Ausgabe 
27.2.1939
 
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Gießener ZamilienbMer

i Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger

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Jahrgang 1939 * Freitag. den 3. Februar Hummer 10

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Er fuhr sich mit dem Tuch über die Augen.

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aM Sie Baronin lächelte:Untraut verdirb! nicht, Majestät.

ar zu hören. In tiefer Verneigung stand Aloisius ie. Die Kaiserin dankte ihm nicht. Sie wandte nur e herrisch:Ich hab doch Seine Tochter befohlen

meister sah auf, krümmte wieder den Buckel und Ihrs Majestät, ich komme selbst, weil ..." Also war ist? .. Tret Er näherl"

t neben dem Schreibtisch der Monarchin, vor dem die alte Rabenau sah.Halten zu Gnaden, Jhro Achter ..." Er stockte.

sah, daß seine Knie zitterten und ihm der Schweiß von der Stirne rann. Sie fragte sanfter:Was ist mit Seiner Tochter? Ist sie krank?"

Nein, Jhro Majestät ... verschwunden." Die Stimme versagte ihm.

Die Baronin in ihrem Lehnstuhl hob den Kopf. Die Kaiserin lehnte sich zurück und fragte erstaunt:Verschwunden? Na hör Er Seit wann?"

Maria Theresia erhob sich, sagte erfreut:Die Grand'mere", ging auf sie zu, nahm die Greisin an der Hand und führte sie zu einem hohen, gepolsterten Stuhl neben ihrem Schreibtisch:Das ist aber schön, daß Sie kommt. Wir haben uns eine ganze Ewigkeit nicht gesehen." Sie warf einen Blick nach der Uhr:Aber wo bleibt Ihre Schwieger­tochter? Für Viertel nach elf hab ich die Brand bestellt."

Die alte Baronin berichtete. Maria Theresia streichelte tröstend ihre Hand:Was, der Raoenau ist gefangen und wieder verwundet? Davon mar wußte ich ja gar nichts. Hoffentlich ist es nicht so schlimm, wie es

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Lor RbKrimnriw tum Sankt Wolmn I Angst bekommen. Oder hatte es ein schlechtes Gewissen.Führ Er ihn

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Seit heute früh? Dann kann Er sich seine Sorgen sparen ... Dann kommt sie schon wieder. Sie hat nur Angst vor mir gehabt. Tut auch gut daran. Hab ihr schon lang den Kopf waschen wölken ... Aber ich seh, Er will was sagen ... Na, so red Er schon!"

Brand dienerte:Halten zu Gnaden, Eure Majestät, es ist nicht wegen der Audienz. Wie wir heute früh meine Tochter im ganzen Haus ge­sucht haben, hab ich'? erst auch geglaubt. Aber dann hab ich den Brief gefunden, den sie zurückgelassen hat, und daraus gesehen, daß es wegen der Audienz nicht sein kann .. " Tränen standen in seinen Augen.

Die Stimme der Kaiserin klang milder:Ja, weshalb denn? ... Schreibt sie wenigstens, wohin sie ist?"

Der Wachszieher zögerte. Dann sagte er leise:Ja, Jhro Majestät ... zur preußischen Armee." Er wußte ja nicht: vielleicht war das schon

u erhob sich mühsam. Sie wollte gehen. Daß das kam, gefiel ihr nicht. Maria Theresia drückte sie zurück:Es ist mir lieb, wenn Sie bleibt, Grand'- lber sieht." Sie setzt sich wieder an den Schreibsiscb: zimmer kein schlechtes Gewissen hätt, täte es wohl len."

Marie-Luise der Kaiserin das Mädel gefchltvert hatte, es war wvht Lesser, wenn Grand'mere bei der Audienz assistierte. Wie hantig die Kaiserin werden konnte, wußte man ja!

Als die Grand'mere vor Zwei Jahren zum letzten Male in Audienz Hewefen war, war ihr der Hofknicks noch gelungen. Diesmal aber wollten die Knie nicht mehr. Auf ihren Stock gestützt, stand sie an der hohen, weißen Türe im Arbeitskabinett der Kaiserin, machte eine hilf­lose, bedauernde Handbewegung und entschuldigte ihr Unvermögen mit einem liebenswürdig-verlegenen Lächeln.

