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Hreitag,4-Mi 1934

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Nr. 105 Dritter Blatt

Heil Hitler!

Gez.: Sprenger.

Oie weiteren Glückwünsche.

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mit übergegangen in den Ruhm unserer Universität.!

Die Ehren, die sich auf ihn gehäuft hätten als Mit-1

Nachdruck verboten!

32 Fortsetzung.

N.

etwa-unangenehm--,

Peinliches.

Er fand gar keine Ruhe, immer und immer wie­der mußte er an Regina Graven denken. Erst ver­suchte er darüber wegzukommen, aber schließlich gab er seinem Bürovorsteher ein paar Weisungen und verließ das Haus. Am Vormittag hatte er keinen Termin wahrzunehmen, und bis zur Sprech­stunde am Nachmittag wollte er bestimmt zuruck sein. Er fuhr nach dem Vorort hinaus zu Regina. Er hatte zu großes Verlangen, sie wiederzusehen; aber das ging sie nichts an, er wollte ihr nur vor­stellen, daß man endlich an die Weiterarbeit gehen müsse, das fordere die Pflicht gegen Jobst Freese.

Er fand das Gittertor zum ersten Male unver­schlossen; von innen steckte der Schlussel Er dachte, eigentlich war das auffallend; aber vielleicht waren das Stubenmädchen oder die Wirtschafterin schnell

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Wissenschaft noch recht lange in Gesundheit unü bester Schaffenssreude erhalten bleiben.

$)ie echte und die falsche ©oralies Roman von Anny von Panhuys.

Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Derlag, Halle (S.)

Der Glückwunsch des Reichsstatthalters und der Hessischen Regierung.

Darmstadt, den 3. Mai 1934.

Hochverehrter Herr Geheimerat!

Der heutige Tag, der Sie auf ein an Arbeit und außerordentlichen Erfolgen überreiches Leben Sie wollte sich ihm entreißen und stemmte sich gegen ihn, doch sein Kuß nahm ihr. den Atem. Und in der entsetzlichen Atemlosigkeit fühlte sie er- chauernd: ich liebe ihn ja gar nicht.

Wild rauschte das Blut in ihren Ohren, wie das Tosen eines mächtigen Wasserfalles glaubte sie es zu hören.

Tag für Tag hatte Holm Meerhold darauf ge­wartet, Regina würde ihn bitten, zu kommen, damit man gemeinsam an die Weiterarbeit des Buches gehen könne, das Jobst Freese ihnen beiden aufs Herz gebunden hatte. Er gestand es sich ein: er hatte große Sehnsucht, Regina wiederzusehen, dennoch tat es ihm nicht leid, daß er so offen gegen sie gewesen war. Er wollte keine Frau, die das Bild eines anderen Mannes im Herzen trug. Er wollte eine Frau, die ihn liebte. Aber wiedergesehen hätte er Regina trotzdem gern, so gern.

Er wartete voll Unruhe auf Reginas Nachricht die Tage schienen ihm endlos.

Er. besaß eine ziemlich große Praxis; aber die meisten, die seinen Rat suchten, waren arme Leute. Sie zahlten wenig, sie zahlten unsicher, und er stundete oft. Die Honorare für die fachschriftstelle­rischen Arbeiten waren ihm deshalb stets hochwill­kommen. Er wohnte oben im Norden, und es war ein weiter Weg nach dem Vorort hinaus. Oft, manchmal täglich, hatte er ihn gemacht, um mit Jobst Freese zu arbeiten. Aber er verfügte, wie die meisten viel arbeitenden Menschen, immer noch über Zeit, im Gegensatz zu denen, die wenig oder nichts zu tun haben und ständig über Zeitmangel stöhnen. Er gehörte zu denen, die schon in aller Herrgotts­frühe am Schreibtisch sitzen. Häufig begann er schon um vier Uhr morgens seine Schriftsätze oder ver­tiefte sich in wichtige Akten.

wunschschreiben:

Das Schreiben des Reichspräsidenten.

Der Reichspräsident.

Berlin, den 2. Mai 1934.

Sebr geehrter Herr Professor!

