Ausgabe 
12.6.1939
 
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Der itöcf.

Don 21 u g u |t Kopisch.

Es tont des Nöcken Harfenschall: Da steht der wilde Wasserfall, Umschwebt mit Schaum und Wogen Den Nöck im Regenbogen. Die Bäume neigen Sich tief und schweigen, Und atmend horcht die Nachtigall.

0 Nöck, was hilft das Singen dein? Du kannst ja doch nicht selig sein! Wie kann dein Singen taugen?" Der Nöck erhebt die Augen, Sieht an die Kleinen, Beginnt zu weinen ... Und senkt sich in die Flut hinein.

Da rauscht und braust der Wasserfall, Hoch fliegt hinweg die Nachtigall, Die Bäume heben mächtig Die Häupter grün und prächtig. 0 weh, es haben Die wilden Knaben Den Nöck betrübt im Wasserfall!

Komm wieder, Nöck, du singst so schön! Wer singt, kann in den Himmel gehn! Du wirst mit deinem Klingen Zum Paradiese dringen!

0 komm, es haben Gescherzt die Knaben. Komm wieder, Nöck, und singe schön!"

Da tönt des Nöcken Harfenschall, Und wieder steht der Wasserfall, Umschwebt mit Schaum und Wogen Den Nöck im Regenbogen. Die Bäume neigen Sich tief und schweigen. Und atmend horcht die Nachtigall.

Es spielt der Nöck und singt mit Macht Bom Meer und Erd und Himmelspracht Mit Singen kann er lachen Und selig weinen machen! Der Wald erbebet, Die Sonn entschwebet ...

Er singt bis in die Sternennacht!

Oie FarmHoffnung"'.

Erzählung von Peter Mattheus.

Martin Anderson verließ die Staaten im Jahr der großen Krise, nachdem er seine Stellung verloren und eingesehen hatte, daß er eine neue nicht finden würde. Er ging nach Mexiko. Seine hübsche junge Frau und siebzehnhundert Dollar Ersparnisse nahm er mit sich. Er war damals zwei Jahre verheiratet.

In San Luis Potosi lernte er einen gewissen Gonzalez kennen, der sich mit dem Verkauf von Ländereien befaßte. Dieser Gonzalez bot ihm Land in der Nähe von Colima an, geeignet zum Anbau von Mais und Tabak. Ein ziemlich großes Areal. Der Preis sollte nur tausend Dollar betragen.

Warum ist es so billig?" fragte Martin mißtrauisch.

Gonzalez zögerte ein wenig, ehe er antwortete.Es gibt keine Eisen­bahn dort unten", sagte er schließlich,nur einen Fluß. Sie müssen die Ernte mit Booten zur Küste bringen. Aber machen Sie sich keine Sorgen deshalb der Fluß ist gut schiffbar und hat nirgends Stromschnellen."

Martin beriet sich mit seiner Frau. Sie war eine Farmestochter, und er stammte von norwegischen Bauern ab. Das Wagnis schien ihnen nicht allzu groß. Zudem verließ sich Martin auf seine Gesundheit und Stärke. Eine Besichtigungsreise hätte viel Geld verschlungen. Ec wollte sein Geld besser anwenden. Kurz entschlossen kaufte er den Boden.

In Colima erwartete die beiden die erste Enttäuschung. Es zeigte sich, daß ihr Land Über zwei Tagereisen von der Stadt entfernt lag. Sie mußten Maultiere mieten, um die Geräte und Sämereien, die sie gekauft hatten, hinschasfen zu lassen. Als sie am dritten Tag auf ihrem Besitz an- langten, erlebten sie die zweite Enttäuschung.

Das Land war da, und der Fluß war da. Das ließ sich nicht bestreiten. Aber der Fluß hatte die eine Hälfte des Landes in Sumpf verwandelt, und auf dec anderen Hälfte wuchs Üppiger Urwald. Möglich, daß der trockene Teil des Bodens gut geeignet war zum Anbau von Mais und Tabak. Aber erst einmal mußte der Urwald gerodet und der Boden selbst urbar gemacht werden.

Das Gepäck war abgeladen worden. Nachdem die Peones ausbezahlt und mit ihren Maultieren verschwunden waren, blieb Martin nicht ein­mal genügend Geld, zurück nach San Luis Potosi zu reisen, um jenen Gonzalez zu verprügeln. Was hätte es ihm auch genützt? Seine Frau war nicht weniger tapfer als er. Sie beschlossen, zu bleiben und der Farm, die hier entstehen sollte, den NamenHoffnung" zu geben. Fürs erste errichteten sie ein Zelt. Am Abend kamen große Moskitos.

Gleich am nächsten Morgen begann Martin mit dem Bau des Hauses. ' Nach vierzehn Tagen stand es fertig da. Ein roh gezimmertes Blockhaus mit nur einem einzigen Raum und einem primitiven Herd Aber es genügte ihnen. Dann fing die eigentliche Arbeit an. Martin zerhieb ßianenftränge, legte Bäume um und hackte die Wurzeln ftückweis aus dec Erde. Es war ein unerhört mühevolles Beginnen, zumal feine Werk­zeuge für diese Art Arbeit unzureichend waren. Mitunter war abends kaum zu sehen, was er tagsüber geschafft hatte. Dennoch verlor er nicht den Mut. Und nach vielen Wochen hatte er endlich zwei kleine Aecker bereit, auf denen er Mais pflanzen konnte.

