Ausgabe 
2.6.1939
 
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hörte das Knirschen der Räder nicht im weichen Sande Lieselotte schloß die Tür. Sie lobte den Gast. Er sei so wohlergogen und klug.Ich mußte immer an meine Brüder denken. Sie könnten von ihm lernen."

Ihr Mann sah sie lächelnd an, als erwarte er einen Nachsatz.Du nicht, Liebster, du weist natürlich viel mehr." Sie schmiegte sich an ihn und schmollte doch zugleich, weil er ein neues Glas Bowle nahm. Sie fand, er hatte genug getrunken. Dann wandte sie lebhaft den Kopf.

Wo bist du, Hanne? Es interessierte dich natürlich nicht, du Stadt­kind. Ich glaube, du hast den ganzen Abend geschlafen und kein Wort gehört von allem."

Hanne kam langsam aus dem Dunkel. Sie lächelte, anders als sonst, ohne einen Schatten von Müdigkeit.Ja, verlaß dich darauf, kein Wort."

Vor diesem Lächeln stutzte die Freundin. Sie ließ ihren Mann los und sagte in der forschenden Art sehr selbständiger Frauen:Du siehst so froh aus, so feierlich. Hast dich doch nicht verliebt?? Natürlich. Ich sehe es dir an."

Und sie stellte sich vor der Verwirrten aus, um in aller Bequemlichkeit noch andere Fragen zu tun. Hanne lief ärgerlich fort. Für eine junge Frau lagen solche Gedanken wohl nahe. Aber bewahre, sie hatte sich nicht verliebt. Viel mehr war ihr geschehen, das konnte sie nicht mit Namen nennen. Sie wußte nur, daß ihr leicht zumute war, wie seit langem nicht, und daß ihr Herz einen beschwingteren Takt schlug.

Mochte Lieselotte sich wundern über ihre Flucht. Sie wollte sich jetzt nicht mit Necken und Fragen quälen lassen. Für Minuten wenigstens mußte sie allein bleiben. In ihrem Zimmer stieß sie die Fenster weit auf. Die Bäume rauschten und flüsterten und standen dann in einem jähen Schweigen, als lauschten sie den hellen Worten nach, die noch eben unter ihnen klangen. Das Mädchen bog sich herab, Dunkel träumte unter ihr. Es schien beseelt, voller Geheimnisse, wie die Tage, die kommen sollten.

Sie erschauerte und streckte die Arme aus, dem Leben entgegen und der Arbeit. In einem neuen ernsten Lichte lag die Zukunft...

General August von Goeben.

(Ein deutscher Spanienkämpfer vor 100 Zähren.

Von Kurt von Borcke?

Der Führer hat in seiner großen in Wilhelmshaven auf die tapferen deutschen Freiwilligen ehrend hingewiesen, die getreu ihren Idealen in Spanien den bolschewistischen Mord­brennern nach harten Kämpfen endgültig das Handwerk gelegt haben. Dieser Hinweis lenkt den Blick aus alle jenen deutschen Soldaten, die einst unter fremden Fahnen kämpften und kämpfen mußten. Kurt von Borcke hat diesen Kämpfern ein schönes Denkmal in seinem BucheDeutsche unter sremden Fahnen" gesetzt. In diesem Werk, das im Schlieffen-Verlag . Berlin-8Vi^ 11 erschienen ist, wird auch des späteren Preußischen Generals der Infanterie August von Goeben gedacht, der sich als Armeeführer im Kriege 1870/71 Soldatenruhm erwarb und der als Leutnant vor 100 Jahren im Karliftenaufftand in Spanien mitkämpfte.

August von Goeben wurde am 10. Dezember 1816 zu Stade in Han­nover geboren, das damals zu England gehörte. Sein Vater hatte sich in den Napoleonischen Kriegen ausgezeichnet, war mehrmals schwer ver­wundet worden und bekleidete als Invalide im Range eines Majors die Stelle eines Zeughausverwalters in Stade. Seine Mutter war die Toch­ter des Generals Kuckuck-Walden.

Am 3. November 1833 trat Goeben als Avantageur in das Infanterie- Regiment 24 zu Neu-Ruppin ein. Er war groß und hager; feine zähe Natur und sein eiserner Wille ließen ihn alle Anstrengungen des Dienstes leicht ertragen. Am 14. Februar 1835 wurde Goeben Sekonde-Lieutenant. Seiner nach Ruhm und Kriegstaten durstenden Leutqantsfeele kam der spanische Karlistenkrieg sehr gelegen. Er erbat und erhielt am 7. Februar 1836, erst zwanzigjährig, seinen Abschied aus preußischen Diensten.

