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Silber? meidet die Straßen, vergräbt sich im Zimmer seines Hotels A ' ----- - ~ - - ■ " - igentlich entschuldigen
bem®i(bert läßt sich ein Stück das Geleit geben. Die Luftreise ist er weiß es, ein Lustschloh. Heber dem Schloß weht eine Fahne giftgetb und grün: Mißtrauen und Hoffnung.
Gilbert hängt seine Blicke bös an die neue Halle des Bahnhofs. Bahnhöfe bringen ihm kein Gluck. Er ist nicht abergläubisch, aber es scheint, als sollte er vom Schicksal dazu erzogen werden.
Gilbert hat Paris satt. Der Wunsch, die Stadt um leben Preis $U verlassen, züchtet solche Abneigung. Sie wuchert derb und fett wie em Fliegenpilz
und chneidet Vivian Moreland, obwohl er sich eü will, daß er grob gewesen ist und gesagt hat, er könne nicht stiegen.
Wird er fliegen? Am nächsten Tage läßt Godard Gilberts Papiere holen. Da der Luftschiffer mit ein paar Zeilen durchblicken laßt, er werde die Pässe der Regierung vorlegen, blitzt durch Gilberts schwarze Laune der blaue Himmel der Zuversicht.
An einem der folgenden Abende lädt Godard Gilbert zum Orleans-
Lüge ist.
Sie würde gewiß noch einmal ousreißen, auch wenn die Ahnung ihr die Zukunft so schwarz zeigte, wie sie sich in Wahrheit entfalten sollte.
Gilbert aber übertreibt mit List und aus Berechnung. Niemand ist, wenn es sich um Liebe handelt, so voller Mitgefühl und Verständnis wie ein Franzose!
Eugen Godard schwimmt auch sofort im Strom der Teilnahme.
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bahnhof.
Nun?" fragt Gilbert herzklopfend. Er ist unruhig wie ein Ball, der immer wieder hochspringt. Der Luftschiffer fängt ihn im Netz einer unbeschreiblichen Ruhe.
„Wieviel Fahrten haben wir eigentlich zusammen ausgesuhrt? sragt Eugen Godard leichthin.
„Fünf, das wissen Sie doch!" erwidert Gilbert.
„Fünf, hm", macht der Lustschiffer. „Das gibt gewiß einige Erfahrung. Aber es ist auch Zeit verflossen seitdem!"
Es macht Godard anscheinend Freude, in Erinnerungen zu graben. Ach, Godard hat viele luftige Erinnerungen.
Missen Sie auch noch zu landen? Anker werfen? Ventile offnen/ Es ist eine Folter, dieser Fragenkranz, den der Luftschiffer hinlegt, j „Hoffentlich haben Sie nichts verlernt?" fragte er.
„Lieber Godard", platzt Gilbert los, „was soll das?"
„Ich hatte für Ihren Pah keine Verwendung, Mylord", sagt Godard. j Er scheint zu bedauern. Aber er grinst verhalten. -
Gilbert fällt aus den Wolken, bevor er sie mit dem Ballon erreich' hat. „Also nein??" schreit er verzweiselt, „was hat man an meine« Pässen auszusetzen?" m v „ u
Godard lacht: „Ach lassen Sie nur! Ein guter Gedanke ist besser als Natürlich^ fft Gilbert verrannt. Er versteht nicht, was der Luftschiffer nun eigentlich sagen will. I
,Es ist so", erklärt Godard ruhig, „die Gondel soll bei diese« Fahrten von einem Passagier, den die Postverwaltung bestimmt — unJ von einem meiner Leute besetzt werden. Der Passagier hütet die Briefe, die Depeschen und Brieftauben — mein Mann, den ich mitschicke, i|‘ für die Führung des Ballons verantwortlich!"
„Ja und?" schreit Gilbert saft entrüstet. „Was habe ich damit p ^".'.Jch schätze, daß Sie mein Mann sind, Mylord", sagt Godard ernst „wenn Sie wollen, führen Sie den Ballon!"
Es vergehen einige Sekunden, ehe Gilbert begreift. Ist das Mf> fchloh erstürmt? Die gelbe Flagge sinkt, die grüne steht allein uoe goldenen Türmen? Godard nickt in Gilberts glückliche Fassungslosigkeit 1)1,15)a' verfliegt Gilbert Zurückhaltung. Der gemessene Engländer umarmt Godard. , . ....
