Jütten einen Fingerreif mit grünem Schmelzwerk an und sprach dabei: Ade, Jutta! Wir haben zusammen besondere Holdschaft gehabt, die müsse fernerhin bestehen!" Nun tauchte sie hinunter, winkte und verschwand.

In einer Nische hinter dem Brunnen fand sich richtig der Krug samt den verheißnen Angebinden. Es war in der Mauer ein Loch mit eisernem Türlein versehen, von dem man nie gewußt, wohin es führ«: das stand jetzt aufgeschlagen und war daraus ersichtlich, daß die Sachen durch dienstbare Hand auf diesem Weg seien hergebracht worden, deshalb auch alles wohl trocken verblieb. Es lag dabei: ein Würfelbecher aus Drachenhaut, mit glodenen Buckeln beschlagen, ein Dolch mit kostbar ein- aelegtem Griff, ein elfenbeinen Weberschifflein, ein schönes Tuch von fremder Weberei und mehr dergleichen. Aparte aber lag ein Kochlöffel aus Rosenholz mit langem Stiel, von oben herab fein gemalt und ver­goldet, den war die Wirtin angewiesen, dem lustigen Koch zum Andenken zu geben. Auch keins der andern war vergessen.

Frau Betha hielt bis an ihr Lebensende die Ordnung der guten Lau heilig, und ihre Nachkommen nicht minder. Daß jene sich nachmals mit ihrem Kind im Nonnenhof zum Besuch eingesunden, davon zwar steht nichts in dem alten Buch, das diese Geschichten berichtet, doch mag ich es wohl glauben.

Spätes Glück.

Bon Josef Weinheber.

Das Rund der Erde meisternd zu umfahn mit Schwert und Feuer, Lieb und Liebesgaben: Ach, eitler Traum, ach, frevles Ziel des Knaben Der Mann hat längst die Träume abgetan.

Er will nichts mehr als ein Stück Erde haben, daraus er stehen, säen, ernten kann.

Und, hebt nach Schweiß und Müh der Abend an. das Glück, an später Rast sich zu erlaben.

Im Schatten eine liebgewordne Bank, ein altes Buch, ein Weg vom Lärm gemieden, und zwischen dämmerdunklem Blattgerank

dein Helles Kleid in dem arkadischen Frieden. Geschenks genug! Geliebte, habe Dank!

Die kühnen Arme haben sich beschieden.

Musik und Raffe.

Bon Professor Dr. W. H e i n i tz.

Was ist Musik? Was ist Rasse? Musik? Die einen sagen, es wäre die geheimnisvolle Macht, die uns Menschen gut oder böse werden läßt, die uns ertüchtigt oder verweichlicht, die uns aufrüttelt zu neuem Mut, die auch dem müdesten Soldaten in die Glieder fährt, die uns mit einer zündenden Suggestion auf das Tanzparkett lockt, deren letzten Sinn wir aber trotzdem nie begreifen könnten, weil die Musik dieunfaßbarste" aller Künste wäre. Die andern sagen: Es mag schon recht fein, daß die bloße Tatsache, daß Musik überhaupt da ist und aus uns wirkt, für uns Menschen ein unerklärliches Naturgeheimnis ist. Aber wir können aus ganz bestimmten Wegen in diese Verschleierung eindringen, können messend, vergleichend, probierend, gestaltend und nachgestaltend prüfen, wie vieles in der Musik auf das Konto kosmischer Uebersinnlichkeit, aus das Konto der Seele, des Geistes oder gar unseres lebendigen Körpers geht.

Alles Seelische offenbart sich uns durch Gefühle. Aber die Gefühle, fclbst bei der Wiederholung desselben Musikstückes, bleiben fast nie die gleichen. Es hängt von unseren Stimmungen ab, ob uns eine anfangs gehörte Schlagermelodie, wenn wir sie schließlichnicht mehr loswerden können, nicht anfängt, zu ärgern. Die Verbindung zwischen Musik und Gefühl kann uns also von dem kernhasten Urwesen der Musik nicht viel Zuverlässiges verraten. Auch der Intellekt wird uns nicht viel weiter bringen. Wir können die Takte, die Tonschritte und alles, was zu einer Melodie gehört, was ein Komponist seinen Lehrern, Zeitgenossen oder Vorgängern abgeguckt hat, zählen und einander gegenllberstellen. Damit erfahren wir etwas über die Mode, die Komponiertechnik und den Geschmack bestimmter Zeitalter, aber nur wenig über die Musik selbst. Musik kann man nicht papiermäßig verstehen lernen und beurteilen. Man muß sie lebendig am eigenen Leibe erfahren haben. Wie aber ist das möglich?

