Und
Und
Und
Und Und
Und Ein
oben Mädel in krausem Gewühl Bursche ganz dicht nebenbei — aus dem prickelnden, duftenden Pfühl Kichern — ein Singsang — ein Schrei.
also sind sie vorübergefahr'n, es folgen ihrer noch viel, ich wette, auch heute, nach vierzig Jahr'n,
Ist es das alte Spiel.
Und immer noch fahren unverwandt Der Liebe törichte Fracht Heuwagen im alten Litauerland Durch die rötliche Sommernacht.
Erntelied.
Don Hermann Sudermann.
Der letzte Streifen Glut verglimmt, Zum Gestern verflattert das Heut, Und in den rötlichen Nebeln schwimmt Ein Tropscn Abendgeläut.
Ich sitze vor meines Vaters Haus
Auf der weihgestrichenen Bank
Und horch' auf die dämmernde Straße hinaus Und die rauschenden Pappeln entlang.
Dort, von dem Dunkel der Kronen umschirmt, Ist ein heimliches Leben erwacht;
Heuwagen schwanken hochgetürmt Durch die rötliche Sommernacht —
Wenn die Memel steigt...
Von Hermann Sudermann.
So haben sie alle im Moor angefangen. Aber in einigen Jahren sieht lies schon besser aus. Und in Generationen steht an der Stelle der koorhütte ein stattlicher, sauberer, deutscher Bauernhof.
Doch immer bleibt die Arbeit und bleibt der Kampf. Und manchmal »mmt auch die Not!
Wenn im Frühjahr das Eis zu plötzlich schmilzt und dce Strom- kündungen noch vom Eise verstopft sind, dann kommt das Hochwasser.
„Joijoi! Wassersnot! Joijoi! Wassersnot!" Wassersnot! Was heißt j Wassersnot? Das bißchen Wasser wird man doch noch aushalten können. ! las ist doch fast in jedem Frühling so gewesen. Aber man hat erzählt, lie Leute, die vom großen Strom Herkommen, haben Vieh angebunden >„d Betten aufgeladen. In langer Reihe stehen die Wagen auf dem Mußner Chausfeedamm, und vor der langen Brücke sollen sie aufecnander- ! pjahren sein und nicht mehr wciterkönnen. Der Heydekruger Markt sei ioervoll, und nirgends.mehr geb' es ein Obdach. •
Die Erdme sagt zum Jons; „Sieh doch mal nach, was dran wahr. 1 2 er zieht die langen Stiefel an und plantscht drauflos. Der Hof steht ■Unter Wasser. Das will am Ende nicht viel sagen. Der Knüppelweg steht euch unter Wasser, aber der Boden darunter ist noch steif gefroren. Man kinn vom Fenster aus sehen, daß er festhält. Wie der Jons marschiert, »acht das Wasser spielende Weilchen über die Fußgelenke. Sänke er ein, dann würde es spritzen.
Die Nachbarhäuser drüben stehen im grauen Nebel und scheinen so neit weg, daß man meinen könnte, sie seien aus einer anderen Welt.
! Alles ist still, und kein Windchen rührt sich, und die Dächer tropfen.
Dann hebt im Stall die Rotbunte zu brüllen an. Die Kühe haben beute früh noch kein Heu bekommen, und die Schweine quaksen. Die Crbme sagt zu den beiden Marjellen: „Wir müßen abfüttern gehen." Sber die wollen nicht ran. Das Wasser ist naß. So zieht sie sich also die Ltrumpfe aus, schnürt die Röcke hoch und geht auf Klotzkorken nach dem Hot.
Die Bretter, die bis zum Stall gelegt sind, schwimmen schon, und wenn ■trän von einem zum andern springt, dann knallt das Wasser nur so in de Höhe. Aber man kommt doch noch hin. Den Schweinen geht das Vaster schon an die Läuse. Sie sind unruhig und fressen nicht. Die Tchwarzweiße hingegen hat Hunger. Die kommt aus der Niederung und k nnt den Dienst. Aber die Rotbunte macht Sperenzchen. Die will trocken sichen. Brav ist natürlich das Pferdchen, obwohl ihm die nasse Streu b in Vergnügen bereitet. Die Erdnie hilft, so gut sie kann. Aber sie mußte b'n Stallboden um einen Fuß höher legen, und dazu gehört eine Sommer- °"beit von vierzehn Tagen
Sie will sich von den Tieren nicht trennen, läuft von einem zum I andern und klopft ihnen beruhigend die Hälse. Mehr kann sie nicht tun.
