Ausgabe 
18.11.1938
 
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Verintwortlich: Dr. Hans Thyriot. Druck und Verlag: Vrühlfche Unlversitätsdruckerei R. Lange, Dieben.

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Ich gab dem Jaköbeli zu verstehen, diese Sorte von Geschichten sei nicht die schönste, und er sei doch eigentlich zu alt für solche Streiche. Da streckt er wieder mit großartiger Seroegung die Hand gegen mich aus, streicht sich den Bart und beginnt wieder Hochdeutsch zu reden. (Die Geschichten hatte er im Dialekt erzählt.)

Zum Fischen, mein guter Herr, gehört einfach Gluck, nichts als Gluck. Da kann einer dreimal mit Segeln fahren, silberne Hechllösfel kaufen und solches Zeug, das hilft alles nichts. Es kann einer den größten Heiden­rausch haben und fangt doch mehr. Nämlich, der eine hat Glück und der andere hat keins. Es ist nur, daß man in einem guten Stern- und Himmelszeichen geboren ist, verstehen Sie?

Ich verstand. Aber als er mich nun herausfordernd überlegen an­blickte und nochmals einen Schnaps bezahlt haben wollte, fand er mich unerbittlich. Eine gute Weile schwieg er feindselig und spuckte häufig auf den Boden, dann aber begann er, zum Wirt gewendet, anzügliche Reden zu führen. Du hast ja neuerdings fd^elnfs großen Fremden­verkehr hm fremde Herrschaften, ja hm. Früher ist man da drinnen noch unter sich gewesen jawohl, sag ich, unter sich gewesen. Könntest ja auch noch Hotelier werden, du, roenns jo weiter geht. Weißt, für so fremd« Herren, so feine. Jawohl, Hotelier, da wird noch Geld verdient.

Und so weiter. Dieser Ton war mir aus andern Fifcherkneipen unheimlich bekannt und es gefiel mir gar nicht, daß der Wirt und noch viel mehr der Sohn so viel husteten und das Lachen verbissen, und mich anfahen wie die Aasgeier. Es schien mir plötzlich, als wollte der Regen anfangen nachzulassen. So fragte ich denn, was ich schuldig sei, zahlte schnell, aber ohne ein Trinkgeld zu geben, und verließ die ungastliche Bude mit einem höflichen Gruß, der mit keiner Silbe beantwortet wurde. Statt dessen brach hinter mir, noch ehe die Türe zu war, ein boshaftes Gelächter aus. Am liebsten wäre ich umgekehrt und hätte den Grobianen meine Meinung gesagt oder mich zum Trotz erst recht hinter den Tisch gesetzt. Aber da fiel mir ein Abend in Basel ein, wo ich einst mit zwei Freunden zusammen einen losen Ber­liner Gast mit allen Schikanen aus unserer Stammkneipe weggeekelt hatte, und ich gab beschämt den Fischern recht. Zugleich fiel mir auch ein, daß ich allein und die drinnen zu dreien waren.

Und so segelte ich langsam nach Hause zurück, wo ich bald nach Mittag durchnäßt ankam und meiner schon ängstlich gewordenen Frau den gefangenen Hecht, die Erlebnisse des Morgens und die Wetterprophe- zerungen des alten Iaköbeli auspackte.

Augsburg, die Stadt des Elias Holl.

Von Hans Franck.

Es ist während der letzten Jahre immer mehr Sitte geworden, die deutschen Städte durch ein stehendes Beiwort der Oesfentlichkeit vorzu- stellen. Dabei Ist manches Gute unb Eindringliche zutage gekommen. Aber auch viel Fragwürdiges und Unsinniges machte sich breit. Es hat eben nicht jede Stadt, die von den Wellen des allgemeinen Verkehrs- ftromes befruchtet fein mochte, eine so hervorstechende Eigenart, daß man diese In ein einziges Wort fassen könnte. Das Gegenteil ist gleich­falls zu bedenken: Städte, die etwas Besonderes, einmaliges darstellen, find so reich, daß es fchwerfällt, diesem Reichtum durch ein Schlagwort- licht gerecht zu werden. Augsburg ist in doppeltem Sinn eine Aus­nahme. Hier gehen das Besondere und das Vielfältige, das Einmalige und das Allgemeine so zusammen, sind durch- und füreinander, daß es sehr wohl möglich ist, das Wesen dieser Stadt mit einer deutenden Be­zeichnung zu erfassen. Wer Augsburg kennen und lieben gelernt hat und aus der Ferne, wenn die verwirrenden Einzeleindrücke geschwunden sind, daran zurückdenkt, dem bleibt zur Kenntlichmachung feines wesent- , lichen Erlebnisses nur der Nachname: die Stadl des Elias Holl.

