zwischen Mitternacht und 1 Uhr, aber In einigen Klubs (als einge- ! führter Gast) und In den Hotelhallen kann man „zeitlos zechen". Dazu
die
Selbstverständlichkeit.
*
■i
Der«ntwortlich: Dr. HanS Thhriot. — Druck und Verlag: Vrühlsche UniversitStSdruckerei R. Lange, Gießen.
I
a
-
01
1*
v
h:
*
h
P
*1 w
tz
(tut
Kl
i'H
Irdische Kreuden und olympische Sorgen.
Eindrücke von einer Reise nach Finnland.
Von Oleg Berting.
iMi iwi rite W ' ;W lim tW Mi »A ili ÜS( W
„Schlagseite" unerbittlich ins polizeiliche „Trockendock" befördert. Es gibt auch private „Trockendocks", in denen man freiwillig die Spuren ] feuchter Stunden restlos tilgen lassen kann. Dazu dienen Schwitzbäder, > Duschen, Massage und „natürliche" kosmetische Behandlung (Gesichts- i massage, heiße Kompressen ujw.).
Die Alkoholbestimmungen Finnlands liegen zwischen „trocken" und „naß". Es gibt Lokale mit unbeschränktem und mit beschränktem Alko- - holausschank (Alkohol nur zu Mahlzeiten und rationiert). Privat« Wein- Handlungen fehlen; an ihr« Stelle treten die Niederlagen des staatlichen ! Alkoholmonopols „Alkohollliike". Diese sind sehr spärlich gesät, verkauf« ' aber dafür alkoholische Getränke in jeder Form und in beliebiger Menge, im Gegensatz zu Schweden — ohne Karten. Die „Nachtlokale" schließen ;
„Gehört dem Korporal .. Schäffler, eine Krone 20. Die Glückwunschkarte „meiner lieben Braut" dem Gefreiten . . Sieberth ... der muß sie heute ... noch kriegen ... seine Braut hat ... übermorgen .. Namenstag."
„Kopeinlgl"
„Tot" sagte der Sanitätssoldat. ,
Das war ein Frühling.
Von Agnes Miegol.
Das war ein Frühling, — süß und selig sang Die Nachtigall die ganzen Nächte lang.
Der blaue Tag, der sonnenlichtdurchglühte, War trunken von dem Duft der Fliederblüte.
Boll goldnen Bernsteins lag der ganze Strand, Die Wellen sangen süß im weißen Sand.
Auf Möwenflügeln flog ins Licht, ins klare. Die junge Sehnsucht meiner achtzehn Jahre.
Geschäftsabschlüsse werden nicht im Büro, sondern beim „Lunch' getätigt, und zur Lunchzeit, zwischen 12 und 14 Uhr, sind sämtliche Aemter und Büros wie ausgefegt, bis auf einige diensthabende Unterbeamte, die aber deshalb auf ihren Lunch auch nicht zu verzichten brauchen, sondern ihn nur zu anderen Zeiten „nehmen". Betritt man einen Laden kurz vor Schluß, um mit Muße und Auswählen einen Einkauf zu besorgen, wird man höflich hinauskomplimentiert, und gelangt man auch nur eine halbe Minute nach Schlußzeit durch die noch offene Tür in einen Laden, wird man nicht mehr bedient. Das passierte mir kürzlich in einem Lebensmittelgeschäft, obgleich ich erklärte, verhungern zu müssen; man hatte trotzdem kein Mitleid. Außerdem hat man in Finnland Zeit und hastet nie; alles mit der Ruhe, mit Maß und Muhe; ein wunderbar beruhigendes Land ...
*
Die bekannte finnische Ehrlichkeit steht immer noch in voller Blüte. Warnende Anschriften, wie „Für hier abgelegte Kleider haftet der Inhaber nicht", oder „Die Gäste werden gebeten, auf ihre Garderobe selbst zu achten", oder „Bor Taschendieben wird gewarnt", kennt man in Finnland nicht. Wäsche trocknet man unbeaufsichtigt in Großstadthöfen, und in den Vororten einfach im Freien, und es gibt viele Provinzorte, in denen man Dag und Nacht bei unverschlossenen Türen haust. Tatsächlich wird in Finnland fast überhaupt nicht gestohlen. Das Verblüffendste, was ich in dieser Hinsicht gesehen habe, war, daß man im Bus herangeschafftes Handgepäck unbeaufsichtigt an der Landstraße stehen ließ, um es vom Hausdiener eines etwa einen halben Kilometer entfernten Fremdenheimes abholen zu lassen.
