe Deutsch­land vor der Vernichtung gerettet. Sodann wies der Redner auf die Entstehung des Stahlhelm durch den Sammelruf Franz S e l d t e s, auf die Kämpfe des Stahlhelms gegen das frühere schwarz-rote Sy­stem und auf die Zielsetzung dieses Bundes der alten Frontsoldaten hin. Er bezeichnete das Programm des Stahlhelm, das heute noch gelte, als National­sozialismus reinster Prägung und stellte sodann den Kernpunkt der Stahlhelm-Organisation in ihrer Arbeit heraus: das Frontsoldatentum in seiner zukunftweisenden Einsatz - und Dienstbereitschaft für das deutsche Volk. Er knüpfte daran ein rückhaltloses Treuebe­kenntnis zum Führer und Volkskanzler Adolf Hitler, denn der Frontsoldat Adolf Hitler verkör­pere durch seine Leistungen und seinen Charakter als Führer des deutschen Volkes das Deutsch­land, für das der Stahlhelm immer eingetreten sei. Deshalb habe sich der Stahlhelm auch vorbehaltlos dem Befehl Adolf Hitlers unterstellt. Sodann erin­nerte der Redner an den in Hannover gefchlofe- nen Treuebund zwischen Adolf Hitler und Franz Seldte, durch den neben SA. und SS. auch dem Stahlhelm seine Aufgabe im neuen Reich als voll­wertiges und vollberechtigtes Glied in der großen nationalsozialistischen Front, entsprechend seiner Her­kunft und Zielsetzung, zugewiesen worden sei. Nach­drücklich betonte er, die alten Soldaten des Welt­krieges sollten und wollten, sie würden aber auch allezeit den deutschen Volksgenossen das echte deutsche Soldatentum vorleben, jenes gute Soldatentum, durch das Preußen-Deutschland groß geworden sei und durch das der Aufbau des neuen Reiches seiner Vollendung entgegengeführt werde. Das Leben und Wirken nach diesen alten Soldatentugenden im Geiste Friedrichs des Großen und Yorcks, die ritterliche und makellose Lebens- führung von Führer und Gefolgsmann müßten immer die Grundlage bleiben, die im besten Sinne konservativ, aber nie reaktionär sei. Die im NSDFB., dem früheren Stahlhelm, vereinigten Frontsoldaten würden, wie bisher, allen Volksge­nossen mit dem guten Beispiel der alten Soldaten im freiwilligen Gehorsam und Sich- beugen unter den Willen des Führers Beispiel und Vorbild sein. Als Richtschnur hierfür wies der Redner u. a. auf das Wort Adolf H i t - lers hin:Wer fein Volk liebt, beweist es einzig

durch die Opfer, die er für dieses Volk zu bringen bereit ist." Der Wert des Opfers bestehe darin, daß es schwer sei. Die alten Soldaten seien bereit, mit ihrem ganzen Denken und Tun, mit ihrem Le­ben sich immer einzusetzen und zu opfern für Deutschland. (Starker Beifall.)

Ein weiterer Marsch leitete dann über zu der mit allgemeiner starker Aufmerksamkeit verfolgten

Ehrung der alten Kameraden und Freikorpskämpfer.

Kreisverbandsführer Dr. Dehner, der diese Ehrung vornahm, schickte ihr eine Ansprache vor­aus, in der er u. a. das vorbehaltlose Bekenntnis und Sichverpflichtetfühlen der alten Frontkämpfer zum deutschen Vaterlande betonte, dann einen Rück­blick auf die Jahre des Weimarer Systems mit der damaligen Gesinnungslosigkeit und Charakterlosig­keit in weiten Kreisen des deutschen Volkes gab und demgegenüber den Geist des deutschen Front­soldatentums als wertvollstes Fundament des deut­schen Aufbaues schilderte. Anschließend verlas der Redner eine Liste von rund 200 alten Kämpfern des Stahlhelm und von Freikorpskämpfern, die in den schweren Jahren der Nachkriegszeit in selbst­loser Hingabe dem Vaterlands ihre Kraft widmeten und den Aufstieg des neuen, besseren Deutschland tatkräftig mit vorbereiten halfen. Die alten Kämp­fer ließ der Redner dann aus der Bühne aufmar­schieren, wo er herzliche Worte des Dankes und der Anerkennung an sie richtete, ernst mahnend und