Augsburg, die Stadt des Elias Holl selbstverständlich muß auch dieses Beiwort mit dem bekannten Korne Salz verstanden werden. Denn Las große Gemeinwesen greift, wie könnte es anders fein, je länger desto mehr über eine einmalige Person hinaus. Man braucht nur einige Minuten vor der urdeutschen erzenen Tür des Domes zu stehen, um zu erkennen, wie stark gerade in Augsburg auf Schritt und Tritt Ver­gangenheit lebendig geblieben ist. Man hat nur nötig, mit offenen Augen durch die Fuggerei zu gehen, diese weit über die eigene Zeit hinausreichende Stadtrandsiedlung, um zu erleben, wie sehr Augsburg durch vorgreifende Leistungen Künftiges mustergültig gestaltete. Man ist nur gehalten, die Namen Diesel und Parfeval, Rumpler unb Messerschmidt vor sich hinzusagen, um inne zu werden, wie überaus stark Augsburg an der Gestalt des gegenwärtigen deutschen Lebens beteiligt ist.

Unb dennoch stimmt es: Die Stadt des Elias Holl. Denn hier wurde west zum einzigen Male in der deutschen Entwicklung vor Hunderten vor. Jahren einem vaterländischen Gemeinwesen von einem Künstler, dem sein Geburtsort die nötigen Mittel sowie das unentbehrliche Ver- trauen schenkte, ein so eindrucksvolles, die Zeiten überdauerndes Gesicht gegeben, daß man noch heule mit innerem Recht unb geziemender Ehr­furcht seinen Namen zu ihrer Wesensbezeichnung wählen muß. Es gii! keine zweite Stadt, deren wesenhastes Aussehen so nachdrücklich und üj.,legen, so einprägsam und unvergänglich von einem deutschen Bau­rn ü er geformt worden ist, wie bas der Stadt Augsburg durch Elias Holl. D iroße Aufgabe der Umformung unb Neuformung ber öffentlichen Ge­bt i kam an den rechten Mann, wie auf der andern Seite dieser Mann mi, der Große und Vielfalt seiner Aufgabe wuchs, alle Abhängigkeiten, alle Bo über hinter sich ließ unb zu einem der deutschesten Baumeister wurde, die wir jemals besaßen. Diese einmalige Leistung ist keines­wegs ohne Kampf und Krampf zustande gekommen. Elias Holl mußte eine besondere, eine ungewöhnliche Bautat vollbringen, ehe die Stadt-

Und wie hat Elias Holl dieses Werk, dessen Bedeutung von Jahr zu Jahr mehr erkannt wird, zuwege gebracht? Er hat gebaut. So viele Risse unb Mobelle er auch machte allein die von dem Neuen Rathaus sind kaum zu zählen sie bebeuten keine theoretischen Versuche, keine formalen Spintifiercreien, sondern Werkzeichnungen, in bas Leben unmittelbar Übergehende Arbeiten. Gebaut hat Elias Holl und noch einmal gebaut unb immer roieber gebaut, sein ganzes Leben lang gebaut. Wenn man fein Tagebuch lieft, die Ehronik der Familie Holl, so wird man fein wesent­liches Wort fo häufig antreffen wie dieses: gebaut. Davon berichtet Elias Holl in seinen Aufzeichnungen: was er gebaut hat, wie er gebaut hat, welche Schwierigkeiten sich feinen Bauten entgegenstellten, wie er diese Schwierigkeiten durch Bauen überwand.

Cs gibt für die Werkbesessenheit, für die Bauleidenschaft des Elias Holl eine überaus bezeichnende Geschichte. Als er zum zweiten Male aus den Diensten der Stadt entlassen war, well er an seinem protestantischen Glauben festhielt, und es keine Möglichkeit mehr zu geben schien, für Augs­burg tätig zu fein, fand er sich in der Kleidung eines Maurergesellen auf dem Bau ein. Wie wenn es nie anders gewesen wäre und auch nicht anders fein könne, schritt er auf bas Gerüst zu.Was wollt Ihr dort oben?", fragte der neue Meister.Mauern", gab Elias Holl zur Antwort, ging an dem Verwirrten vorüber, stieg zu dem Gerüst empor und tat dort oben fein Werk gleich den anderen. Nach Stunden erst wagte ein Geselle zu fragen:Wie bringt Ihr es nur fertig gleich uns, denen Ihr bisher befohlen habt?"Wenn ich die Wahl habe", schnitt Elias Holl dem Fragenden die Rede ab,als Meister ober Geselle bei einem Bau zu arbeiten, bann sage ich wie könnt' es anders sein: .Meister'! Wenn aber die Frage so vor mir steht: Mauern ober Nicht-Mauern?, bann aut-' warte ich: .Mauern'. Auch bas ist selbstverstänblich. Gemauert muß werben. In Jahren ber Not noch mehr unb, sofern es möglich ist, noch besser als in Zeiten des Glückes. Gemauert muß werden."