Zur Vollendung des 80. Lebensjahres sende ich Ihnen meine herzlichen Glückwünsche. Gern ge­denke ich aus diesem Anlaß der großen Ver­dienste, die sie sich in jahrzehntelanger Arbeit als Germanist, Philologe und Erforscher der deut­schen Geschichte und Vorgeschichte um die deutsche Kultur erworben haben. Es ist mir eine Freude, Ihnen am heutigen Tage die Goethe-Me­daille zu verleihen.

Mit freundlichen Grüßen

Gez.: von Hindenburg.

Anschließend teilte der Redner mit, daß sich der Herr Reichsminister des Innern den Glückwünschen des Herrn Reichspräsidenten an­schließend und zugleich auch seine persönlichen Glück­wünsche aussprechen lasse.

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Wiffenfchafi und Mitbürger ehren Geheimerat Behaghel.

Der Reichspräsident verleiht dem hochverdienten Gelehrten zu seinem 80. Ge­burtstage die Goethe-Medaille.

8l!<5ein' fien klopfte, sein Atem ging schnell. Oh. so viel Schönheit und Süße sein nennen zu dürfen.

Er, der sonst kühl Berechnende, war zum Sklaven seines jetzt überstarken Empfindens geworden^

Er trä». hastig näher, breitete Regina die Arme entgegen, riß sie gleich darauf an sch wie Eigentum, das man ihm nehmen wollte.

Du!" flüsterte er, und sein Mund preßte sich auf den ihren, fest und gewaltsam. Sem Kuß raubte ihr jäh den Atem und da geschah das Seltsame, sie spürte den Kuß nicht als Gluck, nicht als zart- 1. , 'r? . -______ __r- Ai«'«« HMnnrtPnphm£5

sprach als erster Redner im Namen der Landes- j Universität Gießen. Er wies einleitend auf das ' schlichte Wesen Behaghels hin und betonte, dieser ordne sich selbst in den Geist herzlicher kamerad- ' schaftlicher Verbundenheit ein, der heute mit neuer Stärke die Landesuniversität ergriffen habe, und : er bezeuge damit, daß dieser Geist kein anderer sei als der, der die Landesuniversität in ihren besten Vertretern immer beseelt habe. Es sei ihm eine besondere Freude, an diesem Freudentage einen Kreis von Gästen im Namen der Universität begrüßen zu können, weil dieser Tag die Möglich­keit gebe, oarzutun, daß der Geist eines lebendigen Wollens und Ringens um die Neugestaltung der Universität auch schöpfe aus dem Quell der besten Ueberlieferungen unserer hessischen Landesuniversi­tät, wie sie in Geheimerat Behaghel verkörpert er­scheine. Der Redner erinnerte sodann daran, daß vor zehn Jahren der damalige Dekan der Philo­sophischen Fakultät Professor Eigener auf Behaghel das Wort Pius' IX. anwandte:Die Tradition bin ich." Daß Geheimerat Behaghel für die Universität die beste Ueberlieferung verkörperte, den freien, brüderlichen, kameradschaftlichen Sinn, fei noch in einem tieferen Sinne richtig. Er habe in seinen Arbeiten allezeit etwas von dem geleistet, was heute vielfach unter den Begriff der national­politischen Erziehung gebracht worden sei; Erzie­hung zu festem Deutschtum, deutschem Wesen, deut­schem Heimatsinn, Gefühl für die deutsche Sprache, Bindung an das deutsche Volkstum, an die lebendi­gen Wurzeln unserer Kraft. Er habe damit, stark und im Sinne bester Ueberlieferungen der Univer­sität auf seine Schüler und Kollegen eingewirkt. Die Universität habe allen Grund, auch da, wo sie heute Neues bauen wolle, voll Andacht das zu ehren, was früher in der guten deutschen Uni­versität in der Erziehung zum vaterländischen Denken schon geleistet wurde und auf dem das Neue aufgerichtet werde. Der Redner rühmte sodann die Treue, die Behaghel durch die Jahrzehnte hindurch der Landesuniversität gehalten hat, erinnerte an fein dreimaliges Wirken als Rektor und an sein lebendiges Zugreifen bei neuen Aufgaben, an seine schöpferische Mitwirkung bei der Gründung der Hochschulgesellschaft usw. Alles das, was Behaghel wissenschaftlich gearbeitet habe, sei zu einem Teil

Diese Schreiben seien verbunden mit dem Wunsche, daß dem Gelehrten vom Schicksal noch viele Jahre geschenkt werden möchten in geistiger und körper­licher Rüstigkeit, zu seinem persönlichen Glück, aber auch zum Segen für die Wissenschaft und für unser deutsches Volk. Zum Schluß sprach der Redner dem Achtzigjährigen noch die herzlichsten persönlichen Glückwünsche aus.

