Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei, R. Lange, Gieße».
Verantwortlich: Dr. Fr. W. Lange.—
nach vorn, in i. einer unverständlichen Sehnsucht
Schon wollte ich gehen, als mir von einem kleinen Mädchen mit fest- gedrehten Zöpfen geführt, ein altes, gebücktes, schwarzes Weiblem ent« aeaenkam Großmutter, Großmutter, wo ist denn da der Großvater? 9 9Der Diener blickte unwillig über seine tiessitzende Brille, legte den Finger an die Lippen, runzelte die Stirn und machte: „Pst Die Groß, mutter erschrak bedeutete der Kleinen, zu chweigen, knüpfte das Sack uch auf und bot dem Diener ein Trinkgeld an. Der Betrag mochte mch aroß gewesen sein, der Diener meinte, er habe keine Zeit, der Sarg sei schon geschlossen, die Frau hätte früher kommen müllen. ,
„Aber ich will doch den Großvater noch einmal sehenI ries das
"binJie^waren fein Freund", sagt« sie, und ich konnte nicht anders, als "sie ohne Unterbrechung ansehen, denn sie erschien nur als der letzte irdische Rest, ein wunderbar lebender Teil des abgeschiedenen Freundes. Sie„SrÖrmü6te nicht fein Freund fein?" Ich sah, wie r>°r Ausdruck von Trauer in ihrem Gesicht sich vertiefte und einen fast müden Charakter “Ti>öK*. ör Ml«, und «m u-m den Kastanien her und aus dem Tal heraus, von Fluß unds Buchen uick> aus dem weiten Himmel:--Immer und wieder — anbieten
bis es genommen wird —
,J&c starb, damit Sie leben, sagte ich.
„Damit wir alle leben ..."
^Ia."
„Er war sehr mutig, nicht wahr?"
„Er tat es aus Liebe", sagte ich. , . . „
,Za. Es muß eine ungeheure Liebe gewesen fern. ,
Unten auf dem Fluh war kein Boot, aber der Dunst verdichtete sich zu weißlichem Nebel, den Erinnerungen formten wie sie wollten. Ein schattenhaftes Boot glitt dahin.' Ich dachte, auch sie mußte es sehen, und
jst^so ^ange her", sagte sie, „wie lange es noch dauert? Das ist so schwer. Mit jedem Tag, den ich lebe, komme ich ja nafjer zu ihm, aber doch ist jeder Tag schwer, weil ich gar nichts von ihm habe, fein einziges Wort, denn ich war nicht bei ihm, als er in den Tod ging ...
",Was^ chgte"er? Wi^erholen ^Sie erbitte! Ich muß etwas haben """„Er"'jagte: ^Man nnih das Höchste geben, wenn man den Frieden
Und noch einmal während ich sprach triumphierte die Front hier in der Heimat, ich hörte mit schicksalhafter Eindeutigkeit das Knattern der Maschinengewehre und das kurze Zerplatzen der Handgranaten und sah den Freund aus dem Trichter springen, die Augen vom Stahlhelm verschattet, doch lächelnden Mundes. . , , ,,, x
— Wenn man den Frieden will", sagte sie und erhob sich. Wahrend wir sprachen, war es zusehends dunkler geworden aber doch noch hell genug, um mich ein merkwürdiges, rührendes Glitzern in ihren Augen erkennen zu lassen von verhaltenen Tränen. Sie wandte sich um, ich begleitete sie bis ans Haus und verabschiedete mich.
Das wiedergefundene Antlitz.
Von Bruno Brehm.
Als ich ganz unvermittelt den Tod meines Freundes erfuhr, eilte ich zu dessen Mutter. In dem gleichen Zimmer, in dem wir als Kinder gespielt hatten, traf ich die Frau, deren Haar über Nacht grau und deren Antlitz von Tränen entblößt worden war. Aus zwei Türen traten zugleich die beiden Schwestern in Schwarz und nahmen bei dem Tische Platz. Als das Schweigen uns zu würgen anfing, versuchte ich ein wenig von dem Toten zu sprechen, von unserer Gymnasialzett, von dummen Streichen; schon flackerte hin und wieder ein leichtes Lächeln von den Gesichtern der Töchter auf das feuchte Antlitz der Mutter hinüber als diese ausstand und j>in Heft holte, das sie vor mich hmlegte. Während ich blätterte, verlöschten die Tränen das Licht der Erinnerung in den Augen der drei Frauen.
Die ersten Setten des Hestes waren mit der kleinen, zierlichen Schrift des Freundes bedeckt. Während ich las, sprach die Mutter tm- zwischen, der diese Zeilen so gewärtig sein mochten, daß sie nur Seite für Seite die nötigen Erklärungen geben konnte. Mein Freund, Arzt in einem Spital, hatte während des Sezierens geraucht, hatte Leichengift in eine offene Stelle der Lippe gebracht, hatte gewußt, daß er verloren war und das Herannahen des Unabwendbaren genau beschrieben, als nähme er die Krankengeschichte eines fremden, ihn sehr befchästigen- den Falles auf. Die letzten Seiten waren unregelmäßig beschrieben, die sorgfältige Schrift hatte den Halt verloren, die Buchstaben irrten ab -und auf der letzten Sette stand: „Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr." Nun wußte ich, daß man hier nicht mehr sprechen durste, ich nahm Abschied, die Kehle war mir zugeschnürt. Ich muhte den armen Freund noch einmal sehen.
Vor der Leichenhalle war ein Spielplatz, auf dem Kinder ihre Kreisel trieben Durch einen kahlen Garten trat ich in den kalten Raum. Ein Diener mit einem roeingeröteten Gesicht fragte mich, was ich wünsche. Der Mann zeigte eine unschöne Vertraulichkeit mit den letzten Dingen. Er nahm das Trinkgeld und führte mich zu dem Sarg.
Ich dachte an den Toten, der bei unseren Jugendspielen immer der Medizinmann gewesen war, der unsere Beulen mit einer Schieferplatte geglättet oder, wie wir sagten, ausgebügelt hatte. Nun beugte ich mich über den Sarg, aber ich wich gleich wieder zurück: um Gottes willenI Wie hatte das Gift gewirkt. So wollte ich doch das Bild des Freundes nicht mit mir nehmen.
fitalJlite die Frau wieder gehen, aber die Bitte der Kleinen hatte es mir aliaetan ich gab dem Diener Geld, und nun h°b er den Decke ab.
„Großmutte?', rief die Kleine taut, „geh, heb mich! Ich kann sonst ""^Äinbjd) kann dich nicht heben, du bist mir zu schwer."
"Heb du mich", sagte die Kleine, auf mich zeigend, „tue Großmutter 1,1 STX Srou will« sich für di, Stein« -»Uchüldte-U. »d-> ich
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schlier den tiefen Schlaf.
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dem Großvater zwischen die gefalteten Hande.
„Nun müssen wir aber gehen", mahnte die alte grau. Ich fegte oa Kind ab, von draußen klang em Kinderlied in die Halle.
„3ft die schwarze Köchin da?
„Nein, nein, nein!" „
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Großmutter"," sagte das Kind mit feiner lauten Stimme,, „darf ich bann ein bissel auf dem Spielplatz bei den Kindern bleiben?
Nein komm, wir haben keine Zeit", drängte die alte Frau.
Nun wollte ich, während die Großmutter die Kle ne ichon an der Hand hinter sich Herzog, wissen, was in dem Brief gestanden habe, den.
Lid--»Ach".»7
M-in« Pupp, Ist nämlich „rdwch-n, dl- Multen d-« »
das Christkind keine neue bringen. wird und- dahab ich unter dielen Brief mitgegeben, damit mir der liebe Gott verzeiht.
Deckels zu warten und holte mir aus diesen klaren, vom kühlen Tod gereinigten Zügen eines fremden Mannes Trost.
Abends nach dem Einschlafen, war es mir, als ginge die Tnr. alte Mann mit dem Brief an den lieben Gott in der Hand, kra mein Bett und sagte: „Zur nächtlichen Weile über einen weiten J auf der großen Straß'. Was mich deckt ist die Erde, was über mL schwebh ist der Himmel, was vor mir liegt, ist Seligkeit was w^ hinter mir liegt, ist das bitterböse Leben, das mich nut den Fuß getteten hat. Das ist die frohe Botschaft die ich Ihnen bringe, roeil Stt mir meine Enkelin noch einmal gezeigt haben.
moüte dem Mann die Hand reichen, aber-er trat zuruck. „Wisse» Sie nicht, daß m^n im Schlafenden Toten nicht die Hand reichen darf?
^Es brinat'?ein'Müct^Der alte Mann hob langsam den Brief.
",Sie sollten'mir da ein. wenig helfen Meine Tochter ist so ftten^ und hat kein Einfchen mit der Kleinen. Wenn die kleine Mitzi aber H viel Vertrauen zu mir hat ..." m1r|,
Ja, richtig! Wie hatte ich das.nur vergessen können. Das war wirk lich ganz und gar gedankenlos von mir gewesen. „Gerne, gerne. SM komme morgen zum Begräbnis noch einmal auf den Friedhof. 3®) werde auch die Puppe nicht vergessen." „
„Kann ich Ihnen nun auch mit etwas dienen? fragte der au Mann, der wohl ein kleiner Geschäftsmann draußen m der Vorstadt
Händen, wandte sich stumm ab und reichte mir, abgekehrt, etwas Weih - Kühles hin. Dann ging er, ohne zu grüßen, mit gesenktem Schein äaDUnb da hielt ich auf einmal das verloren« Antlitz des Freun^f in den Händen, schön und kühl, klar und einfach, wie der Tod M es ist, fremd wie das Ende und vertraut wie der Freund; ich pm das Gesicht gegen meine Brust und sie hob sich mit ihm und sie ft»
• sich mit ihm. Da versank in ihrer Tiefe dieses wiedergefundene AnW • ^versank mit ihm ein Teil des Lebens, die Gespräche des Ab * । die Wanderungen durch die Wälder, der Rauch der Feuer tm H"°?
1 das Schlagen der Wellen gegen das Boot es versanken di« Tage s Jugend und die Pläne, der Knaben, zur Ruhe gingen die Ahnung^" die unsere Schläfen gerührt und unsere Herzen hatten erzittern lassen^
Elben Buchen an den Hängen, und über dem Fluß ein leichter Dunst- lleter den Glanz des Wassers trübend. Sie hatte mich nicht kommen hört' Ich rief sie leise an. Sie drehte sich um und ich erschrat über die Mässe ihres Gesichtes, es war wie ein Äch durch die durch in die weihe Leere der Ewigkeit. Diese Trauer hatte keine Gren zen sie überwand jede Zeit. Das war der erste Eindruck, und fast gleich teitia !ah ich den Freund wieder, wie er im Granattrichter faß, den Blick nach vorn, in Richtung des Feindes, lächelnd und mit dem Ausdruck einer unverständlichen Sehnsucht.
Es ist gut, daß Sie gekommen find", sagte sie. Der Tonfall ihrer Worte entsetzte mich: es klang wie das Echo feiner Stimme, em zartes,
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