In einer Zeit, da Deutschland feinen Städten unb feinen Dörfern roie» herum ein neues Gesicht gibt, bas noch nach Jahrtausenden für bas heutige Geschlecht zeugen wirb, kann man gar nicht einbringlich genug an Augs­burg und seinen Stadtwerkmeister erinnern. Er war ein Handwerker, der schlicht feine Sache tat, obwohl er die Mitglieder feiner Zunft als Künstler unendlich überragte. Mancher mag es auf den ersten Bück ein wenig langweilig finden, wenn er in ber Chronik lieft: gebaut und roieber: gebaut unb immerfort nichts anberes als: gebaut. Ader im Rückblick steht man plötzlich überwältigt. Denn man sieht, wie biefer große Künstler, ber nichts fein wollte als ein schlichter Hanbwerker, durch Fleiß unb Treue unb unablässigen Einsatz feines großen Könnens bas Wunberwerk vollbrachte, aus ber Zeit heraus Ueberzeitliches zu gestalten, durch Achtung ber Gesetze seiner Kunst persönliche Freiheit zu gewinnen für ein ureigenes Werk und durch Hingabe dieses Eigenen bas Höchste zu erreichen, was einem Künstler überhaupt beschieben ist: ber Gemeinschaft, die ihn bilbete, ein unvergängliches Monument zu errichten. Augsburg, bie Stabt bes Elias Holl in dieser Bezeichnung liegt eine Ehrung für die Gemeinschaft, die einem großen Schaffenden ffin Werk ermöglichte, unb für ben Menschen, der all sein Tun und Trachten selbstlos in den Dienst dieser Gemeinschaft stellte.

väter sich dazu verstanden, ihm soweit freie Hand zu geben und für lange jenes beständige Vertrauen entgegenjubringen, wie es ber schöpfe­rische Künstler nun einmal braucht. Innerhalb ber Gesetz natürlich, die ihm der Wille der Gemeinschaft und seine eigene Kunst auferlegen! Erst als ber angehende Stadtbaumeister die Glocke von dem Alten Rathaus In unfaßbar kurzer Zeil auf ben Perlachturrn beförderte, diesem ein be­trächtliches Maß an Hohe zugeletzt hatte unb beides auftragsgemäß voll­brachte, ohne aus dem Perlach einen einzigen Stein herauszunehmen, erst nach dieser baulichen Wundertat durfte Elias Holl in Augsburg bauen, wie er wollte, was er für gut hielt und als Erstes mit dem Bau des Rathauses beginnen, dessen Rückseite zu den schönsten und groß­artigsten Bauleistungen gehört, die es innerhalb unseres Vaterlandes überhaupt gibt. Dadurch daß hier ein Mann säst sein ganzes Leben lang nach eigener unbehinderter Einsicht auf Grund feiner reichen Erfah­rungen und feines ungewöhnlichen Könnens bauen durste, hat Augs­burg jenes einheitlich, in bemerkenswertem Maße jahrhundertelang fleckenlos erhaltene Gesicht als Gesamtbauwerk erhalten, das auch jene immer wieder entzückt, die um die Voraussetzungen dazu nicht wissen, ja denen nicht einmal die Besonderheit des Stadtbaues Augsburg be­wußt wird.

Worin liegt nun das Einzigartige, die unvergängliche Leistung des Elias Holl, durch die noch heute Augsburg im wesentlichen als Stadt geprägt wird? Der junge Sohn Hans Holls, des Baumeisters der Fugger, war in dem Lande, in welchem damals die Baukunst über­ragend blühte: in Italien. Aber er hat sich weder wie manche anderen deutschen Künstler an bie fremdländische Kunst der Renaissance verloren und seine Eigenart aufgegeben, noch hat er sich dem, was dort an Großem vorhanden war, verschlosfen, um Kleines feiner besonderen Art krampfhaft festzulzalten und durch Ueberbetonung zu gefährden. Elias Holl hat vielmehr das Schwerste, was es für einen werdenden Künstler gibt, vollbracht: dem Werthaften, das im Fremden ist, sich unbedenklich und unvoreingenommen aufzutun, das Eigene dadurch befruchten zu lassen und in noch höherem Maße als bisher zu einer bewußten, ge­reiften Leistung zu machen. Das an sich unmöglich Erscheinende, fremdes und eigenes völkisches Wesen zu verschmelzen, aus Antikischem unb Nor­dischem eine Einheit ohne inneren Bruch zu gewinnen Elias Holl hat es mit feinen reifsten Bauwerken in Augsburg geleistet. Augsburg, auf der Grenzscheibe des Südens und Nordens liegend, erfüllt zu einem guten Teil den ewigen Traum bes Deutschen, das Nordhafte unb bas Südhafte zu vereinen, erfüllt ihn vor allem durch bie Bauten feines großen Stabt« Werkmeisters, fo baß man immer roieber mit Staunen unb Berounberung, mit Ehrfurcht unb Befeiigung stehen bleibt, wenn man burch feine Straßen unb Gasten roanbelt, feine Kirchen unb Öffentlichen Bauten betrachtet.