Ermahnend aber auch zu der Versammlung sprach, der er das gute alte deutsche Soldatentum als leuch­tendes Vorbild eindringlich zum Nacheifern empfahl. Die Versammlung ehrte die alten Kämpfer mit dreimaligem Front-Heil. Anschließend wurde das Stahlhelm-Bundeslied gesungen.

Das Schlußwort

sprach sodann Kamerad P l a t h o , der als Leit­gedanke des NSDFB. verkündete:Nichts für uns, alles für Deutschland", und zur Bekräftigung dieses Gelöbnisses auf den dritten Vers des Deutschland-Liedes hinwies, dem die alten Sol­daten als Parole weiterhin treu bleiben würden. Anschließend sang die Versammlung gemeinsam den ersten Vers des Deutschland-Liedes und des Horst Wessel-Liedes.

Da der Redner nun vom Rednerstand zurücktrat und die Versammlung offensichtlich dadurch den Schluß der Kundgebung für gekommen hielt, be­gab sich Kreispropagandaleiter Schmelz von der Kreisleitung der NSDAP, zum Rednerstand auf der Bühne und brachte auf den Führer des deutschen Volkes Adolf Hitler dreimalige, mit großer Begeisterung aufgenommene Sieg-Heil- Rufe aus.

Sodann folgte der feierliche Ausmarsch der Fahnengruppen als Abschluß der Veranstaltung.

Gestern abend fand in der Volkshalle als Aus­klang des Tages kameradschaftliches Beisammen­sein statt.

sie stets unverkürzt gebraucht werben können. Ab. gekürzte Namen oder Zeichen sind nur ein künst. licher Notbehelf und vor allem dann eine Ge­fahr für das Leben einer Sprache, wenn sie als wirkliche Wörter behandelt und in den täglichen Sprachgebrauch übergeführt werden. Sie sollten daher nur angewandt werden, wenn die Amtsstelle mit einem knappen, natürlich gebildeten Namen nicht hinreichend genau bezeichnet werden kann und der längere Name für den Sprachgebrauch unge- eignet ist.

Bei der Wahl und beim Gebrauch der verkürzten Namen werden folgende Gesichtspunkte besonders sorgfältig zu beachten sein:

1. In vielen Fällen wird der volle Name in der Weise verkürzt werden können, daß ein oder mehrere seiner Bestandteile in ihrer natürlichen Sprachform als Kurzname verwendet werden. Solche Kurznamen fetzen sich in der Regel schnell als genau und unverwechselbare Bezeichnung der Stelle durch (Beispiel: Austauschdienst = Deutscher Akademischer Austauschdienst).

2. Nur wenn der Weg zu 1 nicht gangbar und eine Abkürzung nicht zu umgehen ist, können die Anfangsbuchstaben des zu langen Namens zu einem Buchstabenzeichen vereinigt werden. Solche Buch­stobenzeichen dürfen aber nicht als wirkliche Wörter behandelt werden. Die einzelnen Buchstaben sollten daher nicht zu einem Wort zusammengezogen, son­dern stets sämtlich großgeschrieben oder durch Punkte voneinander getrennt werden.

3. Die Schaffung von Abkürzungswörtern ist zu verbieten.

4. Kurznamen und Buchstabenzeichen sollten mög­lichst nur im inneren Dienstbetrieb gebraucht, in der Oefsentlichkeit jedenfalls nur dann beendet werden, wenn hierfür ein dringendes Bedürfnis besteht und wenn die Stelle durch den abgekürzten Namen un­mißverständlich bezeichnet ist.

Die Gesichtspunkte für die Wahl und den Ge­brauch von verkürzten Namen für Amtsstellen gelten auch für alle sonstigen Fälle, in denen Sachen oder Einrichtungen verkürzt bezeichnet werden.

