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Nr. M Drittes Blatt

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhefsen)

Samstag, 5. Mi 1934

Aus der Provinzialhauptstadt.

Singende Soldaten.

Frühmorgens, kaum daß der Tag erwacht, wer­den die Soldaten aus dem Schlafe geweckt. Wenn so mancher Zivilist sich noch einmal gähnend im weichen Pfühle herumdreht, dann heißt es schon in den Mannschaftsstuben: Aufstehen! Und bald darauf stehen die Mannschaften auf dem Kasernen­hof, um sich für den höchsten Dienst, den Dienst am Vaterland von neuem oorzubereiten. Vielleicht sind Beine und Muskeln von den Anstrengungen des vorangegangenen Tages, vom Exerzieren, vom Marschieren und vom Felddienst noch müde. Da und dort mag noch manch einer ein Gähnen unter­drücken. Ein Treten von einem Bein aufs andere, vielleicht gar ein leichter Anpfiff des vorgesetzten Kameraden, vertreibt die letzte Müdigkeit. Ein Wunder, wenn es bei dem taufrischen Morgen­wind anders wäre.

Das Kasernentor öffnet sich. Die Mannschaften marschieren in geschlossener Formation daher. Leich­ten Schrittes ziehen sie dahin. Das ist nicht mehr der vierschrötige Bauernbursche von einst, dem noch die lehmige Erde an den Stiefeln klebt, das ist auch nicht mehr der bebrillte Stubenhocker der letzten Jahrzehnte des vorigen Jahrhunderts, in denen die leidige Ueberbürdungsfrage der höheren Schul­jugend ein höchst unliebsames Kapitel war und Grammatik und Syntax die Hauptsache, nein, das ist heute frische, sportgewohnte Jugend, ihr Schritt und Tritt ist Gleichklang und ihre Sehnen und Muskeln gleichen geschnellten Pfeilen.

Schon singt die Jugend. Sie hat das Recht zu fingen, zu fingen, was sie will. Zum Marsch gehört das Lied, das Lied von der Liebe zum Försters­töchterlein, das Lied vom Reitersmann, von der Seeräuberei, vom Kriege, vom Siege in der bluti­gen Schlacht.

Singende Soldaten sind etwas besonders Schönes auf deutscher Erde. Wir wissen, die Singenden sind unsere beste Jugend, der ein Herz von eigener Art in der Brust schlägt, ein Herz, das die Gefahr nicht kennt, nicht kennen will und nicht achten wird, wenn das Spiel der Kräfte zum heiligen Ernst wird.

Singende Soldaten sind dem Griesgram ein Dorn im Auge. So war es von jeher. Soldaten lebeck nicht von der Luft. Gewehre kokten Geld. Geld will der Spießer nicht zahlen. Gelogeklimper ist ihm lieber als Gesang. Hat er schon vergessen, daß 1914 in der Not des Vaterlandes die Soldaten fingen ins Feld zogen, daß es aber deren Hundert­tausende zu wenig waren, das Vaterland zu schützen und zu verteidigen, weil Pazifisten und Börsianer jeglicher Spielart im schwätzenden Reichstage dem bedrohten Reiche die nötigen Mittel verweigerten?

Auch heute gibt es noch Menschen von sturer Ge­sinnung, philosophierende Beherrscher der Gram­matik und Syntax im Gelehrtenberufe und ver­bissene und verbitterte Könner in der Werkstätte, die sich über singende Soldaten ärgern, die an ihnen vorüberziehen im Dienste am Vaterlands und, so es einmal nötig werden müßte, im Dienste fürs Vaterland.

Singende Soldaten sind jedoch für die allermeisten deutschen Volksgenossen, die ihr eigenes Ich erst au allerletzt kennen, dafür aber die Gesamtheit stets in den Vordergrund stellen, wie Lied und Ge­sang etwas Herrliches. Man muß die Singenden nur recht verstehen!

Bornotizen.