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Der Vorsitzende der Gießener Hochschulgesellschaft Dr. h. c. Meesmann feierte den Gelehrten al^!

Die Nachlässigkeit mußte, auf Frau Malwines Schuldkonto gebucht werden. Sie hatte sich zu sehr erschreckt beim Anblick Peter Konstantins, weil er ihm so seltsam glich, und hatte in ihrer großen Verwirrung den Schlüssel stecken, die Tür unver­schlossen gelassen.

Er betrat das Haus; niemand kam ihm entgegen, und er blieb einen Augenblick unschlüssig auf dem Flur stehen. Er wollte schon umkehren, um auf den Klingelknopf zu drücken, der an der Haustür an­gebracht war, der aber kaum benutzt wurde, weil bas Gartentor sonst stets verschlossen und man des­halb gezwungen war, sich durch die Klingel draußen anzumelden. Aber gerade, als ef den Schritt wandte, hörte er ein unterdrücktes Stöhnen. Don ganz nahe kam es. Aus dem Zimmer, vor dem er gerade stand. Er kannte die Zimmer des Hauses genau und wußte, die Flügeltür vor ihm führte in den kleinen Rokokosalon mit den weißgoldenen Möbeln und den

Die Landesuniversität Gießen ehrte gestern einen ihrer Großen aller Zeiten in würdiger Weise: den Germanisten Geheimerat Pros. Dr. B e h a g h e l anläßlich seines gestrigen 8 0. Geburtstages. Dieser Ehrung unserer Alma mater Ludoviciana schlossen sich der Herr Reichspräsident, der Herr Reichsstatthalter in Hessen, die hessische Regierung, andere Universitäten bzw. wissenschaftliche Vereini­gungen usw. an. Sie alle huldigten dabei in herz­licher Weise dem Gelehrten, dessen Weltruhm die Wissenschaft in .dankbarer Anerkennung seiner Ar­beit schon lange verkündet, sie huldigten aber auch dem großen Vorkämpfer und Wegbereiter des deut­schen Volkes im Ringen um seine kulturelle Geltung in der Welt, schließlich dem vorbildlichen deutschen Menschen.

Zunächst fand eine schlichte, aber sehr eindrucks­volle und denkwürdige Ehrung in einem kleineren Kreise im Studentenhaus statt. Hierbei vertrat Mi­nisterialrat Ringshausen die Regierungsbehör­den des Reiches und Hessens.

<5e. Magnifizenz der Rektor Prof. D. Lornkannn

sprach sodann als Vertreter der Reichsregierung und der hessischen Staatsregierung. Er betonte, im Hinblick auf die hohe Bedeutung der Per­sönlichkeit Behaghels sowohl als Mensch wie auch als Träger hoher geistiger Kraft, Forscher und Lehrer der Universität vereinigten sich im Reich und darüber hinaus viele Persönlichkeiten zu einer brei­ten Front, um vor den Achtzigjährigen hinzutreten und ihn zu seinem 80. Geburtstag zu beglückwün­schen. Wenn die hessische Regierung bestrebt sei, den Ruf der Universität Gießen zu fordern und zu stei­gern, so sei sie sich bewußt, daß gerade die Per­sönlichkeit Behaghels es gewesen sei, die den hohen Ruf der Universität Gießen weithin in alle Welt getragen habe. Dafür gebühre gerade heute dem Achtzigjährigen herzlicher Dank, die Regierung danke aber auch dem Schicksal, daß es diesen Ge­lehrten ein so hohes Alter in Rüstigkeit beschert und damit der deutschen Wissenschaft und dem ganzen deutschen Volke viel Gutes geschenkt habe. Behaghel ei einer der wenigen, der als Künder der Wissen- chaft Hand in Hand gehe mit den vielen Größen auf den übrigen Gebieten des menschlichen Lebens und aus den Höhen der Menschheit. Darum stünden heute auch die Höchsten in Deutschland vor diesem Manne, um mit Dank für die Gnade des Schicksals ihm die herzlichsten Glückwünsche zu seinem hohen Lebensalter zu überbringen und ihm zugleich Dank zu sagen. Für die großen Güter, die er der Wissenschaft und dem deutschen Volke geschenkt habe. Der Redner verlas hierauf die nachstehenden Glück­

