Ausgabe 
9.1.1939
 
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Down-Easlers. Gefährliche Schiffe waren es. Gefährlich vor allem wegen der Art, wie dort Manneszucht gehalten wurde. Sie durfte sich am besten darstellen in einer Ansprache des Kapitäns Jack Haiyard an eine neue Besatzung, die uns überliefert ist und im folgenden gekürzt ""^Älte"^sag"e der genannte Schiffsführer,mein Name ist Kapitän Kalnard Ich bin der Herr dieses Schiffes und will offen mit euch reden. Ihr sollt wissen, daß ich furchtbar scharf auf Disziplin bin, und daß ihr Hölle oder Himmel an Bord haben könnt, ganz wie ihr wollt. Den ersten, der ungehorsam ist, werde ich (und dabei zog Halyard e nen riesigen Colt-Revolver heraus) mit diesem niedlichen Spielzeug so durch löchern, daß die Sonne durch ihn scheint. Und wer stänkert, aus dem mach ich Hackfleisch. Nun wißt ihr Bescheid. Auf eure Posten!

Das ist kein nachempfindender Jack London, der hier spricht, son­dern der richtige Kapitän Jack Haiyard. Für solche Schüfe seebefahren« Leute zu finden, war mitunter schwer. Deshalb raubte man einfach Gesindel, das vorher betrunken gemacht worden war. Der Begriff des Schanghaiens" verbindet sich nicht zuletzt mit den Down-Easters. J3 tarn vor, daß diese Segler ohne einen einzigen geschulten Seemann fuhren, und trotzdem machten sie ihren Weg ums Kap Siiff, wie dx Amerikaner Kap Horn getauft hatten.

Seltsamerweise gibt es am Kap auch Windstille, die oft mehrere Tage dauern kann. Sie ist als Vorbote der Orkane gefürchtet. Ende 1907 als ich auf der Fahrt von Chile nach Europa wieder einmal ums' Kap kam, lag die See bleiern ruhig. Der Viermaster, auf dem ich mich befand, hatte seinen Kurs tief südlich genommen, an Backbord sichteten wir die Diego-Ramirez-Jnseln. Die Segel klappten, kein Hauch war zu spüren. Vier Stunden später jedoch kämpften wir in »er Halle, das Oberlicht der Kapitänskajüte wurde von einem Brecher zerschlagen, zwei am Ruder festgebundene Matrosen wurden losgerissen und übers Deck geschleudert wie Puppen. ,

Aber selbst in absoluter Windstille kann sich die Katastrophe er­eignen. Es ist allerdings nur eine dieser Art bekannt, und sie begeg­nete im Jahre 1885 dem SeglerEllenbrook". Während er am Kap lag, tarnen zwei riesige Flutwellen angerollt, eine von Westen, di« andere von Süden. Gerade dort schnitten sie sich, wo das hilflose Schiff f^auMie. Es wurde buchstäblich zerschmettert. Nur der Kapitän T. E.. Pare-r artete sich; in einem Korkring trieb er drei Tage umher, bis er Land erreichte. Wenn es die Insel gewesen ist, deren Südfchrossen das Kap bilden, wird er eine Ueberraschung erlebt haben. Das Eiland gilt allgemein als nackter Fels, ist aber in Wahrheit dicht mit großen Bäumen bestanden. Jedenfalls findet sich diese Angabe in denIn- structions nautiques" (Paris, 1920).

Selbstverständlich hat Kap Horn auch feine Mysterien. Der Segler Malborough", Kapitän.Anderson, war im Januar 1890 mit einer Ladung gefrorenem Hammelfleisch von Neu-Seeland nach England ab­gegangen, verschwand jedoch spurlos. Ein anderes Schiff meldete, es habe auf einer der kleinen Inseln um Kap Horn Notsignale beobachtet, Hilfeleistung sei infolge des schlechten Wetters unmöglich gewesen. So­fort dampfte ein englischer Kreuzer hinaus und suchte, entdeckte aber nichts. Jahre später fand die Mannschaft der BarkCordova" an der menschenleeren Küste die Ueberbleibfel eines Bootes derMalborough" und sieben Skelette.

Ein sehr eigenartiges Erlebnis hatten die Leute auf dem fran­zösischen SeglerEmilie Galline" Ende 1903. Sie sichteten im Sturm südlich von Kap Horn einen Eisberg, in dem ein Schiff eingefroren war. Es war hineingehauen wie ein Messer in einen Laib Brot", heißt es in dem Bericht. DieEmilie Galline" hatte so viel mit sich selbst zu tun, daß sie den Eisberg mit dem gefangenen Schiff schwimmen lassen mußte. Lebenszeichen wurden übrigens nicht wahrgenommen.

