S)ie echte und die falsche Doralies Roman von Anny von Panhuys.
Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.)
Schluß.
Nachdem sich die Tür hinter Peter Konstantin geschlossen hatte, löste sich Regina sacht von Holm, sagte mit bebender Stimme:
„Ich danke dir für dein Kommen, du kamst aerobe zur rechten Zeit; ich war schon halb tot vor Angst. Oh, wie graut mir jetzt vor dem Menschen!"
Er lächelte traurig, fragte:
„Was wollte er denn überhaupt hier?"
Die Frage klang so, als fragte er: Warum bestelltest du ihn denn hierher?
Regina ließ sich, immer noch erschöpft, in einen Sessel fallen und erzählte, aus welchem Grunde Peter Konstantin gekommen war und wie sich alles zugetragen hatte.
Holm war maßlos empört.
„Wie kann sich nur ein sonst überkorrekt scheinender Mensch so weit hinreißen lassen! Ich stehe vor einem Rätsel."
„Er behauptete, mich zu lieben", gab sie zurück, „und da packte er mich und küßte mich. Es war gräßlich! Wenn das die Liebe ist —"
Sie hatte ganz vergessen, daß sich Holm und sie ja nur ein paar Tage lang mit dem Vornamen und dem vertraulichen „Du" angesvrochen hatten, beides schien ihr jetzt selbstverständlich. Er aber nahm das hin wie ein unerwartetes, großes Geschenk. Er blickte sie nachdenklich an.
„Ich glaube, die Liebe kann auch anders sein. Du hast ihn jedenfalls nicht wirklich geliebt, Regina, denn hättest du das getan, konnte dich sein Wesen nicht so erschrecken." Er nahm ihre Rechte: „Armes Ding! Dem Himmel sei Dank, der mich heute hierher geschickt hat! Ich wollte dich mahnen, mit mir zusammen die hinterlassene Arbeit Jobst Freeses wieder aufzunehmen."
Sie neigte den Kopf.
„Gern, Holm, gern! Morgen können wir beginnen."
Er lächelte sie an:
„Ich freue mich darauf. Und für dich ist's auch angenehmer, wenn wir recht bald beginnen, um so eher sind wir fertig. Dann kannst du mit deiner Vorbereitung für das Abitur anfangen."
Sie trocknete sich die letzten Tränen ab, erwiderte etwas abgerissen:
„Ich weiß gar nicht, ob ich es überhaupt tue; vielleicht ist's wirklich schade um die Jahre, die ich brauche bis zur Vollendung des ganzen Studiums."
Ein scheu fragender Blick traf ihn.
Er fühlte ein seltsames Erbeben. Durch seinen Körper lief es, bis in die Fingerspitzen hinein spürte er es, und ein glückliches Ahnen ließ sein Herz fast stillstehen.
Er fragte leise:
„Willst du den Plan, zu studieren, meinetwegen fallen lassen, Regina?"
Sie neigte kaum merklich den Kopf, und da war er auch schon bei ihr, der große, schlanke Mann, kniete vor ihr nieder, drückte seine heißen Lippen auf ihre Hände und stammelte überselig:
„Wiedergefunden habe ich dich. Liebste, wiedergefunden mit freiem Herzen. Mein schönes Weib mit dem hellen Flammenhaar wird keines anderen Mannes Bild in ihrem Herzen tragen."
Regina strich leise über sein Haar, sprang überschnell auf, eilte zur Tür, rief von dort her:
Warte, bitte, auf mich im Arbeitszimmer, ich werde sogleich wiederkommen."
Er erhob sich von den Knien, dachte etwas verwundert: Weshalb lief sie nur gerade jetzt fort? Gerade jetzt!
Aber er ging hinüber in das hohe, dunkel getäfelte Arbeitszimmer, und ein glückliches Lächeln lag um feine Lippen. Er schritt dann in dem großen Raum hin und her, und wartete ungeduldig auf Regina. Sagte mehrmals laut vor sich hin: Ich liebe dich! Ich liebe dich!
Er fand, das waren die schönsten Worte der Welt.
Nack; ungefähr zehn Minuten trat Regina wieder ein; sie sah noch etwas bleich, aber wunderschön aus. Das herrliche Haar war frisch gebürstet, die letzten Tränenspuren waren mit Wasser weggespült worden.
Sie stand nun vor Holm Meerhold, lächelte ihn an, hob den Kopf, und die weichen, frischen Lippen boten sich dem Manne dar, der die seinen darauf
preßte und beseligt den Gegendruck der anderen Lippen spürte.
Regina schmiegte sich noch fester an Holm Meer- hold, raunte ihm leise wie ein Geheimnis zu:
„Dein Kuß bedeutet Glück für mich. Holm, d i ch liebe ich, dich!"
Sie dachte jetzt daran, daß ihr Doralies letzhin bei ihrem Besuch geraten hatte: Verliebe dich in den anderen!
Der andere war Holm.
Nun liebte sie ihn.
Zwei strahlende Augenpaare tauchten ineinander, und Regina sagte mit frohbewegter Stimme:
„Es war doch gut, daß ich damals auf den tollen Plan von Doralies einging, als ihre Stellvertreterin nach Berlin zu reifen, sonst säße ich noch jetzt stellungslos in Mooshausen, so aber fand ich hier das ganz große Glück."
Er drückte sie an sich, als wollte er sie nie mehr lassen.
„Ich liebe dich über alles, du mein wunderschönes, goldhaariges Mädel!"
Draußen schneite es jetzt in dichten, schweren Flocken; sie fielen leise und sanft nieder auf das frische Grab eines Vorstadtfriedhofes, und zwei glückliche Menschen dachten an ihn, der darunter ausruhte — an ihn, durch den sie sich gefunden hatten. Sie dachten an den gütigen alten Herrn, der sie beide freundschaftlich und väterlich geliebt hatte.
Sie blickten in das Flockenmeer, das vor den Fenstern hin und her zu mögen schien, und Holm sagte nachdenklich:
„Ich werde ein Rechtsberatungsbüro für ganz Arme einrichten, und du hilfst mir, wirft meine kluge Sekretärin fein."
Sie sah strahlend zu ihm auf:
„Alles will ich dir sein, Holm! Alles: deine Frau, deine Geliebte, deine Kameradin und deine Sekretärin — alles!"
Er lächelte:
„So soll es werden, und so wird es richtig sein."
Regina mußte an ihren Traum denken, den sie in der ersten Nacht hier in Berlin gehabt hatte. Sie zog den (Beliebten auf das Le der so fa nieder und erzählte ihm den Traum.
Erzählte: 9
„Ich träumte, ich stand neben einem Herrn, dessen Gesicht sich hinter einer Maske verbarg; er kam mir bekannt vor, und ich wußte doch nicht, wer er war. Er hängte mir ein talarähnliches Kleidungsstück um; es konnte eine Anwaltsrobe sein. Dann nahm er meine Hand und sagte etwas, was ich nicht verstand, und dann küßte er mich."
Sie schloß:
„Der Maskierte ähnelte Peter Konstantin; dich kannte ich doch damals noch gar nicht. Aber d u warst der Mann im Traum, und der Talar, den du mir umhängtest, bedeutete, daß du mich in deinem Beruf zur Gehilfin nehmen willst, mir zutraust, dir zur Seite stehen zu können. Jetzt erst kann ich den seltsamen Traum richtig deuten. Frau von Stäbnitz riet mir damals, mir zu merken, was ich in der ersten Nacht in ihrem Hause träumen würde, denn es ginge in Erfüllung, was man in so einer ersten Nacht unter fremdem Dach träume."
Er sah ihr tief in die wundervollen, dunkelblauen Augen.
„Wirklich ein seltsamer Traum. Aber noch seltsamer scheint es mir, daß ich dich finden durfte, du Schöne, Liebe, Kluge!"
Sie ließ sich küssen und lachte:
„Inzwischen habe ich auch begriffen, daß zu einer Verlobung überhaupt zwei Ringe gehören, und daß weder unser guter alter Freund noch ich auf das eine Ringlein reinfallen durften." Er lachte auch: „Die zwei Ringe besorge ich noch heute, Regina!"
*
Ein paar Jahre verflogen.
Längst war Lutz Gärtner aus Indien heimgekehrt und hatte Doralies zum Altar geführt, wohnte mit ihr in Frankfurt am Main. Längst war Regina Grauen Frau Meerhold geworden Glück und Zufriedenheit aber waren hier wie dort daheim. Manchmal besuchten sie sich gegenseitig, die beiden jungen Paare, und manchmal, zur Sommerzeit, trafen sie sich im Schlößchen, das in dem kleinen württembergischen Städtchen Mooshausen steht. Fritz Wolfram freute sich stets über den Besuch. „Hänschen" aber tischte auf, was Küche und Keller hergaben. Jedesmal wurde dann von einem tollen Plan gesprochen, der anfangs unter sehr ungünstigem Stern gestanden, und doch so gut ausgegangen sei, und dem sie beide ihr jetziges Glück verdanken: die echte und die falsche Doralies.
BeiMagenbeschwerdenu Sodbrennen BullrichSalz Tab^HP/g.
Ihre Vermählung zeigen an Dipl.-Hüllening. Dk. rer. pol. Wilhelm Völker und Frau Dörie Völker, geb. König
Gießen, den 5. Mai 1934
-27021'
Dr. med. Waller Birk
Hildegard Birk, geb. Schaffer
geben ihre Vermahlung bekannt
Mainz Gießen
Rheinallee 30 Fohännesstraße 15
5. Mai 1934
269 D
„Kraft durch Freude“
Montag, den 7. Mai, 20 Uhr, im Stadttheater „Schneider Wibbel“ Eintrittskarten zum Preise von 60 Pfennig sind noch zu haben: bei den Betriebszellenobmännern den Ortsgruppenbetriebswarten
auf der Geschäftsstelle der Kreisbetriebszellenabteilung.
Schanzenstraße 18 der Oberhessischen Tageszeitung der Deutschen Angestelltenschaft, Lonystraße und bei dem Kreiswart der NS.-Gemeinschaft
..Kraft durch Freude“, Wetzsteinstraße 8. 2733l
gez.: Christ, Kreiswart „Kraft durch Freude“
Geschäfts-Übernahme
Mit dem heutigen Tage habe ich das
Flughafen-Restaurant und Cafe
übernommen und bitte um geneigten Zuspruch. - Es wird mein ernstes Bestreben sein, für aufmerksame Bedienung und für Verabreichung von erstklassigen Speisen und Getränken meine werten Gäste in bekannterWeise zufrieden zu stellen
2699 U Carl Pfeil
Anmut und Schönheit durch
Cardy Hautcremeseife tu haben in allen einschlägigen Geschäften ..........................................................................................................................
Ihre Verlobung geben bekannt
Anneliese Goltermann
Gustav Loichinger
Hannover Gießen
6. Mai 1934
27060
Klünnev und Lvauenveveiuigung dev MatthSussemeinde Gietzen.
Montag, den 7. Mai 1934, abends 8Uhr, findet im Saale der „Mattbäusgemeinde" die diesjährige
Versammlung
der Männer- und Frauenvereinigung sowie der „Hilfe im Sterbefall" statt. 26seD
Tagesordnung: 1. Wahl des Führers - 2. Neuaufstellung der Satzungen- 3. Rechnungsablage 1933; 4. Verschiedenes.
Vollzähliges Erscheinen ist dringend erwünscht! Die neuaufgestellten Satzungen liegen ab 7 Uhr im Matthäussaal zur Einsicht offen. Tcr Vorstand.
Im Ausschank:
27040
Gießener Brauhaus-Biere
Spezialität:
Aepfelwein und Handkäse
Bei schönem Wetter
nur zur Pulvermühle mit ihrer ausgeb. Terrasse am Lahnufer!
MWWMlWll!
Sonntag, den 6. Mai, nachmittags ab 3.30 Uhr ausgeführt vom
Hlüflllorpü Oes 1. Hess. erenaöler-Balolll.
unt.Leitung von Herrn ObermusikmeisterKrauße
uiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiu
I NkgsWk! I
ällllllllllllllllllllllllllllllllllllllHIIIIIIIIIIlR
Kinder frei! 02344 Eintritt 50 Pfennigs
Bei ungünstiger Witterung in den Säten.
Familien- Drucksachen Verlobungsanzeigen
Vermählung aan zeigen
bei Brühl, Schulstraße 7 Geburtsanzeigen
OberhessischerKunstverein
V. Jahres-Ausstellung
vom 6. bis 27. Mai 1934 im Turmhaus am Brandplatz
Aquarelle und Zeichnungen Dresdener Künstler
Besuchszeiten: Sonntags 11—13 Uhr Dienstags, Mittwochs, Donnerstags und
Samstags 16 — 17 Uhr
2692 D*1
Waldeslllst am Flughafen
Morgen Sonntag ab 7 Uhr
Tanzmusik „„
Zierlich
für Gärten u.
Gräber i.groß.
Auswahl auf Lager
Torfmull
in Ballen und Kleinpackung.
Torfstrcn
Tungkalk ,687d
Thomasmehl Kalidünger Stickstoffdünger
Gebr.Kahl
Telefon 2287
Wiederverkäufer bitten besondere Angeb. f. Klein- und Waggonbe- zug zu verlangen
Anmachholz Bestell, erbitten wir direkt an uns, möglichst v.Postkarte. 5838D DamplsägewerkLollar B. Huhn. Collar.
111111111111111111111111111111
Herzlichen Dank
für die zahlreichen Glückwünsche und Geschenke anläßlich unserer Vermählung
Max Rinn und Frau
Anna Marie,geb.Leibfried
Heuchelheim 02401
Heute, gebackene
WW
Pulvermühle 2703V
Gartenkies
aller Art billigst
C. Rübsamen
Fernsprecher 3659. i9ü6d
Rhein-Hloinifthe Brmiiw Moss»
FRANKFURT A.M.' 5.-13. MAI 1934z
?NAUS DER MODEN
Die öeutfrhefrau beim Aufbau des dritten Reiches
L E H R S C HAU ' ^<iu>6fk\i44Cfv-7lacK^illcLae.
INSTALLATIONSTECHNIK" '
WIESECK
Sonntag, den 6. Mai 1934:
Tanz bei Hermann
Jetzt sind die Tage der
Kleider
Sie wissen doch;
Große Auswahl
Kleine Preise
Jugendl.Kleider
in Maroc, Mattcrepe, entzük- kende Muster, A A 20.-, 19.-, 16.- I*t.“
Jugendl.Kleider
in elegant. Ausführung,ausge
suchte Muster, 4 Q
30.-, 26.-, 22.- lUi*
Frauen-Kleider
mit kurzem und
langem Arm, so
lide Muster, Qfl
29.-, 26.-, 24.- fcUe*
Sport-Kleider
inleinen,Seide
Streifen usw.Jn
vielen Formen, alle Preise
Blusen-Röcke
Gehr.
Imheusei
Am Markt
Mwaaiwaiü