Der Luftschisser lacht: „Eine ordentliche Genehmigung habe ich W bekommen. Nun, ich denke, wir werden seine Unannehmlichkeiten Ihren wegen haben! Aber zu niemanden auf Ehre ein Wort! Sie sind mei» Mitarbeiter, der sich zur Verfügung gestellt hat!"
„Und wann steige ich auf, Godard?" .
„In der Morgenfrühe, wenn der Wind günstig ist! Sie wissen: r« Gepäck, keinen unnützen Ballast! Warm anziehen! Nun, das kenne- Sie ja!"
Im Hotel hörte man Gilbert fingen.
Der Zimmerkellner fürchtet, daß der melancholische Engländer v rückt geworden ist. «.<.„1
Aber Gilbert Illingwn packt nur seine Reisetaschen und Koffer, roo fällt ihm Anns Paß in die Hände. .
Daß durch das Fehlen dieses Papiers für Ann Unheil entstehen kav daran denkt er jetzt nicht.
(Fortsetzung folgt.)
Für Gilbert aber Ist Ihr Andenken glücklich an jene Erlebnisse gekettet, die seine Jugend zum „Gefährten des Adlers" machten, wie sich feine Mutter, die von Vivian nicht geschätzte Mary Jllington, geborene Durham, überschwenglich ausdrückte. .. .
Denn später folgen der ersten Ballonfahrt noch andere, sie geschehen aber jetzt aus Lust am anmutig-gefährlichen Spiel mit den Geistern der Luft und des Windes.
Die englischen Zeitungen feiern, angefeuert von Gilberts Mutter, die Aufstiege als mutige Taten eines jungen Sportmannes.
Solcher Ruhm wird von Gilbert lässig, aber nicht ohne Vergnügen getragen, und auch Godard zehrt davon, denn alle Engländer, die nach Paris kommen, wollen mit ihm auffteigen .
Es wird ein gutes Geschäft für Godard, die Engländer in die Luft 9^Gilberi'°ha?'zwar nicht den Marschallstab im Tornister, wohl aber eine Wasserwaage irgendwo im Gemüt.
Hat er einmal nach einer Seite ausgeschlagen, sehnt er sich bald nach dem Gleichmaß, das, wie er glaubt, seinem Wesen vorbestimmt ist.
Darum kehrt Gilbert eines Tages nach England zurück. Dort zehrt er zwar noch einige Zeit von dem Ruhm, der ihm vom Festlande her 9^2)9a aber Ballonfahrten in England wegen der Nähe des Meeres ohne Godards Begleitung gefährlicher als die französischen Lustreisen find, überträgt Jllington feine Leidenschaft nicht auf Großbritannien, sondern läßt sie einfchlasen.
Und bald sind die Fahrten nichts als em zerstäubter Ruhm, ein verwelkter Kranz. . _ ...
Ader doch ist die Erinnerung stark genug gewesen, den Traum dieser Nacht zu säen und ihn von jenem erbosten Worten Gilberts an Vivian: „Fliegen kann ich nicht!" befruchten zu lassen.
Dieser Traum treibt Gilbert zu Herrn Eugen Godard.
Aber in der Wohnung des Luftschiffers bedeutet man Gilbert, daß Godard jetzt ständig auf dem Orleansbahnhof zu finden fei.
Seit AnnS Verschwinden befällt Gilbert jedesmal ein Mißbehagen, wenn er das Wort Bahnhof hört.
Nun find die Bahnhöfe (amt und sonders geschlossen und mit Geleisen und erloschenen Signalen ein leerer Sack, aus dem nicht einmal mehr eine Katze gelassen wird. ., . m .. .. .
Vor dem Schilderhaus am Gare d'Orleans geht em Wachtposten auf und ab. Da ein Wachtposten die Aufgabe hat, mißtrauifch zu fein, vertritt er Gilbert den Weg, reiht den Mund auf und gähnt. „Betreten verboten", sagt er und meint den Bahnhof.
Gilbert lügt, er fei eigens aus London gekommen, es fei em ungewöhnliches Anliegen von höchstem Interesse für Herrn Godard und die Landesverteidigung.
