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dienst statt. Die Christenlehre für die Konfirmanden der Lukasgemeinde schließt sich an den Haupt­gottesdienst an.

Kreisbetriebszellenabteilung Gießen.

Der für den morgigen Sonntag, 5. August, an- gesetzte Amtswalter-Appell im Cafs Leib fällt in­folge des Ablebens des Herrn Reichspräsidenten von Hindenburg aus. Nähere Anweisungen über Umorganisation der Deutschen Arbeitsfront sowie über das Landestreffen der NSBO. erfolgen noch.

Heil Hitler! Gez.: Hahn,

stellv. Kreisbetriebszellenobmann.

3m Rundfunk:

»Kampf und Sieg der £3."

Das Gaupresseamt gibt bekannt:

Wir schalten ein: Samstag, 4. August, 18.30 bis 18.50 Uhr Reichssender Frankfurt:Kampf und Sieg der HI." Pg. Richter, Leiter der Abt. Presse und Propaganda der Gebietsführung Wies­baden.

Deutsche Arbeitsfront.

Rechtsberatungsstelle Gießen.

An jedem 1. und 3. Montag im Monat werden durch die Rechtsberatungsstelle Gießen in Nidda und in Büdingen Sprechtage abge­halten. Die Auskünfte sind für Mitglieder der Deutschen Arbeitsfront auf allen Gebieten des So­zial- und Arbeitsrechts vollkommen t oft en- los.

Die Sprechstunden finden statt: in Nidda in der Bürgermeisterei von 10 bis 12.30 Uhr; in Büdingen in den Geschäftsräumen der Kreis­betriebszellenabteilung bzw. der DAF. von 15 bis 17 Uhr.

Erstmalig finden die Sprechtage statt am Mon­tag, 6. August.

NSKOB.

hlrnverlehle Achtung!

Innerhalb der NS.-Kriegsopferversorgung sind die Hirnverletzten zu einer Gruppe zusammengefaßt worden. Die Abteilung Hessen der Hirnverletzten bittet nun alle Hirn- und kopfverletzten Kämpfer des Weltkrieges um ihre Anschrift, um festzustellen, welche Kameraden von ihr zu betreuen sind. Im eigenen Interesse der Kameraden, einerlei ob sie Rentenempfänger sind oder nicht, ist es erforderlich, daß sie möglichst bald ihre Anschrift mit Bezeich­nung der Verwundung an folgende Obmänner ein­senden:

Georg Müller, Lollar, Daubringer Straße 29, für den Kreis Gießen;

Peter Strack, Wetzlar, Altenberger Straße 76, für den Kreis Wetzlar;

Franz C i s e k, Alsfeld, Schellengasse 30, für den Kreis Alsfeld;

Lehrer Schönheit, Ulfa, für den Kreis Schotten;

Joh. Bellinger, Hopfmannsfeld, für den Kreis Lauterbach.

Was viele Sundefreunde nicht wissen.

RDH. Hunde dürfen keine Geflügelknochen fressen. Alte Hunde sollten auch andere Knochen nicht mehr bekommen. Für jüngere Hunde sind weiche Kalbs­knochen am zuträglichsten.

Gib die Knochen dem Hunde gesondert, mische sie nicht unter das Futter, er könnte sonst versehent- lich ungekaut herunterschlucken und sich die Speise­röhr usw. dabei verletzen.

Erneuere das Trinkwasser öfters am Tage; z. B. immer wenn der Hund ausgeführt worden ist. Laß ihn aber auch vorher erst trinken. Koche, namentlich im Sommer, das Hundefutter nichtauf Vorrat , denn es könnte verderben und dem Hund bann schädlich sein.

Glaube nicht, daß der Hund, weil er eben ein Hund ist, unempfindlich gegen Durchnässung, Zug, Kälte usw. sei. Namentlich die edlen Hunderassen

Warum Kinder-Lan-verschickung?

Auf Ausflügen ihrer Schule fangen sie wohl alle das alte Volkslied:Hinaus in die Ferne." Aber

a: Licht-

>ße Dame

fein!". Artillerieverein, 20.30 Uhr, »Hessischer den die Kraftwagen wieder bestiegen und tn rascher Hof", Monatsversammlung. Fahrt strebten die Wagen der Saalburg zu, die

TageskalenderfürSonntaa: Licht- eingehend besichtigt wurde. Alle Tei nehmer roer- spielhaus, Bahnhofstraße:Einmal eine große Dame den sich gerne und lange Zeit tiefer schonen Fahrt i" erinnern.

erinnern.

fein!

