SietzenerZamilienbliitter
| Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger
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Zreitag. den 26. Mai
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Das Keft der Herde.
Von Dr. Johannes Günther.
Pfingsten, das liebliche Fest, war gekommen: es grünten und blühten Feld und Wald: auf Hügeln und Höhn, in Büschen und Hecken Uebten ein fröhliches Lied die neuermunterten Vögel;
Jede Wiese sproßte von Blumen in duftenden Gründe^, Festlich heiter glänzte der Himmel und sarbig die Erde ...
Zu Pfingsten in der kleinen Stadt.
Von Herybert Menzel.
Zu Pfingsten in der kleinen Stadt Da ziehn die Schützen auf, Mit Schellenbaum und Paukenschlag. Sieh da: der Kaufmann wird Soldat. Ob das Gewehr wohl schießen mag? Pfingstrosen trägt sein Lauf.
Zu Pfingsten in der kleinen Stadt Stehn Birken vor der Tür, Nach Kalmus duftet es im Haus, Die Mädchen fchaun nach Burschen aus. Ach, wer daran nicht Freude hat, Der ist zu alt boh'ir
So lerne doch vom Schwalbenflug Und komm zum Karussell.
Sieh da: zwei Schimmel sind noch frei Für eine Fahrt durch Lust und Mai. Heut sind wir grab noch jung genug. Das Leben fährt so schnell.
Schon blühn uns alle Sterne auf. Und trunken schaut der Mond, Der sieht so viel nicht wie der Tag. O Orgelsang und Paukenschlag!
Wie süß das Leben uns belohnt — Tanz, Liebe und Geraus!
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’n diesen wenigen Versen hat G o e t h e die ganze Jungsommerfreude
>•> Deutschen ausgedrückt, in dieser meisterlichen Kürze hat er die ganze i fy* Wngstwonne umschrieben, die das Naturgefühl des Deutschen auf heiter- Ifc Höhe zeigt. Schöner, treffender als mit diesem Natur-Stimmungs- bibt konnte Goethe sein reizvolles Tier-Epos „Reinicke Fuchs" nicht ein« teei. Denn für den naturliebenden und in unserer Zeit zum bäuerlichen Llirchtum zurückfindenden Deutschen ist Pfingsten das Fest des Tieres, «besonderen allerdings des nützlichen Tiers, das Herden-Fest.
. .Der Kühe und Menschen Ziel am Pfingstmorgen", schreibt Heinrich
oerjchinaust werd, ist in schönstem Blumen-, Laub- und Bänderschmuck zu sehen. Man empfindet ihn nicht als Schlacht-Objekt, als Genußmittel, das für sich selber keinen Daseins-Wert hat; nein, man sieht in ihm noch irgendwie das geheiligte Opfertier, das ja auch für die Gemeinschaft der Menschen sein Leben läßt.
Das Viehaustreiben in beobachteter Reihenfolge, das gemeinsame Hinausgehen oor’s Dorf, auf den Pfingstanger, zeugt wie vieles in den althergebrachten Lebensformen des Volkes von der Freude an der großen, man kann sagen: chorischen, Bewegung, am festlichen Auszug, am fröhlich-feierlichen Umzug! Auch sonst werden, altem Brauchtum zufolge, Umgänge um die Felder, Umzüge durch die Dorfstraße von den Pfingst-Freudigen veranstaltet. Der „Pfingst-Butz" wird herumgeführt. Butz, noch in „Butzemann", „Bauzemann" enthalten, auch in „potztausend!" u. ähnl., ist ein altes Wort zur Dämonen-Bezeichnung. Ein Knabe oder Mann aus dem Dorfe nun wird ganz umkleidet, umwunden, umwickelt mit Grün, mit Blumen, mit Laub, wird versteckt, gesucht, erkämpft, gefunden, werd dann in lustigem Aufzuge herumgeführt; man macht sich einen besonderen Spaß daraus, hochgestellte Personen, Amtleute, Geistliche, raten zu lassen, wer in der Vermummung stecke. Wenn am Ende der Lustbarkeit der Pfingst-Butz ins Wasser gesteckt oder gar unter dem Mist „begraben" wird, dann soll ihm damit nicht der Garaus gemacht werden, sondern man will anbeuten, baß er, ber Fruchtbarkeitsgeist, wieder in sein Element, ins Feuchte, ins Warme, ins Zeugende, zurückkehrt. „Pfingst-Ouack" heißt auch dieserhalb kultische, halb nur noch mimische Spaß; Quack — man denke an unsre Wörter quick (lebendig) und Quecksilber — bedeutet soviel wie Leben, fortzeugende Bewegung. Das bayrische „Psingstreiten", mehr oder weniger ins Zeremoniell-Kirchliche abgewandelt, so besonders die Pfingstreiter-Prozession von Kötziing, hängt natürlich auch mit dem Pfingst-Quack zusammen.