Der Finnländer ist großzügig und sparsam zur rechten Zeit, niemals kleinlich und außerordentlich gastfrei. Auf Einladungen ins Haus uni) auf Landsitze braucht der Fremde gewöhnlich nicht lange zu warten. Finnische Freundschaften sind treu und verläßlich, dauerhaft sind aber auch die Feindschaften. Der Finnländer ist zäh und beharrlich in allem, auch in Gefühlen.
*
In Finnland lautet der Wahlspruch: „Arbeiten und Verdienen", und für Außenpolitik interessiert man sich hierzulande im allgemeinen viel weniger als anderweitig. Jetzt aber tut man es — in Hinsicht auf die olympischen Spiele. Noch nie hat man die Erhaltung des Friedens so heiß ersehnt wie jetzt, damit das große Ereignis, für das alle Kräfte im Lande aufs höchste angespannt werden, nicht gestört oder verhindert werde. Ebenso wie die Sportsleute unter Anteilnahme des ganzen Landes sich schon jetzt für zukünftige Höchstleistungen vorbereiten, sind die organisatorischen Kräfte am Werk, um die ihnen bevorstehenden Riesenaufgaben erfolgreich meistern zu können, denn allein die Unterbringung des plötzlich zu erwartenden und für finnländische Verhältnisse geradezu gewaltigen zeitweiligen „Bevölkerungszuwachses" aus aller Herren Ländern erscheint keineswegs leicht. Doch — die Spiele und alles Drum und Dran wird man schon schaffen, wenn die Welt nur Frieden hält ... Das ist Finnlands größte .olympische" Sorge. Andere Sorgen scheint dieses Land nicht zu haben.
am Kai fest. •
Die Paßrevision verzögert sich diesmal etwas. Unter den Reifenden befinden sich nämlich einige mit reichsdeutschen Pässen versehene Personen, denen man aber „an der Rase ansieht", daß die Wiege ihrer Vorfahren, und vielleicht auch die eigene, in östlichen Gefilden stand. Die Pässe werden beanstandet, die Inhaber müssen zur Seite treten und warten, bis die Durchsicht der einwandfreien Pässe erledigt, ist; wenn es sich erweist, daß der Paß nur zur Ausreise aus. Großdeutschland, nicht aber auch zur Rückreise berechtigt, wird der Inhaber unbarmherzig zurllckverfrachtet. Im Revaler Hafen hat man, um sich vor dem „Einsickern" von Emigranten zu schützen, sogar einen besonderen Schalter für reichsdeutsche Reifende eingerichtet.
Der Zoll erfüllt seine Pflichten wie immer sehr gründlich. Dabei habe ich bisher noch nie erlebt, daß irgend etwas beanstandet worden wäre, weder bei mir, noch bei anderen; nicht einmal Whisky und viele Zigaretten (di« man auf einigen Schissen sehr billig kaufen kann). Was also dieser Aufwand an zöllnerischem Eifer eigentlich bezweckt, habe ich nicht ergründen können. Jedenfalls fallen die Finnländer hier aus der Form, indem sie formell werden, was sie sonst gar nicht sind.
Der stattliche Stettiner Dampfer „Nordland" dampft durch schmale Ausfahrt des Revaler Hafens nordwärts. Grau ist der Himmel, grau das Meer. In den bequemen Sesseln „mit Aussicht aufs Meer" ist es sehr gemütlich. Der Zuzug aus Reval macht sich eifrig über den deutschen Wein, das Bier, die Zigaretten und die Erzeugniss« der Schiffs- küche her. Auch hier vergoldet man sich den grauen Tag mit dem Wein, hem holden, und ehe man sich's versieht, tauchen schon die grauen Felseninseln auf, die zum System der Schären gehörend, der Hafeneinfahrt von Helsinki vorgelagert sind. Im Hintergründe leuchtet Helsinki selbst, die „Weiße Stadt im tztorden", hell im leichten Nebeldunst. Vorbei an der zierlichen Lotseninsel Grohara und an der wuchtig aus weißem Gischtgürtel aufragenden Festungsinsel Sveaborg, der berühmten „unbezwinglichen" Seefeste des Nordens, geht es in den Hafen von Helsinki. Nach etwa dreieinhalbstündiger glatter Fahrt macht die „Nordland"
dienen auch die sehr verbreiteten häuslichen „Nachseiern". it
In Finnland wird, wie auch in den anderen nordischen Ländern, un- VJjJL geheuer viel Kaffee getrunken. Die Zubereitung dieses südlichen ji»"" Tranks wird im Norden als „Wissenschaft" und als „Kunst" betrieben j (etwa rote das Teekochen in Rußland), und dementsprechend schmeckt auch der Kaffee. Ein Kaffeehausleben in unserem Sinne, mit Zeitungen, Skat und Domino, mit tiefsinnigen Gesprächen, oder leichtfertigen Tänzen, gibt es jedoch in Finnland nicht. In jedem Cafe werden auch „Menus" verabfolgt, und zwar sehr gute und billige, und die Gäste befassen sich mit Trinken, Futtern und Flirten; mit und ohne Musik, aber immer ohne Tanzdiele. Ferner trinkt man Unmengen von Milch, die wie Sahne schmeckt und hoch in Ehren steht. Sogar in den vornehmen Abendlokalen und in den Hotelhallen kann man sich Milch bestellen, ohne spöttische Blicke und Reden heraufzubeschwören.
