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Oer Komponist W. v. Moellendorff f.
Willy von Moellendorff, als Begründer des Vierteltonsystems und als Komponist durch seine Chorwerke „Huhn und Karpfen" und „Die Brücke am Tay" u. a. rühmlichst bekanntgeworden, ist, wie man uns schreibt, 62jährig in Stettin g e st o r - b e n. Moellendorff lebte viele Jahre in Gießen; hier waren es die Chormeifter G ö r l a ch und Schüttler, die sich seiner Kompositionen liebevoll annahmen. Dom Deutschen Museum in München ist ein erstes Versuchsinstrument, sein Viertelton- Klavier, der Sammlung seltener Musikinstrumente zugeteil worden. In bester Erinnerung dürfte der Vortrag über Vierteltonmusik sein, den Moellendorff vor etlichen Jahren hier in der Hochschulgesellschaft mit großem Erfolg auf seinem selbst erfundenen Viertelton-Harmonium (braune Tasten) hielt. Moellendorffs ganzes Leben war Arbeit, und wenn das Sprichwort recht behält, daß ein Künstler erst gestorben sein muß, um sich durch- zusetzen, so werden wir noch viele Kompositionen von ihm zu hören bekommen, namentlich seine orchestralen Werke, die ein beredtes Zeugnis von seinem großen Können ablegen.
sich unlustig durch den Staub dreht. Keine Stunde mehr unter den perlmuttschimmernden Wolken des Morgenhimmels, keine Stunde nach der Heimkehr, wenn im Wind das Nahen der Nacht spürbar wurde.
Eine große Trauer und Müdigkeit legte sich so schwer auf sie, daß es ihr an diesem Tage schwer iel, ihren Dienst zu tun. Ihre Finger eilten^teilnahmslos über Tasten, drückten an Hebeln, rückten an Walzen, Spulen, Rädern, ohne sich dessen bewußt zu sein. Menschen kamen. Menschen gingen. Sie wurde sie kaum gewahr. Sie neigte sich über ihre Arbeit wie man sich zum Brunnen neigt, denn diese Arbeit war ein Damm, der dem Schmerz wehrte, sie zu überfluten. Und dann kam das Heimgehen, das bitter war wie noch nie.
Ihre Füße, die fönst die Treppenstufen wie im Sturm genommen hatten, zögerten und wollten lieber verweilen als gehen. Ihre Hand, die nie eine Stütze gebraucht, griff nach dem Holz des Geländers. Und als sie in ihr Zimmer kam, da stand sie lange am Fenster in Traurigkeit.
Als sie am traurigsten war, kamen von drüben, । ihre Seele anrufend, mit Macht die Klänge einer Flöte. .
Sie wußte es sofort: er sprach zu ihr. Er zeigte ihr: Nichts kann uns trennen, lieber alles Trennende hinweg — mag es auch so hoch wachsen — wie es will, findet meine Liebe den Weg — hinüber zu dir. Als die Flöte schwieg, da nahm Cornelie von dem Schranke die kleine Geige, auf der sie als Kind gespielt hatte.
Und sie führte den Bogen über die lange verstummten Saiten, um der Flöte Antwort zu geben. Noch war es eine stammelnde, ungeschickte Sprache, die es erst lernen mußte, sich kund zu tun.
Aber der Frühling war ja noch lang. Immer besser würde sie klingen. Immer stärker würde über den grünen Wald hinweg die Stimme der Liebe dringen zu dem, der sie anrief und ihrer wartete.
Doch finster und finsterer wurde es, je weiter der Ballon in die Stratosphäre hineingeriet und je mehr er sich dem äußeren Rand der Lufthülle und damit dem Weltenraum näherte. Bei 21000 Metern zeigte der Himmel eine schwarzviolettgraue und bei 22 000 Metern eine schwarzgraue Tönung. Höher kamen die mutigen Forscher und Flieger nicht. Wahrscheinlich wären sie bei den nächsten tausend Meter in völlige Nacht hineingeraten. Aber das Schicksal wollte es anders.