Eine sehr nette P singstgep flögenheit erzählt Heinrich Sohnrey (in seinem volkskundlich inhaltsreichen Buche „Die Sollinger"), nämlich vom Pfingst-Singen im Weserberglande, und zwar in dem Dorfe Oldenrode. Dort üben, von der Osterzeit an, die Schulkinder in den Pfingstlauben das Lied: „Nun bitten wir den heiligen Geist" ein, jenes ja schon um 1200 auftauchende Lied, das von Luther als erste Strophe seines bekannten Chorals beibehalten wurde. Die Schulkinder streben eine finge» risch formvollendete Wiedergabe des Liedes an, achten streng auf eine tiefe chorische Verbeugung bei den Worten „Lehr uns Jesuni Christ erkennen allein ..." und beglücken dann mit diesem so gewonnenen Kunstwerkchen das ganze Dorf: am zweiten Pfingsttag, — morgens um zwei Uhr! —, beginnen sie und halten aus bis zum späten Nachmittag. Sie gehen in jedes Haus, ja in jede Wohnung eines jeden Hauses, und fingen dort das Lied. Ihr Anführer verkündet jeweils den Namen des Wohnungsinhabers, dem zu Nutz und Frommen gefangen wird. Gewiß ist diese Gepflogenheit eintönig, abwechslungslos, soll aber, vielleicht gerade dadurch, einfältig im schönsten Sinne des Wortes, irgendwie rührend schön sein. Die mit dem Liede Erfreuten müssen natürlich alle riet Essens-Kram spenden — wie denn all die pfingstlichen Umzüge mit Ein- fammeln von schmackhaften Gaden verbunden sind.
Die Pfingst-Belustigungen bestehen im Pferderennen und Kranz- Stechen, im rhythmischen Peitschenknallen, das im Weserberglande sorgfältig geübt wird, in geradezu karnevalistischem Treiben, das auch mit Aufführungen von dramatischen Scherzen verbunden ist, in öffentlichen Speisungen der Kinder und der Erwachsenen und — im „Pfingst-Bier", das ber ganzen Fröhlichkeit den umfassenden Namen gibt. Dies Fest wird von den sogenannten „Bier-Schaffern" geordnet, die sich die schönsten Mädchen des Dorfes als „Bierjungfern" wählen dürfen. Die Bier-Schaffer — es sind nur ihrer zwei — laben förmlich die Männer, junge und ältere, zum Werfest ein. Am zweiten Pfingsttag zieht man auf den Festplatz hinaus zu Trank und Tanz, zu Spiel und Freuden. „Bierknechte" heißen die teilnehmenden Männer. Sie sind natürlich nicht allein. Die lustigen Dorf-Madchen sind habet. An diesem Tage ist es ihr Vorrecht, den Mann, den sie mögen, zum Tisch- und Tanz-Ge- noffen auszuwählen, sie beschenken ihn mit „Pfingst-Westen" — ein Mädchen sucht das andere zu übertreffen an Schönheit eines solchen Kleidungsstücks — und mit Pfingstfträußen.