Die finnischen Taxen sind wie die finnischen Pferdchen — kleiry > flink und verläßlich. Schnell, ohne zu hupen, und mit bewunderungswürdiger Sicherheit steuert mein Wagenlenker sein Fahrzeug durch das dichte Menschengewimmel in den breiten, geraden Straßen, umfährt in geschickten Schlangen kurven die menschlichen Hindernisse, die sich reichlich unvorsichtig auf dem Fahrdamm bewegen, oder bremst im letzten, aber immer noch richtigen Augenblick. „So ganz beiläufig" vollbringt der Mann dabei manchmal geradezu artistische Kunstfahrerleistungen. Es scheint, als mache die Sicherheit der Chauffeure die Fußgänger — allzu sicher.
Plötzlich sehe ich eine Frau vor dem Fahrdamm, unmittelbar vor dem Wagen. Mächtig fährt es mir in die Glieder. Ich schließe di« Augen ... Jetzt ... Aber — nur ein Knirschen der Bremse, ein Ruck ... Der Wagen hält, die Frau hat sich schon auf den Gehsteig gerettet, etwas blaß, aber nicht einmal „angekratzt". Der Chauffeur schimpft weder, noch droht er mit dem Finger; er fährt weiter, als wäre nichts geschehen. Kunstfahrer ... Aehnliche „Fahrkunststllcke" kann man öfters beobachten. Natürlich kommen auch in Finnland Verkehrsunfälle vor, aber seltener als anderweitig.
*
Die Alkoholfrage hat das gesunde, spart- und naturliebende finn- ländische Volk — selbst bestens gelöst. Als nach der 1033 erfolgten Aufhebung des Alkoholverbots die Lockung der „verbotenen Frucht" wsgfiel, begann man mäßig zu trinken, und besonders enthaltsam zeigt sich die Jugend Trinkt man mal auch eins über den Durst, ist man immer bemüht, wenigstens „nüchterne" Haltung zu bewahren. Es sieht sich manchmal recht heiter an, wenn ganze Gesellschaften, die schon allerhand in der Krone haben, krampfhafte Anstrengungen machen, ihre Stimmen zu dämpfen, ihre Gesangeslust zu zügeln und ihre Bewegungen „abzuzirkeln". Außerhalb der vier Wände gilt — polizeilich — die Regel: „Betrunken sein darf man, aber zeigen darf man es nicht", erst recht: wenn jemand, es sei auch noch so „lautlos", mit seinem Gleichgewicht in augenfällige Mißverständnisse gerät, wird er zur Behebung seiner
*
Komfort in allem und für alle — in diesem Zeichen steht Finnland. An der wirtschaftlichen Blüte des Landes haben sichtlich alle Bevölkerungsschichten Teil und die durchschnittliche Lebenshaltung ist erstaunlich hoch. Auf modernster Höhe steht die Wohnungs- und Wohnkultur, die sich auch auf die Arbeiterwohnunaen erstreckt; „Elendsviertel" gibt es in Helsinki nicht, und nur wenig Armut, 78 v. H. der Bevölkerung (eben auf dem Lande, und dort ist der allgemeine Wohlstand besonders groß. Abgesehen von den erstklassigen Gaststätten, die darin wetteifern, Meisterwerke der Kochkunst zu liefern, ist das Essen auch in den „Cafe-Nestau-, rants" und in den billigen Garküchen gewöhnlich sehr gut. Auf dis kleinen Bequemlichkeiten des Lebens wird ebenfalls großer Wert gelegt. So werden z. B. die kleinsten Einkäufe in kürzester Zeit ins Haus geschickt, und daß einem der Morgenkaffee ans Bett gebracht wird, ist nicht nur in den Hotels, sondern auch in den Fremdenheimen eine
kti
•ist 6 1«


