(Cfunöen Hand auf einen
linaus und wartet«.
hat den Dreispitz an die Satteltasche gehängt, schmerzt. Er achtet es nicht. Der leise Wind, de
ihm nach.
So reitet er schon seit dem Morgen. Mittag ist längst vorüber. Da Wien bis an die Hohe Wand war es weit. Der Tag ist heiß. Der Osfizii hat den Dreispitz an die Satteltasche gehängt. Der Arm in der Bint
, .... i, der vom Schneeberg niebei wert, tut ihm wohl. So ritt er Meile um Meile. Nur aus halbem Wez hat er eine Stunde gerastet, sein Pferd gefüttert, etwas gegessen und ei
Förmlichkeiten wollte er sich nicht lange aushalten. 2lber dann öffnete ^r D'-ner ein« Tür, und der Regenschori sah den Leutnant ein wenig blatz und mit dem Arm in der Schlinge in einem Lehnstuhl am Fen-st siken Ein Barbar war Wimmer auch wieder nicht. Er verbeugte sich gemessen, trat einige Schritte vor, verneigte sich noch einmal und fragte häflidi n qu* ein wenig kühl, wie der Herr Baron fich befinde, ob die Schmerzen arg feien und di« Wunde zur Zufriedenheit heile.
Rabenau lachte: ,Flicht der Rede wert. In zwei oder drei Tagen gehe ich wieder ins Feld ... Aber womit kann ich dem Herrn Regens- chori dienen?" Er glaubte, daß Wimmer gekommen fei um für seine Singerbuben zu iammeln. Er wies mit der ge'"n^n Aanh auf emen Stuhl neben sich/Dann sah er zum Fenster hi
Matthias Wimmer fetzte sich und kreuzte die kleinen, kurzflngrigen chände über der elfenbeinernen Kugel feines Rohrftocks. Er strich sich nervös über feine Glatze. Die höfliche Einleitung hatte ihn ganz aus dem Konzept gebracht. Aber sagen mußte er doch etwas. Gr fragte noch ein wenig unsicher: „Der Herr Baron kennt doch die Demoiselle Brand?
Rabenau wandte den Kops. Was wollte der? Er sagte: „Kennen? Wie man’s nimmt. Persönlich hatte ich noch nicht das Vergnügen...
„Aber der Herr Baron hat der Demoiselle doch Fensterpromenaden
Glas Wein getrunken.
Der Geruch von Rinde und frischgeschnittenem Holz weht über in Straße. Eine Sägemühle klappert und kreischt. Bretterstöße liegen Ufer. Häuser tauchen aus dem Blütenmeer. Ein Kirchturm ragt übi Dächer. Der Reiter pariert, fragt einen Buben, der zwischen TrollbluM und aufgeregt schnatternden Gänsen fitzt, wo das Doktorhaus sei. D Bub springt auf, deutet die Straße zurück, die der Offizier gekommen il und zeigt auf ein hellgrünes, ganz in Blüten begrabenes Haus, das rf feite des Dorfes auf halbem Wiefenhang steht. Aber der Doktor sei gerat mit seinem Wagen weggefahren. Der Reiter fragt weiter, ob er auch di Fräulein aus Wien kenne. Der Bub nickt erfreut. Das Fräulein aus W« habe er gern. Sooft er eine Botschaft bringe, bekomme er einen Lebkuch« einen Kupferkreuzer ober sonst etwas Schönes. Der Offizier lacht: „Dar spring hinaus und sag dem Fräulein, daß unten an der Brücke ein Reid auf sie warte, mit einer wichtigen Nachricht!"
Der Bub läuft die Straße zurück. Kleine Wolken stauben von sein» nackten Sohlen. Vor der Sägemühle springt er über einen kleinen Grab» trottet einen Wiesenpsad hinaus, der sich durch die Obstgärten schlängelt
Der Offizier reitet ihm langsam nach. Bis zu einem Steg, der vor di Mühle über den Fluß hinüber ins Jungholz führt, fitzt ab und wartet
Als der Bub durch den Obstgarten angetrabt kommt, sitzt Elifabii Brand auf einer Bank vor dem Haus. Sonnenlichter spielen über i* Haar. Sie flicht einen Kranz. Auf ihrem Schoße sitzt ein kleines Mädch» zu ihren Füßen spielt ein zweites im Sande. Die Doktorsleute sind n« jung. Der Bub richtet feinen Auftrag aus. Elisabeth sieht ihn verwund» an/ Ein Reiter mit einer Nachricht? Wer kann das sein? Ist dah«>> etwas geschehen? Ist der Baier krank geworden? Und warum wartet d< Reiter auf der Straße und kommt nicht heraus? Melleicht muß er weid'
(Fortsetzung folgt.)