Der Posten, ein Matrose, begreift nur wenig von dem, was IUing- ton vorbringt. Er ist ein wortkarger Bretone, der nicht gern mehr hört,
Gilbert ttägft „Sie hak Parks Bettaffen im» England nicht er- reicht!" Auch hier sagt er nicht die volle Wahrheit, denn eigentlich weiß “ 9Sie"ist^rgendwo hilflos, Godard! Deshalb muß ich fort von Paris Unt> Mr \int> in den Vorbereitungen! Es wäre unser erster Aufftieg", erwidert Godard lebhaft, „und jeder Aufftieg muh genehmigt sein! Und denken Sie, der erste! Man wird Ihnen nie Erlaubnis geben! Godard scheint selbst betrübt.
Gilbert fleht: „Godard, ich zahle den Ballon!
„Fünftausend Frank, aus prima Perkal", lacht Godard. Aber gleich mündet sein Lachen in Nachdenken. Gilbert hofft. .
Ein harter Eigensinn, der ost gleichmütige Naturen wie ein Fieber befällt, rammt seinen Widerstand wie Psähle ein. „Ich 9«? n«9t »9«« Ihre Zusage von hier weg!" beharrt Gilbert mit der freundlichsten Miene.
Aber Godard erkennt: das Verlangen des Engländers hat sich schon gewandelt. Es ist zur fixen Idee geworden. /
„Sofien Sie mir einige Tage Zeit", fagt er.
Gilbert mißtraut: „Sie wollen mich nur loswerden, Godard!
Aber der Luftschiffer schwört, dah er es ehrlich meine. Nein er vertröste Lord Jllington nicht! Er wolle sich einfach um die Erlaubnis
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sind Sie in Paris? In dieser Zeit?" Er klagt: " gnügungsreifen! Oh, Mylord, wissen Sie noch?"
„Ich weiß, Godard! Ich habe sogar davon geträumt. Und wegen des Traumes bin ich ja bei Ihnen!"
Godard lacht. Doch nun schießt Gilbert sogleich sein Anliegen ab: „Godard, ich muß weg aus Paris! Und zwar mit einem Ihrer Ballons!"
Don Engländern erwartet Godard stets die seltsamsten Wünsche.
Vor diesem Wunsch aber erschrickt er: „Aber Mylord, es ist Krieg!"
„Eben darum! Ich kann nicht länger hierbleiben!"
Godard versucht, über das Verlangen hinweg zu lächeln, aber Gilbert gewinnt ein schauspielerisches Können, das er nie bei sich vermutet hat, er spielt mit großer Echtheit den Verzweifelten.
„Godard, es handelt sich um meine Verlobte!"
Es ist ein bedeutendes Glück, daß Ann Moreland weitab von dieser
als er verstehen kann.
Schließlich ruft er einen Kameraden und gibt ihm den Auftrag, Herrn Godard zu verständigen. m v s. . •
Bei Ausbruch des Krieges tragen der Luftschiffer Godard und sein Bruder sich und ihre Kunst dem Kriegsminister Leboeuf an. Aber Frankreich hat bei Solferino mit Ballons Erfahrungen gemacht, die nicht befriedigen. Leboeuf weiß daher nicht, was er mit Luftballons und Luft- schifsern anfangen soll. Er lehnt die Godards ab.
Aber die nach dem Tage von Sedan am 4. September errichtete provisorische Regierung, die Landesverteidigungsregierung, hat wohl aus chrer eigenen Lage heraus, ein Gefühl für Dinge, die in der Luft fchweben, also auch für die Godardfchen Luftballons und die feiner Wettbewerber, der Herren Dartois und Pon.
Diesen gibt die Postverwaltung den Nordbahnhof als Werfftatt und Aufstiegplatz, die Godards erhalten den Orleansbahnhof.
Denn die Ballons werden vor allem Beförderungen von Briefen und Depeschen dienen. Der eherne Ring der Belagerer ist nicht mehr zu durchbrechen. Das Land muh aber die Stimme von Paris hören.
In weit höherem Maße bedarf Paris selbst, um immer wieder Mut zu schöpfen, der Stimme des Landes. Darum fallen die Ballons Nachrichten hinaustragen und Brieftauben, die man in die Gondel mitnimmt, müßen Botschaften aus der Provinz bringen.
Botschaften, Briefe, Depefchen werden hin und her gehen: Ermutigungen und — Lügen. ... ,,
Godard erkennt Gilbert fogleich wieder. Er begrüßt ihn überschwenglich. „Wollen Sie meine Werkstatt besichtigen?" Aber dann stutzt er, da es nicht viel Ausländer gibt, die in Paris geblieben sind: „Warum sind Sie in Paris? In dieser Zeit?" Er klagt: „Keine Zeit zu Ver-