Tageskalender für Samstag: Stadt­theater, 20 bis gegen 23 Uhr,Fiesko" (Deutsche Bühne). Lichtspielhaus, Bahnhofstraße,Rakoczy-

Marsch". Astoria-Lichtspiele, Seltersweg:Eine Razzia in Paris" undEndkampf". Oberhessische Diehoersicherungs-Anstalt, 15 Uhr, Hotel Hopfeld, ordentliche Mitgliederversammlung. Deutsche Stenographenschaft, Ausflug nach Restaurant Flug­hafen, Treffpunkt: 20.15 Uhr Perfiluhr. Artil­lerie-Verein, 20.30 Uhr,Hesiischer Hof", Pflichtver­sammlung.

Tageskalender fürSonntag: Stadt­theater, 19 bis nach 21.30 Uhr,Förfterchriftel". Oberheffifcher Kunftoerein, Turnchaus am Brand, 11 bis 13 Uhr, 5. Jahres-Ausstellung. Lichtspiel­haus, Bahnhofstraße,Rakoczy-Marfch". Astoria- Lichtspiele, Seltersweg,Eine Razzia in Paris" undEndkampf". Nationalsozialistischer Deut­scher Frontkämpferbund (Stahlhelm), Kreisverband Oberhessen), 1. Appell. Bergschenke, 15.30 Uhr, großes Militarkonzert. Gießener Radfahrverein 1885, 15 Uhr, Sportplatz Spielvereinigung 1900, Eröffnungs-Bahn-Radrennen.

Aus dem Sta-dttheaterbüro. Mor­gen, Sonntag, 19 Uhr, die OperetteDie Wrster- christl. Dienstag, 8. Mai, das Trauerspiel Fiesko" von Schiller. Mittwoch, 9. Mai, Operette Die Försterchristl". Freitag, 11. Mai,Robinson soll nicht sterben" von Burggraf-Förster.

E i n Militärkonzert unsrer Gießener Bataillonskapelle unter Leitung von Obermusikxnei- ster Krauße findet am morgigen Sonntagnach­mittag in der Bergschenke statt. (Siehe heutige Anzeige.)

D i e Männer - und Frauenvereini­gung der Matthäusgemeinde hält am kommenden Montagabend ihre Hauptversammlung im Matthäusfaal ab. Es handelt sich um eine außer­ordentlich wichtige Tagesordnung, die das Erschei­nen aller Mitglieder erforderlich macht. (Siehe heutige Anzeige.)

Unser neuer Roman.

In der Heutigen Ausgabe des Gießener Anzeigers beenden wir den Abdruck des RomansDie echte und die falsche Doralies" von Anny von Panhuys; am Montag werden wir mit der Veröffentlichung eines neuen Romanwerkes beginnen, an dessen Er­werbung wir ganz besondere Erwartungen geknüpft haben. Handelt es sich doch darum, die Bekanntschaft mit einer Autorin zu erneuern, deren Arbeiten sich bei einem großen Leserkreise ständig zunehmender Beliebtheit erfreuen, und deren kürzlich im Gießener Anzeiger veröffentlichter RomanRosemarie, Rose­marie ...." sich zu einem unserer schönsten Abdrucks­erfolge gestaltete. Der neue Roman betitelt sich

Llnd nun, Ellen?" von Käthe Metzner.

Es handelt sich um das erst vor kurzem vollendete jüngste Werk der hochgeschätzten Autorin, die sich mit einem Schlage einen Namen gemacht und sich einen festen Platz in der deutschen Zeitungsleserwelt erobert hat.Und nun, Ellen?" ist ein ergreifender Liebesroman, die zu Herzen gehende Geschichte eines jungen Menschenkindes, das nach vielen schmerz­lichen Erfahrungen und herben Schicksafsschlägen endlich das große Glück seines Lebens findet.