glied vieler Akademien und als Mitglied der Deut­schen Akademie seien auch Ehren für unsere hessische Landesuniversität. Die Universität sei Geheimerat Behaghel von ganzem Herzen dankbar. Als äußeres Zeichen dieses Dankes überreichte ihm Se. Ma­gnifizenz ein Kunstwerk aus Meißener Porzellan zugleich mit dem Wunsche, daß der allmächtige Gott dem Achtzigjährigen noch lange das Licht des Le­bens scheinen lassen möchte zur Freude feiner Fa­milie, zum Ruhm und zur Ehre unserer Universität, der er nächst seiner Familie gehöre.

Mmifienairal Rmgshausen

Hellen Seidenbezügen. .

Das sonderbare, dumpfe Stöhnen hatte ihn er­schreckt. Jähe Angst um Regina war plötzlich in hm Vielleicht war die Tür draußen unverschlossen gewesen, weil jemand zum Arzt gelaufen war Er Überlegte nicht weiter und drückte die Klinke nieder, tand nun vor einem Bilde, das ihn erschütterte durch und durch.

Er sah Regina Graven in Konstan­tins Armen liegen.

Er kannte Peter Konstantin, feinen Doppelgänger, nur flüchtig. Aber bei Terminen hatte es schon manchmal Irrtümer gegeben wegen der Ähnlichkeit.

Sein Eintritt war unbemerkt geblieben. Und er wollte sich sofort leise wieder entfernen, da erkannte er daß Regina die Umarmung ja gar nicht frei­willig duldete, sondern sich verzweifelt dagegen wehrte. Eben klang auch das dumpfe Stöhnen wieder auf, und Holm Meerhold begriff sogleich. Regina konnte nicht um Hilfe rufen, weil Peter Konstantin sie immer wieder küßte.

Mit einem einzigen Sprung war er bei den beiden und ließ feine Rechte hart auf die Schulter des anderen niederfallen. Jäh gab Peter Konstantin Regina frei, blickte erschreckt und fassungslos m das Gesicht Holm Meerholds. Er fuhr sich hastig über das Haar, aus dessen glattem Scheitel sich ein paar Strähnen gelöst hatten, die ihm in die Stirn hin- gen, blieb aber stumm.

Regina taumelte ein wenig, ihr Kopf war ganz wirr von dem Entsetzen der wenigen Minuten, die vergangen waren, seit Peter Konstantin sie an sich gerissen hatte. Ein paar Minuten mir, die ihr aber lange, lange Stunden schienen.

Ihre Augen flogen angstvoll und sichend zu Holm,

und im nächsten Moment klammerte sie sich schon fest an ihn, bat zitternd:

Lieber, lieber Holm, befreie mich von diesem abscheulichen Menschen."

Sie schluchzte vor Erregung laut auf.

Holm Meerhold blickte den anderen kalt und feindlich an. .. u

Verlassen Sie so schnell als möglich das Haus, Doktor Konstantin!"

Peter Konstantin wollte etwas erwidern; aber er fühlte, jedes Wort konnte ihm hier nur noch mehr schaden. Dieser unbedeutende Anwalt aus dem Norden Berlins, dem er sich turmhoch überlegen gefühlt, dem er nur flüchtig Beachtung geschenkt hatte, weil er ihm ähnelte, schien Rechte an Regina Graven zu besitzen. Er selbst war also von einer ganz falschen Voraussetzung ausgegangen. Regina liebte ihn nicht, sie liebte den anderen, der ihm ähnelte. Sie nannte ihn ja beim Vornamen ufib duzte ihn.

Von der Tür aus schaute er sich um, sah, wie die Hand seines Doppelgängers beruhigend über die leuchtende, rotgoldene Haarpracht Reginas strich.