Wir empfehlen, die vorstehenden Grundsätze ein­heitlich anzuwenden und alle Stellen ihres Amts- bereiches anzuweisen, nach ihnen zu verfahren.

Ringshausen.

Oie Gewährung von Schulfreistellen.

Das Kreisschulamt Gießen gibt in einer Derfü- gung an die Schulvorstände der Landgemeinden des Kreises Gießen folgendes bekannt:

Das Hessische Staatsministerium, Ministerialabtei- lung für Bildungswesen, Kultus, Kunst und Volks­tum hat angeordnet, daß mit Wirkung vom neuen Schuljahr an Freistellen nur an solche Schüler und Schülerinnen verliehen werden dürfen, die sich außer­halb der Schule in solchen Organisationen betätigen, die die besondere Förderung des Staates genießen. Ausnahmen können nur bei Vorliegen besonderer Umstände, insbesondere bei solchen Schülern und Schülerinnen zugelassen werden, die durch amtsärzt- llches Zeugnis nachweisen, daß sie zu dieser Betäti- einfolge körperlicher Gebrechen nicht in der sind.

Ortsgruppe Gießen-Mitte.

Aml für Volkswohlfahrt.

Lindert die Not der wirklich bedürftigen Volks­genossen! Gebt reichlich bei der morgigen Lebensmittelsammlung der Ortsgruppe Mitte. Die Spenden werden ab 9 Uhr durch Frauen der NS.-Frauenschaft abgeholt.

Wahl, stellv. Ortsgruppenamtsleiter.

Bornotizen.

Tageskalender für Montag: NS.- GemeinschaftKraft durch Freude": 20 Uhr, Stadt- theater,Schneider Wibbel". Ortsgruppe Gießen- Sud und Gießen-Nord: 20.30 Uhr, Cafe Leib Schulungsabend: Redner: stellv. Kreisleiter Pg.' H o p f e n m ü l l e r. Ortsgruppe Gießen-Ost: 20.30 Uhr, Liebigshöhe, Schulungsabend: Redner: Pg. Hummel. Ortsgruppe Gießen-Mitte: Zelle 1 bis 3,Neue Welt", Zelle 4 bis 6:Bürgerhof", 20.30 Uhr, Zellen-Verfammlungen. Lichtspiel­haus, Bahnhofstraße:Kopfüber ins Glück". Männer- und Frauenvereinigung der Matthäus-

Aus der Provinzialhauptstadt.

Ein Haus wird abgeriffen...

Zerstören geht bedeutend rascher als Aufbauen. Das ist eine Regel mit allgemeiner Gültigkeit, und nirgendwo findet sie sich so überzeugend bestätigt wie beim Abbruch eines Hauses. Ganz in meiner Nähe spielt sich nämlich solch ein Vorgang ab. Und wenn ich auch nicht beim Ausbau der betreffenden Wohnlichkeiten dabei war, so weiß ich doch aus an­deren Erfahrungen, daß dieselbe Zeitspanne, die zum Errichten einer anständigen Wand nötig ist, genügt, um ein ganzes Dutzend Wände, Fußböden, Decken und Gänge dem Erdboden gleichzumachen. Womit bei Leibe nichts gegen das Tempo eine Wand aufrichtender Maurer gesagt sein soll.

Gewiß muß alles einmal sterben. Aber dieser Trost pflegt im persönlichen Anwendungsfall zu ver­sagen. Und so erklärt es sich, daß auch das häßlichste Haus, von uns vielleicht im Vorübergehen oft mit abfälligen Kritiken bedacht, im Augenblick seines Ablebens Sympathien auch in der verhärtesten Brust zu erzeugen weiß. Der Tod verschönt mit rückwirkender Kraft, und nun bereut man plötzlich alle gedachten oder gesprochenen Herabsetzungen, ja man stellt fest, daß dieses Haus schließlich in einer Art doch ganz nett gewesen sei. Irgendwie fühlt man sich an der jetzt offensichtlich vollzogenen Hin­richtung des von uns so häufig Verdammten ver­antwortlich, und in das Aechzen ausgebrochener Balken und das klagende Rumpeln niederbrechenden Gesteins sprechen wir unsere mildernden Umstände nachträglich in edler Vergeblichkeit aus.

