Ausgabe 
17.4.1939
 
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Noald Amundsens letzte Fahrt.

Bon Helmut Giese.

Der dänische Grönlandforscher Lauge Koch leitete eins seiner Bücher mit diesen Worten ein:Vor mir liegt ein kleiner Stapel Notizbücher. Sie sind abgegriffen, schmutzig, verschlissen, und aus ihnen steigt ein schwacher Dust von ranzigem Speck, Petroleum und altem Tierblut. Manche Blätter sind gelb und fleckig, andre reiner, bisweilen sehen sie auch fast ganz weih und sauber aus das find die Auszeichnungen aus dem Inlandeis, wenn wir hungerten und es deshalb einfach für uns war, sauber zu fein. Die Notizbücher sind Seite für Seite mit Zahlen» mit langen Kolonnen von Beobachtungen gefüllt, die nach der Reise zu Karten wurden. Mitten unter den Zahlenkolonnen finden' sich kleine Skizzen von Bergen und Gletschern, geologische Profile mit Farbkreide illustriert, wobei jede Farbe ihre Bedeutung für das Alter der bargee stellten Erdschichten hat. Und dann sind ganz nebenbei in die Bücher einige wenige Zahlen eingestreut, die die Erlebnisse jedes Tages be­richten. Wenn ich ins Lager gekommen war, fast immer todmüde, über­nächtig und manchmal ausgehungert: erst muhten die langen Zahlen­kolonnen nachgerechnet, die geologischen Profile gezeichnet werden, und nur zu allerletzt, wenn die Eskimos längst um mich schliefen, dursten die Ereignisse des Tages niedergeschrieben werden. Meist im Tele­grammstil. Kräfte und Lust reichten manchmal nicht mehr als allein zu einer einfach hingeworfenen Bemerkung wie ,Ein guter Reisetag' oder ,ein verdammter Tag'.

Und wenn ich jetzt vor einem weitern Kreise meine grohte Reise childere so fühle ich: meine besten Kräfte habe ich in der Kartographie- rung und der Geologie nieüergelegt. Für Stimmungen und private Ge- ühle ist mir wenig Zeit übrig geblieben. Versuche ich trotzdem, in meine Erzählung etwas von der festlichen Freude zu legen, die über einer so großen Reise liegt, dann geschieht es im Vertrauen darauf, dah die Kraft und das Geheimnis der Reife, ihre Gröhe und innere Spannung über das helfen werden, was ich nicht darzustellen vermag."

Kann ein Dichter über fein Werk schöner und schlichter schreiben als der Forscher Lauge Koch über seine grönländischen Expeditionen? Und ein gleiches Gefühl der Ehrfurcht ergreift mich, wenn ich in dem vor kurzem norwegisch erschienenen Buch des Kapitäns Gunnar Hov- benot blättere, dasRoald AMünchens letzte Fahrt" heißt und bet sachliche Rechenschaftsbericht einer Nation, ja der halben Welt ist ubev >ie Suche nach einem grohen Mann, der im Eismeer verscholl:

Als Amundsen von der verzweiselten Lage der Nobile- Expedition auf der Eisscholle hörte, war mit den ersten Rundfunknachrichten auch ein Entschluh der persönlichen Hilfeleistung augenblicklich gefaßt Er empfing in seinem Hause den Vertreter Italiens, der ihn um Rat bitten wollte, und sagte ihm wörtlich:Notwendig, absolut notwendig ist letzt der äußerste Grad von Schnelligkeit und die Energie unseres Handelns. Nur einer, der wie ich über drei Wochen vom Eis blockiert war, weiß» was das bedeutet, und weih, daß in solchen Fällen die Hilfe niemals zu schnell kommen kann. Es gibt ein Gefühl der Solidarität das Männer bindet, besonders aber die, die ihr Leden im Dienst der Wissen- schäft wagen. Gegenüber diesem Gefühl müssen alle unsere persönlichen Meinungsverschiedenheiten verschwinden. Alles, was meine Verbindung mit General Nobile gestört und getrübt Hatz muß jetzt vergessen fein. Heut« sehe ich nur eins vor mir: General Nobile und seine Begleiter sind in Gefahr, und wir müssen alles tun, was in menschlicher Macht *6f)2InUlberleSeie °des" Raumes, in dem Roald Amundsen diese Worts sprach, hing ein Modell eines Dornier-Wals, mit dem er selbst einen Polslug unternommen hatte. Dieses Modell fesselte die Aufmerksamkeit des Forschers. Immer wieder mußte er an seine Notlandung denken und an die Stunden, die er aus dem unendlichen Polareis erlebt hatte. Das Schicksal Nobiles war ja auch sein Schicksal gewesen. In einem solchen Augenblick sagte er zu seinen Gästen:Oh, wenn Sie nur wußten, wie großartig es da oben ist. Dort möchte ich sterben, und ich wünsche nur, daß der Tod auf eine ritterliche Art zu mir kommt daß er mich wahrend der Ausführung einer großen Aufgabe überfallt schnell und ohne Leiden Und das hoffe ich, weil ich über dreißig Jahre lang, seit der belgischen Expedition von 1897, es gelernt habe, Mich gut gegen den Skorbut zu wehren, die einzige Gefahr, die ich ernsthaft tu jenen Gegen-

