Ausgabe 
25.9.1939
 
Einzelbild herunterladen

AusLützows wilder Iagd^.

Von Theodor Körner.

Was glänzt dort vom Walde im Sonnenschein? Hör's näher und näher brausen.

Es zieht sich herunter in düsteren Rechn, Und gellende Körner schallen darein Und erfüllen die Seele mit Grausen. Und wenn ihr die schwarzen Gesellen fragt, Das ist Lützows wilde verwegene Jagd.

Wo die Reben dort glühen, dort braust der Rhein, Der Wütrich geborgen sich meinte;

Da naht es schnell mit Gewitterschein

Und wirft fich mit rüstigen Armen darein

Und springt ans Ufer der Feinde.

Und wenn ihr die schwarzen Schwimmer fragt, Das ist Lützows wilde verwegene Jagd.

Was braust dort im Tale die laute Schlacht, Was schlagen die Schwerter zusammen?

Wildherzige Reiter schlagen die Schlacht, Und der Funke der Freiheit ist glühend erwacht Und lodert in blutigen Flammen.

Und wenn ihr die schwarzen Reiter fragt, Das ist Lützows wilde verwegene Jagd.

Die wilde Jagd, und die deutsche Jagd Auf Henkersblut und Tyrannen!

Drum, die ihr uns liebt, nicht geweint und geklagt; Das Land ist ja frei, und der Morgen tagt, Wenn roirs auch nur sterbend gewannen!

Und von Enkeln zu Enkeln sei's gesagt: Das war Lützows wilde verwegene Jagd.

Blitz."

Von Alexander Keller.

Wir standen auf der Terrasse der Lunders-Farm und sahen zu, wie ige Leute junge Pferde zuritten. Ein knochiger Gaul fiel mir aus. Als der Reiter in den Sattel schwang, stand er ganz still. Eine Minute ter warf er sich mit allen Vieren in die Höhe, kam mit den Vorder- nen auf den Boden und feuerte aus. Gleich darauf kollerte der Reiter den Sand und Lunders lachte. . .

Der kleine Heydebrandt, der neben uns stand, meinte verdrießlich, dem Gaul würde niemals ein anständiges Reittier werden aber rders schüttelte den Kopf.

Sie urteilen voreilig, Heydebrandt", sagte er tadelnd.Daß sich dieses heitsliebende Tier gegen den Reiter wehrt, ist ganz natürlich. Kem ir liebt es, unterjocht zu werden."

Später, als wir beisammen sahen und auf die fernen Riesenberge len, kam Lunders nochmals auf den störrischen Gaul zu sprechen.

Ich hatte auch einmal ein solches Tier", sagte er nachdenklich.Das r 1914." Er wandte sich an den anwesenden Doktor Saas.Sie enn= m sich doch, Doktor, an den guten .Blitz'?"

Ich erinnere mich", entgegnete der Doktor.Ich marschierte damals ii einer Kompanie Schwarzer nach Tanga und Sie hielten die Kolonne ne halbe Stunde auf..." ,

Richtig." Der alte Lunders lachte.Ich hatte den Gaul eine Woche eher gekauft und wollte ihn zureiten aber er war em Satan. Em ibammter Satan... Wäre der Krieg nicht gekommen, hatte ich ihn chrfcheinlich weggegeben so aber lieh ich ihn auf meiner fjarm unb '-goß ihn... Ich hatte damals anderes zu denken. Er hob fein Glas * in der untergehenden Sonne schimmerte der Wein blutrot.Wir Deren eine kleine Armee und marschierten schnell und der gute alte fetoro schonte uns nicht. Recht hatte er. Er war em verdammt feiner ierl, derGroße, weihe Mann". Und dann wollte er m den Kongo hm- Ü)ir, aber da rissen die Nachrichten plötzlich ab. Und eines Tages ließ «ich derGroße weiße Mann" rufen. Er saß am Straßenrand und hielt iregsrat.Lunders" sagte er, als ich mich bei ihm meldete, ,,tdj mu& »üsen, was da oben beim Kilimandscharo vorgeht. Die Engländer haben >°b Indien und ganz Afrika gegen uns aufgeboten und -W. müssen häl­tst) adjtgeben... Reiten Sie mal hinauf und sehen^Sie sich die . fhtnbers lachte.Das war so die Art vom alten Lettow, So nahm i) mir vier Mann und die besten Pferde, tue mir bekommen konnten und litt los. Aber der Weg war weit. Zu weit, und als nur endlich zu Den kigländern kamen, lahmten unsere Pferde. Eine Weile überlegte ch, »ib zu tun wäre dann fiel mir ein, daß ich ja auf meiner alten km noch einige Pferde haben mußte und . «"dte zehn Schwarze lirauf. Tags darauf tarnen sie zurück und brachten richtig vier frisch Me - unter diesen auch meinen lieben .Blitz-Den Sie natürlich Plart zurücksandten", sagte Heydebrandt, aber Lunders schüttelte den xipf. s