Die Spitzhacke läßt sich nämlich durch unsere gütigen Nekrologe durchaus nicht stören. Sie beißt sich ingrimmig in die Mörtelfugen, und erbarmungs­los poltern gewaltige Brocken wie Lawinen zu Tal. Riesige Balken lösen sich aus den Fugen, und im Nu ist da, wo bisher die Vorderfront war, ein gähnendes Loch.

Auf Autoausstellungen findet man oft Quer­schnitte durch ein komplettes Automobil. Diese nette Methode, die Eingeweide bloßzulegen, ist zwar et­was rücksichtslos, aber als Demonstration sehr lehr­reich und deutlichsten Einblick gewährend. Aehnliches tut man diesem alten Hause. Ein unfreundlicher Riese scheint sich mit schartigem Taschenmesser eine Scheibe abgeschnitten zu haben. Die ganze bauliche Anlage, die Stuben und Korridore sind der geheim­nisvollen Sphäre ihrer Verborgenheit auf das Ent- schiedenste entrückt. Was die Frontmauer, die ver­hangenen Fenster bislang verhüllten, liegt nun nackt uor allen Blicken, zartfühlende Beschauer empfinden

es direkt als Indiskretion, jetzt in das bloßgelegte Innere zu schauen, wo noch die Tapeten den Ge­schmack des Besitzers verraten und sinnlos in das Chaos leuchten.

Wieviele Schicksale beherbergten wohl diese Wände, dse nun in wenigen Augenblicken sich zu Schutt verwandeln. Der Geist erlebnisreicher Jahr­zehnte, jener berühmte genius loci, scheint über den bröckelnden Trümmern greifbar zu schweben.

Ausgerissene Röhren und Kabel schlängeln sich anklaaend in die Lust. Zerbrochenes Glas, zersplit­terte Bretter. Und mitten in der traurigen Wüstenei, zwischen Schutt und Staub, liegt ein zerschmetterter Blumentopf, aus dem eine Geranienblüte unbe­kümmert und durchaus symbolisch in den Himmel lacht.

Der Staub übrigens verdient einen Sonderver­merk. Als dicke Wolke entsteigt er der Szenerie und lockt so von weither sämtliche Kinder der Umgebung. Die begleiten jeden herausgerissenen Stein mit bei­fälligem Geschrei, und an ihrem fröhlichen Optimis­mus richtet sich die mitleidig-bedauernde Betrachtung der Erwachsenen wieder auf. Das Alte fällt, doch neues Leben wird aus den Ruinen blühen ...

H. C. v. M.

Pflege der deutschen Sprache.

Die Ministerialabteilung für Blldungswesen, Kultus, Kunst und Volkstum hat an die unter­stellten Behörden folgende Verfügung gerichtet:

Wir haben erneut Veranlassung, darauf hinzu­weisen, daß alle amtlichen Aeußerungen in einer schlichten, klaren, allgemein verständlichen Sprache abgefaßt werden. Die amtlichen Stellen sollten da­her auch mit besonderem Eifer das Eindringen von Sprachsünden in die Amtssprache verhindern.

Dieser Forderung widerspricht der zunehmend beobachtete Gebrauch von Abkürzungswörtern (Bei­spiel: Grohag = Großglockner-Hochalpenstraßen- Aktien-Gesellschaft) und von Buchstabenwörtern (Beispiel: R. M. d. I. Reichsminister des Innern), besonders als Namen für Amtsstellen.

