Ausgabe 
8.8.1938
 
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bietet, den

Becken herum. Aus welcher vielen engen, den Userrand

Schwarzsersen-Antilopen.

Pa 11ahs. die Beute.

Gemächlich schwimmt er nun eine Stunde lang immer rund in dem sichre von all den kleinen Inseln, in welcher der serrand aushöhlenden Buchten mag wohl die Kroko- dilsamiliehausen? Die Sonne schickt jetzt immer heißere Strahlen zur Erde nieder; es tut ihm doch mit einem Male sehr leid, daß die Pallah ihm vorher so schnell ausgerückt ist. Dal was ist das? Eine große unförmige Masse treibt den Fluh herab, aus dem gleichen Wege, den er, der Riese, tags zuvor zurückgelegt hat. Er weiß sofort Bescheide es ist der Körper eines toten Flußpferdes, von Gasen aufgetrieben ein schmackhaftes Mittagsmahl, das man sich sofort zu Gemüte führen kann,

Krokodil und Leopard.

Nächtliches Treiben am Fluh. Eine Herde

Entwischt.Das tote Fl u h p s e r d. Ka m p f um Eine sremde Einmischung. Die Stra

wieder sind dicht bewachsen mit Papyrus und mächtigen Palmen, deren Blätter breite Schatten aufs Wasser wersen.

Einen idealeren Platz kann es für den Riesen gar nicht geben. Futter winkt ihm hier in Fülle, und wie leicht dank jenem Kanal hinter der Gantbant da werden die arglos nahenden Tiere zu erbeut^, sein! Ueberoll, wo er sich auch herumbewegt findet er Schatten zur Genüge, ob nun unter dem überhängenden Laubwerk am Sudufer wo die Hitze brütet - oder bei einer der baumbestandenen Inseln, wo der Wind über das Wasser bläst. Zu Füßen der Uferbäume gibt es Hohlen, da kann er feine Vorräte verstauen; die werden von den Baumwurzeln schon fest- gehalten werden, damit der Fluß sie nicht fortschwemmt. Auch eine gesicherte Bucht wird sich noch finden, wo er schlafen kann, ohne feindliche Angriffe befürchten zu müssen, wo es genügend Schatten gibt und, wenn s koch kommt, so viel Platz, dah selbst er bei seiner ungeheuerlichen Lange imstande sein dürste, sich innerhalb feinervier Wände" umzudreyen.

Die Hauptsache aber: er macht bei seiner ersten Erkundung des Beckens schon die Entdeckung, daß noch andre Krokodile da sind, und zwar nicht mehr, als ihm recht märe. Dreie sind es: ein Männchen und zwei Weib­chen alle drei von normaler Gröhe also viel kleiner als er selber. Da 'wird er also Gesellschaft haben; die Einfamkeit hat ein Ende, und trotzdem braucht er keine Sorge zu haben, dah er bei der üppigen Nahrungszufuhr, die die Sandbank verfprichk, etwa einmal leer aus- geben könnte. Jedem Nebenbuhler an Stärke und Schnelligkeit weit überlegen, wird er sich schon von allem, was das Becken bietet, h Löwenanteil" sichern.

Aber selbst bei diesem mächtigen Getöse rührt und regt sich der Riefe nicht bis zu dem Augenblick, wo die Dämmerung anbridjt und der nächste Hügel sich scharf gegen ein Meer von rosa Schäschenwolken ad- hedt. Da endlich öffnet er die Augen, sperrt träge den Rachen aus und schiebt sich rückwärts ins Wasser.

Zunächst schwimmt er einmal langsam um die Insel herum und äugt dabei neugierig zu den Fluhpferden hinüber, die soeben vom nächtlichen Weiden zurllckgekehrt sind. Danach unternimmt er eine zweite Erkun- dungssahrt. Am Rande der Sandbank drüben steht trinkend ein kleiner Trupp Paltahs* schlanke, anmutige Tiere. Schon hat der Riese sie gesichtet; und schon nähert er sich lautlos, bis an die Äugen im Wasser verborgen. Mit einem so günstigen Zusall hat er zwar noch gar nicht gerechnet; aber man kann sich doch solch eine Gelegenheit unmöglich ent­gehen lassen! Sollte der Rand der Sandbank, die er bis jetzt noch nicht erforscht hat, etwa steil unter Wasser abfallen, bann kann er schwimmend nahe genug herankommen, um zuzuschnappen; wenn nicht--- nun,