Da hört sie vom Wohnhause her schreien: „Mama! Mama!" — „Was ! i|t?" — „Das Wasser ist in der Stutze!" — Also zurück!
Jetzt wollen die Bretter schon nicht mehr halten. Tritt man daraus, s' gleiten sie seitwärts, und inan sieht sich im Wasser bis über die Waden, teer man kommt doch noch immer zurück. .
Richtig! Das Wasser steht in der Stube. Gar nicht wie ein Gast, der nicht hingehört. Hat sicb ganz häuslich eingerichtet. Und man kann sich ö'in spiegeln. Die Mariellen sehen die Mutter vorwurfsvoll an und sagen: „Wo sollen wir nun sitzen?" .
I , „Setzt euch auf den Tisch!" sagt die Erdme. Ihr sind die Beine wie Eis. Ece sucht einen Wollappen, um sie zu reiben, und öffnet den Kasten. Da
ist das Wasser schon an den Kleidern hochgrklettert und hat alles seucht gemacht. So fetzt sie sich aus die Ofenbank und hebt die Beine an der heißen Ziegelwand hoch, denn geheizt ist noch worden. Das wärmt sie wieder ein bißchen. Nach einiger Zeit will die Erdme wieder die Füße zur Erde sinken lassen, aber erschrocken zieht sie sie wieder zurück, denn das Wasser reicht auch ihr schon bis über die Knöchel, und von unter dem Bett her kommen Kartoffeln geschwommen und der Schmandtopf zum Buttern. Ist es schon so weit? denkt die Erdme, und das Herz steigt ihr hoch. Doch dann gibt sie sich einen Stoß und springt von der Ofenbank herunter. Wie oft hat sie im eiskalten Grabenwasser gestanden, stundenlang — sie wird auch das aushalten können.
Kommt mit in den Stall", ruft sie ihren beiden Kindern zu. Draußen reicht das Wasser bereits bis an die Knie und den Marjellen noch höher. Sie heulen und schimpfen, aber hinterfjer laufen sie doch. Das Vieh ist ganz wie verrückt. Die Schweine orehen sich quiekend im Kreise, und die Kühe reißen ihr mit den Halstern die Hände wund. Nur das Pserdchen steht voll Ergebung und zittert. Mein Gott, und der Vater kommt immer noch nicht!
Da plötzlich steht der Nachbar Witkuhn hinter ihr — nah bis gegen den Nabel. „Ich hab' mein Vieh dem Smailus mitgegeben", sagt er. „Die Schweine sind in den Graben geraten und werden ertrinken. Eure kriegt Ihr schon nicht mehr raus "
„Was wird werden, Nachbar,?" Sie ringt die Hände.
„Eue? Heuboden hat Raum. Es ist das beste, Ihr ichafst die Kühe hinauf."
Die Erdme glaubt, nicht recht gehört zu haben. Seit wann kann eine Kuh die Leiter hinausklettern?
„Bringt Säge und Schaufeln", sagt der Nachbar. „Auch Mistgabeln bringt, ich werde es Euch zeigen." Säge und Schaufeln sind da, auch zwei Mistgabeln. „Draußen liegen Ziegel vom Bau her", sagte er weiter, „die klaut aus dem Wasser und schasst sie herein."
Der Nachbar Witkuhn breitet eine Schicht auf dem Erdboden aus, gerade unter die Luke und dann noch eine. Darauf stellt er die Rotbunte, die ihm willig folgt. Dann fängt er Mist zu staken an, der Kuh immer unter die Hufe, so daß sie höher steigt, ob sie will oder nicht. „So macht's weiter", sagt er und schwingt sich hinaus durch die Luke. Deren Bretter fügt er ringsum entzwei und macht das Loch so groß, daß eine Kuh ohne Beschwerde hindurch kann. Die Rotbunte reicht mit dem Kopf schon gegen die Decke. Die Schweine stehen aus den Hinterläufen und trippeln an der Wand entlang, wie große Ratten im Käfig. Wer wird sie heben können? Denn um stille zu halten, sind sie zu dumm.