Es war Krieg, Heydebrandt", sagte er,und "n Mann un feb..." Ich behielt den .Blitz' und ritt ihn selbst, ^nn emen andere »liter hätte er ja nicht geduldet und er ging ganz gut. Manchmal bekam lr Io seine Anfälle, aber ich beachtete es weiter nicht... .. . » .

Dann sahen wir alles, was wir sehen foUten unb ritten 3

"tobe und abgehetzt, denn das ,Land war von , Engländer f >

»men so müde, daß wir uns kaum in den Satteln halten tonnt . .oan schliefen wir einmal zu lange. Als mir aufwachten s $

Scherung. Ganz links von uns ging eine Reiterbrigade vor -. - ch y Regiment Afrikaner und vor uns standen gegen v 3 9 , ftn)ie »«ter und berieten gerade, ob sie uns abschießen, abfangen

pnid)ten sollten.

Kinder", sagte ich zu meinen Leuten,das Ist eine böse Sage und Ich fürchte, wir haben ausgespielt. Da ist aber noch der .Große weihe Mannt und da ist die kleine und siegreiche Armee, die auf unsere Nachrichten wartet..." Ich sah mir die Pferde meiner Leute an. Sie konnten kaum mehr stehen. Mit diesen Pferden war nichts mehr zu machen. Ein einziges Tier war noch frisch der .Blitz'.

So berieten wir eine Weile und endlich entschlossen wir uns, zu han­deln. Ich sollte versuchen, durchzubrechen... Gelang es mir, sollten die andern die weihe Fahne hissen denn es hatte keinen Zweck, gegen eine Armee zu kämpfen. Gelang es mir nicht, sollte es der nächste ver­suchen ...

Ich sah dann ab und zog die Gurten fester dann nahm ich den Kopf des Blitz an meine Brust und begann .mit dem Tier zu reden. Blitz", sagte ich leise,wir haben uns vertragen und wieder nicht ver­tragen, aber jetzt ist keine Zeit, alte Sachen aufzuwärmen ... Da drüben stehen die Engländer und da stehen wir und ich mutz durch ... .Blitz'> ich muß ..."

Dann saß ich auf, winkte den Kameraden noch einmal zu und ritt an. Es gab nur einen Weg und auf dem Weg standen die vierzig englischen Reiter. Der guteBlitz" ging im Trab an gleicht daraus fiel er in Galopp und dann nahm er die Trense zwischen die Zähne und begann zu rennen... Zwei Minuten später war ich an den Eng­ländern. Sie wollte die Pistole ziehen, aber sie hatten keine Zeit. Den ersten englischen Gaul nahmBlitz" an und rannte ihn um ... den zweiten' stieß er so unsanft beiseite, daß der Reiter in den Sand kollerte und dann war ich mitten unter den Reitern. UndBlitz" biß und schlug um sich wie ein Verrückter... Wie er durchbrach weiß ich nicht. Aber er brach durch. Zum Schluß stellte sich noch ein baumlanger Engländer in unseren Weg undBlitz" nahm ihn an ... er biß ihn in den Schenkel, daß der andere aufheulte und dann lag die Ebene vor mir. UndBlitz" rannte ... Er rannte wie eine Gazelle... Und in dem Augenblick wußte ich, daß ich das Pferd hatte ... den besten Kameraden, den man sich in einer solchen Lage wünschen konnte. Denn sehen Sie, die Engländer waren nicht müßig. Sie schwärmten aus und jagten mich, aber denBlitz" konnten sie nicht einholen... Zwei Stunden raste er in atemraubendem Tempo dahin dann war der Engländer verschwunden und ich ver­suchte, den Gaul in eine vernünftige Gangart zu bringen aber er schüttelte ärgerlich den Kopf. Und als ich energisch werden wollte, faßte er die Trense und riß mir die Zügel fast aus der Hand...