Der Engländer Basil Lubbock, der viele lesenswerte nautische Bücher geschrieben hat, weist nach, das Jahr 1907 sei das verlustreichste für die Schiffahrt um Kap Horn gewesen. So nahe liegen noch die Tage derWindjammer"-Zeitl Das Kap mit feinen Stürmen konnte die C gelschiffsreifen unglaublich verzögern. Den Rekord hält der Segler 5-addaii Hall", der für die Fahrt von Liverpool nach Victoria (Bri­tisch Kolumbien) 243 Tage brauchte. Der SeglerFalls af Halladale" benötigte von Liverpool nach San Franzisko 239 Tage und der Segler Claverdon" von Cuxhaven nach San Franzisko 218 Tage. Das sind die längsten bekannten Reisen, und gewiß haben alle diese Schiffe wochen­lang am Kap gegen den Wind angetämpft. Die schnellste Urnseglung des Kap Horn in der Richtung Ost-West vollbrachte der amerikanische SeglerYoung America" im Juli 1876; er rundete die böse Ecke in sechs Tagen. Bon Westen nach Osten' kann die Umrundung während einer einzigen Nacht geschehen.

In die Jahre von etwa 1880 bis zum Weltkrieg fällt die letzt« Glanzperiode der Segelschiffe und des Kap Horn. Es war die Zeit der Salpeterfegler, die von den Häfen der nordchilenischen Wüstenküste das begehrte Mineral nach Europa brachten. Nun ist derWindjammer" so gut wie ausgeslorben; nur noch wenige finnische Viermastbarken, die zumeist frühere deutsche sind, fahren einmal im Jahr nach Australien, um Weizen zu holen, und berühren dabei das Kap. Eine der schnellsten Reisen, die überhaupt je verzeichnet werden konnten, machte gelegen!» lich einer solchen Weizentour im Jahre 1933 die ViermastbarkParma"; sie benötigte von Port Victoria in Australien nach Falmouth nicht mehr als 83 Tage. Noch schneller segelte einzig und allein der tasmanische KlipperHarriett McGregor", der für ungefähr dieselbe Strecke im Jahre 1894 nur 82 Tage brauchte.

Die Albatrosse haben wieder Besitz ergriffen von der Gegend um Kap Horn, kreften über endlos schäumenden Wasserbergen. Aber der Klang des Namens hat Sagenkraft gewonnen und dauert fort. Ein un­auslöschliches Kapitel der Seeschiffahrt bindet sich an jene ferne Ecke, wo drei Meer« wütend zusammenprallen.

blind fatalistische Mut dieser ungeschützten Leute gewahrt alle Zuversi^. c,n J beiden Jahreszeit trifft man oft auch wilde Lienennester im Ge- bükb die sich mit Wut auf die vorüberziehenden Friedensstörer werfen. 2?n erfolgt L Flucht! und der. Jäger begegnet Heber dem T.ger, als dem unscheinbaren stechenden Semb. m)le( ha5

HnMürfsfäüe unter den Europäern sind jetten, uno ein -oetjpiei, oa» fid) in Lucknow zuirug, wird als Ausnahme aufgeführt. Dort (prang etn Siner von einem höheren Ort in die Howdah und riß den Jager nut sich fori welcher indes trotz schwerer Verwundungen davonkam. Em Offi­zier' in ähnlicher Weise fortgeschleppt, zog nut erstaunlicher Fassung föne lenerolen aus bet Tasche; der erste Schuß, den er m der ver­zweifelten' Lage abgab, genügte nichi, und erst, nachdem er mit aller Ueberlegung das Herz des Tieres gefühlt hatte, gelang es .hm, emen tödlichen Schuß zu tun, der ihn rettete. Dieses Abenteuer ist wohlver- bürat jo wenig glaubhaft es klingt." ...,

Mit dieser doch etwas an Jägerlatein grenzenden Erzählung mochte ich die Berichterstattugn des Verfassers mit den interessanten Angaben über das immer noch in Mengen m Indien vorkommende Großraub. wild abschließen. Leider wird nicht erwähnt, mit welcher Art von Ge wehren die Jäger ausgerüstet waren. Es werden wohl noch Vorderlader gewesen sein. Die heutigen Schnellladewassen mit rauchschwachem Pul­ver, bester Treffgenauigkeit und Geschoßwirkung verschaffen dem Schützen eine größere Sicherheit, und kühne Jäger, selbst Frauen, wagen sich im Pürschgang an das gefährliche Raubwild heran. Aber die Jag mit Hilfe des Elefanten wird immer noch ausgeubt und hat sich in ihrer Durchführung gegen die damalige Eigenart, wie sie uns Graf G,o r tz so lebendig geschiioert hat, kaum geändert.

Das Kap der Stürme.

Von Waldemar Keller.