Neue Männer werden an die Stelle der verunglückten Flieger treten, neues und verbessertes Gerät wird bereitstehen. Vielleicht wird Piccard der Mann sein, der mit einem Ballon aufsteigt, bei dem schon alle Mängel des „Ossoviachirn" beseitigt sind, vielleicht wird zur allgemeinen Ueberraschung bald ein brauchbares Stratosphärenflugzeug vom Erdball fortftreben. Sicher ist, daß der Gelehrte und der Techniker Hand in Hand arbeiten, daß die Stratosphärenflüae anregend und anfeuernd gewirkt haben und daß die in den unermeßlichen Höhen und Weiten gemachten Beobachtungen die Stratosphäre für den Wissenschaftler aber auch für den kühnen Flieger nur noch verlockender erscheinen lassen.
Hockschulnachnchten.
Dem ao. Professor für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie an der Universität Göttingen Dr. med. Edwin Hauberrisser ist der ordentliche Lehrstuhl für Mund-, Zahn-, Kiefer-Heilkunde an der Universität Bonn angeboten worden.
schine in Bewegung setzt.
Unaufhörlich arbeiten die Kolben, sprühen die Funken, rotieren die kleinen und großen Räder. Sie fingen die gleiche Melodie von Derantwor- tungsbewußtsen, Pflichtgefühl und Gemeinschaftsgeist, wie die Menschen, die an ihnen arbeiten, um ihr Wissen zum Gesamtwohl der Reisenden zu bereichern.
Wahrscheinlichkeitsrechnung.
„Und können Sie beschwören, Herr Zeuge", fragte der Richter, „daß der Angeklagte Ihre Tauben abgeschossen hat?"
„Beschwören?" wehrte der Zeuge ab, „wie soll ich das denn beschwören? Ich kann nur sagen, daß es sehr wahrscheinlich ist!"
„Inwiefern sehr wahrscheinlich?" erkundigte sich der Richter.
„Ja", erwiderte der Zeuge, „erstens traf ich ihn mit einem Gewehr auf meinem Grundstück. Zwei- tens hörte ich kurz darauf einen Schuß. Drittens fielen vier meiner Tauben zu Boden, viertens fand ich diese Tauben später in seiner Tasche — und ich habe natürlich keinen Grund zu der Annahme, daß sie Selbstmord begangen haben..
Wort: „Vorbei!" r . .
Fortan würde ihr der Tag von seinem Anfang bis zu seinem Ende dahinrollen wie ein Rad, das
Der Hauptbahnhof auf der Tischplatte
Bei den Studenten der Rangierwissenschaft.
Musik im Frühling.
Twn Grete Masse.
Sje hatten sich, über den weiten Platz hinweg, in die Fenster sehen können, solange die Bäume entlaubt waren.
Es war ihre Freude gewesen am Abend und am Morgen, dieses Schauen hinüber zu den Zimmern, in denen sie lebten. Man sah die Tapete, sah Schrank, Tisch, Stuhl und ein Stück des Lagers, auf dem man ruhte und träumte, und jedes wußte vom andern, wessen Bild die Träume füllte.
Doch schöner als das Zimmer und seine Dinge, war es, die geliebte Gestalt des andern drüben zu sehen, wenn ihm um Stirn und Haar der Glanz der Frühe ober das rötliche Licht des finkenden Tages lag. Sie hatten die Gesichter sich zugewendet und sahen sich an, wie Sterne sich ansehen, still, lange, unbeweglich über den weiten Raum hinweg. Und dann neigten sie sich aus den Fenstern und erweckten mit dieser Bewegung den Eindruck, als neigten sie sich einander entgegen wie Aehren im Wind, die dem gleichen Kornfeld entsprossen.
Nun war der Frühling gekommen, und aus den kahlen Zweigen der Bäume schlug das erste Grün wie Licht. Noch war es zart und feingefaltet. Es war wie ein Schleier von smaragdener Farbe, der für jeden das Drüben undeutlicher machte, aber doch noch die Umrisse, die Gebärden erkennen ließ. _
Sterne waren sie noch — aber Sterne hinter grünen Wolken. Dann aber kam warmer Regen. Und warme Nächte tarnen auch .