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l| lggar' ein bißchen Vorsehung spielen und den Herrn Leutnant für ein paar Wochen ins Quartier nach Jaunitz legen wollen. Auch der Komtesse habe ich geschrieben und Ihr geraten, gleich von allem Anfang an recht rieb mit ihm zu fein. Aber die Preußen machten mir einen Strich durch ; Sie Rechnung. Rabenau kam nicht nach Jaunitz, und sogar die Briefe l| fingen sie ab. Und jetzt schreibt mir ihr Vater, daß sie plötzlich einen H alten polnischen Grafen geheiratet habe. Muß Hals über Kopf gegangen ein. Denn als mir die Komtesse nach dem Fasching Adieu sagte, war non jo rascher Beendigung ihres jungfräulichen Standes nicht die Rebe ..."

Kleine Frivolitäten (lebte die Grand'mere. Sie zwinkerte mit den affigen Aeuglein und sagte:Vielleicht war's umgekehrt, und der fo j plötzlich verlorene Jungfernstand nicht die Folge, sondern die Ursache der Mariage."

Maria Theresia stutzte:Na, sei Sie so gut! ... Aber jetzt sag Sie n mir, Grand'mere, was macht Ihr Herr Enkel für Geschichten?"

Die Kleine ist halt bildhübsch und allerliebst, Majestät."

Ich weiß. Aber kennt Sie sie denn?"

Ich hab sie mir angeschaut."

Die Kaiserin drohte lächelnd mit dem Finger:Für alle Fälle. Wie? .. Na, und zu welchem Ergebnis ist Sie gekommen?"

Daß ich sie, wenn ich ein Mannsbild wäre, vom Fleck weg hei- aten tat."

Ader Grand'möre!"

Die Uhr auf dem Schreibtisch schlug. Der Kämmerer vom Dienst ' rat ein und meldete:Der Brand, Jhro Majestät!"

D i e Brand meint Er roohl, mein Lieber

Ich bitte untertänigft um Vergebung, Jhro Majestät: der Brand!"

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Greisinnenköpf:Ich schon. Maseflät!"

Für einen Augenblick zuckte ein Schmunzeln über das Antlitz der Monarchin Sie halte verstanden. Sie wandte sich wieder an den Wachs­ziehermeister:(Eine unternehmende Tochter hat Er. Das muß man Ihm lassen ... Er kann sich also nicht denken, warum Seine Tochter zu den Preußen ist?" Brand verneinte betrübt.Auch nicht, wenn ich Seinem Gedächtnis nachhelf und Ihn an den Leutnant von Rabenau erinnere?"

Erst erschrak der Kerzelmacher. Hatte also auch schon die Kaiserin von der Geschichte gehört? Aber bann lächelte er trotz seines Kummers: Da können Majestät ohne Sorge (ein. Wegen der Dummheit hab ich ihr schon längst den Kopf zurechtgesetzt."

Die Kaiserin warf einen Blick auf die Grand'mLre, bann sah sie wieder Brand an:Fragt sich nur, ob's auch was genutzt hat, mein Lieber!"

Dieser Zweifel an seiner väterlichen Gewalt schien ihn zu kränken. Er sagte mit Ueberzeugung:Doch, Jhro Majestät! Meine Tochter heiratet den Sohn vom Nußdorfer Weinhändler Kirndorfer und damit punktum!"

Maria Theresia unterdrückte vergeblich ein Lächeln.Und damit punktum" pflegt in diesem Raume nur sie zu lagen. Sie lachte:Noch ein Heiratskandidat? Ihr scheint mir ja eine komplizierte Familie zu sein. Aber hält Er noch viel von Seinem .Punktum', wenn ich Ihm sag, daß der Leutnant von Rabenau blessiert und von den Preußen gefangen ist?"

Brand begriff nicht gleich. Doch dann starrte er entsetzt die Kaiserin an. An diese Möglichkeit hatte er bisher nick>t gedacht. Er hob beschwö­rend die Hände: .Das kann nicht fein, Jhro Majestät!"

Es ist nicht anders. Tut mir leib, daß ich Ihm das sagen muß!"