dann mißlingt der Versuch eben, und er wird bas nächstemal leise in ben Kanal gleiten und dort seine Beute mit List ergattern. Aber schon bald muh er bemerken, daß ein Angrisf unmöglich ist, wenigstens am hell­lichten läge; der Sandboden fällt an jener Stelle so allmählich unterm Wasser ab, dah der Riese schon mehrere Meter vom Ziel gezwungen wäre, mit dem ganzen Rumps aus dem Wasser herauszukommen. Unb gerade als er diese Entdeckung macht, wirst ein Pallah ruckartig den Kops in die Höhe, starrt in plötzlichem Erschrecken aufs Wasser, macht kehrt und jagt durch die Büsche davon hinter ihr her die andern.

Die Enttäuschung des Riesen hält nicht lange vor; wenigstens hat er bei dieser Gelegenheit etwas in bezug aus die Anpirschungsmöglichkeit der Sandbank gelernt. Ehe der Tag vergangen ist, wird er seine Erkun­dung beendet haben, wird er gerüstet sein, während der Nacht zu jagen, entweder von seinem Versteck im Kanal aus ober indem er ein Tier von der Sandbank wegschnappt.

Aus einer der kleinen Inseln, die im oberen Teil des Beckens liegt, verbringt bas Krokodil die Nacht. Schnauze und Vorderleib ruhen auf dem abschüssigen Ufer, und der Schwanz hängt im Wasser. Auf dem jenseitigen 3n|elufer lagert eine Fluhpserdsamilie Vater, Mutter und Kind. Ab und zu arbeitet sich offenbar mit großer Anstrengung eine Schild­kröte aus dem Wasser heraus, kriecht quer über die Insel unb gleitet drüben wieder ins Wasser zurück. Aber bas Krokobil nimmt keine Notiz es schläft. »

Mit zunehmender Dunkelheit erwacht die Nacht zu geräuschvollem Leben. Aus der Ferne, dort, wo jenseits der Bäume die Ebene bis zum Fuße der Berge hin langsam ansteigt, bringt manchmal bas bumpfe Knurren eines Löwen, ber feine Beule sucht. Von borther ertönt auch bas hustenartige Gebrüll bes ßeoparbs, bas Buhmbuhm ber Strauhe, bas Geheul ber Schakale und bas schaurige Wehklagen, mit bem bie Hyänen die Nacht erfüllen; in ben Bäumen am Ufer schreit irgendwo eine Eule; dort schnattern auch die Assen, ausgefcheucht durch irgendeinen verdäch­tigen Laut aus der Finsternis. Unb plötzlich, kurz ehe der Morgen an» . bricht, erdröhnt in nächster Nähe bas tiefe Gebrüll eines Löwen, der gekommen ist, um nach blutigem Mahl feinen Durst zu löschen.

ohne den lästigen Aufschub in Kaus nehmen zu müssen, den ftifcherlegtes Fleisch immer erfordert, um so richtig genießbar zu werden. Aber gerade als er blitzschnell auf das Beutestück losfahren will, quält es lmks von ihm auf der Oberfläche des Masters und gleich dahinter noch einmal.- die andern Krokodile, bisher die Inhaber und Beherrscher des Fluh- deckens, eilen ebenfalls zum Fräße herbei!

Aber mit der außerordentlichen Schnelligkeit, die er feiner Große und Stärke verdankt, langt Der Riefe zuerst an. Mit feinen Zahnen packt er ein Stück der dicken Haut und reiht es mit einem Ästigen Ruck des Kopfes herunter. Während er sich durch langsame Ruderbewegungen feiner Schwimmsühe gegen die Strömung hält, stoßt er l.c(^t ®mh4®efli^ Mal vor, um einen größeren Happen zu ^wifchen.Jnzwifchenaber nb bereits drei andere mächtige Kieferpaare an der Arbeit, die glatte Fle'sch- fläche nach einer zum Einhauen geeigneten Stelle abzusuchen; zwei der Krokodile reißen sich ansehnliche Portionen heraus und verschwinden eiligst Damit. Zurück bleiben: bas iungste Krokobil Das noch gar ni^s Rechtes abbekommen hat unb Der Riefe, der fest en fch offen if . die ganze Beute oder jedenfalls bas, was bauen noch übrig ist, für sich ferner mit Beschlag zu belegen. .. .. .__