Tageskalender für Samstai spielhaus, Bahnhofstraße:Einmal eine gro!

diese Kinder wohl sagen, wenn es nun wirklich einmal weit hinaus in die Ferne ginge. Was würde zum Beispiel ein Berliner Junge sagen, wenn er vor dem gewaltigen Massiv des Riesen­gebirges stände. Einen richtigen großen Berg hat er in seinem Leben noch nie gesehen. Wie würde sich sein Mund vor Erstaunen öffnen, wenn er vor den Bergriefen stehen könnte, wie würden seine kugelrunden Kinderaugen vor Freude blitzen. Oder ein Kind aus den Bergen, wenn es zum erstenmal die wildbewegte stürmische Nordsee in all ihrer Schönheit erlebte, ober bas stets roieber« kehrenbe Wunber von Ebbe unb Flut. Wie würbe sich ber stets ein Erlebnis barftellenbe Sonnen­untergang mit all seiner Farbenpracht in seinen bantbaren Augen wiberspiegeln.

Deutscher Volksgenosse, der du einem Kinde der Großstadt den Ferienaufenthalt bei dir er­möglichen kannst, wird es für dich etwas Bes­seres geben, als den heißen Dank, der für alles Liebte aus den Hellen Kinderaugen spricht?

Von dem Kreispropagandawart der NSV. wird uns geschrieben:

Die große Aufgabe des Hilfswerkes, 500 000 be- dürftige Kinder einmal herauszuschicken aus ihrer alltäglichen Umgebung, soll beweisen, daß ber beut- sche Volksgenosse sich roieber zurückgefunben hat zu wahrer Volksgemeinschaft. Die Kin- ber, bie in einer Atmosphäre bes Lärms unb ber Unruhe aufgewachsen finb, bie wohl kaum einmal in ihrem Leben bie herrliche, entspannenbe Ruhe ber großen, freien Natur kennengelernt haben, fal­len nun einmal heraus aus bem ewig brobelnben Kessel ber Großstabt. Wie unglücklich haben sie ihren Altersgenossen aus ber Schule zugehört, denen es beffergeftellte Eltern möglich machen konnten, einmal das blaue Meer, die riesigen Felsmassive der Gebirge ober bie unenbliche Ruhe ber Wälber in all ihrer Pracht unb Schönheit zu genießen.

Nun sotten die ärmeren Sinder auch einmal hinaus, einmal das erleben, was ihnen bis­her nur im Traume vorgefchwebt hatte.

Jos. M ö b s Gießen und Aßlar eine Fahrt an den Rhein. In vier Lastkraftwagen und in_ drei Per­sonenwagen führte die Fahrt zunächst über Fried­berg, Homberg und Mainz nach Bingen. Von hier aus wurde die Fahrt mit dem DampferSchiller" bis nach Boppard fortgesetzt. Es war ein schönes Erlebnis, das an Tiefe dadurch gewann, daß Be­triebsführer und Gefolgschaft im Sinne wahrer Volksgemeinschaft deutsches Land kennenlernten. Selbst die 70jährige Mutter der Inhaber der Firma, ließ es sich nicht nehmen, bei dieser Fahrt dabei zu sein. Don Boppard aus wurde die Rückreise auf dem DampferGraf Zeppelin" angetreten. Wäh­rend der Fahrt wurde manches Rheinlied gesun­gen, so daß allenthalben die denkbar beste Stim­mung herrschte. Nach der Ankunft in Bingen wur- ixen die Kraftwagen wieder bestiegen und in rascher

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Verkehrswünsche auf der Strecke GießenHungen.

Da bie Eisenbahn als unentbehrliches Verkehrs­mittel zur Beförberung ber Arbeiter nach unb von ber Arbeitsstätte anzusehen ist, sei an bieser Stelle auf einen Umftanb auf ber Strecke Gießen Hungen aufmerksam gemacht, burch ben bem er­wähnten Sinne nicht entsprochen wird.

Die meisten Betriebe arbeiten von 8 bis 17 Uhr, so daß jeder bis zu dieser Zeit in Gießen beschäf­tigte Volksgenosse nach allen Richtungen eine be­queme Zugverbindung nach seiner Heimat hat. An­ders die kaufmännischen Angestellten, die meist bis 19 Uhr zu arbeiten haben. Auf der Strecke Gießen Hungen gehen innerhalb von 2 Stunden und 15 Minuten drei Züge (16.33, 17.38 und 18.48 Uhr). Kurz vor Geschäftsschluß fährt also ber britte Zug. Der nächste Zug verkehrt erst um 23.12 Uhr. Dieser letztere Zug würbe so gelegt, um ben Volksgenossen

** Aus bem Stabttheaterbüro wirb uns geschrieben: Noch ist es Zeit, Melbungen zum Abonnement für bie Spielzeit 1934/35 abzugeben unb feinen bisherigen Stammplatz roieber zu er­halten. Die Jntenbanz hat mit Rücksicht auf bie Reisezeit ben letzten Melbetermin auf ben 10. Aug. angefetzt. Ab 11. August erfolgt burch bie Theater­kasse unb bas Abonnementsbüro bie Zuteilung ber Plätze, wobei bie Neuabonnenten nach Eingang ber Meldungen zugeteilt werden. Dem Aufruf und der Einladung der Intendanz zum Abonnement sind erfreulicherweise viele Theaterfreunde gefolgt, aber es steht trotzdem noch eine Reihe von Meldungen aus; die noch zögernden Theaterabonnenten seien daher auf den Meldetermin bis zum 10. August nochmals verwiesen. (Siehe heutige Anzeige!)

* Die neue Satzung der Bezirks- sparkasse Gießen betrifft eine Bekannt­machung im heutigen Anzeigenteil. (Siehe heutige Anzeige!)

** Eine Leiche aus der Lahn aeländet. Gestern vormittag wurde hier die Leiche einer 35jährigen Frau aus der Lahn geborgen. Es han­delt sich um ein Fräulein Anna Leidner aus Villingen, die feit einigen Tagen vermißt wird. Die Unglückliche, die als schwermütig bekannt war, hat ihrem Leven selbst ein Ende gemacht.

♦♦ Rh einfahrt der Firma P. Jos. M ö b s. Am vergangenen Sonntag unternahm die gesamte Belegschaft der Firma Seifenfabriken P.

und die Stadthunde sind nicht immer sehr wider- standsfähig, sondern empfindlich wie die Menschen.

Gib dem Hund trockenes, warmes unb sauberes Lager unb viel Freiheit, bamit er feine ©lieber tüchtig bewegen kann, sonst wirb er krank unb steif.

Trockne ben Hunb gut ab, wenn er naß gewor­ben ist. Abreibung mit einem rauhen Tuche tft am zweckmäßigsten.

Ziehst bu in eine neue Wohnung, so lasse bir bie Erlaubnis, einen Hunb halten zu bürfen, in ben Mietvertrag setzen.

Manche Maulkörbe brücken ben Hunb. Laß sie vom Sattler änbern ober kaufe einen anbern. Die vom Korbe wundgescheuerten Stellen pflege sorg- fällig.

Ist der Hund nicht gesund, so verwende nicht all- zulangeHausmittel", sondern gehe rechtzeitig zum Tierarzt.

Gictzener Wochenmarktprcisc

* Gießen, 4. Aug. Auf dem heutigen Wochen- markt kosteten: Landbutter, das Pfund 1,30 bis 1,35 Mark, Matte 20 Pf., Käse, bas Stück 4 bis 10, Eier Klasse S 10'/-, Klasse A 10, Klasse B 9'/-, Klasse C 9, Klasse D 8, Wirsing (grün), bas Pfund 15 bis 20, Weißkraut 12 bis 15, Rotkraut 15, Gelbe Rüben 10 bis 12, Rote Rüben 10 bis 12, Spinat 18 bis 20, Römischkohl 8 bis 10, Bohnen (grün) 20 bis 28, (gelb) 25 bis 30, Erbsen 25 bis 30, Tomaten 15 bis 20, Zwiebeln 12, Rhabarber 8 bis 9, Kartoffeln (neue), bas Pfunb 6 bis 6'/- Pf., bes Zentner 5 bis 5,50 Mark, Frühäpfel, bas Pfunb 15 bis 25 Pf., Falläpfel 5 bis 8, Pfirsiche 25 bis 35, Brombeeren 25 bis 30, Aepfel 15 bis 25, Birnen 20 bis 30, Stachelbeeren 10 bis 15, Pflau­men 12 bis 15, Zwetfchen 20 bis 30, Mirabellen 20 bis 25, Reineclauben 18 bis 20, junge Hähne 60 bis 100, Suppenhühner 60 bis 80, Tauben, bas Stück 50 bis 70, Blumenkohl 10 bis 60, Salat 8 bis 10, Salatgurken 10 bis 30, Einmachgurken 2 bis 3, Oberkohlrabi 5, Suppengrünes 5, Rettich 5 bis 10, Rabieschen, Bünbel 8 Pf.

Hm-Hütwn.

* Eine öffentliche Mahnung bet Stabtkasfe an säumige Zahlungs­pflichtige ist im Anzeigenteil unseres heutigen Blattes enthalten. Wer mit ber Erlebigung seiner angemahnten Verpflichtungen im Rückstanb ist, möge bie in ber Bekanntmachung angegebene letzte Zahlungspflicht bis 13. 21 u g u ft nützen, falls er sich Unannehmlichkeiten ersparen will. Näheres in ber Bekanntmachung.

* * Rinbermarkt in Gießen. Am nächsten Dienstag findet hier Rindvieh - (Nutzvieh-) Markt statt. (Siehe heutige Bekanntmachung der Bürger­meisterei.)

* * Die Museen im Alten unb in^Neuen Schloß finb am Sonntag zwischen 11 unb 13 Uhr geöffnet.

* * Vorsicht bei ber Abwehr ber Wes­pe n p l a g e. Die Plage burch bie Wespen wirb in biesem warmen unb trockenen Sommer 1934 zur Lanbplage. Die Neigung, ben Wespen durch ent- prechende Maßnahmen energisch zu Leibe zu gehen, teigt mit dem Grad der Plage. Indessen sind Vor­sichtsmaßnahmen zu beachten. Vor allem muß man ich, wenn man mit Feuer zu Werke geht, hüten, kein solches Unheil anzurichten, wie es eben in einem landwirtschaftlichen Anwesen am Ueberlinger See der Fall war, wo ein Brandschaden von 15 000 Mark entstand. Feuerschäden müssen auch dann ver­hütet werden, wenn sich die Nester der Wespen nicht im Gebälk usw. befinden, sondern in erdigen Hohl­räumen, wo die Bekämpfung und Vernichtung ohnehin schwieriger ist, weil man erst den Boden aufgraben muß, um an das Nest zu gelangen. Ein Uebergreifen von Feuer ist bei all diesen 23er- tilgungsmahnahmen denkbar. Man benützt am besten eine lange Stange, befestigt ein Stoffstück an einem Ende, begießt es mit Erdöl ober Spiritus unb räuchert am frühen Morgen bas Nest aus. Nötig ist es, sich selber burch Verhüllung von Ge­sicht unb Hänben vor etwaigen angriffslustigen Tieren zu schützen. Da bie Wespen nach bem Som­mer bis auf bie Königin, bie allein überwintert, abfterben, wäre eine Vernichtung an sich nicht nötig, inbeffen bie Tiere richten an Beeren unb Früchten allerlei Schaben an unb finb auch eine richtige Plage, wenn sie in Massen kommen.

** D i e Denkmalsweihe unb Hunbert« Iahrfeier bes ehern. 1. Nass. Felb > artillerie-Regiments Nr. 27D r a n i e n" finbet bestimmt vom 20. bis 22. Oktober in Wies­baden statt. Alle Kameraden, die einst dem Regi­ment unb feinen Kriegsformationen angehört haben, werben um bie Teilnahme an biefen großen Wieder- fehensveranstaltungen gebeten. Es werden sich meh­rere taufend Kameraden in Wiesbaden treffen. Durch die Anwesenheit zur Denkmalsweihe und zur Hundert-Jahrfeier bekundet jeder Kamerad sein Dankbarkeitsgefühl gegenüber den Kameraden, bie ber Tod aus ihrer Mitte gerissen hat. Anmeldungen sind schnellstens einzusenden an Major a. D. Henks, Wiesbaden, Tennelbachftraße 67.