Der Boden war nicht schlecht. Der Mais wuchs und gedieh. Wenn Martin trotzdem nie dazu kam, die Ernte mit einem Boot zur Küste zn bringen und zu verkaufen, so lag es daran, daß er erstens kein Boot hatte und zweitens die Ernte regelmäßig gemeinsam mit seiner Fran aufaß. Sie lebten in all diesen Jahren hauptsächlich von Mais. Mit dem Anbau von Tabak wurde es nichts, weil Martin niemals Zeit fand, ein drittes Feld zu roden. Er mußte alle Kraft aufwenden, die gewonnenen zwei gegen den wuchernden Urwald zu verteidigen.

Eines Tages fand er beim Umgraben einen alten tönernen Topf, der zur Hälfte mit einem Gemisch von Erde, Asche und schwärzlichen Knochen gefüllt war. Ein unansehnliches Ding, grau und verwittert, mit einem abgebrochenen Henkelstumpf.

Häßlich", sagte Martin,sehr häßlich."

Er kippte den Inhalt aus, sah den Topf noch einmal an und wollt! ihn fortwerfen. Dann besann er sich. Vielleicht konnte man ihn noch einmal brauchen. Er trug ihn zum Haus und legte ihn draußen unter das vorspringende Dach. Dort lag er lange Zeit unbeachtet und vergessen, bis der Fremde kam.

Der Fremde erschien, als sie im vierten Jahr auf der Farrn lebten. Er kam allein in einem Boot den Fluß herauf, legte an bei ihnen und fragte, ob er eine Weile bleiben dürfe. Er fei Amerikaner, Professor an einer Universität, und wolle sich ein wenig das Land ansehen. Er würde ihnen nicht zur Last fallen. Ein Zelt führe er mit sich und auch sonst alles, was er brauche.

Martin und seine Frau waren froh, in ihrer Einsamkeit endlich wieder einmal einen Menschen zu haben, mit dem sie sprechen konnten. Sie sonderten ihn aus, nur recht lange zu bleiben, und stellten ihm ihren ganzen Besitz zur Verfügung. Uebnigens sahen sie den Mann tagsüber selten. Tagsüber pflegte er kreuz und quer den Urwald zu durchstreifen.

lieber eine Woche war der Professor schon bei ihnen, als er den alten Topf an der Hauswand entdeckte. Martin konnte durchaus nicht begreifen, weshalb er so viel Aufhebens davon machte und fo viele Fragen stellte. Besonders wollte er wissen, wo der Topf gefunden worden war.

Dort drüben, am Rand des Ackers", sagte Martin und deutete aus eines feiner Maisfelder.

Ob er noch mehr gefunden habe, fragte der Professor.

Er habe nicht weiter nachgesucht, antwortete Martin.

Immer wieder drehte der Professor den Tops hin und her. Offenbar konnte er sich von dem Anblick gar nicht losreißen. Ob er, der Professor, selber dort drüben graben dürfe, fragte er schließlich.

Bitte", sagte Martin bereitwillig.Nur möglichst außerhalb des Feldes."

Drei Tage lang arbeitete der Professor mit Axt, Hacke und Spaten. Mitunter am Rande des Ackers, mitunter drinnen im Wald. Dann wies er eine Reihe ähnlicher Töpfe vor, die er gefunden hatte, und fragte kurzerhand, ob die Fann verkäuflich sei.

Die Farm?" fragte Martin entgeistert.Diese Farm?"

Jawohl diese Farm, entgegnete der Professor. Er wolle nicht nur den bebauten, sondern auch den unbebauten Boden kaufen. Alles zu­sammen. Martin solle gleich einen Preis nennen. Es käme ihm auf tausend Dollar mehr ober weniger nicht an. Er habe genügend groß! Vollmachten.

Martin sah ihn an, etwa wie man einen Menschen ansieht, der einem klarmachen will, daß der Himmel grün und das Gras blau ist. Er begriff erft, als der Professor ihm erklärte, hier sei ein uraltes aztekisches Gräber­feld, das er für ein Museum in den Staaten ausgraben wolle.

Ob denn die alten Töpfe wirklich einen Wert hätten, fragte Martin verblüfft.

0 ja, sie hätten schon einen Wert, entgegnete der Professor und lachte. Außerdem seien nicht nur Töpfe da, sondern auch Gerätschaften und Schmuck. Ec zeigte Martin ein Kettchen, an dem kleine grünliche Melall- plältchen bringen. Das sei Gold, sagte er.

Martin verkaufte die Farm dann aber doch nicht. Er zog es vor, sie zu tauschen. Der Gedanke an jenen Gonzalez war mitbeftimmeri dabei. Leute wie Gonzalez mochte es viele geben. Und Martin hatte an der einen Erfahrung genug.

Beschaffen Sie mir", sagte er zu dem Professor,eine ähnlich große Farm, aber mit besserem Boden. Dann können Sie diese haben."

Der Professor ließ sich das Angebot schriftlich von ihm geben uni paddelte mit seinem Boot den Fluß hinab.

Ein Vierteljahr später siedelten Martin und seine Frau auf eine Farm in der Provinz Tabasco um. Sie war nicht ganz fo groß wie die Farm Hoffnung". Der Boden jedoch war ausgezeichnet, und Urwald gab es nirgends auf ihrem Gebiet. Von Anfang an war der Ertrag gut.

Aut sind seither abermals vier Jahre vergangen. Martins junge Frau ist hübscher denn je. Er selbst ist braun wie ein Indianer und auf dem besten Wege, ein wohlhabender Mann zu werden. Und unter dem Sonnendach der Veranda kugeln zwei kleine Kinder umher. Ein Junge und ein Mädel.

Die neue Farm hat übrigens den NamenErfüllung" erhalten. Martm fand, es sei in der Ordnung so.

Verantwortlich: Dr. Hans Thhriok. - Druck und Verlag: Vrühlsche Universitätsbruckerei A. Lange, Gieße».