Der Regen strömte vom Himmel wie laue Flut sieben Tage und sieben Nächte hindurch, kaum, daß das Rieseln wenigstens für Stunden dünner wurde
Plötzlich stand der Regen still und rann nicht m®a waren an den Bäumen die letzten Knospen gesprungen und zu Blättern geworden. Zw.schen ihnen, den Liebenden, war nun nicht mehr ein Schleier, durch den sie sich noch ahnen und ersahen tonnten, sondern eine lichtgrune Wand e n Stuck
. Wald, in dessen Hohen Blatt neben Blatt s°b dicht wie im Gefieder des Vogels Feder neben Feder ^Cornelie stand am Morgen bestÜZt an ihrem Fenster und sah hinab auf diesen Wald, den es nicht kümmerte, daß er Blick von Blick gerissen, Gruß von Gegengruß, ja — Seele fast von Seele. Cornelie stand da und wußte nur ein einziges
Die lockende Stratosphäre
Der Kampf um die Eroberung des Weltenraumes.
Bahn-Radrennen in Gießen.
Arn nächsten Sonntag steigt auf der Aschenbahn der Spieloereinigung 1900 das erste Gießener Bahnrennen in diesem Jahre, welches, wie schon berichtet, vom Gießener Radfahrer-Verein von 1885 e. 23. veranstaltet wird. Im ganzen sind es vier verschiedene Rennen mit Dor- und Zwischenläufen. Das Hauptinteresse wird wohl das 50-Kilometer- Mannschaftsrennen nach Sechs-Tage-Art finden. Während der Rennen konzertiert Die SA.-Stan- dartenkapelle 116.
arbeiten zu den Olympischen Spielen 1936 teilzunehmen.
Der 13. Mai, der zweite Tag des unbekannten Sportsmannes, steht unter der Bezeichnung „D e r Tag der Mittelstreckler und der Wer- f e r". In vielen Orten des Reiches werden folgende Kämpfe durchgeführt werden: 500-Meter-Lauf, 800- Meter-Lauf, 1500-Meter-Lauf, Kugelstoßen, Speer-
Die Meldungen find sehr zahlreich eingegangen. , Nicht weniger als zehn Mannschaften mit 20 Fahrern sind verpflichtet worden. Aus der Meldeliste seien nur die Mannschaften Gebr. Schorn (Köln), Zacharias/Müller (Koblenz), Grohmann/Drumm (Kassel), Psesfermann/Weiß (Fulda) erwähnt. Aber auch die Gießener Mannschaften Preis/Faust und Mebus/Spatz verstehen zu kämpfen. Die anderen noch startendenMannschaften sind hier noch weniger bekannt. ,
Vorauszusagen, welches die Sieger in den einzelnen Rennen sind, fällt bei der Gleichwertigkeit der genannten Mannschaften schwer.
Haltet euch alle bereit!
Reichssportführer von Tschammer und O st e n hat zu der Suche nach dem unbekannten Sportsmann folgenden Aufruf erlassen:
Die Tage des unbekannten Sportsmannes nahen. Am 13 Mai werden im ganzen Reich Kämpfe durchgeführt, die als Olympia-Prüfungsweltkämpfe angesprochen werden dürfen, aber keine fertigen Olympiakämpfer am Start sehen werden.
Der unbekannte Sportsmann hat das Wort. Er, der sonst vielleicht in der SA., SS., HI. ober in irgenbeiner anberen Organisation seine Pflicht tut, foU und wird Gelegenheit erhalten, Proben seines Könnens abzulegen. Es geht hierbei weniger um den Sieg als vielmehr darum, baß im Rahmen biejer Olympia-Prüfungswettkämpfe die gesamte deutsche Jugend getreu dem Willen des Führers eingespannt wird in die Vorbereitungsarbeit zu den Olympischen Spielen 1936.