Besonders unsere Leserinnen werden diesen außer­ordentlich spannend und packend geschriebenen Ro­man mit tiefer Anteilnahme verfolgen. Käthe Metz­ner hat ja mit ihrem ersten RomanRosemarie, Rosemarie..." bewiesen, wie überaus fesselnd und lebenswahr sie zu schildern versteht, und so dürfen wir gewiß sein, daß unser neuer Roman die gleiche herzliche Aufnahme und ebenso allgemeinen Beifall finden wird wie jener erste.

Oie Träger des Buch- und Filmpreises.

Richard Eunnger und Gustav Llcicky.

Der nach dem Kriege einsetzende Wirrwarr deut­schen Denkens und Empfindens hatte weniger seine Ursache in der Verarmung des Landes, er war vielmehr die furchtbare Folge jahrelanger bewußter Zersetzungsarbeit. Man vergaß, daß der Geist stets an eine Heimat gebunden ist, daß er aus ihr seinen Gehalt, sein Leben empfängt. Zu den deutschen Schriftstellern, die dies am frühesten erkannten, ge­hört Richard E u r i n g e r, dessen erste Arbeiten bereits ihre Herkunft aus dem Bodenständigen zeigen.

Am 4. April 1891 wurde er in dem alten Augs­burg, der Fuggerstadt, geboren, und es ist zu ver­stehen, daß die reiche und vielgestaltige geschicht­liche Vergangenheit dieser Stadt auf den Werde­gang des jungen Dichters von besonderem Einfluß gewesen ist. Im Jahre 1913 wurde er Flieger und ging im Weltkriege als solcher an die Westfront, wo er in zweijähriger Tätigkeit Erfahrungen und Erlebnisse für eine spätere Arbeit sammelte, die un­ter dem TitelFliegerschule vier" anerken­nende Würdigungen und viele Leser sand.

In den letzten Kriegsjahren leitete er eine Flie­gerschule in München und begann nach dem Zusam­menbruch mit kunstgeschichtlichen und volkswirt­schaftlichen Studien, die er jedoch in den schwierigen Nachkriegsjahren zurückstellen mußte. Seine zwi­schendurch geschriebenen kleinen markanten und packenden Erzählungen veröffentlichte er in dem BucheTummelpack", die aus fast derselben Zeit stammenden männlich-herben Vagantenweisen in dem BucheLandsknechtsliede r". Neben ernsten lyrischen Dichtungen gab er noch mehrere Erzählungen heraus, von denenD a g e l Bun t", ein Buch voller kräftiger, herzhaft zufassender Schwänke, das die besondere Art Euringers, etwas klar, knapp und damit eindringlich zu gestalten, verrät. . _

Wie sich Richard Euringer tm Lande Utopia auskennt, beweist sein humoristischer Roman Pinkepottel und die Seinen". Em amerikanischer Zeitungskönig und Milliardär sucht für seine Nordpolexpedition Mitfahrer aus allen Ländern und erreicht tatsächlich den Pol, aber unter unglaublichen Abenteuern. Die grausigsten Gefahren werden mit einem Wortwitz oder mit Lachen über­wunden, der Amerikaner will eben mit Humor .allein dasMorgen-, Mittag- und Abendland vor idem Untergang retten. Aus Euringers Humor wird oft bitterste Groteske: .manches aus der damals da­hintaumelndenGoldrausch"-Epoche hat er mit feinem Sarkasmus treffen wollen.

In den schlimmsten Nachkriegszeiten schlug der Dichter sich als Holzknecht und als Arbeiter in

einem Sägewerk durch, ging als Lehrling in eine Bank und wurde nun, weil ihm das Schreiben Notwendigkeit geworden war, freier Schriftsteller; in diesen Jahren erlebte er die Schicksale seines Ro­mansDie Arbeitslose n", in dem alles, was dem sozial eingestellten Verfasser in der Seele brannte, seinen kraftvollen Niederschlag fand. Zwi­schenher hatte er noch Zeit, in temperamentvollen Zeitungsartikeln gegen die damals herrschenden Li- teratengruppenöstlicher Prägung" zu Felde zu ziehen; in fein formulierten Aphorismen gab er den Extrakt feines gesunden, volkhaften Denkens.