An sich wird das Bestreben verstanden, die zahl­reichen Stellen, -die beim einheitlichen Neuaufbau des Reichs neu gegründet oder umbenannt werden, fo knapp wie möglich zu bezeichnen. Die straffe Neugliederung des deutschen Lebens durch den Nationalsozialismus spricht sich auch in der Wahl kurzer Namen aus. Hierbei darf jedoch die lebendige Sprache nicht verdorben werden. Daher wird grund­sätzlich dahin zu streben sein, die Namen in der natürlichen Sprache so knapp zu wählen, daß

Das Lied an die Freude.

Zur ersten Aufführung der IX. Symphonie am T. Mai 4824.

Von Robert Braun.

Die Zeit, da Beethoven an der IX. Sym­phonie arbeitet, ist für ihn eine Zeit der Verbitte­rung. Er glaubt, vollends in Vergessenheit geraten 3U sein und ist verstimmt über den Undank seiner Landsleute. Da er den Plan aufgab, noch in Wien öie Aufführung seines größten Werkes zu erleben, wandte er sich nach Berlin an den Grafen Brühl, wo er sogleich eine zustimmende Antwort erhielt. Doch erfuhren davon seine Gönner und Freunde und beeilten sich nun, ihn von diesem Vorhaben ab- zubrmgen: sie richteten ein Huldigungsschreiben an Öen IReifterNoch ist seinen (Oesterreichs) Bewoh- nern der Sinn nicht erstorben für das, was im I Schoße 'hrer Hennat Mozart und Haydn Großes und Unsterbliches für alle Folgezeit geschaffen", heißt es da,und mit freudigem Stolze sind sie sich bewußt, daß die heilige Trias, in der jene Namen unö der Ihrige als Sinnbild des Höchsten im Gei- ftefrec^^lIoüxe.erftra^cn' stch aus der Mitte des vaterländischen Bodens erhoben hat." Sie baten den Meiste^ Wien die Ehre der Erstaufführung nicht zu

Beethoven zeigte sich befriedigt. Als ihn Schind- sind er ihn gerade mit der Erklärung beschäftigt. Er reichte sie Schindler hin, trat dann ans Fenster und blickte hinaus. Nach einer Weile fagte er: .Es ist doch recht schön! - Es freut mich!" Und als der Besucher auch seinerseits seiner Freude Ausdruck gab:Gehen wir hinaus ins Freie."

Freilich kam erst nach monatelangen und mühe vollen Verhandlungen eine Einigung zustande- er war em schwieriger, mißtrauischer Partner. Einmal schickte er sogar drei Billetts an die Veranstalter mit der lakonischen Bitte, ihn von nun an unge­schoren zu lassen:Akademie findet nicht statt" Dann wieder war es die Wahl des geeigneten Raumes, die viel Aergernis dracyte. Schließlich er­wies sich das Kärntner-Tor-Theater als am meisten allen Wünschen entsprechend.

Die denkwürdige Aufführung wurde für den 7. Mai 1824, sieben Uhr abends, angesetzt. Hen- nette Sonntag und Karoline Unger die fajonen Hexen", wie sie der Meister 'nannte, Haitzlnger und Seipelt sollten die Soli singen. Der Programmzettel versprach überdies, daßS)err Ludwig van Beethoven an Der Leitung des Ganzen Anteil nehmen werde". Die Leute rauften an der Kaffe um die letzten Karten. So

kam es, daß das Theater dicht gefüllt war mit Ausnahme der Hoflogen: die Mitglieder des kaiser­lichen Hauses, die Beethoven Durch persönliche Schreiben eingeladen hatte, weilten.nicht in Wien.

Grauhaarig, in schwarzem Frack, mit weißer Halsbinde, weißer Weste, kurzen schwarzen Bein­kleidern aus Satin, ebensolchen dunklen Strümpfen und Schnallenschuhen erscheint er an einem Diri­gentenpult. Er ergreift den Taktstock und dirigiert auch, wie es der Programmzettel verhieß, aber es geschieht nur zum Schein. Er ist ja fast taub und es wäre unmöglich, ihn diese Vielzahl von Instrumenten und Stimmen leiten zu lassen. Die Musiker haben auch den geheimen Auftrag, nur auf den Kapellmeister Umlauf zu achten. Beethoven unterzieht sich aber mit flammendem Elfer seiner Aufgabe. Erfuhr wie ein Wahn- smmger hin und her", lautet ein zeitgenössischer Bericht.Bald streckte er sich hoch empor, bald kauerte er bis zur Erde, er schlug mit Händen und DÜßen herum, als wollte er allein die sämtlichen Instrumente spielen, den ganzen Chor fingen." Da­bei blickt niemand von den Ausführenden auf ihn. Wie ein Gespenst steht er da, wie der allen sicht­bare Geist seiner selbst, und beschwört das Spiel.