Selbst wenn nicht ein einziger von denen, die am „Tag des unbekannten Sportsmannes" berufen sind, auserwählt wird, kann der Zweck dieser Prüfungskämpfe als erreicht angesehen werden. Denn eines haben wir getan: unsere Pflicht.
Wir wollen und werden jedem deutschen Volksgenossen, gleichgültig, ob er einer Organisation und gleichgültig welcher Organisation er angehört, Gelegenheit geben, selbst an den Vorbereitungs-
Fliegen — dieser jahrtausendalte Traum der Menschheit ist längst Wirklichkeit geworden. Doch unerreichbar scheint trotz der Erfindung des Flugzeuges das Geheimnisvolle am Rande und jenseits der den Erdball umgebenden Lufthülle. Es scheint so — vorläufig wenigstens. Lachte einst die Menschheit über den verwegenen Gedanken, es ben Vögeln gleichzutun, so steht sie heute den Pionieren der' Lust voller Respekt und Hochachtung gegenüber. Wofür einstmals niemand Geld bereitfteüen wollte, weil es sinnlos schien, Experimente ins Blaue hineinzufinanzieren, dafür find jetzt überall namhafte Beträge vorhanden. Schon entwickelt sich bei den Völkern so etwas wie ein Wettlauf in d i e Höch st en Höhen hinein, ein Wettkampf im Bau der geeignetsten Luftmaschine, ein Ringen um den Ruhm, am weitesten vorgestoßen zu sein und einen Blkck in den grenzenlosen, die Phantasie begabter Schriftsteller immer wieder erregenden Weltenraum geworfen zu haben.
Die Stratosphäre, jene äußere Lufthülle, die etwa in 11 000 Meter Höhe beginnt, lockt und reizt und läßt die Forscher nicht ruhig schlafen. Piccard war einer der ersten, der wirklick „hoch kam, der jedoch, gemessen an den Weiten der Erde
oder gar ben unbekannten Größen des Weltraumes, kaum mehr als einen kleinen Sprung nach oben unternommen hat. Dennoch war sein erster Flug eine Leistung, die auch seinen Gegnern Achtung abringen mußte. Piccard, der Pionier und Wegweiser in die Stratosphäre, hat gezeigt, wie es zu machen ist, was natürlich nicht ausschließt, daß auch das Flugzeug in den Dienst dieser Höhenforschung gestellt werden kann.
Wir haben heute Maschinen, die beträchtliche Hohen erreichen. Jedoch ein Flugzeug, das auf z w a nober breißig Kilometer hinauf will, läßt sich nicht so einfach konstruieren. Ist bie Frage des hermetischen Verschlusses der Kabine gelöst, ebenso die der Sauer st offzuführung für die Besatzung, dann ergeben sich auf der anderen Seite aus der gleichen Materie der dünnen Lust heraus für den Motor unendliche Schwierigkeiten. Je dünner die Luft ist, desto geringer wird die Zugkraft der Motoren. Die Kraft der Motoren muß aber auch ausreichen, um eine gewaltige Last in die Stratosphäre hinaufzuheben. Denn nicht nur Mannschaft und Messungsgeräte sind mitzunehmen, sondern auch ein nicht unerheblicher Vorrat an Deien und Treibstoffen. Alle diese und andere
werfen, Diskuswerfen.
Die Sieger und qualifizierten Bewerber erhalten neben Auszeichnungen das Recht, sich an den Nach- Wuchslehrgängen der betreffenden Sportfachschaften zu beteiligen. Die anderen aber nehmen die Gewißheit mit nach Hause, ihre Pflicht getan zu haben. Ein Lohn wird ihnen nicht zuteil. Für ihre Bemühungen können wir ihnen daher nur durch eine schlichte Anerkennung danken, die in der regen An- teilnahme an den Kämpfen des unbekannten Sportsmannes zum Ausdruck kommt.
Haltet euch deshalb alle bereit! Seid am 13. Mai Zeuge der Kämpfe unserer „Unbekannten"!