ist ivahrfcheüilich, nach den Ereignissen und abgeschlossenen Unter- suchungen aller beteiligten Rettungsexpeditionen, agzunehmen daß dis Ahnung und der Wunsch Amundsens nach einem schnellen Tod sich er- füllten9 21m 10. Juni 1928 startete er mitLaihgrn 47 , einem Flugboot französischer Konstruktion, begleitet von vierFranzosen und einem iinnhsmann Dietrichson, aus dem Tromsoer Sund. Man nahm allqemein' an, daß es Amundsens Absicht war, zuerst nach dem Kongs- iiord aus Spitzbergen zu fliegen, um diese Stelle zum Ausgangspunft für die Sache nach Nobile' zu nehmen. Da die Vorbereitungen für den Flug in aller Hast getroffen wurden, bestand eine ju bestimmter Zeit . vermnbarte Radioverbindung derLatham"-Expedition nur mit bet

Radiostation des Geophysischen Instituts m Tromso. 2lmunbjen hat sie "'^Die^Forschungen und Vermutungen über eine Aenderung des Kurses lind durcb die Zeitungsberichte der ausgesandten Rettungsschiffe bekannt« Norweger, Franzosen9 Schweden, Italiener und Russen beorderten SchsfS in das mögliche Unfallgebiet, die zwei Aufgaben hatten, nach der

Latham 47" zu suchen und gleichzeitig schwimmend« Stutzpunkte für di« Befreiung der Nobilgruppe zu sein. Schicksal und Rettung Nobiles durch das Flugzeug und den EisbrecherKrassin sind bekannt. Nur das Schicksal 21 m u n bf e n s blieb lange ungewiß, bis "w IT Oktober 1928 ^ein norwegischer Fischkutter auf dem 64. Breitengrad, 8 Grad öst­licher Länge einen Benzintank entdeckte, der nach Ueberprusung m der französischen Fabrik, ebenso wie ein kurze Zeit vorher gefundener Schwimmer als Materialteil von ,,Latham 47" erkannt wurde^ .utz war kein Zweifel mehr möglich. Prust man überdies ine Wetterverhaltmtze

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Nve ersten politischen Schritte zeugten von großem Geschick. Sie setzte i V. energisch für den Frieden ein, ohne Schwedens Vorteil aus den Augen verlieren Und tatsächlich ging ja auch Schweden aus dem Westfalischen lieben mit reicher Deute hervor. Der Ruf dieser erstaunlichen jungen niain derPallas Mordica, verbreitete sich über ganz Europa. Die »rühmtesten Gelehrten der Zeit traten mit ihr in Briefwechsel, viele dcoon so Descartes, Grotius, Vossius und andere, zog sie g. ihren Hof. Auch fürstliche Bewerber aus fast allen europäischen Län­dern stellten sich ein. Ihr Vater hatte für sie eine Verbindung mit ihrem branbenburgitoen Veiler, dem späteren Großen Kurfürsten, un Auge ».habt Die geschichtlichen Folgen, die sich beim Gedanken einer Personal­mion dieser beiden Mächte eröffnen, sind kaum abzusehen. Aber nach ustav 21dolfs Tode mochte den schwedischen Reichsraten doch cm wenig ir einer solchen Verbindung grauen, und Christine war nur zu froh, i n Kurfürsten abweisen zu dürfen. Sie setzte überhaupt allen Heirats- anen den entschiedensten Widerstand entgegen, und hier ist der Punkt, o ihre Tragik beginnt. Zweifellos hat eine frühe Enttäuschung eine ent- fceibenbe Rolle in ihrem Leben gespielt. Als ganz junges Mädchen hatte sich heimlich mit ihrem Detter Karl Gustav verlobt. Ihre Briefe i ihn sind rührende Zeugnisse eines noch völlig mädchenhaften, aber tfen Gefühls, während die [einigen daneben steif und gezwungen wir- n Christines durchdringender Verstand und lebhaftes Gefühl konnte sich cht darüber täuschen, daß Karl Gustavs Liebe nur der Krone, nicht aber , irer Person galt. Offenbar hat sie diese Enttäuschung nie überwunden.

och ihrer Thronbesteigung löste sie die Verlobung, erreichte aber, dah art Gustav zum präsumptiven Thronfolger gewählt wurde.

