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Bor 20 Jahren.
Oie Tragödie der 13 Tage. — Ein Zeitkalender der Tage des Kriegsausbruchs vom 23. 7. - 4.8.1914.
0er dreizehnte Tag: 4. August.
6 Uhr von: Der deutsche Gesandte in Brüssel teilt der belgischen Regierung mit, dah Deutschland gezwungen ist, seine Sicherheitsmahregeln im Rotfall mit Waffengewalt durchzuführen. Die deutschen Truppen mafchieren in Belgien ein. Belgien bricht die Beziehungen zu Deutsch- land ab.
9.30 Uhr: Telegramm nach Brüssel: Deutschland ist jederzeit bereit, mit Belgien über modus vivendi zu verhandeln; Basis: Oeffnung von Lüttich für Durchmarsch und keine Zerstörung von Bahnen, Brücken usw.
11.40 Uhr: Bethmann-hollweg erinnert durch deutschen Botschafter Wien daran, dah Deutschland durch Oesterreichs Vorgehen zur Kriegsführung ge- zwungen ist, und verlangt Wiens Kriegserklärung an Ruhland.
3 Uhr nachm.: Reichstagsrede Velh-
mann-hollwegs: Das „Unrecht an Belgien*1 — „wjr sind in der Rotwehr, und Rot kennt kein Gebot**. Die deutsche Sozialdemokratie bewilligt die Kriegskredite.
4 Uhr: Der britische Botschafter in Berlin Sie E. Goschen protestiert gegen die Verletzung der bei- gischen Reutralität.
7 Uhr: Goschen übergibt dem Berliner Auswärtigen Amt das englische Ultimatum: Deutschland sott bis 12 Uhr nachts versichern, dah es die Reutralität Belgiens achten werde, andernfalls „wird England Belgiens Reutralität schützen'*. Gegen7.30Uhr: Letzte Unterredung Belh. manns mit Goschen: „wegen eines Wortes — »Reutralität — wegen eines Fetzen Papiers will England mit dem Brudervolk Krieg führen! England ist für alle Folgen verantwortlich!**
12 Uhr nachts: Ablauf des englischen Ultimatums; Eintritt des Kriegszustandes zwischen Deutschland und England.
Die Wehrmacht legte Trauer an.
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„Ich schwöre bei Gott diesen heiligen Eid .. .**
Ein Bild von der Vereidigung der Wehrmacht auf den Führer des Deutschen Reiches und Volkes, Adolf Hitler.
Gefechte einspannt, hatte die 8. Armee bereits über 400 Offiziere und über 14 000 Mann verloren, bevor der erste Schuß der Schlacht bei Tannenberg fiel! Viele Tausende fühlten sich vor Schlachtbeginn am Ende ihrer Kraft und haben dennoch aktiven Anteil an dem Siege, bis sein letzter Schuß verklungen war. Der unbeugsame zähe Wille, nicht der Rausch, die grenzenlose Hingabe, nicht ein mürrisches Muß, waren es also, die 153 000 Deutsche befähigten, 191 000 Russen Der» nichtend zu schlagen, obwohl fast 300 000 hinter ihnen standen, ohne einzugreifen. Hinter der deutschen 8. Armee stand nichts! Obwohl wir nur 12 000 Mann verloren. Die Russen büßten 140 000 an
blutigen Verlusten und Gefangenen ein!
Kann deutlicher bewiesen werden, wie überlegen der deutsche Truppenwert und die deutsche Führung waren? Kaum. Kann überzeugender gezeigt werden, daß sich Deutschland in der Umwelt, in die es gesetzt ist, nur mit Höchstleistungen behaupten kann? Schwerlich. Kann drastischer bewiesen werden, daß die Armee das Wertvollste am wilhelminischen Deutschland war? Rein. — So ist uns also Tannenberg eines der leuchtenden Zeichen, die darauf hindeuten, daß die heutige Ration, die Adolf Hitler geschaffen hat, ihre schöpferischen Kräfte nur in dem heroischen Soldatentum finden konnte, das auf dieser ostpreußischen Walstatt
unsterblichen Ruhmes seine glänzende Bewährung fand. So mahnt uns Tannenberg über den politischen Schwächen der Vorkriegszeit nie zu ver- gessen, daß sie in ihren wehrhaften Volkselementen eine unbändige und unvergängliche Kraft barg, die nur der politisch ebenbürtigen Führung bedurft hätte, um unüberwindlich zu bleiben. So gehört Tannenberg zu den Brücken, die vom Dritten Reich zum Zweiten führen und auch erhalten bleiben müssen, damit der Faden weiter- gefponnen, die deutsche Lebensader gepflegt werde, die von Fehrbellin über Leuthen, Sedan und Tannenberg allein In eine glücklichere deutsche Zukunft führen kann. Gewiß nicht, um neuen Schlachtenruhm zu gewinnen. Wohl aber, um uns darauf zu besinnen, aus welcher Unsumme von Disziplin und Opfersinn, gewissenhafter Friedensarbeit und zuverlässiger Pflichttreue die Widerstandskraft erwuchs, die sich bei Tannenberg zum Schutze der deutschen Scholle offenbarte.