Ganz aus dem Geist unserer Zeit heraus wuchs feineDeutsche Passion 193 3". Diese gran­diose Vision ist die Brücke aus dem düster-tragi­schen Weltkriegsgeschehen in eine hellere Zukunft, lieber den Drahtverhau reckt sich der unbekannte deutsche Soldat, sieht die Verheerung um sich und hört die klagenden Stimmen des Hungers, des Elends und des Bruderhasses. Da hat er nur den einen Wunsch:... Ihr Toten, tut die Gräber auf! Deutschland will sterben. Nehmt uns auf!" Die Erde öffnet sich, der Gefallene kehrt wieder ins Leben zurück, um den Weg des Leides noch einmal zu aehen. Das Buch, als Band 24 derSchriften an die Nation" im Verlage Gerhard Stalling, Ol­denburg, erschienen, klingt in die zukunftkündenden Worte aus:Selig sind die Lebendigen, denn ihrer ist die Zeit!" Erst auf Deutschlands neuen großen Thingplätzen wird EuringersDeutsche Passion 1933" ihre zeitlose und tiefste Wirkung erweisen, denn sie ist unserer Zeit Sinnbild und Sinngebung zugleich!

Mit den FilmenFlötenkonzert von Sanssouci", x9) o r k" undM o r g e n r o t" trat Gustav Ucicky in die vorderste Reihe der großen Filmregisseure. Er wurde im Jahre 1899 in Wien geboren, kam in jungen Jahren als- Kamera­mann in das österreichische Kriegspressequartier, ging dann als Operateur zu einer großen Film­gesellschaft und befaßte sich seither fast nur mit Filmregie. Eines Tages fiel ihm Gerhard M e n - zels NovelleHeimkehr" in die Hände, und was man aus diesem zusammengeballten Schicksal Aus­landsdeutscher filmisch machen kann, bewies er in seinem FilmFlüchtlinge".

Die der Wirklichkeit entwachsene Novelle bot einen unerhört packenden Stoff: die Begegnung des russischen Expreß der chinesischen Ostbahn mit dem von räubernden Soldaten geführten Gegenzug auf eingleisiger Strecke. Man erlebt die wecken asiatischen Ebenen, erfährt erschauernd, wie die bei­den Zuge kaum zwanzig Meter von einander ent­fernt zum Halten gebracht werden, wie die halb Verdursteten nach jenem Rest von Wasser schreien, der zur Anheizung der Lokomotive so nötig ist. In der größten Not wächst einer zum Führer auf, verteidigt mit dem Revolver in der Faust bas Was­ser, zwingt die Männer, die aufgerissenen Schienen

Die Feierabendstunde am 5. Mai verlängert.

Das Regierungsorgan, dieDarmstädter Zeitung" teilt mit:Aus Anlaß der einjährigen Wiederkehr des Tages der Ernennung des Herrn Gauleiters Sprenger zum Reichsstatthalter in Hessen wird die Polizei st un de in der Nacht vom 5. auf ben 6. Mai allgemein auf 4 Uhr gebühren­frei verlängert.

Ortsgruppe Gießen-Mitte.

Amt für volkswohlfahrk.

Am Dienstag, 8. Mai, führen wir innerhalb unse­res Ortsgruppengebiets (Alicenstraße, Am Pfarr­garten, An der Johanneskirche, Bahnhofstraße, Bis­marckstraße, Bleichstraße, Bruchstraße, Burggraben, Erlengasse, Goethestraße, Grabenstraße, Hindenburg- wall. Hinter der Westanlage, Horst-Wessel-Wall, In Löbers Hof, Johannesstraße, Kaplansgasse, Katha- rinengasse, Kleine Mühlgasse, Kornblumengasse, Kreuzplatz, Löberstraße, Löwengasse, Lonystraße, Ludwigstraße bis Nr. 56 bis 47, Mäusburg, Mai- aasse, Marktplatz, Marktstraße, Mühlstraße, Neuen Weg, Neustadt, Plockstraße, Rittergasse, Sandgasse, Schanzenstraße, Seltersweg, Teufelslustgärtchen, Tiefenweg, Wagengasse, Weidengasse, Wettergasse und Wolkengasse) wieder eine