Wie die Rotbunte eben schon oben ist, da steht der Jons mit einemmal da — nah, versucht's mit der anderen. Die Erdme weiß, wie. Das Pferd laß raus, das schwimmt zum Damm von allein. Aber die Schweine müssen ersaufen." — „Vielleicht krieg ich sie auch noch raus", sagt der Jons. — „Unmöglich ist nichts", sagt der Nachbar und plantscht zur Tür.
Sie tragen den Misthaufen wieder ab. Dessen Stücke schwimmen nun rum. Auch die Schwarzweiße folgt willig auf die Ziegelerhöhung, doch der Mist will unter dem Wasser jetzt nicht mehr halten. Der Ions bricht die Raufen entzwei und nimmt den Schweinen die Tröge weg. So kommt Festigkeit in den Bau. Die Schweine in ihrer Todesangst klettern jetzt an den Menschen hock,. Man muß sie mit Mühe abwehren; und auch das Pferdchen wird unruhig.«Jons führt es hinaus, und richtig! Nachdem es eine Weile lang in den Stall zurückgewollt hat, begibt es sich klug auf bie Steife.
Sie schaufeln unterdessen und staken und staken und nutzen jeden Eimer und jede Tonne aus, um selber so hoch wie möglich zu stehen. Wie sie auch die Schwarzweiße oben haben, da liegt schon das eine der Schweine regungslos auf dem Wasser; das andere, das immer noch quiekt, schieden sie den Mistberg hoch, so daß es halb erwürgt oben ankommt.
Essen fehlt. Trockene Kleider fehlen. „Ich gehe ins Haus und hole, was nötig ist", sagt die Erdme. Die Marjellen schreien: „Du wirst ertrinken!" — Aber sie macht sich nichts draus.
Dos eiskalte Wasser auf dem Hofe geht ihr bis an die Brust. Es steht nicht mehr still wie zuvor. Wirbel kreisen und führen Eisstucke mit sich, dicker als Torfziegel. Die kommen sicher vom Strom. Es muß also einen Dammbruch gegeben haben. Aber die Luft ist so ruhig: es scheint frieren zu wollen über Nacht. Aus der Gegend der Chaussee kommt ein dumpfes Gebraufe von Mensch und Tier. Atz und zu ein Schrei wie aus Todesnot. Aber ringsum ist alles still. Wie längst gestorben ist alles.
Im Hause reicht das Wasser schon bis gegen die Tischplatte. Die Stuhle schwimmen Die im Schrank verwahrten Kleider sind oben noch trocken. Nur das unterste Stück hängt im Wasser. Sie rafft, was sie raffen kann. Ein Glück, daß der Schafpelz von Ions zum Trocknen noch auf dem Ofen liegt. Er wenigstens wird Wärme haben.
Zwei-, dreimal geht sie beloben hin und her, die Arme hochhaltend, unb immer schwieriger werben bie Wirbel. Dann zieht sie sich aus, reibt sich mit Heu bie ©lieber warm unb wühlt sich in den Heuhaufen.
Die Morgenbämmerung ist rot, unb auf dem Wasser glänzt eine dünne, blaßblaue Eisschicht, in die schneegraue Eisblöcke eingefroren sind. Wären sie drüben im Hause gMieben, weiß Gott, wie es bann aussahe! Das, was dort Dach heißt, Hütte sie niemals getragen. Die Pfosten stehen windschief. Das Haus sieht aus wie eine Roggenhocke, kurz vor dem
Sie steht auf und zieht sich an. Die Rocke von gestern sind noch patschnaß, aber die mitgebrachten scheinen fast trocken.
Wie sie ordentlich auftritt, merkt sie, daß auch der Stall nicht mehr festhält, unb er war boch wie für bie Ewigkeit gebaut. Sie schaut zur Dachluke hinaus. Da erkennt sie plötzlich bie kleine Kate eines weitab baufenben Nieberungsbewohners. Sie schwimmt auf bem Wasser wie bie Arche Noabs unb nimmt ihre Fahrt gernbe auf ihren Stoll zu. Erdme streckt bie Arme zur Luke hinaus unb schreit: „Hierher! Hierher!' Die beiden Marjellen fahv-n hock: „Mama! Was ist!?" — ..Schreit, fchrett, schreit!" Und alle schreien: „Hierher! Hierher!"