Still verließ er das Zimmer. Draußen an der Garderobe hingen sein Paletot und Hut, und er schlich sich geräuschlos wie ein Dieb aus dem Hause. Er sand die Gartentür noch offen, war froh dar­über, lief verstört, ohne aufzublicken, durch die winterkalten Straßen.

Die frische Luft aber brachte fein Denken rasch wieder in normale Gleise. Und ihm wurde immer erbärmlicher, immer flauer zumute.

Wenn etwas von dem Geschehnis an die Oefsent- lichkeit dränge, wäre er im Hause Stäbnitz voll­kommen erledigt und das nein, das wollte er nicht. Er begriff schon jetzt nicht mehr, daß er sich so weit hatte vergessen können.

Er betrat ein Casö, trank einenSchwarzen unr­einen Kognak, begann zu überlegen. Er glaubte damit rechnen zu dürfen, daß Regina Graven und Doktor Meerhold Schweigen bewahren würden. Aber er mußte nun bei Frau von Stöbnitz über den Verlauf des Besuches bei Regina lügen er, der nur die frommen Lügen hatte gelten lassen wollen.

Er fühlte Ekel in sich aufsteigen, Ekel vor sich selbst, und dabei sah er noch immer Regina Graven vor sich, fühlte ihre weichen Lippen...

Ob er das Verlangen nach dem lockenden Jung- mädchenmund überhaupt jemals im Leben los- werden würde?

Er senkte tief den Kops und dachte mit fest atffr einanbergebiffenen Zähnen, diesen Tag wurde er wohl sobald nicht vergessen. *

(Schluß folgt.)

zurückblicken läßt, dessen größeren Teil Sie im Dienste Ihrer hohen Wissenschaft der Universität Gießen gewidmet haben, gibt mir und der Hessi­schen Staatsregierung willkommenen Anlaß, Ihrer in herzlicher Dankbarkeit und Verehrung zu gedenken. Gestatten Sie uns, Ihnen als be­scheidenes Zeichen unserer Anerkennung und Wertschätzung Ihrer unvergeßlichen Verdienste um die Wissenschaft und die Universität Gießen eine kleine Auswahl Hessens edelster Weine zu überreichen. Wir verbinden mit dieser Gabe des Landes den aufrichtigen und herzlichen Wunsch, daß Sie dem deutschen Volke und der deutschen

Ministerialrat R i n g s h a u s e n als Vertreter der Regierung überreicht Geheimerat Professor Dr. B e h a q h e l die Glückwunschschreiben des Reichspräsidenten und des ReichsstatthaUers. (Aufnahme: Photo-Pfaff.)

Wie schön sie war, wie wunderschön! Er, der Streber, dem Mädchen und Frauen bisher nicht viel mehr als schöne ober anmutige Bilber gewesen waren, empfanb immer stärker bas unbänbige Ver­langen, bie Golbhaarige an sich zu ziehen mit rascher Bewegung, sie fest in seine Arme zu betten unb sie zu küssen, toll unb heiß. Was er bisher versäumt hatte, brängte sich jetzt gebieterisch vor, schob jeben anberen Gebauten beiseite, knebelte bie Vernunft und triumphierte.

Er sah nur noch das schöne Gesicht.

Wie eine wundervolle Göttin der Trauer, aus griechischen Hainen hierher verweht in den kleinen, eleganten Rokokosalon der Berliner Vorortvilla so erschien ihm Regina Graven. Sowohl das bis über bie Knöchel reichende, nach unten weit ausfallende Kleid, als auch das ftumpffeibene Jäckchen mit ben langen, weiten Aermeln hatten etwas Antikes, Zeitloses.

Griechengöttin!, burchzuckte es ihn rounberbare, lebendig gewordene Griechengottm alter Sagen, ich begehre dich! Er, der erst Siebe für Regina emp­funden hatte, feit sie so plötzlich das Stabrntzsche Haus verlassen - der, nachdem er darauf au merb fatn gemacht worden war, sie hebe »hn, plötzlich Gegenliebe gefühlt, und trotzdem aus nüchternen, selbstsüchtigen Gründen nicht daran gedacht hatte, sich ihr zu nähern, geschweige an eine Ehe mit ihr zu denken, stand da wie in einen Taumel hmem-

Mitbegründer und tragende Säule der Gießener Hochschulgesellschaft, für deren Aufgabe sich Ge- heimerat Behaghel stets mit großem Eifer einsetzte. Mit der Bitte um seine weitere Mitarbeit ver­knüpfte der Redner die herzlichsten Wünsche für das weitere Wohlergehen des Gelehrten.