Lebensmittelsammlung durch. Wir bitten, auch diesmal reichlich zu

spenden und die P f u n d p a k e t e ab vormittags 9 Uhr bereitzuhalten. Die Spenden werden durch Frauen der NS.-Frauenschaft, die mit einem Aus­weis versehen sind, abgeholt.

Wahl, stellv. Ortsgruppenamtsleiter.

Aus parteiamtlichenBekannünachungen

Am kommenden Montag, 7. Mai, 20.15 Uhr, findet im Eafä Leib für die Ortsgruppen Gießen- Süd und Gießen-Nord ein Schulungsabend statt. Der stellvertretende Kreisleiter, Pg. Hopfen» m ü 11 e r, spricht über das ThemaDie wirtschaft­liche und kulturelle Entwicklung des Judentums". Allen Parteigenossen sowie den Mitgliedern aller Untergliederungen der Partei ist 'bas Erscheinen zur Pflicht gemacht.

Die Schulbücher in den hessischen Schulen.

Die Ministerialabteilung für Bildungswesen, Kultus, Kunst und Volkstum hat an die Kreis» und Stadtschulämter folgende Verfügung erlassen!

Wie wir feststellen mußten, maßt sich der Verlag Emil Roth in Gießen das Recht an, in Aus» schreiben Verfügungen an die hessischen Schulleitun» gen herauszugeben. Um Irrtümer zu vermeiden, weisen wir darauf hin, daß derartige Rundschreiben keinerlei Beachtung verdienen, auch soweit in ihnen auf Anordnungen anderer Behörden verwiesen

Die Entwicklung der Schweinefleischpreise.

Ein Aufruf des hessischen Staatsministers.

Mit der Machtergreifung durch die national­sozialistische Regierung und oer von ihr veranlaßten Neuordnung der Fettwirtschaft hatten die Schweine­preise im vergangenen Jahr eine Entwicklung ge­nommen, die dem Bauerntum nach jahrelangen Verlusten einen gerechten Preis sicherten, ohne daß dadurch der Verbraucher eine wesentliche Mehr­belastung erfuhr.

In den letzten Wochen ist dieser für den Bauer gerechte Preisstand durch eine rückläufige Entwick­lung der Schweinepreise abgelöst worden, die zum Teil durch Umstände veranlaßt wurde, die mit na» tionalsozilistischem Denken und Handeln nicht in Einklang stehen und als Sabotage, des national­sozialistischen Aufbauwerkes zu betrachten sind.

Der Bauer, als die Grundlage der Nation, darf nicht der Spielball einzelner gewisfenloser Ele­mente werden, die unter Ausnutzung feiner Notlage und ohne Rücksicht auf ihren eigenen Berufsstand zu unzureichenden Preisen einkau­fen und einen erheblichen Zwischengewinn für sich einheimsen.

Um diesen und ähnlichen Mißständen abzuhelfen, habe ich soeben u. a. eine Bekanntmachung betref­fen den Handel mit Vieh auf dem Schlachtviehmarkt in Mainz erlassen, wonach

zukünftig nur solche Personen zum handel auf dem größten hessischen Schlachtviehmarkt zugelassen werden, die als ehrbar und zuver­lässig anzusehen sind und einen bestimmten Jahresumsatz nachweisen. Darüber hinaus er­warte ich von dem Rlehgergewerbe und dem handel, daß sie möglichst bei ihren Aufkäufen auf dem Lande die gleichen Preise für Schlacht- schweine zahlen, wie sie sich auf Grund der amt­lichen Marktnotiz abzüglich der tatsächlichen Marktunkosten ergeben.