Wimmer knurrte: „Freilich. Den ganzen Tag ... Er brach plötzlich ab, denn er sah Rabenaus Augen. Er hatte das Gesuhl, eben.die motzt, Dummheit seines Lebens begangen zu haben. Jetzt fing bu> ®e <W womöglich wieder von vorn an. Nur gut, daß die ßifl im Prestmgt«! war Bor lauter Wut über sich selbst begann er zu schreien: "Das komm davon! Anständige Bürgermädel zum Narren halten und einfach mdji tOm^rei Er nicht so und setz Er sich lieber!" Rabenau beutete auj den Stuhl. „Wie hätte ich denn kommen sollen, da id) doch plötzlich als Kurier nach Schlesien reiten mußte? Ich hätte der Demoiselle natürlich geschrieben Aber da ich hörte, daß sie zu Ostern heirate und sich mt gleicben Tage, an dem sie meinen Brief erhielt, verlobt habe, ging bas wohl nicht ... Sieht der Herr Regenschori das nicht em?
Matthias Wimmer nickte bedrückt. Was sollte er darauf sagen. Ei schüttelte entrüstet den Kops, sagte noch einmal „so eine Msttamsel , wetzt verlegen auf feinem Stuhl, griff nach feinem Hut und wollte sich erheben „Das habe ich nicht gewußt; der Herr Baron muh halt verzeihen ...
Rabenau drückte ihn auf den Stuhl zurück: „So einfach geht dos auch wieder nicht. Erst fagt Er mir Sottisen und dann will Er fti drücken. Jetzt muh er’s wieder gutmachen, daß Er vorhin so grob ml ^'^er^lleine^Musikus knickt« zusammen. Wollte sich der Rabenau mil ihm duellieren? Bor Pistolen hatte er Angst. Er fragte kleinlaut: „Was f°U„'erftennsn roirb der Herr Regenschori der Demoiselle noch heut« jagen, roie alles gekommen ist ..." Wimmer wollte etwas erwidern. Rabenm wehrt« ab: „Wart Er! Es hilft Ihm ja doch nichts ... Zweitens wirt er dafür sorgen, daß ich morgen mit der Demoiselle ungestört reden tan$8immer hob bedauernd die Hände: „Das ist leider imposfidle. Dis Demoiselle ist nicht in Wien?"
„!Bei Verwandten im Piestingtal. Beim Wundarzt Lindner v Waldegg ...
„Seit wann?"
„Seit bald zwei Wochen."
„Ist sie denn krank?"
„Rein. Aber wir haben sie aufs Land geschickt, weil sie ganz schwe« mutig war, vor lauter Verzweiflung ..."
„So schwer hat es die Demoiselle genommen?"
Der Regenschori suhr sich mit dem Tuch über den schwitzenden Schade! Jetzt hatte er wohl wieder einen Unsinn gesagt. Sein Hauskreuz halt schon recht: er wurde alt.
Als er dann später wieder auf der Straße stand, starrte er nachdem!» vor sich hin. Diese Visite war anscheinend das Dümmste gewesen, aus bas er hatte verfallen können. Das hatte er nötig gehabt, dem Rabenau zi sagen, daß die Lisl ihn immer noch liebe! • •’
Die Piesting rauscht und schäumt. Huflattich und Butterblumen fäunrn die Ufer, lieber den goldgelben Wiesen schweben die rosafarbenen Blüte» kugeln der Apfelbäume, die weißen der Birnbäume; das Dunkel iw Forste, die Felswände stehen darüber und auf rotbraunen Stämmen bii fchwarzgrünen Schirme der Föhren.
Ein Reiter trabt durchs Tal, poltert über eine Brücke, an der« hölzernen Jochen die Strömung wirbelt und gluckst. Forellen stehen üb« den sonnenglitzernden Kieseln des glasklaren Wassers. Der Reiter biej auf eine Wiese ein, reitet Galopp, erreicht wieder die Straße, fällt ft eine Weile in Schritt, trabt los. Zwei Bauern sehen auf. Einen kaiserlich» Offizier sieht man selten im Tal. Ob es wohl Schlimmes bedeutet? 9M hört, daß die Preußen wieder in Mähren stehen. Kopfschüttelnd sehen f
gemacht." . .. , „
Rabenau nickte: „Ich kann's nicht leugnen. Leider vergebens.
, Und einen Brief haben Sie ihr zugesteckt, damals in Nußdorf.
Rabenau lachte: „Hat der Herr Regenschori das bemerkt? Das Verhör, denn das war doch wohl eins, begann ihn zu interessieren.
Das Lachen ärgerte Wimmer. Er runzelte die Stirn und hob die Stimme: „In diesem Bries hat der Herr Baron die Demoiselle um ein Rendezvous gebeten;"
,La aber was will der Monsieur?" Es klang wie eine Warnung. Er war nicht gewillt, sich Sottisen sagen zu lassen.