Die Begeisterung des Publikums war an diesem Dag gewaltig. Wiederholt wurden die Sätze unter­brochen. (Ich habe nie im Leben einen so wüten­den und doch herzlichen Applaus gehört als heute ... Das ganze Volk ist zerdrückt, zertrümmert über die Große Ihrer Werke!" schreibt später Schindler dem Meister in das Conversationsheft.) Doch er ^wst bleibt einzig mit seiner Arbeit beschäftigt, er hort kein Klatschen und Rufen. Als er nach dem Scherzo ohne Ahnung des brausenden Beifalls b'nter seinem Rücken in der Partitur blättert, zieht wn Die Sängerin Unger am Aermel und dreht ihn dem Publikum zu. Da erst gewahrt er das begeistert applaudierende Haus: die stürmischste j)uiüigung, Die sich jemals hier ereignete, bleibt für üjn em fast lautloses Gebärdenspiel. Er verbeugt sich mehrere Male sehr linkisch.

bixfc- Unbaren Erfolges vermag keine E,Sube '".'hm aufzukommen. Ja, die schwerste nii PnmAUnh9, ?rl<\ e,9ent[id) durch ein Mißverständ- nerÄ folgte.erst. Als ihm Hüttenbren- ?aDD0?t ^hprhr^ffubrun9 ben vorläufigen Kassen- h?PPf? 6 $-te Z" e5 waren vierzig Taler, imh ^ekhoven die Summe für das gesamte Geld Ä b°Lber s" erbittert, daß er äugend f,eL Die Freunde rafften ihn auf nüfü mphrensnbnt baS Sofa, doch erwachte er m^t mehr,^g fpaf jn die Nacht hinein verweilten ww an ferner Seite: kein Verlangen nach Speise oder anderes, kein lautes Wort war mehr hörbar.

Endlich, nachdem wir merkten, daß Morpheus ihm sanft die Augen zugedrückt, haben wir uns ent­fernt. Schlafend, noch in der Konzerttoilette, fanden ihn am anderen Morgen auf derselben Stelle seine Dienstleute."

Das hohe Lied von der Freude, das, solange -5 auf dieser Erde Musik gibt, die Herzen der Menschen zum Edelsten erheben wird, endete, als es zum erstenmal gespielt wurde, mit einem Ver- zweiflungsanfall seines Schöpfers.

Blick auf Straßburg.

Zwischen Straßburg und Kehl strebt der Rhein m behenden Sprüngen durch die Ebene. In seinen Wasiern ist noch die herbe Kühle von Bergbach und Schnee und Eis. Vor allem jetzt im Frühling, wäh- renp an den Ufern schon die blühende Pracht des Frühlings aufsteht und in anmutiger Gebärde über Die satten Wiesen schreitet, die das Land um die neme badische Amtsstadt Kehl in einen fruchtbaren Garten verwandelt haben. Die hochragenden Pap- peln, das Wahrzeichen der Oberrheinischen Tief­ebene, tragen das zarte Grün, das noch die schöne Aederung den aufwärtsstrebenden Zweige durck- schimmern läßt. J

Wunderbare Erde zwischen Schwarzwald und Vogesen. Der Blick verliert sich in den Abendstun- pen am westlichen Himmel, gleitet nieder zu den blauen Limen der Berge und bleibt an einem r.^len Schatten haften, der spitz in den Himmel fteigt.Rucffefyr aus Traum und Ferne: da drüben das ift das Straßburger Münster, und nach weni- gen Metern beginnt die Grenze. Hoch oben kreisen ^wei Flieger, die kühne Bogen auf den dämmern­den Himmel schreiben.

gedeckten Tischen und blinzeln behaglich in die Sonne.