. Damals ärgerte ich mich darüber aber später sah ich ein, daß er recht hatte. Er roch die Engländer, die ich nicht sehen konnte und wollte ihnen entgehen. Lachen Sie nicht, Heydebrandt er wußte, um was es ging er wußte, was mir drohte und er wollte mich retten. Und Stunde um Stunde rannte er in irrsinnigem Tempo weiter. Ich konnte mich kaum noch im Sattel halten aberBlitz" schien keine Müdigkeit zu spüren.

Wie lange das so weiter ging; weiß ich nicht. Plötzlich rief mich jemand an und ich sah einen Mann in unserer Uniform ... es war Abend und etliche Wachfeuer brannten undBlitz" rannte geradewegs auf eines der Feuer zu... Und dann stand er still.

-Todmüde glitt ich aus dem Sattel und wollte feinen Kopf nehmen und streicheln, da kracht der Gaul nieder. Gerade zu meinen Füßen...

Aufgeregt schrie ich nach Wasser und Kognak nach einem Doktor .. aber es war alles vergebens. Noch einmal hob der braveBlitz" den Kopf und sah mich an dann durchlief ein Zucken seinen Körper und er fiel zurück.

Lunders stand auf und trat an den Rand der Terrasse.

Das ist die Geschichte des störrischen Pferdes .Blitz'", sagte er und ein eigenartiger Unterton schwang in seiner Stimme.Des Pferdes, das feine Schuldigkeit getan im Augenblick, in dem es galt alles herzugeben."

Die Nacht war hereingebrochen. Lunders hatte laut gesprochen und feine Worte hallten durch die Nacht. Von drüben kam leises Wiehern der Pferde sie waren unruhig geworden. Vielleicht hatten sie ver­standen, was Lunders über das treueste Pferd Afrikas erzählt hatte

Mariechen.

Eine Geschichte aus dem Weltkrieg.

Bon Erich Körding.

Durch verschlammte Gräben, unter deren Holzraster das trübe Lehm- maffer steht, ist die Ablösung nach vorn gestolpert, durch graue Dunkel­heit, die feucht und kühl über der schwarzen, müden Erde liegt. Nur die vorn ruhelos emporsteigenden Leuchtkugeln werfen ihren krankhaft blaffen Lichtschein über das zerklüftete, verwüstete Gelände, durch das die Gräben ihre Schlangenlinien ziehen. UeberaU glitzert Wasser, glänzt und schimmert es feucht. .

So nun ist man vorn. Flüsternd verteilt der Zugführer die einzelnen Gruppen auf die niedrigen Unterstände. Unterdrücktes Husten und Sprechen erklingt, Metall klirrt, Füße scharren und schlürfen. Hin und wieder erglimmt schwochrötlicher Lichtschein, wenn die kleinen Türen zu den Unterständen geöffnet werden, oder jemand tief in eine Ecke geduckt, fich Pfeife oder Zigarette anzündet.

Die Gruppe Sonntorf begibt sich in den ihr schon bekannten und sozusagen zustehenden Unterstand Nummer 7, gleich neben dem großen Betonbunker C, der wuchtig und vertrauenerweckend daliegt.

Noch während der Uebernohme des Unterstandes und feines In­ventars, drängt sich ein Mann nach vorn, unterdrückt fragenb:Js Mariechen noch da? Js fe jefund, nifcht postiert?"

Es ist Bußmann, der Berliner, von dem sie sagen, er hatte eine Schnauze wie ein Schellfisch, und ein Herz wie ein Backfisch. Beides ist wohl ein wenig übertrieben, stimmt aber doch ziemlich.

Mensch, Bußmann, können Sie damit nicht noch einen Augen­blick warten?" verweist ihn der Gruppenführer, Unteroffizier Sonntorf, seine Voreiligkeit. Ein« gedämpfte Stimme aus dem Unterstand aber gibt schon die Antwort: