Nummer H7
ßreitag, -en 25. )uni
Jahrgang 1959
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Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger
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SGHICKSALSTAGE FRANKREICHS 1917
Lin Vericht von P.L.Ettighoffee
L » p t> r i g h t b y Bertelsmann Gütersloh
2. Fortsetzung.
Ist diese Operation möglich, werden Die fragen, meine Herren! Auf liefe Frage hat Ihnen die französische Verdun-Armee bereits am 24. Ok- ober und am 15. Dezember eine positive Antwort gegeben. Ich erkläre ihnen hiermit, wir werden die deutsche Front durchbrechen, wann wir »ollen, unter der Bedingung, daß wir nicht gerade den stärksten Punkt ingreisen und unfern Zugriff so brutal gestalten, daß er in 24, spätestens n 48 Stunden zum Sieg, das heißt zur Feldschlacht und zur anschließen- len Verfolgung führen muß.
3d) fasse zusammen: Ein heftiger Angriff auf breiter Front wird auf i'anzosischer und britischer Seite begonnen mit dem einen Ziel, den darchbruch zu erzwingen. Es ist nicht nötig, daß an allen Stellen des Angriffs die feindliche Front durchbrochen wird. Nein, es genügt durch- >us, wenn die deutschen Linien in einem natürlich ziemlich breiten Ab- ihmtt ausgerollt und vernichtet werden. Währenddessen haben die andern Frontabschnitte den Gegner durch ständige unermüdliche Kampftätigkeit ]u fesseln.
Hinter der Einbruchsstelle wird die Kavallerie in großen Massen lereit stehen. Ihre Stunde schlägt, wenn unsere Jnfanteriesturmtruppen lie deutsche Schwerartillerie erreicht und unschädlich gemacht haben. Dann werden sich unsere Kavalleriemassen in Bewegung setzen und das seind- !che Hinterland überschwemmen, Dörfer, Bahnlinien und Straßen sichern nb dem fliehenden Feind auf den Hacken bleiben. Nach dieser letzten >hase des Kampfes wird das Gelände frei fein für jegliche Entfaltungs- nöglichkeit. Wir können uns Belgien zuwenden und Brüssel befreien, ßir können aber auch unsere Kavalleriemassen auf dem linken Maasufer ntlangreiten lassen bis zur holländischen Grenze, um einen Sperrgürtel ii legen und so die ganze deutsche Armee westlich davon einem neuen »edan entgegenzuzwingen. Für die französische und die britische Armee »ird dann eine herrliche Siegesernte beginnen. Die späteren Einzelheiten «geben sich zwangsläufig im Rahmen des Geschehens.
Um eine solche Schlacht zu führen, müssen wir sie mit dem uner)chut- - brlichen Glauben an den Erfolg beginnen, mit dem festen Willen, bis um Ende zu gehen ohne Rückblick. Ich, als Oberbefehlshaber, bin ent- | Ichlossen, alle Kräfte Frankreichs für diese Schlachten zu mobilisieren, |l md ich glaube nicht fehlzugehen, wenn ich annehme, daß Sie, Marschall !iaig, den gleichen Vorsatz bei Ihrer Regierung durchdrücken werden.
Unablsiingig von unserem gemeinsamen Streben und unserer gemein- limen großen Schlacht in Frankreich muß auf allen Nebenknegsschau- ' Sätzen der Kampf mit gleicher rücksichtsloser Heftigkeit entbrennen. Sie | l agen nnch nach dem Zeitpunkt des Losschlagens, meine Herren. Setbst- ! verständlich haben die Alliierten das größte Interesse, sobald «ne nur möglich loszuschlagen. Es ist ferner von größtem Interesse, diese Schlacht mit dem vollen Einsatz aller Mittel zu beginnen, aber auch in einem tugenbtid, da wir noch die volle Ueberlegenheit dem Femd gegenüber tiesitzen. Warten wir noch bis zum 1. Mai, dann wird der Femd erneut Une Kräfte gesammelt haben. Er wird seine Rekruten ausgebildet m die iüaagschale werfen können, und wer weiß, ob dann nicht diese Waagschale i ich zu seinen Gunsten neigt. Ich möchte sogar behaupten, es durfte dann > [ein. Deutschland strengt sich augenblicklich fürchterlich an. Seme Kriegs- mdustrie leistet Gewaltiges, und was wird dann fein, wenn die jegt an ®r Ostfront festgehaltenen Streitkräfte frei werden! Für die nächsten Wochen aber sind diese Streitkräfte noch dort gefesselt. Deshalb liegt s in Merem Vorteil, die Offensive baldigst zu beginnen. Ich behaupte, daß I ;ee,s allein die richtige Auffassung vom Kriege ist, jetzt nach zweieinhalb I ' ähren Kampf. Eine andere Auffassung, wie Kampf um kleinere, Front- ff *-**c oder geringere Ziele, ist unmöglich, denn solche Geringfügigkeiten i ^ben den Ausgang des Krieges nicht beeinflussen können. Nur groß- ■ Mgiger, rascher Angriff verringert beträchtlich unsere Verluste und unser I ., ..
■ . Wenn ich Ihnen, meine Herren, diesen Plan vorschlage, dannweiß ich, I die französische Armee den Löwenanteil an Opfern auf sich nehmen I- ®lrb, obwohl Frankreich das geringste Risiko bei einem zogernden tlb- marten tragen würde. Wahrscheinlich würde der Feind nach der Nieder- ! von Rumänien und Rußland seinen Hauptstoß irgendwo iM
L ,".!nen, oder in Italien, oder oben an der Küste «egen die britische oder ™ Armee führen. Nach der blutigen Abfuhr bei Verdun ist es I t^M°sstn, daß die Deutschen in absehbarer Zeit wieder die franzo i- I '2en Hauptkräfte angreifen werden. Aus gwralischen Gründen kann die
Deutsche Oberste Heeresleitung solches ihren Soldaten oder dem deutschen Volk nicht mehr zumuten. Frankreich ist trotzdem entschlossen, die Hauptwucht des Kampfes zu tragen, weil es notwendig ist, endlich zu einer Klärung zu kommen und die deutschen Streitkräfte durch eine großartige Offensive zu zerschlagen. Frankreich ist entschlossen, die geplante Offensive unter allen Umständen durchzuführen bis zum großen Endsieg."
Die versammelten Generäle spenden uneingeschränkten Beifall. Der Weg zur großen Nivelleschen Offensive ist frei. Es gibt kein Zurück mehr, Die Würfel rollen. Das Schicksal nimmt seinen Lauf.
Am zweiten Tag: „Einmarsch in Laon".
Der große Chef, „General Durchbruch", wie man Nivelle im Kreise der höheren Offiziere jetzt schon scherzhaft nennt, hat gesprochen. Und nun, zwei Tage später, spricht auch sein ihm treu ergebener Helfer und Kampfgenosse vom Trichterfeld um Verdun, General Mangin, genannt „der Grimme". Von Mangin weiß man, daß er, der erfahrene Troupier, der wetterharte ehemalige Kolonialsoldat, für sich und seine Soldaten keine Weichheit kennt. Er verlangt von sich und von ihnen das Höchste an Einsatz und Pflichterfüllung, aber er ist auch ein Vorgesetzter, der eifersüchtig über das leibliche und seelische Wohlergehen seiner Kolonialsoldaten wacht. Er weih, daß er dem Soldaten, der da stürmen und unerbittlich angreifen soll, etwas bieten muß, ein Ziel, eine Fahne!
Bei Verdun war dieses Ziel der Douaumont.
Hier ist's die Stadt Laon.
Seit Monaten und Jahren sehen die französischen Artillerie-Beobachter aus einigen geschützten und besonders vorgeschobenen Stellen der Front am Damenweg die hochaufragenden Zwillingstllrme der alten ehrwürdigen Kathedrale von Laon. Wie eine Fata Morgana, wie eine ferne Lockung, wie eine Verhöhnung fast und ein Zeichen französischer Ohnmacht steht unerreichbar die Kathedrale von Laon auf dem steilen Hügel. Manchmal, so will es scheinen, winkt die Kathedrale, und ihr Türme sind wie erhobene Schwurfinger, die gen Himmel klagen, weil die Retter immer noch nicht nahten.
General Mangin hat die Stadt und Festung Laon zum ersten Ziel des großen Angriffs in der kommenden Schlacht erkoren. Zwei Tage, nachdem Nivelle gesprochen hat, spricht General Mangin und gibt folgenden Befehl an seine VI. Armee aus:
„Der Oberbesehlshaber hat die Absicht, die deutsck)en Linien zwischen Hurtebise und dem Aisne-Oise-Kanal zu durchbrechen. Dieser Durchbruch bedingt die Wegnahme aller feindlichen Verteidigungsanlagen in einem Sprung. Dieser Anlauf hat durchzugehen bis zur feindlichen Artillerie. Am selben Tag haben die Angrifsstruppen die Höhenrücken zu erreichen, welche die Ebene von Laon im Süden überragen. Die ausgehende Sonne des folgenden Tages wird den Durchbruch unserer Kavallerie in die Ebene von Laon beleuchten, sowie die Besetzung der Linie Laon—Lanis- court-^Anizy—le Chateau.
In einem einzigen Satz, geschützt durch ein Sperrfeuer, das 70 ober 80 Meter vor ihr wie eine eherne Wand niedergeht, hat die Infanterie mit einer Marschgeschwindigkeit von 100 Meter in drei Minuten vorzurücken. Die Nordabhänge des Damenweges sind genau drei Kilometer nördlich der Ausgangsstellung, so daß diese Linie innerhalb 90 Minuten erreicht sein maß. Hierbei hat die verrückende Infanterie ihr befonberes Augenmerk auf die Reinigung aller natürlichen Höhlen zu richten."
Eine kühne Sprache, die hier geführt wird. Bei diesem Ton muß sich der Glaube an einen sicheren, unbedingten und raschen Sieg verbreiten. Dies alles ist psychologisch sehr wichtig. Ein gesunder Optimismus wächst. Die Befehle von Nivelle und besonders die Ergänzungen von Mangin werden zuerst in eingeweihten Kreisen besprochen. Man berauscht sich an ihnen. Man freut sich am langgestreckten und deutlichen Ziel. Das hier ist wenigstens noch ein Plan, das ist die Vorbereitung zu einer gewaltigen Tat, die ewig in Frankreichs Geschichte glänzen wird.
Vielleicht ist die Freude zu groß, und diese große Freude bewirkt, daß man alles mit einer unglaublichen Verantwortungslosigkeit im Kreise der Kameraden bespricht. Weder Nivelle noch Mangin haben ihre Befehle mit dem Zeichen „Geheim" versehen. Deshalb fühlt sich niemand zum strengen Stillschweigen verpflichtet. Alle diese Generäle und Offiziere vom Stabe, die berufsmäßig eingeweiht sind, sprechen zwar unter sich von diesen Dingen, aber es gelangt hier und da etwas in die breite Masse. Die Befehle werden ja von Schreibkräften vervielfältigt, wandern durch verschiedene Meldestationen. Und niemals als Geheimbefehl.
So kommt es denn, daß bald mehr Menschen von diesen Dingen erfahren, als es für den Plan eigentlich gut ist. Bereits Ende Januar spricht man in den Pariser Salons ganz offen von der bevorstehenden gewaltigen Endschlacht des Krieges. . . .
In diesen Tagen sitzen zwei Generalstabsoffiztere im Case de la Paix zu Paris. Ein Zivilist rückt zu ihnen und fragt jovial: „Na, wann geht die Sache eigentlich los, da oben an der Aisne-Front? Ist's bald soweit?