Handball der Sp.-Dg. 1900.
Fuhballsporlverein Frankfurt bei 1900 zu Gast.
Morgen (Samstag) abend kommt auf dem 1900- Sportplatz wieder ein interessantes Treffen zum Austrag. Die zur Zeit beste Frankfurter Handball- mannschaft, die erste Elf des Fußballsportvereins, steht der gleichen Mannschaft der Spielvereinigung 1900 gegenüber. Im harten Kampf der Verbands- spiele erkämpften sich die Leute vom Bornheimer Hang die Teilnehmerberechtigung auf ben Aufstiegspielen zur Gauliga. Die Gäste pflegen ein wuchtiges Spiel, das natürlich auch technisch vollkommen auf der Höhe ist. Die 1900er, die mit einer starken Mannschaft antreten wollen, werden den routinierten Frankfurtern gegenüber keinen leichten Stand haben. Es wirb sehr viel davon abhängen, wie bald sich die Mannschaft findet.
Aus dem Tumgau Rordhessen (OT.)
Ein Olympia-Lehrgang im Kunstturnen.
Die Spitzenturner des Turngaues Nordhessen werben tommenben Samstag und Sonntag (5. und 6. Mai) in Kassel zu gemeinsamer Schulung zu- sammengefaßt. Der von Gauoberturnwart R. Paul (Gießen) und ©aumännerturnroart Dahms (Bad- Wildlingen) geleitete Lehrgang hat die Aufgabe, die besten Geräteturner des Gaues für die Olympischen Spiele vorzubereiten. Aus jedem der zwölf Turn- . kreise sind drei Turner zur Teilnahme verpflichtet. , Samstagabend findet ein kameradschaftliches Bei- ■ sammensein statt, in dessen Verlauf Gaudietwart
Probleme technischer Art sind Gegenstand des Kopfzerbrechens der Flugzeugkonstrukteure. Augenblicklich macht ein französischer Konstrukteur namens Conzinet von sich reden, der schon seit zehn Jahren an einem Stratosphärenflugzeug baut. Er glaubt eine Maschine entworfen zu haben, die bis auf 15 000 Meter steigen und hier oben noch mit den gleichen Motoren trotz der verdünnten Luft eine Stundengeschwindigkeit von 400 Kilometern entwickeln kann.
Vorläufig scheint der Ballon noch das beste Beförderungsmittel in die Stratosphäre zu sein. Der Unfall der „Ossoviachim"-Expedition, bei dem die russischen Forscher ihr Leben einbüßten, hat neue Probleme aufgeworfen, die bewältigt sein wollen und auch im Hause der Jahre gelöst werden. Dieser Ballon war dem des Belgiers Piccard nachgebildet worden. Er kam am 30. Januar b i s zu 22 000 Meter hinauf. Interessant ist, was die Aufzeichnung über die Farbenskala in diesen Höhen ergaben. In einer Höhe von 8500 Metern war der Himmel noch blau gefärbt, bei 11 000 Metern verdunkelte sich das Blau, bei 13 000 Metern ging es in ein Tiefviolett über und wechselte bei 19 000 Metern zum Tiefviolett-Blau.
Haben Sie schon einmal in das Innere einer । modernen O-Zug-Lokomotive geblickt? Sicherlich nicht, denn leider gibt es in ganz Deutschland nur eine einzige Lokomotive, die buch st üblich auf- ge schnitten worden ist. Sie stellt ein Prachtstück der technischen Pädagogik dar und steht in der deutschen R e i ch s b a h n z e n t r a l s ch u l e Brandenburg-West. Diese Schule, die säst jeder Eisenbahner besucht, befindet sich auf einem weiten von friedlich dahinfließenden Gewässern umgebenen Gelände. Sie steht inmitten von zahlreichen Gebäuden, die im Besitz der Reichsbahn sind, von Siedlungshäusern und Gießereien, vorbildlichen Versuchsstätten und Spezial-Lehranstalten.
Hier in der Reichsbahnzentralschule sitzen die Eisenbahner auf Schulbänken, heben den Finger hoch, wenn sie eine Antwort auf die gestellten Fragen wissen, wie wir es alle in der Schulzeit einmal getan haben. Der Schaffner sitzt neben dem Ingenieur, der Weichensteller hat den Platz neben dem zukünftigen Lokomotivführer angewiesen bekommen. Aber nicht nur während der Unterrichtsstunden kommen die Reichsbahnkandidaten zusammen, sondern sie wohnen während der durchschnittlich sieben Wochen dauernden Schulzeit in diesem Institut. „Wir haben ständig über 200 kommende Eisenbahner im Examen", sagt einer der hier beschäftigten Lehrer.
Die Unterrichtsstunden sind einzigartig und auch für den Außenstehenden hochinteressant. Auf großen Tischen sind weitverzweigte Bahn- und Geleisanlagen aufgebaut. Winzige Personenwagen sind an Puppen-Lokomotiven gefettet und fahren auf dünnen blanken Schienensträngen. Was sich bei der „richtigen" Eisenbahn auf einer Fläche von sieben Kilometer abspielt, ist auf diesem Tisch haargenau rekonstruiert worden. Sogar die Ortsbezeichnungen an den einzelnen Wagen fehlen nicht.
Da hier die Uebersicht der gesamten Anlagen wesentlich leichter ist als das langgestreckte Gleisgewirr der großen Verkehrsknotenpunkte, läßt sich das Rangieren bestimmter Strecken bedeutend besser studieren und erlernen. Die Technik des Rangierens ist hier eine Wissenschaft, von deren Erforschung Lebensschicksale abhängen.
Auf diesen Geleisen verkehren fast ausschließlich Züge, die ewig vom Unglück verfolgt sind. Wenn
Oer plan
der Bayreuther Testspiele 1934.
Der Plan für bie Bayreuther Bühnen- fest spiele 1934 ist nunmehr fertiggestellt und sieht folgendes vor: Gesamtinszenierung: Heinz Tietjen. Dirigenten: Dr. Richard Strauß, Heinz Tietjen, Karl Elmendorfs und Franz von Hoeßlin. Als Solisten wirken mit:
„Par sifal": Parsisal: Helge Roswaenge; Kundry: Martha Fuchs; Amfortas: Herbert Janssen und Jaro Prohaska; Gurnemanzr Ivar An-
die Lokomotive kurz vor dem zu erreichenden Ziel ; ist, gebietet die Signallampe: Halt! Im nächsten 1 Augenblick wird ein Wagendefekt festgestellt, wäh- ' renö einige Sekunden später eine Geleisanlage aus unerklärlichen Gründen schadhaft geworden ist. Auf dieser Strecke kennt man nicht die zur Selbstverständlichkeit gewordene Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der deutschen Reichsbahn. Hier gibt es nur eine Fülle der verschiedenartigsten Hindernisse. Aber glücklicherweise gibt es auch stets einen Handgriff, der allein genügt, um Eisenbahnkatastrophen zu verhindern, unvorhergesehene Zwischenfälle zu beheben. Ihn zu finden ist die Aufgabe der Schüler der deutschen Reichsbahn.
Aber nicht nur mit Alarmglocken und Signaleinrichtungen, Klingelanlagen und Telephonzentralen müssen die späteren Rangierer Bescheid wissen. Sie müssen die geheimnisvolle Sprache der Eisenbahn perfekt sprechen und lesen können, müssen wissen, daß ein A 4 ü ein Wagen erster Klasse ist, auf vier Achsen rollend, mit Faltenbalg und Uebergangsbrüde versehen. Ja, es ist sogar erforderlich, mit der Sendetechnik genau Bescheid zu wissen. Denn das Rangieren auf den riesigen deutschen Güterbahnhöfen wird heute meist mit Hilfe des Radios durchgeführt. Der Rangierleiter gibt feine Anweisungen dem Lokomotivführer durch den Aether, der den Befehl durch einen besonders gefertigten, in der Maschine eingebauten Empfänger erfährt.