~' - *" Du wirst deine Freude an deinem Pflegekinde

up ui« Auviipiivu. ____ ... Ferne." Aber haben. Du dienst nicht nur dem Kinde, sondern

wie begrenzt war doch diese Ferne, sie endete auch dem Volke! Gesunde Jugend ge - stets am Ziel der Vorortbahnen. Aber was dürfen Isundes Volk!

Wie ölt ä

Roman von Gert Rothberg.

Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.)

6. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Er folgte ihr, bie jung, elastisch, graziös bie Stufen emporschritt.

Ah, bas tut wohl!"

Nora Norbstrom trat zum Kamin in ber großen, schonen Diele, wo noch ein Birkenscheit im Kamin glühte. Sie knöpfte ben Mantel auf, nahm bie Kappe ab. Reich unb hell quoll bas Blonb ihres Haares um ben feinen Kopf. Ein blaues Strickkleib mit schmalem Kragen fleibete bie schlanke Gestalt vorzüglich. Und hell und groß strahlten die Augen.

Nora Nordstrom wandte sich um.

Aber Herr Doktor, legen Sie doch ab! Wir wollen ein deutsches Weihnachten miteinander feiern."

Da gab er dem alten Minkert feine Sachen.

Sie saßen sich dann in einem schonen, nach aus­erlesenem Geschmack eingerichteten Zimmer gegen­über. Und Fritz Farnhorst dachte an gar nichts mehr. Er sah nur immerfort die schöne Frau, die ihn strahlend anlachte.

So schweigsam? Denken Sie doch nur darüber nach, daß Sie eigentlich zu meinem Weihnachts­mann geworden sind. Ich wäre heute ein ganz ver­lassenes Geschöpf gewesen und hatte mich doch so auf dieses Weihnachten in Schloß Tobern gefreut. Nun müssen Sie aber auch fröhlich fein. Und nach­her finge ich Ihnen zum Dank ein fröhliches Weihnachtslied."

Da beugte er sich vor, drückte feine heißen Lippen auf ihre schöne, weiße Hand.

Ich bin beschenkt. Ueberreich beschenkt, weil mir bie Gnabe Ihrer Gegenwart würbe."

Da würbe sie ernst. Ihre Augen ruhten finnenb auf ihm. Nachbenken beschattete ihre schönen Züge. Doch dann warf sie den Kopf zurück. Sagte:

Nicht nachdenken! Nicht grübeln! Nicht Senti­mental werden! Nur fröhlich fein heute, weil ick mich doch so auf dieses Weihnachtsfest gefreut baber

Sie zog den Likörkorb näher, füllte zwei kleine Gläser, reichte ihm das eine.

Hier, bitte! Damit uns erst einmal warm wird."

Auf das Wohl ber Weihnachtsfee!" sagte er leise unb blickte sie unoerroanbt an.

Ein lichtes Rot huschte über ihr Gesicht, unb fast (iebfofenb war ber Blick, mit bem sie seine schone, große Figur streifte.

Unb vor bem Kamin kniete ber alte Minkert unb legte Birkenscheite nach!

Dann brannte ber Weihnachtsbaum. Unb sie saßen an bem kleinen runben Tische unb speisten. Allerlei Gutes gab es. Nora lachte froh.

Ein richtiges kleines Weihnachtsbiner. Nicht ein- mal die Gans fehlt. Unb ber Wein meines Bruders ist auch vorzüglich. Und meine kleine Schwägerin hat immer eine Menge Konserven im Hause.

,Wenn mal unverhofft Besuch kommt!«, meint sie. Wie klug sie ist, die kleine Johanna. Nun ist wirklich unerwartet Besuch gekommen und labt sich an ihren Vorräten. Nun fehlt wirklich nur noch der gute Weihnachtsstriezel."

Ist auch da!" sagte Minkert würdevoll.

Er bediente bei Tisch.