Kav Horn der Name hat einen ureigenen Klang für alle die missen was er bedeutet. Schreckend und bestrickend zugleich ist dieser Name! die Balladen einer entschwundenen Zeit leben barm, jener romantischen Tage, als noch bas große Segelschiff mit achtzehn Raaen, der Windjammer", die Ozeane an der Südspitze Amerikas dunhkreuzie, Getrieben von ber Gewalt des Sturmes, umschwirrt von schreienden Albatrossen. Niemand, der dabei gewesen ist, wird das elementare Er­lebnis einer Fahri ums Kap je vergessen. In den Seemannsliedern ist es aufbewahrt, denn heute schweigt die ferne wogende Wasserwuste, selten nur verirrt sich ein Schiss dorthin.

Es gibt etn echtes und ein falsches Kap Horn. Das falsche, das keine Rolle spielt, ist der südliche Klippenabfall von Feuerland; das echte liegt auf einer kleinen vorgelagerten Insel, und es galt unter ben Scebesahrern als böses Anzeichen, wenn es in Sichtweite kam. Zum erstenmal beobachtete man bas Kap von Bord der Karavelleoan Lesmes" die zum Geschwader des Garcia Geoffroy de Loaysa gehörte. Karl V. hatte ihn ausgeschickt, die Reise Magalhaes' zu wiederholen. Im Jahre 1525 wurde Kap Korn gesichtet, aber nicht registriert, und auch Drake, der zwischen dem 23. August und 9. September 1577 dort vorübersuhr, nahm es wohl in Augenschein, legte dieser Wieberentdeckung jedoch kein Gewicht bei. Immerhin besitzen wir einen aufschlußreichen Bericht eines Mitglieds der Drakeschen Expedition, des Geistlichen Francis Fletcher. Irgendwelchen Namen erhielt das Kap nicht.

Die Namensgebung sollte dem Holländer Willem Cornelis van Schonten Vorbehalten bleiben. Zusammen mit dem Amsterdamer Kauf­mann Le ßaire war er im Juni 1615 auf dem DreimafterLa Concordia" von Texel abgefahren, um einen Weg nach Indien zu finden, der nicht ums Kap der Guten Hoffnung führte. Am 29. Januar 1616 sichteten sie den südlichsten Ausläufer Amerikas, und van Schouten nannte den Punkt nach feiner Vaterstadt: Kap Hoorn. Im Laufe der Zeil wurde aus ,Hoorn", das auf eine Ortschaft hinweist, die Bezeich­nungHorn", und diese Verbildung hat sich überall eingebürgert. Die meisten Menschen waren und sind wohl noch der Meiung, das Kap habe seinen Namen von ber hornähnlichen Krümmung der amerika­nischen Südspitze. i .

In den Jahren, die der Benennung folgten, wurde Kap Hom mehr­fach in der Richtung Ost-West umfahren, wobei man (1619) auf die Diego-Ramirez-Jnseln stieß, eine öde Eilandsgruppe noch tiefer tm Süden. Immer hatten die Schiffer schwer mit ortanfjaftem Gegenwind zu kämpfen, der das Kap berüchtigt gemacht hat. Erft im Jahre 1681 unternahm Basil Ringroes eine Fahrt in der Richtung von Westen nach Osten, mit prallem Achterwind. Selbst für die großen stählernen Segler um die Jahrhundertwende war solch eine Reise mehr oder weniger das Eintauchen in die Hölle. Rigroes' Wagnis hat daher die Bedeutung einer ersten Tat.

Sie öffnete den Verkehrsweg, es begann die Zeit der Pionierum­schiffungen. Furchtbar mußten die Mannschaften der gebrechlichen Segler leiden, besonders bei der Fahrt in östlicher Richtung gegen den Wind, die unglaubliche Ansprüche an die physischen und psychischen Kräfte stellt. Georges Shelvecke benötigte im Jahre 1719 zwei volle Monate, um bas Kap zu bezwingen. Noch schlimmer erging es im Jahre 1741 dem Admiral Anson mit seinem aus fünf Schiffen bestehenden Ge­schwader; er brauchte ein ganzes Vierteljahr zur Ümfeglung. Der Skor­but brach aus. Jeden Tag starben ein halbes Dutzend Matrosen, die anderen trugen fast alle Verletzungen davon infolge der harten Segel­manöver bei Temperaturen von 12 bis 15 Grad unter Null.

Dies war jedoch nur das Vorspiel. Recht lebhaft wurde der Schiffs­verkehr am Kap erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts, als die sog. Down-Easters" auskamen. In Kalifornien war Gold gefunden worden; die Amerikaner bauten Segler, die von San Franzisko nach Neuyork und umgekehrt fuhren, und da sie in jedem Falle den Kurs zunächst nach Südoften abfetzten, gab man ihnen im Volksmund den Namen

Derantwortlich: vr. Hans Thhriot. Druck und Derlag: Brühlsche Universitätsdruckerei 2t, Sange, Gießen.