All das lernen die Eisenbahnschüler hier. Sie studieren an der erwähnten ausgeschnittenen Lokomotive jedes einzelne Getriebe bei der Arbeit, beobachten die unendlich vielen Rädchen und Ventile, Schrauben und Röhren, sehen, wie sie in den Arbeitsprozeß hineingezogen werden, lernen, wie sich aus Wasser und Feuer die notwendige Dampskrast entwickelt und später den Mechanismus der Ma-
dresen und Joseph von Manowarda; Klingsor: Robert Burg; Titurel: Franz Sauer; Gralsritter: Fritz Marcks, Hans Wrana. Solo-Blumenmädchen: Franziska von Dobay, Irene Hoebink, Hildegard Weigel, Kjsthe Heidersbach, Jrmingard Scheidemantel, Margery Booth.
„Meistersinger": Hans Sachs: Rudolf Bockelmann, Jaro Prohaska; Walter von Stolzmg: Max Lorenz; Eva: Maria Müller, Käthe Heidersbach; Magdalena: Ruth Berglund; Veit Pogner: Ivar Andresen, Joseph von Manowarda; Beckmesser: Eugen Fuchs; Kothner: Herbert Janssen; Vogelsang: Willi Störring; Nachtigall: Hans Wrana; Zorn: Gerhard Witting; Eißlinger: Gustav Rodin; Moser: Fritz Marcks; Ortel: Edwin Heyer; Schwarz: Franz Sauer; Foltz: Richard Ludewigs
Rh e in g old": Wotan: Rudolf Bockelmann, Jaro Prohaska; Frigga: Sigrid Onegin; Freia: Käthe Heidersbach: Erda: Karin Carlsson; Woglmde: Franziska von Dobay; Wellgunde: Hildegard Weigel; Floßhilde: Margery Booth; Loge: Fritz Wolff; Donner: Herbert Janssen, Jaro Prohaska; Froh: Martin Kremer; Fasolt: Ivar Andresen; Fasner: Joseph von Manowarda; Albrich: Robert Burg; Mime: Erich Zimmermann.
.Walküre": Siegmund: Franz Völker; Sieglinde- Maria Müller, Kirsten Flagstad; Wotan: Rudolf Bockelmann, Jaro Prohaska; Brunhilde: Frieda Leider; Frigga: Sigrid Onegin; Hunding: Jo eph von Manowarda; Walküren: Erna Aubel, Karin Carlsson, Ruth Berglund, Lilli Neitzer; Grethe Krauger, Margery Booth, Hanna Kerrl.
„Siegfried": Siegfried: Max Lorenz; Brunhilde: Frieda Leider; Wanderer: Rudolf Bockel- mann, Jaro Prohaska; Erda: Sigrid Onegin; Mime: Erich Zimmermann; Alberich: Robert Burg; Waldvogel: Käthe Heidersbach; Fafner: Joseph von Manowarda. _ .
„Götterdämmerung : Siegfried: Max Lorenz; Brünhilde: Frieda Leider; Hagen: Joseph von Manowarda; Gunther: Herbert Janssen, Jaro Prohaska; Alberich: Robert Burg; Gutrune: Kirsten Flagstad; Waltraute: Sigrid Onegin; Erste Norne: Sigrid Onegin; Zweite Norne: Ruth Berglund; Dritte Norne: Melitta Amerling; Woglinde: Fran- , ziska von Dobay; Wellgunde: Hildegard Weigel; i Floßhilde: Margery Booth.
i Festspielorchester: 137 Mitglieder. Erster Konzert- , meister: Professor Edgar Wollgandt vom Ge- I wandhaus-Orchester Leipzig. Festspielchor: 105 Mitglieder; Leitung: Professor Hugo Rüdel (Berlin). — Bei der Festspielwiese in den „Meistersingern"
- wirkt ein Sonderchor von 250 Personen, bestehend ■ aus Bayreuther Bürgern, mit