Wir haben kein Interesse daran, den Lorbeer der führenden und geführten Tannenbergkämpfer ins Ungemessene Hochzutreiben. Denn dafür sorgt die gigantische Feldherrn- und Truppenleistung ganz von selbst. Wir haben ein um so größeres Interesse daran, nach den Wurzelkräften und Bodensäften zu graben, auf denen der Sieg von Tannenberg beruhte. Diese Kräfte und Säfte aber finden wir nicht nur in den fünf Schlachttagen von, sondern vor allem in den fünf Friedensjahrzehnten vor Tannenberg. Allerdings nur im militärischen Rahmen der Armee, nicht im politischen Rahmen des Kaiserreiches. Dieser ist erneuert. Jener bedarf in seinem unvergeßlichen Geiste wahren Soldatentums nur der überliefernden Pflege. Wird er so gepflegt, wie das der jetzt in die Ewigkeit eingegangene Feldherr von einst und der junge Gefreite des Weltkrieges und Volkskanzler von -heute gefordert haben, dann kann uns die politische Einkreisung Deutschlands, die wir am Werke sehen, ebenso wenig schrecken, wie die operative Einkreisung, die vor Tannenberg der winzigen deutschen 8. Armee von zwei riesigen russischen Armeen her drohte. Deshalb lebt das Werk des Siegers von Tannenberg unauslöschlich im Herzen des deutschen Volkes fort.
Kunst und Wissenschaft.
Bon den Heidelberger Reichsfestspielen.
In den letzten Tagen hat sich ein ständiges Steigen der Besucherziffern bei den Heidelberger Neichsfe st spielen gezeigt, so daß schon mehrfach Vorstellungen ausverkauft waren. Auch das
Ausland nimmt regen Anteil. Der König von Siam, der einige Tage in Heidelberg verbrachte, zeigte auch reges Interesse für die Proben bei den Reichsfestspielen. Neben der beliebten Inszenierung des „Sommernachtstraums", der überaus eindruckaollen^ „Götz"-Aufführung und der als schauspielerische Meisterleistung anerkannten Vorstellung im Bandhaussaal („Lanzelot und Sanderein" und „Der zerbrochene Krug") wird jetzt besonders die „Deutschs Passion 1933" beachtet, die zu einem überwältigenden Erlebnis für alle Besucher wird. Die ersten Vorstellungen waren überfüllt. Augenblicklich wird für die Neueinstudierung der „Räuber" eifrig geprobt. Dr. Niedecken-Gebhard hat die Spielleitung. Fritz Alberti spielt den Grafen Moor, Heinrich George den Franz Moor, Paul Wagner den Karl Moor, Alexander G o l l i n g den Spiegelberg, Hans Brausewetter den Schweizer, Eugen Rex den Pater, Gerda Maria T e r n o die Amalie. — Große Beachtung findet auch augenblicklich die Ausstellung „Nationalsozialistische Thingstätten im Bau", die im Heidelberger Rathaus zu sehen ist und nach Umfang und Material einzigartig genannt werden kann.
Deutschlands Glückwünsche an Knut Hamsun.