Der Karlistenaufstand in Spanien hatte von 18331840 gedauert. In diese ereignis- und abwechslungsreiche Zeit fallen die ersten Fronterleb- nisje Augusts von Goeben. I« Februar 1836 reiste er über Hamburg, Le Havre, Paris nach Bayonne, wo er in der Tracht eines baskischen Bauern, von Schmugglern geführt, auf kaum gangbaren Wegen die Pyrenäen überschreitend, das erste baskische, von Karlisten besetzte Dorf Zugarramurdi erreichte. Von den Offizieren zweier dort stehenden Kom­panien wurde er höflich empfangen. Ein scharlachfarbiges und weißes Baskenbarett war ihre Kopfbedeckung. Ihre Bewaffnung bestand aus einem Gewehr mit um den Leib geschnallter Patronentasche. Das Bajonett hatte oft keine Scheide und hing vom Gürtel herunter, statt des Tornisters trugen sie Leinensäcke auf dem Rücken. Den an akkurate Uniformierung gewöhnten jungen Offizier mag dieses merkwürdig angemutet haben.

Am Morgen des 26. Mai trat Goeben, geleitet von einigen Freiwilligen, den Marsch nach dem Hauptquartier der Karlisten an. In Jrun mußte er einige Tage warten, bis er die Erlaubnis zur Weiterreise erhielt. Am 31. Mai wurde er von Don Carlos in Billafranca (am Ebro) empfangen und als Leutnant dem Stabe des Infanten Don Sebastian zuqeteitt.

Goeben marschierte nach Hernani, wo er nähere Befehle erhalten sollte. Er wurde jedoch nicht eingeteilt, so daß er sich aus eigener Initia­tive beteiligte. Bei einer" Erkundung gegen das von den Christinos besetzte Festungsgebiet von San Sebastian erhielt er die Feuertaufe. Die karlistifchen Vorposten staunten über dienordische Tollkühnheit", mit der er sich den feindlichen Kugeln aussetzte.

Die Karlisten standen in den baskischen Provinzen und in den Ge­bieten nördlich des Ebro. Sie beabsichtigten die Ebrolinie zu verteidigen. Da der Führer der Karlisten die Bedrohung der Ebrolinie aus der Linie BilbaoJrun erkannte, versuchte er die wichtige Seefestung San Seba­stian zu nehmen.

Goeben war Ws seht nicht in di« Stellung gelangt, die er erhofft hatte. Ihm war nämlich zugesagt worden, im Generalstab verwendet zu werden. Im Juli 1837 setzte er endlich seine Versetzung zum Stabe einer Truppenabteilung des Generals Zariategui durch, die in Stärke von 3700 Mann Infanterie und 220 Reitern auf Alt-Kastilien angesetzt wurde. Bei dem Dorfe Zambrano am Zandorra-Flüßchen wurde eine stärkere Abteilung Portugiesen nebst anderen Truppen unter Oberst Baron das Antas geschlagen. Goeben erlebte hier die erste Kriegshand­lung größeren Stils.

Im Oktober wurden die karlistifchen Truppen, darunter auch die Ab­teilung Zariategui, bei Retuerta del Rey geschlagen. Espartero folgte den Resten der Karlisten, die Don Carlos und der Jnsant Don Sebastian längs des Ebro bis Alava zurückführten. Im Gebirgsland dec Nord­provinzen organisierten sie sich neu. Eine karlistische Division, bestehend aus zwei Brigaden, jede Brigade zu zwei Bataillonen zu 500 Mann, zwei Eskadrons zu 150 Reitern und einer Bergkanons formiert, erhielt unter General Mariscal de Campo Garcia den Auftrag, nach Zentralspa­nien vorzustoßen. Goeben führte als Premierlieutnant eine Kompanie. Man verwendete ihn also wieder nicht in einem Stabe. Beim Uebergang über den Ebro bei Mendavia erlitt die Truppe durch den angeschwollenen Fluß starke Verluste; viele Leute gingen in der Strömung unter. Am 17. Mai 1838 wurde Goeben Kapitän der Infanterie.

Der Vormarsch der Dichsion ging in Richtung auf die Gebirgszüge des Pinares de Soria und dann, dem Gegner ausweichend, auf die Provinz Cuenca. Am 13. Juli 1838 stieß die Division auf überlegenen Gegner bei Uribarri und wurde völlig geschlagen. Goebens rechter Ober­arm wurde durch einen Schuh schwer verletzt. Auf dem Pferde seines Brigadekommandeurs folgte er der geschlagenen Truppe, mußte jedoch aus Anordnung der Aerzte zurückbleiben. Er ergab sich, jeden Wider­standes unfähig, dem verfolgenden Gegner, wurde von feindlichen Dra­gonern mißhandelt und völlig ausgeplündert. Nackt muhte er zu Fuß mit seiner schweren Verwundung dem Gegner folgen. Er wurde, dem Zusammenbrechen nahe, auf ein bepacktes Maultier gesetzt, das auf einem Gebirgsweg stolperte und mit ihm in die Tiefe stürzte. Hierbei fiel Goeben auf sein« zerschossene Schulter. Wieder wurde er auf ein Maultier gehoben. Weiter ging der Marsch, bis endlich in Cuenca auf der Straße nach Madrid ein Militärarzt seine Wunde untersuchte.