Eine tiefe Rastlosigkeit war Christine eigen. Sie schlief nie mehr als ßnf Stunden und nahm auf ihren Körper nicht die geringste Rücksicht. [ loth die Natur rächte sich. Krankheit und Schwermut nahmen von ihr ktesig. Einem französischen Arzt Bourdelot gelang es, großen Em-

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'auf sie zu gewinnen und ihr die Gesundheit wiederzugeben. Doch ihr ets zu Extremen geneigter Geist griff nun mit Heftigkeit nach auher- chen 2krgnügungen, die sie vorher verachtet hatte. Der früher so em- lche Hof von Stockholm wurde ein Mittelpunkt rauschender Feste. Große ummen wurden verschwendet, die Steuern muhten erhöht werden. Dabei henkte die Königin ihre Gunst vorzugsweise Ausländern.Das alles «regte begreiflicherweise die Unzufriedenheit des Volkes, die sich 1650 in tnem Aufstand Luft machte. Christine wurde zwar der Unruhen rasch Herr, aber nicht so sehr der Unzufriedenheit in ihrem eigenen Inneren, tft versank sie stundenlang in ernstes und schwermütiges Grübeln. Das Erfühl, auf einen falschen Weg geraten zu sein und der unersättlich« Irang nach Außerordentlichem suchten in ihr einen Ausweg. So reist« rimähllch der Plan, die Krone niederzulegen, und verdichtete sich, trotz hkftigsten Widerspruchs der Stände, zu unwiderruflichem Entschluß.

Am 6. Juni 1654 entsagte Christine feierlich der Krone zu Gunsten i farl Gustavs, während di« ältesten und treuesten Diener ihres Da- irs vor Schmerz weinten. Der älteste Reichsrat P. B r a h e weigerte sich, dm Kinde Gustav Adolfs die Zeichen der Herrschaft, Krone, Zepter, Reichsapfel und Krönungsmantel, abzunehmen, so daß die Königin dies Eit eigener Hand tun mußte. Bald darauf verlieh Christine Schweden, tm ein halbes Jahr später einen weiteren Entschluh auszuführen: am 54. Dezember 1654 trat sie in Brüssel heimlich, am 3. November 1655 in Innsbruck öffentlich zur kathokifchen Kirche über.

Unendlich viel ist über die Aufrichtigkeit dieser Konversion hin und ter gestritten worden. Christine war, als sie die Krone niederlegte, m ihrem 28. Jahr. Sicher ist, daß sie damals nicht in der Lage war, die volle Sragroeite ihrer Entschlüsse, weder ihres Verzichtes, noch des Glaubens- vechsels, voll zu übersehen, daß sie vielmehr einer mehr ober weniger unklaren Sehnsucht folgt«, mit der auch innerlich Ernst zu machen, zur Aufgabe ihres weiteren Lebens rourbe. Denn wenn auch ihre gejchichtliihe Rolle mit der Thronentsagung ausgespielt war, ihr Weg als Mensch war noch weit und nicht ohne herbe Enttäuschungen und bittere itampte.

In ihrem kleinen Hckf, den sie sich in Rom einrichtete, fand sie zunächst richt den ersehnten Frieden. Ihre Rastlosigkeit trieb sie auf mehrere lingere Reisen durch Europa, die wenig zu ihrer Zufriedenheit ausfielen. Lach Karl Gustavs Tode mochte sie sogar einen Der uch, wieder auf den schwedischen Thron zu gelangen, später bemühte sie sich um die polnische S tone. Der Erfolg war für sie demütigend und enttäuschend. Dazu wurde fe von ständigem Geldmangel gequält, denn sie war eine sehr schlechte Haushälterin und selbst in der Armut freigebig. In den hohen katholischen Greifen erregte sie Anstoß durch ihre derbe barbarische Ungezwungenheit, ijr lautes männliches Wesen. Sie trug äußerlich wenig Frömmigkeit zur Schau, lachte und fluchte nach Herzenslust, kleidete sich und ritt nach Rännerart und ließ es auch gelegentlich an frivolen Bem er tun Zen nicht schien. Erst im reiferen Alter lernte sie sich in der Rolle bescheiden, die hr verblieb, als Mittelpunkt der kleinen Akademie von Gelehrten und Künstlern, die sie gestiftet, als Beschützerin junger Talente, als Herrin der 'Bibliothek und der kostbaren Sammlungen, die sie mit unvergleichlicher IäCSÄ b« m* «*. *.;* *** «uherordentlichen Eigenschaften und Fähigkeiten in sich zur Harmonie z linden, dennoch ihr ganzes Leben läng leidenschaftlich und til?frid)tig® -esucht hat, dürfen wir aus den Aufzeichnungen entnehmen die fie gegen Enbe ihres Lebens niederschrieb, und in denen ft« sich mit der eigenen ,, IlngesäMinktheit mit ihrem eigensten Ich im Lichte der Ewigkeit aus- IL^Feindschaft und üble Nachrede hatte sich an ihren Namen geheftet. | Sn diesem Zusammenhang schreibt sie, und wir dürfen gewißsein, d ß s lZ iie Wahrheit fagt:Mein hefttger Sinn reizte m gleich W ®rabe iur Liebe wie zum Ehrgeiz. In welches Unglück hatte mich nicht die erstere ; estürzt, o Herr, wenn Du nicht grobe durch meine Fehler dieser schwache .ntgegengearbeitet hättest! Mein Stolz, der sich niemals an einen Anderen Menschen gekettet fühlen wollte, mein Hochmut, der alleh

"ich die Leichtigkeit, mit der ich Schwächen und Fehler be, anderen «uuedte, bas waren die Eigenschaften, die mich vor der Gefahr bejch tz lief) war dem Abgrund nahe, aber Deine mächtige Hand hat mich geuii« .

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