Farbe und sommerlichen Schmuck hat zur Pfingstzeit das ganze Dorf — ja auch an den Häusern der Stadt wird Birkengrün angebracht, sog. „Maien". — „Schmückt das Fest mit Maien, lasset Blumen streuen ...I" beginnt das alte Lied. Als Zeichen der Liebe, als Zeichen der untertänigen Ehrung, als volksverbindender Ausdruck der Freude, ja als Wahrzeichen eines Ortes — man denke an die pfingstliche Schmückung des Gipfels über Questenberg am Harz — putzt man Bauten und Zimmer, Brunnen, Plätze und Höhen mit grünem Laub. Freilich bleibt das Bewußtsein für die Begriffe „verdient" und „unverdient" dabei wach: wer sich unehrenhaft benahm, bekommt ein „Schand-Maien" vor die Tür oder ins Zimmer gesetzt, in Gestalt eines Besens, eines Strohmannes. Das tut der allgemeinen Lust keinen Abbruch.
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a|s- dfanrey, „ist der Pfingstanger, jener freie, große, herrliche Wiesen» j|t jif | IW hart am Dorfe, der keinem eigen ist und doch allen gehört, vor dem liiM’ l sämtlichen „reiheberechtigten" Ackerleute einander völlig als gleich und ik, t | verweise berechtigt erscheinen. Gleiches Recht, aber auch gleiche Pflicht.
;. | P der Pfingstmorgen da, dann zieht die ganze Gemeinde mit Ochsen Kühen zum gemeinsamen Hüten auf den Anger. So wird das ganze n jiti1! faffvolk auf dem Pfingstanger zu einer einzigen Familie Bereinigt — . KW eben das ist des Pfingstangers Herrlichkeit und Segen."
. ?n der Tat ist es in vielen Gegenden Deutschlands ein althergebrachtes । j ?r-Recht, daß für den Psingst-Sonntag eine besondere, und besonders W\ ,t e Weide freigehalten wird, die erst an diesem Tage vom Vieh betreten ..«■ ■« ttn<n darf. Entweder ist der „Pfingst-Anger" ein für diesen Zweck ein ff »He Mal bestimmtes Stück vom Gemeindeland ober er wird, um die “kjeit bereits, ausgewählt und abgesteckt.
" muß ein Ehrgeiz des Landmanns fein, am Psingst-Sonntag rnög- W früh aufzustehen und als einer der ersten, vielleicht sogar als erster, m Dieh auf dem Pfingst-Änger zu haben. Die Reihenfolge der Aus- !«!«snden wird von der Gemeinde aufmerksam beachtet: die Fruhauf-
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1 BW, die Crft-Austreiber erhalten Ehren-Titel; die Spätaufsteher, gar
1 -"ngschläser, die Nachzügler bekommen Spottnamen, z. B. „Pfingst- i® „^el", ober werden mit gutmütig-derbem Ulk allgemein zur Schau #1 ^fingften ist, wie gesagt, auf dem Lande das Fest der sommer- Jj» I Fruchtbarkeit, das Fest oer naiven Vieh-Ehrung. Das Vieh wird »’,*-Qub geschmückt, mit Blumengewinden bekränzt. Noch aus ältesten her, erfüllen die Landleute dies als dankbare Pflicht der fegen» I W enden Fruchtbarkeitsgottheit gegenüber, ja man glaubte wohl, daß im I Schmuck der Gottheit wohlgefallen und daß sie bann den Men- ik'* um so huldreicher gesinnt werde. Vor allen der Ochs, ber beim i Ln*lt9elage, auf dem Pfingstanger, oder in den Laubhütten (urfprüng- em Zelt des „Pfingftkönigs", des siegreichen Jungsommer-Geistes)