Wir müssen die Musik dort belauschen, tpo sie aus dem Dunkel unseres Innern hervorgebrochen ist, wo sie über die Brücke geht von dem ewig unfaßbaren Seelischen, hinüber in das materiell in Noten oder aus Schallplatten festzuhaltende rein Physikalische. Diese Brücke baut sich uns auf aus den seelisch gesteuerten Bewegungen, aus denen heraus wir fingen oder spielen, die sich nicht nur in unferm Kehlkopf oder m untern Fingern, sondern sozusagen im und am ganzen Leibe, unter Einfcha.- tung unseres gesamten Nervenapparats vollziehen. So ist Musik, soweit |ie für unsere Sinne faßbar und vernehmbar wird, nichts anderes, als das direkte Ergebnis einesTanzspiels" von den kleinsten bis womöglich zu den größten Muskelspannungen unseres Körpers. Will jemand einen Marsch komponieren, dann ist es nicht gut, daß er rein geistig auf dem Papier Noten im Viervierteltakt zusammenbastelt. Es ist viel besser, wenn er erst einmal anfängt, selber zu marschieren. Bei dem Rhythmus dieserArbeit" fallen ihm dann in der Regel ohne große Muhe paßende Marschmelodien ein. Und wer einen fo entstandenen Marsch hingebungs­bereit hört, dem werden sich die Beine fast von selber wiederum in Be­wegung setzen, und zwar in eine Bewegung, die derjenigen sehr ayniicy ist, aus der das Lied entstanden ist. Die Melodie wird m ihm eine Resonanz Hervorrufen, der er sich um so weniger entziehen kann, je me jr

er musikalisch beanlagt ist. Also ist Musik in solchem Sinne zunächst nichts anderes als zu Tönen gewordene Bewegung.

Jeder Mensch hat aber feine höchst persönliche Bewegung, woran wir ihn oft von weitem schon eher als an seinem Gesicht wiedererkennen können. Darin steckt zugleich alles, was er an Bewegungssinn und Be­wegungsform von seinen Vorfahren ererbt hat. Wenn wir also hören, wie ein Mensch spricht (auch das Sprechen ist ja eine Art Musik) und wie er singt, spielt oder tanzt, dann können wir durch die Musik hindurch einen Blick in- seinen individuellen Bewegungsapparat, und damit nicht nur in (ein persönliches Seelenleben, sondern auch in das seiner Art und darüber hinaus seiner Rasse tun.

Neger haben andere Bewegungen als holsteinische Bauern, ein östl­icher Mensch bewegt sich anders als ein nordischer oder vorderasiatischer. Dabei kann es in allen Rassen begabte und unbegabte Sänger geben mit allen gleichen Abstufungen der Temperamente und der Freude am Musi­zieren. In allen Musikkulturen gibt es auch steigende oder fallende Melodien mit allen möglichen dur- oder moll-ähnlichen Tonschritten, die auch woanders in ähnlichem Ablauf vorkommen. Die gleichen oder ähnlichen Melodien werden von blonden, roten oder schwarzen Menschen mit krummen oder geraden Nasen gesungen. So wäre es scheinbar ein uferloses Beginnen, Musik und Rasse miteinander in Beziehung zu bringen? Nein. Es kommt nur darauf an, an welchen Merkmalen einer Rasse man d i e ihr arteigene Musik studieren will, um so einen zuverlässigen Ausgangsort für eine Vergleichung zu finden.

Rasse ist für uns etwas organisch in sich Gebundenes, das sich trotz seiner Zugehörigkeit zu der großen Einheit Mensch auf so ganz bestimmte Art und Weise bewegt, um durch diese Bewegung und damit durch seine Handlungen und seinen Charakter seine direkt unfaßbare Seelen­haltung indirekt zu offenbaren. Die Summe und das Ordnungssystem der Bewegungen eines Menschen ergeben seinen biologischen Stil. Dieser kann nicht nachgeahmt werden. Er ist angeboren. Was ein Mensch, etwa ein Musiker, im Verlaus seines Lebens hinzulernt, um sichrichtig und musikalisch gebildet" ausdrücken zu können, gehört zu seinem gei­st i g e n S ti l.