Insbesondere gilt dies für diejenigen Fälle, in denen der Landmetzger am Wohnort oder einem Nachbarort einkauft.

Ich kann nicht zulaffen, daß z. B. draußen auf dem Lande Preise gezahlt werden, die ganz erheblich unter den amtlichen Marktnotizen ab­züglich der tatsächlichen Marktunkosten liegen.

Auf Grund besonderer Vereinbarung zwischen Metzgergewerbe und Bauernschaft ist auch bei Direktkäufen, die auch nach Lebendgewicht erfolgen dürfen, auf dem Land der Schlußschein zuläsfig. yd) erwarte, daß die Vereinbarung streng eingehalten wird.

Im übrigen bin ich gesonnen, gegen alte die­jenigen mit unerbittlicher Strenge einzuschrei- fen, welche die Notlage des Bauern in eigen­süchtiger Meise für sich ausnühen und damit das Aufbauwerk der Reichsregierung schädigen.

Auch kann ich nicht zulassen, daß Schweine aus niedrigen Qualitätsklassen zu den Fleischpreisen für höhere Qualitätsklaffen verkauft werden und die Gewinnspanne in ungerechtfertigtem Ausmaß erhöht wird. Hier darf und kann nur der Grund­satz gelten, daß der Bauer den gerechten Preis er­hält und der Verbraucher die entsprechende Quali­tät bekommt.

An die gesamte Bevölkerung richte ich die ernste und dringende Bitte, daß jeder einzelne den ge­ordneten Ablauf der Vieh- und Fleifchversor- gung unter dem Gesichtspunkt, daß auch dem Bauer der gerechte Lohn zuteil werden muh, überwachen hilft und mir alle diejenigen Fälle zur Kenntnis bringt, die ein Einschreiten meinerseits erfordern.

Jung.

zu reparieren und erreicht es, daß der Expreß un­ter Führung des Deutschen dennoch den Räubern entkommt. Der starke Wille des Führers rettet nicht nur die deutschen Flüchtlinge, sondern weckt in ihnen, und das ist das wichtigere, kameradschaft­lichen Geist und den Gemeinschaftssinn, dieser durch Not und Schicksal verbundenen Menschen. Die Wandlungen und Vorgänge filmisch gestaltet zu haben, ist der große idelle Wert dieses Filmes.

H. St.

Gießener Gtadttheaier.

Buchbinder u. Jarno:Die Förfterchriftel".

Die Operette ist bereits im Jahre 1907 entstanden und 1926 zum letzten Mal in Gießen auf dem Spielplan erschienen; es entspricht ihrem musikali­schen Charakter und ihrem textlichen Aufbau, daß man heute wieder auf sie zurückgreift, und es er­wies sich 'auch, daß das Stück noch immer seinen Platz im Operetten-Repertoire behauptet und nichts von seiner ursprünglichen Anziehungskraft verloren hat.

Die Musik von Jarno deckt sich mit dem Li­bretto vollkommen. Sie ist keineswegs modern und verträgt auch keinerlei Retusche in Form von unan­gebrachten Aktualisierungen; sie setzt sich zusammen aus den bewährten Bestandteilen der österreichischen Partitur älteren Stils, dem die typische Wiener Operette ihre großen und dauerhaften Erfolge ver­dankt. Die Grundlage der sauberen und melodiösen Instrumentierung bildet natürlich der Walzer; der ungarische Csardas gliedert sich stilistisch und land­schaftlich zwanglos ein. Anklänge an Vie heitere Mu­sik des 18. Jahrhunderts betonen die rokokohafte Einkleidung der Fabel, die vom österreichischen Klangcharakter der Operette sehr sinnfällig ausgedeu­tet wird. Besonders der zweite Akt läßt diese ge­schickt erzeugte Uebereinstimmung angenehm auf den Zuschauer und Hörer einwirken.