Der Ton reizte den Regenschori. Er stieß den Stock zornig gegen das Parkett. m
Rabenau fuhr auf: „Menagier sich b«r Monsieur!
Doch Matthias Wimmer war schon in Fahrt: „Wie kommt der Herr Baron dazu, der Demoiselle den Kops zu verdrehen und bann, als ob nichts gewesen wäre, mit der Komtesse Hartenberg nach Schlesien zu sahren?" , „
„Mit der Komtesse Hartenberg?" Rabenau sah chn verblüfft an. ,Zch habe die Komtess« Hartenberg nie gesehen ..."
Wimmer war ein erfahrener Mann. Er sah taktvoll zu Boden: ,Zch verstehe, und der Herr Baron kann auf meine Diskretion zählen. Es geht mich ja auch nichts an. Aber der Herr Baron sind doch mit der Komtesse beim Schimmelwirt in Raudenberg ab gestiegen. Der Postil-
Erblickte'entrüstet auf. Rabenau lachte schallend und schlug sich auf den Schenkel. Das Persönchen in der Postkutsche, und dann für drei Tage und Nächt« Madame Schütz aus Olmütz, war alfo die Harten- ^Wmmer fagt« tadelnd: „Das ist gar nicht zum Lachen, Herr Baron!"
Rabenau winkt« mit der Hand ab. Er konnte vor Lachen kaum sprechen: „Doch, Herr Regenschori. Wenn Er wüßte, trat Er auch lachen."
Der Regenschori (prang auf: „Was glaubt denn der Herr Baron eigentlich?! Einem Mädel den Kopf verdrehen unb dann einfach nichts mehr von fich hören lasten!" Er kollerte wie ein Truthahn und lief mit krebsrotem Gesicht im Zimmer auf und ab. „Und mit einer andern davonfahren! Außer Rand und Band war di« Demoiselle vor Verzweiflung. Es hält nicht viel gefehlt, und sie wär ins Wasser gegangen!"
Einen andern hätte Herr von Rabenau schon längst die Treppe hinuntergeworfen. Trotz seinem blessierten Arm. Aber dieser zornige Gnom machte ihm Spaß. Er sah ihm nach und lacht«: „Was regt sich denn der Herr Regenschori eigentlich so aus? Von Jns-Wasser-Gehen ist doch wohl nicht die Rede gewesen. Die Demoiselle hat fich jedenfalls sehr rasch getröstet. Sie ist doch längst verheiratet ..."
Wimmer wirbelte herum und blieb stehen: „Verheiratet?!" Den Mund zu schließen, vergaß er.
Natürlich. Seit Ostern. Der alte Drachen in Eurem Laden hat doch meinem Burschen erzählt, daß die Demoiselle zu Ostern den Sohn von diesem Nußdorfer Weinhändler heiratet ..."
„Die Vielgratterin? — So eine Mistamsel! ... Kein Wort is wahr."
Rabenau wurde nachdenklich: „Nicht wahr? Hat denn die Demoiselle die Hochzeit verschoben?"
„Verschoben? Nicht einmal g'wußt Hais noch was davon!"
„Aber'die Alt« hat dem Burschen doch auch gesagt, daß am Tag vorher in Nußdors die Verlobung gefeiert worden fei."
„So ein Lug! ... Das heißt, der alte Kirndorfer hält gern mögen, weil er sich eingebildet hat, daß er für seinen Buben eine Frau einhandeln kann wie ein Roß. Und dem Brand wär's schon auch recht gewesen. Aber die Demoiselle hat, wie g'sagt, von der ganzen Heiraterei damals Überhaupt noch nichts g'wußt. Die hat doch an dem Sonntag den Kopf ganz wo anders g'habt ..."
Rabenau lächelte ihn an: „Wo denn? Kann mir der Herr Regenschori das sagen?"
„Wo? — Bei dem Bries natürlich, den ihr der Herr Baron damals zugesteckt hat!" Wimmer besann sich, daß er dcxb gekommen war, dem Rabenau die Meinung zu sagen. Er polterte wieder los: „Das is es ja eben! Deswegen bin ich ja da . "
„Der Herr Regenschori meint also, daß ich schuld daran bin, daß die Demoiselle nicht den jungen Kirndorser heiratete."
„Das wär noch das geringste Unglück. Daß (' den Tropf heirat, dafür bin ich nie g'wesen Aber seitdem der Herr Baron ohne Abschied fort is, wills überhaupt nimmer heiraten ... So ein Mädel und soll eine alte Jungfer werden!"
Rabenaus Augen begannen zu strahlen. Matthias Wimmer merkte es nicht. Er rannte schon wieder aufgeregt durch die Stube.
„Ja denkt denn die Demoiselle noch immer an mich?"