Reichsminister Dr. Goebbels hat an Knut Hamsun, der am 4. August seinen 75. Geburtstag feiert, folgendes Telegrqrnm gerichtet: „Ich habe die Ehre, Ihnen zum 75. Geburtstag die herzlichsten Glückwünsche auszusprechen. Mit Bewunderung und Dankbarkeit gedenkt das deutsche Volk am heutigen Tage des großen Epikers und Gestalters echten Menschentums, dessen Werke wie kaum ein anderes eine Brücke zwischen dem deutschen und dem nor- wegischen Volk geschlagen hat. Mögen Ihnen noch recht viele Jahre fruchtbaren Schaffens beschieden sein. Reichsminister Dr. G o e b b e l s."
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Der Präsident der Reichsschrifttumskammer hat an Knut Hamsun, Grimstad, Norwegen, folgendes Telegramm gerichtet: „Ihres 75. Geburtstages gedenke ich in dankbarem Bewußtsein der tiefen Verbundenheit der deutschen Gegenwartsdichtung mit Ihrem Lebenswert. Unsere Besten sind es, die mit Ihnen im Wetteifer stehen. Die schöpferischen Kräfte unseres geistigen Lebens wie die kämpfenden sind immer von neuem von Ihnen befruchtet worden. Möge das Band, das uns verbindet, auch in Zukunft stark und lebendig bleiben, möge es zugleich ein Zeichen fein für alles, was unser Volk mit dem Ihren gemeinsam besitzt.
Hans Friedrich B l u n ck, Präsident der Reichsschrifttumskammer."
Hindenburg im Familienkreise
Von Marie v. Hindenburg.
Neun Jahre hindurch haben wir diesen Tag gefürchtet. Neun Jahre hindurch lastete eine ungeheure Verantwortung auf den Schultern des Achtzigjährigen — aber wenn wir im Familienkreise feiner tiefen Stimme lauschten, wenn wir den ruhigen Blick seiner Augen sahen, dann fühlten wir diese Verantwortung in guten Händen. Wie eine Eiche war Hindenburg, alt, sehr alt, aber nie schwach. Zwar war Deutschland bei jedem Gerücht über eine Krankheit des Reichspräsidenten besorgt, aber wenn ein Diplomat zu solchen Zeiten nach einem Staatsbesuch von Neudeck nach Berlin zurückkehrte, so fragten wir — und mit uns ganz Deutschland — ihn nicht nach politischen Ereignissen und Aeußerungen, sondern stets: „Wie geht es dem Feldmarschall?" oder „Sah der Reichspräsident wohl aus?" Und man erzählte uns, daß er in seinem Park spazieren ging, mit den Enkelkindern scherzte und beim Frühstück heiter geplaudert hatte.
Im Familienkreis zitterte die Liebe und Sorge um das persönliche Wohlergehen des Reichspräsidenten in jedem Wort mit — aber niemand wagte je eine direkte Frage an ihn, denn Hindenburg war nichts verhaßter als Gespräche über seine Gesundheit. Vielleicht hat ihm die soldatische Nichtachtung seines Körpers besser gedient als jede Medizin, obwohl sie seinen Aerzten das Leben nicht leicht machte. Hindenburg war nicht das, was man einen „guten Patienten" nennt. Seine Einfachheit schaltete aber auch all die Unannehmlichkeiten aus, die sonst mit dem Greisenalter verknüpft sind. Bis zum letzten Augenblick war Hindenburg einer der männlichsten Männer.
Und er war dabei von einer ausgesuchten, dabei aber natürlichen Höflichkeit, einer Eigenschaft, die ihm den Verkehr mit den fremden Diplomaten sehr erleichterte. Immer sorgte er dafür, dah das Gespräch mit einem befangenen Gegenüber nicht ins Stocken kam, und selbst bei etwas steifen Familienessen brachte er es fertig, humorvoll und unterhaltend zu sein. Eines Abends nach einem solchen Essen brachte er mich in seiner ungewöhnlich hohen Limousine nach Hause, in einer wahren Arche Noah aller Kraftwagen. „Ich kann nicht so zusammengekrümmt dasitzen", sagte er gleichsam entschuldigend, „ich bin nun einmal so groß geworden und möchte lieber unmodern, aber bequem fahren als unbequem, aber modern."