Gemäß der damaligen Sitte wurden die Gefangenen der Kriegführen­den ausgetauscht. Der karlistische General Cabrera erwirkte die Aus­lösung Goebens. Ende Juni 1839 wurde er mit 90 karlistischen Offizieren in Cadiz eingeschifft und nach Valencia gebracht, wo sie am 11. Juli ankamen. Hier wurden sie erst in einem Turme, dann in der Kloster­kirche untergebracht. Endlich erschien das karlistische Kommando, das die Auswechslung vornahm.

Am 28. August brach Cabrera mit vier Batillonen und einige Eskadrons zu einem Unternehmen nach der Provinz Cuenca auf. Am 31. August wurde der bet Carboneras stehende Gegner von den Karlisten angegriffen. Goeben stürmte an der Spitze der ihm unterstellten Truppen einen befestigten Stützpunkt der Verteidiger. Als dieses Bollwerk eingenommen war und die Karlisten die Verwundeten töteten, griff Goeben ein und zog sich dadurch den Zorn des Generals Cabrera zu. Er erbat daher seine Ent­lassung aus seinem Verbände und begab sich nach Catalonien.

Am 19. März 1840 erhielt Goeben den Befehl, mit einigen Offizieren u d Mannschaften durch feindliches Gebiet Caneta in Neu-Kastilien zu erreichen und zu befestigen. In rastloser Arbeit widmete er sich, am 20. April 1840 zum Oberstleutnant im Geniestabe der Armee von Aragonien ernannt, dieser Aufgabe. Eine Pulverfabrik, Schmelzöfen und eine Kugelgieherei wurden errichtet. Da das hierzu benötigte Material nicht vorhanden war, mußte es durch Streifzüge mit einer kleinen Ab­teilung von Sappeuren, 25 Infanteristen und 10 Kavalleristen, beschafft werden. Dies« Streifüge führten bis nach Teruel. Das erobert« Material mußte mit Transporten nach Caneta gebracht werden. Auch-Castiel Favib und Turia wurden befestigt.

Goeben war unermüdlich in Erfüllung seines Auftrages tätig. Unter­dessen aber gestaltete sich die Lage der Armeeabteilung Cabreras immer schwieriger.

Unweit von Teruel wurde Goeben von Räubern angefallen und ver­wundet. Durch Blutverlust erschöpft, muhte er nach Teruel zurückkehren und wurde in das dortige Lazarett getragen. Hier blieb er sechs Wochen. Halb genesen, schloh er sich dann einer nach Valencia abgehenden, mili­tärisch geschützten Verpflegungskolonne an. In Valencia erhielt er vom englischen Konsul einen auf den Namen feiner Mutter lautenden Paß als entlassener englischer Soldat. Entblößt von allen Mitteln überschritt er die französische Grenze.

So mußte er wie ein Vagabund zu Fuß mit 3 Sous am Tage Wegzehrung durch Frankreich ziehen und erreichte am 18. August Straß­burg. Von dort aus kam er, di« Nächte im Freien verbringend, über Frankfurt a. M. in seine Heimat zurück.

Im Februar 1842 wurde Goeben im preußischen Heere wieder ein­gestellt und zum Generalsdab kommandiert. Er machte den Feldzug in Baden im Jahre 1849 mit und nahm als Oberst und Generakstabschef des VIII. Armeekorps mit mehreren anderen preußischen Offizieren 1860 als Zuschauer am spanischen Kriege gegen Marokko teil.

Goebens siegreiche Tätigkeit als Brigade-Kommandeur bei Düppel und Alfen im Jahre 1864, als Divisions-Kommandeur bei Dermbach, Kissingen und Aschaffenburg im Feldzuge 1866, bei Saarbrücken, Grave- lotte, Amiens und an der Hallue als Kommandierender General des VHI. Armeekorps, und vor allem bei St. Quentin als erfolgreicher Ar­meeführer im Krieg« 1870/71,. steht im Buch der Geschichte verzeichnet. Er starb am 13. November 1880 zu Koblenz. Der Karlistenkrieg hatte Goeben die psychische und charakterliche Grundlage seiner weiteren Ent­wicklung gegeben. Seine hier gesammelten Kriegserfahrungen kamen ihm als Frontoffizier, im Generalslabe und als Truppenführer zugute.

Verantwortlich: Dr. Hans Thhriot. - Druck und Verlag: Brühlfche Untverfitätsdruckerei A. Lange, Gießen.