Wirklich kam er später mit einem wundervollen Striezel an, der, in feine Scheiben geschnitten, appe­titlich auf dem Kristallteller lag. Und ein aromatischer Kasfeeduft durchzog das Zimmer.

Nora lehnte sich zurück, ihre Hand griff nach den Zigaretten. Farnhorft beeilte sich, lhr Feuer zu geben. Auf ihre Bitte hin rauchte er auch.

Minkert, nun können Sie abtreten! Wir brau­chen Sie nicht mehr! Noch eins. Sind bie Fremden­zimmer in Ordnung?" _

Die beiden Zimmer ber gnädigen Frau Kammer­sängerin werben ja immer in Orbnung gehalten. Unb das große Fremdenzimmer macht meine tfrau gerade in Ordnung." ...

Bann ist es gut, Minkert! Bann legen Sie sich wieder schlafen mit Ihrer braven 8rau! Unb ine Mine soll sich auch binlegen. Bie ist alt unb braucht Ruhe'"

Sehr wohl, gnädige Frau! Aber - i* -^atte eine große Bitte. Wenn es nicht unbescheiden von mir ist ich möchte die gnädige Frau Kammer- sängerin gern fingen hören!"

Nora' Nordstrom ging ins ^enjimmer, fe(jte sich an den Flügel. In weißer Vorsicht Mmkerts brannte auch dort ein Helles Feuer ,m Kamin.

aU2ltsCfbans Li7d° beendet war, erhob er sich ging fdmeU au ihr. Er nahm ihre Hande preßte sein luckende^s Gesicht daraus. Aber er sagte kein Wort.

Lesie schlich der alte Minkert hinaus, über er sagte draußen kein Wort, was er gesehen hatte und Phi nprmutete Er sagte nur ein bißchen barsch zu den beiden Frauen, die auch lauschend draußen aUfBu a^er"ms^Bett"Die Herrschaften brauchen unsnicht mehr. Und morgen früh mochten w,r auch " SchwUend^geschüh, was er wollte Aber in ihrTm Scklafzimrner sagte Frau Minkert: ?Nun fÜg mir bloß. Ankert- wer ist.d-r Herr? Ein sehr schöner Mensch. A ber

Gar kein Aber! Das geht uns nichts an.

Es war Ruhe! Minkert hatte gesprochen!

Droben saßen sich zwei Menschen gegenüber. Und das Schicksal spann geheimnisvoll seine Fäden.

Ich liebe Sie!"

Fritz Farnhorft lag auf den Knien vor ber schönen Frau, beren Hanb sacht unb voll unenblicher Zartheit über sein bunkles Haar strich. Unb laut unb vernehmlich fünbete bie Uhr bie Mitter- nachtsstunbe!

Unb braußen schneite es. Große, weiße Flocken tanzten zur Erbe!

Viertes Kapitel.

Das waren wunbervolle Tage. Fritz Farnhorft fuhr mit bem Wagen, ber ihn abholte, täglich nach Tobern. Nora schickte einfach ben Chauffeur, ber in Tobern sonst fuhr unb nicht mit nach Berlin genommen worben war.

Fritz Farnhorst lebte wie in einem Traum! Einem wunbervollen, befeligenben Traum! Unb Feller, ber mit seiner Frau zurückgekehrt war, sagte einmal erstaunt:

Sie finb ganz anbers geworben, Farnhorft! Ihnen muß bas Christkind eine ganz befonbere Freube gemacht haben/'

Ja! Das Christkind hat mich überreich beschenkt", sagte Farnhorst, unb in seinen frohen Augen waren nicht mehr bie Härte und Kälte, die immer darin gewesen waren und eigentlich befremdet hatten.

Richard Feller lächelte fein. Dann sagte er:

Wir dürfen hoffen, daß Sie Silvester bei uns verleben?"

Herr Feller, es ist vielleicht undankbar von mir! Ich bin anderweitig gebunden."

Aber ich bitte Sie, machen Sie sich keine Ge­danken! Dann kommen Sie ein anderes Mal! Sie sind immer ^willkommen, wie Sie wissen!"

Vielen Dank, Herr Feller! Untertänigste Grüße an die Frau Gemahlin!"

Feller war ganz besonders gesprächig unb freunb- lich. Unb Farnhorft bachte:

Wie froh er ist, baß ich abgesagt habe! Wenn er wüßte, wie wenig mir an biefen Besuchen liegt!