Profeffor Dr. M a u r e r - Erlangen (früher m Gießen) huldigte als Schüler mit herzlichen Worten dem großen Lehrer und Forscher, der auch als Mensch seinen Schülern stets die warmherzigste Förderung zuteil werden ließ. Als Ehrengabe an biesem Festtage überreichte ber Rebner bem Ge- heimerat eine'Festschrift, bie von früheren Schulern unb nahestehenben Fachkollegen unter bem Titel Germanische Philologie" herausgegeben unb von dem Verleger des Geheimerats m einem prächtigem Bande im Druck hergestellt wurde.

Prof. Dr. Götze (Gießen) übermittelte bie Herz- sichen Glückwünsche und den Dank des Deutschen Sprachvereins, ferner überreichte er als Dantes« unb Ehrengabe dieses Vereins an den Geheimerat ben Selben en Ehrenring bes Deutschen Sprachvereins mit ber Bitte, biefen Ring als Dankeszeichen bes Vereins zu tragen. Weiter brachte ber Rebner bie Glückwünsche der Fachgenossen in Amerika zum Ausdruck.

Für ben Oberhessiischen Geschichtsverein in Gießen brachte Prof. Dr. Mayer herzliche Wünsche unb aufrichtigen Dank bar, wobei ber Rebner hervorhob, baß Geheimerat Behaghel schon vor fünf Jahren zum Ehrenvorsitzenden dieses Vereins ernannt wor­den sei.

Professor Stengel (Marburg) als Vertreter ber Historischen Kommission für Hessen unb Walbeck roürbigte bie Mitarbeit bes Geheimerats mit bant­baren Worten unb brachte herzliche Wünsche bar.

Pros. Dr. H e p b i n g (Gießen) sprach im Namen ber Hessischen Vereinigung für Volkskunde bie besten I Wünsche und aufrichtigen Dank aus, ferner teilte er

Im Namen der Philosophischen Fakultät sprach der Prodekan Professor Dr. Glöckner herzliche Glückwünsche aus und betonte dabei, daß die Fakul­tät sehr stolz sei, Geheimerat Behaghel zu den Ihrigen zählen zu dürfen. Er dankte im Namen der Fakultät dem Achtzigjährigen für sein Wirken als aufrechter, tapferer und treuer Gelehrter, der deutsch im Forschen und im Wesen und vorbildlicher Füh­rer als Gelehrter, wie als Mensch sei. Seine Per­sönlichkeit werde lebendig weiterwirken in die Zu­kunft hinein, die Ueberlieferungen die er gegründet und gepflegt, würden auch den folgenden Gene­rationen heilig sein.

Bürgermeister Dr. Hamm überbrachte bie herz­lichsten Glückwünsche ber Stabt Gießen unb wies habet auf bie vielfältigen Verbienste hin, bie sich Geheimerat Behaghel auf bem Gebiete ber Vvlks- funbe, ber Theater- unb Musikpflege, wie ber Kunst in unserer Stabt überhaupt erworben hat. Weiter betonte ber Rebner, baß ber Weltruhm bes Gelehrten, ber so außerorbentlich defruchtenb der Universität Gießen zugute gekommen sei, die Stadt Gießen ebenfalls in der Welt bekannt gemacht habe. Die Dankbarkeit unserer Stadt sei schon vor VA Jahren durch die Verleihung der Goldenen Ehren­plakette der Stadt Gießen an Geheimerat Behaghel zum Ausdruck gekommen, der Dank solle aber heute zusammen mit den Glückwünschen noch einmal er­neuert werden. Sodann überreichte der Redner in seiner Eigenschaft als Regimentskamerad der ehemaligen badischen Leibgrenadiere dem Gelehr­ten, der im gleichen Regiment als Einjähriger ge­bient hat, als Zeichen der kameradschaftliches Ver­bundenheit die goldene Ehrennadel ber babischen ßetbgrenabiere.