Mit einem Male steht der ziellos Schlendernde vor der gewaltigen Fassade des Münsters, des gotischen Wunders unter den Kirchen des deutschen Mittelalters. Dieses Meisterwerk, an dem künstle­rische Inbrunst und handwerkliches Können durch Jahrhunderte gearbeitet haben, ist auch heute noch Mittelpunkt der Stadt, so sehr sich das Antlitz der Umgebung auch gewandelt hat. Es scheint eine ge­heime Anziehungskraft auszuftrahlen, denn immer wieder gerat der Fremde auf feinen Entdeckungs­fahrten durch Straßburg auf den Donl-Platz und hebt den Blick auf zu dem machtvollen Bau. An den reich geschmückten Portalen sind Gestalten der biblischen Geschichte und Zeichen der christlichen Lehre, Christus, die Propheten, die Kardinal- tagenden und die sieben Barmherzigkeiten, das jüngste Gericht, die törichten Jungfrauen und die klugen Jungfrauen zu edlem Stein geworden und haben die Zeit überdauert.

Es gibt wohl keinen Raum, in dem fo feierliche Stille ist wie im Innern des Straßburger Münsters. Die Weite kennt keine Grenzen und halt doch allen Lärm und alle Unruhe der Welt von diesem Ort fern, in dem die Gewalt der deutschen Mystik, demutvolles Versunkensein und Himmelsflug, ewige Sprache gewinnt. Durch das große Rundfenster gegenüber dem Hauptaltar, dessen Farben wie schwerer dunkler Samt sind, wagt das Tageslicht nur gedampft und leise einzufalken. Der Besucher ist eingehullt von der Weihe des Raumes und sieht ganz in der Ferne Gestalten, unbeweglich knieende, lautlos huschende, die von einer Seite kommen, bann einige Augenblick in frommer Haltung ver­harren und auf der anderen Seite in das Dunkel zuruckgleiten.

. Der Besucher betritt di- Stabt, über di- das deutsche Volkslied fo viel Wehmut ausgebreitet hat mit seltsam-zwiespältigem Gefühl. Fremde Hoheits­zeichen und Uniformen, dann französische Inschriften neben deutschen. Em Gemisch, das verwirrt bis die drollig-zierlichen Klänge der elsäßischen Mund- art an das Ohr klingen und die Straßen und Gäßchen mit ihren Giebeldächern und versonnenen Winkeln heimatliche Erinnerungen wecken an alte Reichsstädte im Schwäbischen und Fränkischen, am Neckar und am Rhein. Am Kleberplatz, den der siegreiche General der französischen Revolutions- Heere mit stolzer Geste beherrscht, entfaltet sich in den Verkaufsständen die erste Blumenpracht des Frühlings. Die Menschen fluten sorglos durchein- m?xrr;-xDrI den Kaffeehäusern, die dem bewegten Bild südlichere Farben verleihen, sitzen sie an bunt-

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Beim Besteigen des Turms muß sich das Auge erst wieder an die Tageshelle gewöhnen. Von der Plattform genießt der Betrachter nicht nur einen Der berühmtesten, sondern auch einen der schönsten Rundblicke, und Goethes Worte über das fünfter und seine weite Sicht gewinnen neues Leben. Tief unten liegen die Wellen schwarz-rot- brauner Dächer, die sich um den Dom zusammen- drangen, em Zeichen für die schutzspendende Kraft »er mittelalterlichen Kirche. Jn der Ferne breiten uh die Rheinebene, der Schwarzwald und die Vogesen, der Kaiserstuhl und der Jura aus. Im matteren Glanz des späten Nachmittags schließen sich die schmalen Ketten des Schwarzwaldes und der Vogesen zu einem bläulich schimmernden Ring zusammen.

Und das Münster ragt hoch empor. doe.