Es gab bann noch einige geschäftliche Dinge zu besprechen. Als sie sich trennten, brückte Feller feinem jungen Betriebsleiter warm bie Hanb.

Farnhorft, es ist nicht hier gerabe ber richtige Ort für eine Beförberung; aber immerhin möchte ich es Ihnen boch schon heute sagen: Sie finb vom 1. Januar an Direktor ber Steinbruchwerke. Gehalt sechshunbert Mark monatlich. Wir können ba auf Ihre Jugenb keine Rücksicht nehmen. Unb ich weiß, baß ich mich ganz unb gar auf Sie verlassen kann, Farnhorft! Günz unb gar! Ich brauche folch einen Menschen um mich."

Da wußte Farnhorft, baß ber junge Chef ihm einen restlosen Beweis seines Vertrauens gegeben hatte.

Ehe er noch etwas sagen konnte, fuhr Richard Feller forh

Wir sprechen über bie näheren Bebingungen noch nach Neujahr. Nur so viel noch: Ich werbe mich nächstens roieber auf Reisen begeben. Meine Frau begleitet mich. Unb ba haben Sie alles allein. Mein Vater bebarf ber Ruhe. Ihm hätten Sie also keinen Vortrag mehr zu halten. Ich verlasse mich bann ganz unb gar nur auf Sie!"

Ich werbe bas in mich gesetzte Vertrauen jeher« zeit rechtfertigen", sagte Farnhorft schlicht. Unb bas war auch zugleich ein eisernes Versprechen, die Ehe bes anberen zu ehren unb hochzuhalten.

Die Herren trennten sich.

Nachdenklich ging Farnhorft feiner Wohnung zu.

Doris Feller breitete gerade mehrere sehr kostbare Toiletten aus, als ihr Mann bas Zimmer betrat. Sie hatte sich biese Kleiber aus ber Hauptstabt schicken lassen, wo bas berühmte Mobeatelier Gisela Tettensprung seit Jahren ihre Maße besaß.

Guten Tag, Doris! Na schon wieder eine Berliner Sendung?"

Die Frage klang ironisch.

Die junge Frau wandte sich ihm zu.

Richard, mein Silvefterkleid ist einfach ein Ge­dicht. Sieh mal!" Sie breitete das Gebilde aus Spitzen und Seide vor ihm aus.

Er lächelte.

Ja aber Kind, wozu bloß diese übertriebene Eleganz? Wir werden wahrscheinlich ganz allein sein am Sylvesterabend. Farnhorft hat mir eben einen Korb gegeben, als ich ihm die Einladung für Silvester überbringen wollte."

Doris wurde blaß. Ihre Lippen zuckten.

Was soll bas heißen? Weih er nicht, was er feinem Chef fchulbig ist?"

Oh, bas weiß er eben ganz genau! Ich achte feine Grünbe. Er scheint sich hier eine kleine Braut zugelegt zu haben was weiß ich. ^ebenfalls ist er engagiert an biesem Abenb."

Das ist sehr hübsch von ihm. Er hat gewußt, baß ich mit ihm zusammen musizieren wollte."

Das läßt sich nickt änbern. Bedauerlich ist es gewiß, daß bu um deine Freube kommst?

Mit einem Ruck roanbte Doris sich um.

Ich bleibe hier nicht ganz allein. Ich will mich amüsieren, will tanzen, will ftöhlich fein. Dein Vater ist sehr krank. Er hat fein Gallenleiben viel zu lange vernachlässigt. Vielleicht haben wir nächstes Jahr schon Trauer, bann kann ich roieber hier fitzen."

Richarb Feller schwieg.

Nun wußte er enbgültig, wie hoch ber Wert bieser Frau war. Aber bas störte ihn nickt mehr. Tat nicht einmal mehr weh. Es war nur eine neue Bestätigung seiner Erkenntnis.

Ruhig sagte er:

Ich hatte auch schon baran gebacht, mit Dir nach Berlin zu fahren. Unb ba kann ich bich ja gleich mit einer Neuigkeit überraschen: wir reifen am 16. Januar nach Hamburg."

(Fortsetzung folgt)