Diese grundlegenden Zusammenhänge sind leicht zu verstehen. Nicht ganz so leicht ist es. mit dem modernen Musikwissenschaftler daranzugehen, allen verzwickten Kleinfragen der musikalischen Bewegung und ihrer Rassegebundenheit nachzuspüren. Da ist dann beispielsweise die Rede von Homogenität", worunter verstanden wird, daß ein Musikstück, etwa ein Volkslied in allen seinen Teilen, also in Takt, Tonhöhe, Mehr­stimmigkeit, Stärke, Klangfarbe usw. völlig im biologischen Gleichgewicht stehen muß. Daß man also nicht etwa eine in Afrika gefundene Melodie für echt hält, trotzdem sie nur eine negerische Verballhornung eines Ber­liner Schlagers ist, den ein paar Matrosen auf ihren mißverstandenen Schifferklavieren exportiert haben. Da ist weiter die Rede vonM i k r o- d y n a m i k", womit alle die feinen rhythmischen Abstufungen und Span­nungswechsel gemeint sind, die selbst dem begabtesten Musiker nicht be­wußt werden, wie etwa auch ein Maler erst durch eine mikroskopische Untersuchung die genaue Struktur seiner Farben und seiner Pinsel- striche kennenlernen könnte.

Aber gerade diese feinsten Vorgänge, die man genau so wie die ver­borgensten Strichwendungen einer Handschrift nicht bewußt und mit täuschender Absicht nachahmen kann, sind dem Musik- und Rasseforscher besonders wichtig. Um sie zu erfassen, müssen viele oft mühsam erarbei­tete Mittel herangezogen werden, wobei auch die filmische Aufnahme von Tanz- und Musikbewegungen nicht fehlt. Der Laie würde sich gewiß oft eines Lächelns nicht erwehren können, wenn er sähe, wie ein ernster Professor ein Musikstück bewegungsmähig und unter Ausschaltung aller Bewegungshemmungen auf sich wirken läßt. Wie er fein Muskelfpiel beobachtet und immer wieder kontrolliert, wie er nach denangemessenen Freiübungen" zu einer bestimmten Musik sucht, und wie er oft beim Er­klingen der ersten Töne in einer Art vonSchreckbewegung" feinen Körper sich widerstandslos ducken oder zusammenzucken läßt, um das für eine Melodie typische Bewegungsbild für die Filmkamera der Forschungsabteilung für vergleichende Musikwissenschaft an der hambur­gischen Universität" zu erhalten. Der Laie würde sich nicht minder wun­dern, wenn er erfahren würde, daß man aus einem Musikstückher­an s l e s e n" kann, wie oft und wie tief fein Urheber während der Ge­staltung geatmet hat, ob er die Melodie mit geschlossenen oder geöffneten Augenlidern, sitzend oder stehend, während einer Linksherum- oder Rechts- herumdrehung feines Körpers erfunden hat ... Wie man alles dieses auch auf di« rassische Sichtung musikalischen Volksgutes anwenden kann, wurde kürzlich in einer grundlegenden SchriftNeue Wege der Volks­musikforschung", Hamburg 1937, bis in viele Einzelheiten hinein be­handelt.

Die Forschung aus dem Gebiet Musik und Rasse hat gewiß noch einen weiten Weg der Entwicklung vor sich. Aber das eine läßt sich heute schon sagen: Der gestaltende Mensch und das von ihm gestaltete Werk lassen sich biologisch nicht voneinander trennen. Wie wir uns bewegen, so sind auch unsere Werke, unsere Tänze und Märsche und alle Melodien, bei denen die Bewegung weniger sichtbar, aber doch immer, wenn auch in kleinsten Ansätzen wahrnehmbar hervortritt. So werden mit großer Wahrscheinlichkeit nicht bloß geiftige Verlegungen, nicht gefühlsmäßige Wertungen, nicht nur naturwissenschaftlich-mechanistische Messungen zu einer uns allen am Herzen liegenden Klärung der Zusammenhänge zwischen Musik und Rasse führen, sondern der Weg geht auch hier über dieBe wegun g". Nur aus Handlungen kann man den Men­schen erkennen, nur aus vielen Einzelmenschen das Geheimnis ihrer völkischen Verbundenheit und nur aus dieser Volkheit endlich das, was die eine Rasse von der anderen unterscheidet. Dabei aber kann uns die Musik besonders gut helfen. Denn sie ist, nicht nur schöner Klang, nicht nur Unterhaltung oder seelische Trösterin. Sie ist Trägerin unserer ver­borgensten Bewegungen und damit beinahe eine Gefahr für alle, die sich nicht gern in'dieseelischen Karten" blicken lassen möchten.