Zum ersten Male sah ich Onkcl Paul bei einem Familienfest anläßlich des siebzigsten Geburtstages
seines Vetters, meines Schwiegervaters. Ununterbrochen zogen Verwandte an mir vorbei, Fremde zumeist, denn die diplomatische Arbeit meines Gatten hatte uns lange Zeit von Berlin ferngehalten. Blumen und Geschenke kamen von allen Seiten, den ganzen Tag spielten Regimentskapellen auf dem engen Hof — kurz, alles war feierlich und leicht verlegen. Onkel Paul Hindenburg war die ganze Zeit hindurch schweigsam; schweigsam, aber aufmerksam hörte er auch die langen Tischreden an. Dann erhob er sich und hielt seine Geburtstagsrede auf seinen Vetter. Sie war knapp, sie war unpathetisch, aber durch ihren Ton klang nicht nur die Güte und Aufrichtigkeit des Menschen hindurch, sondern auch etwas Größeres, etwas, was ihn über alle Menschen emporhob. Er sprach von der Familientradition, von der langen Generationsreihe der Hindenburgs, die ihrem König auf dem Schlachtfeld dienen durften. „Seit dem 12. Jahr- hundert waren wir Soldaten, feit dem Beginn unserer Familienannalen", sagte er, „und in diesen Jahrhunderten sind zwanzig von uns für ihr Vater- land gestorben."
Schon damals wie noch so oft in späteren Iah- ren spürte ich, -wie ungewöhnlich liebenswürdig Hindenburg als Mensch war, und ich dachte an die Liebesgeschichte aus seiner Jugend, die mir meine Schwiegermutter erzählt hatte. Kurz vor dem Krieg von 1870 lag Paul von Hindenburg in Hannover in Garnison, und er hatte sich damals ernst in eine junge Hannoveranerin verliebt. Sie erwiderte seine Liebe, aber ihr Vater war ein leidenschaftlicher Parteigänger der Welfen, und der Gedanke, seine Tochter könnte einen preußischen Offizier heiraten, war unerträglich für ihn. So schmerzvoll es mar, Hindenburg mußte sich von seiner Gelie-bten trennen; er begrüßte den Kriegsausbruch und war als einer der ersten an der Front, in der Hoffnung, hier den Tod zu finden. Mitten in den Kriegswirren wurde er dringend auf wenige Tage nach Hannover zu- rüdgerufen — das Mädchen, das er liebte, lag im Sterben. — Meine Schwiegermutter erzählte mir, daß Paul Hindenburg ein gebrochener Mann gewesen sei, bis er — lange Jahre später — die Tochter eines preußischen Generals heiratete. Ob Hindenburg im letzten Jahr nicht oft daran gedacht haben mag, wie ganz anders die Geschichte seiner großen Liebe hätte verlaufen können, wenn ein Adolf Hitler schon vor sechzig Jahren ein wahrhaft einiges Deutschland aufgebaut hätte? — Aber nein: Hindenburg verlor sich nicht in unnützen Grübeleien, er sah die Gegenwart und tat in ihr seine Pflicht, ritterlich, nüchtern und mit gesundem Menschenverstand, einer Eigenschaft, die den Nörglern aller Länder verhaßt ist.
Niemals in der Geschichte der Familie von Hindenburg hatte ein Familienmitglied einen Ausländer geheiratet, bis — vor etwa dreißig Jahren — ich auf der Szene auftauchte. (Die Verfasserin, Gattin des Gesandten von Hindenburg, ist gebürtige Schottin. D. Sehr.) Wir fürchteten alle, daß der alte deutsche Soldat, schon damals das Familienhaupt, die Heirat mißbilligen würde; aber als der Weltkrieg ausbrach und der Name Hindenburg in der ganzen Welt erscholl, da war dieser alte deutsche Soldat so ritterlich, inmitten seiner Arbeit daran zu denken, welchen unschätzbaren Wert ein Wort von ihm für die fremde Frau in feiner Familie gerade in diesem Augenblick haben mußte; denn in seinen Briefen von der Front an meine Schwieger- mutter vergaß er nie, mir einen besonders freund- liehen Gruß zu senden. Vor einigen Jahren, bei einem großen Diner im Reichspräsidentenpalais dankte ich ihm noch einmal recht herzlich dafür. „Ich freue mich, daß ich Dir helfen konnte," antwortete er schlicht, „das Leben muß damals für Dich nicht leicht gewesen fein."