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Die Handlung Text van Bernhard Buchbin­der spielt 1764, also ein Jahr nach dem Frie­den von Hubertusburg, und ist wohl noch allgemein in Erinnerung als ein Walzertraum im Wiener Wald, als eine liebenswürdige, bittersüße Liebes­geschichte im Rokokokostüm. Die Gegenüberstellung der bürgerlichen und der höfischen Sphäre ist ebenso wirkungsvoll wie das Harun al Raschid-Motiv, daß der gute Kaiser Josef als einfacher Jäger und unbegleitet durch den Wald geht und von einem resoluten Kind aus dem Volke ganz unverblümt die Meinung gesagt bekommt.

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Noch wirksamer, wenn sich die Begegnung im Schloß wiederholt und das arme Mädchen mit Ent­setzen erkennen muß, wem sie so freimütig die Le­viten gelesen hat. Ein wenig überraschend wirkt

demgegenüber die Geschichte vom desertierten Lieb­haber, um dessentwillen die Christel die Reise an den Wiener Hof gemacht hat, obwohl der Kompo­nist auch von diesem Motiv her einige bühnenmäßig brauchbare und unmittelbar ausgewertete Anregun­gen erhielt.

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Der Schlußakt ist ebenfalls ausgesprochen wiene­risch in seiner etwas überbetonten Gefühlsseligkeit, und die Operette gerät hier stellenweise ein wenig in die Abschiedsstimmung vonAlt-Heidelberg", ob­wohl die gute Christel in ihrer Verwirrung nicht genau weiß, wo sie mit ihrem Herzchen hin soll, Aber als der Kaiser gegangen ist, erscheint aufs Stichwort der Csardas-Liebhaber aus Ungarn und gibt dem Abenteuer schnell die einzig mögliche Lösung.

Die Neuinszenierung bestätigt, wie lohnend es ist, von Zeit zu Zeit auf die älteren und vielfach be­währten Bestände des Repertoires zurückzugreifen. Die Aufführung unter Wredes Regie war gefäl­lig und flüssig und brachte sowohl die volkstümlich heiteren wie die gefühlvollen Partien des Spiels vollauf zur Geltung. Besonders der Mittelakt des an sich nicht übermäßig ergiebigen Handlung war theatralisch geschickt und stimmungsvoll in Szene gesetzt. Die TanzeinlageDas Staatskleiä", choreo­graphisch erdacht von Paul W r e d e, musikalisch arrangiert von Albert Krämer, einstudiert von Theo ulke, gefiel allgemein; nicht minder die Spieluhr-Parade der kleinen Mohrenbuben und der Hofdamenreigen, die ebenfalls von Herrn Bäulke geleitet wurden. Kapellmeister Cuj 6 dirigierte sauber und taktsicher. Die Herren Löffler und Keim hatten für eine hübsche Ausstattung Sorge getragen.

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Die Titelrolle wurde von Fräulein Erna Renz mit einer zwanglosen Mischung aus unverbildeter, mundfertiger Naivität und herzhaftem Humor ge­spielt und mit großer Frische gesungen.

Wilhelm D i e t e n gab den Kaiser Josef sehr nobel und ohne Uebertreibung als einen gütigen und leutseligen Landesherren, der aus vollem Her­zen seine Untertanen glücklich machen möchte.

Alfred F i e r m e n t spielte und fang mit Tempe­rament und selbstsicherer Männlichkeit den csardas- beschwingten Gutsverwalter Földessy, dem die kai­serliche Gnade zu unvermuteter Erfüllung seiner Wünsche verhilft.

Hub als galanter Obersthvfmeister, Wrede in der volkstümlich-wienerischen Possenrolle des Wal­perl, Frau Schubert-Jüngling und Herr Geiger rundeten das Ensemble angenehm ab.

Der Beifall, besonders nach dem zweiten un> dritten Akt, war groß. Die übermäßig lange erste Pause wird sich wohl in den späteren Aufführungen abkürzen lassen. hth.