Es war nur natürlich, daß ich wie alle anderen Familienmitglieder Onkel Paul Hindenburg, feine Höflichkeit, seine wohlklingende Stimme und fein ruhiges Wesen sehr gern hatte. Ueberraschend war es mir indessen zunächst, daß ich schon zur Zeit meiner Heirat, damals noch jung und gewohnheitsmäßig respektlos, für den General von Hindenburg tiefe Achtung empfand. Aber ich teilte damit nur die Empfindungen aller Menschen seiner Umgebung. Wenn Hindenburg unter dem Donner der Salutschüsse zu Grabe getragen wird, so wird ihm ein köstlicheres Geschenk als alle bisherigen Ehren und Würden dargebracht: die Tränen eines Volkes.
Dreißig Lahre Gonnenkuren im Hochgebirge.
Die Segenskraft des Sonnenlichts war schon den alten Griechen und Römern bekannt, und gebräunte Haut galt bei ihnen als ein Zeichen der Gesundheit und Kraft. Die Sonnengebräunten nannten sich daher mit Stolz „Sonnenmenschen", d. h. solche, die unter freiem Himmel leben und sich von den „Stubenhockern" unterscheiden, die man verächtlich als „Schattenpfleglinge" bezeichnete. Das Sonnenbad gehörte zum täglichen Leben der Griechen und Römer, aber bei uns ist es erst in jüngster Vergangenheit wieder aufgenommen und allmählich Zum Allgemeingut gemacht worden. Der erste Vorkämpfer auf diesem Gebiet war Oskar Bernhard, der vor dreißig Jahren als Chefarzt des
Oberengadiner-Kreis-Spitals in Samaden die moderne Sonnenbehandlung oder Helio-Therapie be- ö^indete. Wie er selbst in einem Rückblick in der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift" erzählt, gab lOm dazu eine große Bauchwunde den äußeren An- die nach einer Milzoperation geplatzt war. „Von der Erfahrung ausgehend", schreibt er, „daß der Bündner Bergbauer seit uralten Zeiten frisches vieisch durch Aussetzen an Lust und Sonne konserviert, versuchte ich, diese antiseptische und eintrocknende Wirkung von Sonne und Lust auch beim lebendigen Gewebe zu verwerten, indem ich die große Wunde direkt der Wintersonne aussetzte. Der Erfolg war überraschend. Die Granulationen wurden zusehends besser und kräftiger, und die enorme Wunde überhäutete sich rasch. Dieser Erfolg ver- anlaßte mich, von da an sämtliche schlecht heilenden Wunden und namentlich tuberkulöse Wundhöhlen mit Sonnenstrahlen zu behandeln. Bald darauf ging ich auch zur Helio-Therapie geschlossener tuberkulö- ser Herde über. Auch hier waren die Ergebnisse ausgezeichnet. Gerade bei der chirurgischen Tuberkulose sollte es der Helio-Therapie beschieden sein, die Methode der Wahl zu werden." Bernhard setzte die Sonnenlicht-Behandlung seit 1904 energisch fort und «munterte damit auch andere Aerzte, besonders R o 11 i e r in Leysin, sich diesen Kuren zuzuwenden. Seitdem hat die Behckhdlung immer weitere Ausdehnung gefunden und ist besonders für unsere größte Dolksseuche, die Tuberkulose, als das wichtigste Heilmittel erkannt worden.
Äod)fd)ulnad)rid)ten.
Professor Dr. Erich Hoffmann von der UniDerfität Bonn, der bekannte Dermatologe, wurde vom Vorstand der Stiftung Georg- Speyer-Haus in Frankfurt am Main als auswärtiges Mitglied in dieses chemo-therapeutische
- yUngsinftitut berufen. Es soll ihm damit die Möglichkeit gegeben werden, frei von amtlichen Berpflichtungen sich ausschließlich seinen Forschun- gen auf dem Gebiet der Haut- und Geschlechtskrankheiten, insbesondere der Syphilis, zu widmen. -Professor Hoffmann wird von seinen amtlichen Verpflichtungen als odentlicher Professor und als Direktor der Hautklinik in Bonn entbunden.
D« Präsident des Thüringischen Landesamts für Rafsewesen Dr. mecs. Karl Ästet in Weimar jft zum o. Professor in der medizinischen Fakultät der Universität Jena mit dem Lehrauftrag für menschliche Züchtungslehre und Dererbungsforschung ernannt worden.