Jetzt trägt die Strömung den Fleischkoloh userwarts bis zu einem Baurn der einen seiner Aeste kaum mehr als einen Meter hoch über den Wasserspiegel ausstreckt. An einer vorstehenden Wurzel bleibt der tote Körper hängen, und Die beiden Krokodile Haden es nun Diel leichter, ihn in Stücke zu reihen. Eben sperrt ber Riese den Rachen so »eit auf, als er nur kann Da läßt ihn ein leifes Geräusch von oben stutzen. Er paDDelt etwas rückwärts unb äugt jum Baum hinauf. 3n einer g<^je Länge liegt auf bem überhängenben Ast em ßeoparb! Wit. ber lafee langt ft herunter, so daß bie Krallen beinahe Den obersten Teil bes schwimmenden Bratens berühren.

Eine solche Einmischung kann jedoch unter gar leinen Umftanben ge­duldet werden! Wenn es sein muh ist der Riese schl'eßlich bereit, e n Mahl mit andern Krokodilen zu teilen obgleich - »erftept le n eigener Anteil auf jeden Fall der grohte zu fein hat). Aber wenn ein Leopard oder sonst irgend so ein hergelaufenes Landtier M an.einem Krokodilsfrefsen beteiligen will, bann geht das entschieden zu weck. Wu tenb schnappt er nach der herabhangenden Tatze, versehlt sie um Haares breite und schlägt mit der ausgerichteten Schnauze gegen d'« Flanke des Fluhpserds. Der Leopard, gewandt feinen Borteil "5^^- I.GNuegt seinen langen Körper noch enger an ben Ast; bie eine IBorberpfote grabt ihre Krallen fest in die Rinbe ein, die andre streckt sich von neuem »lach dem begehrten Leckerbissen aus. Doch im gleichen Augenblick schnellt sich der Riese aus dem Wasser, schnappt wieder zu, und stmeKieser bekam men gerade noch die Pfotenspitze des Leoparden zu packen . D.e Jahne schlagen durch Haut, Fleisch und Knochen. Eine Sekunde gibt es einen Ruck, als würde ber Leopard ins Wasser gerissen. Aber bann farftta« Krokodil zurück; zwischen den Zähnen hangt em winziger Fetzen gelben blutbefprentelten Fells.

Wildes Schmerzgeheul tönt durch die Morgenstille.

Die beiden Krokodile haben jetzt bas Fluhpserd von der vorstehenden Wurzel sorlgeftohen, damit Die Strömung es weiter flußabwärts trage m irgendeiner Uferhöhle, wo sie es für künftige Tage auffpeichern können, und während sie eifrig hinterherschwimmen, hegt der Leopard noch immer auf seinem Ast unb leckt seine Wunbe.

Leopard auf der 3agb.

Der lahme Krieger. -- Die Leopardin.

Das alte Nashorn. Wieder geheilt. Auf der 3agb- Eine schmerzhafte Erinnerung.

Aber auf die Dauer ist es bei der Hitze dort nicht auszuhalten Er hält es nach einer Weile doch für bester, feinen Platz auf dem Ast M» einem schattigen Fleckchen unter ben Bäumen zu vertauschen Dort liegt er unb leckt unausgesetzt weiter an seiner Wunde, bis die ärgste Hitze vor­über unb es kühl genug ist, sich mühsam humpelnd auf der«Heimweg zu machen. Zunächst geht es durch einen schmalen Waldstreifen. Ha, wie da bei (einem Erscheinen die Asten Reißaus nehmen! Die einen flitzen hoch in die Bäume hinauf, wo sie mit gespannter Ausmerk amkeit hocken bleiben, immer auf dem Sprung, von Zweig zu Zweig zu setzen, falls er es sich einfallen lassen sollte, ihnen auf den Baum nachzuspringen - die andern sehen ihr einziges Heil darin, gleich von vornherein in möglichst entlegene Waldteile zu slüchten. Kleine Antilopen, die auch den Tag im Schatten liegend verbracht haben, springen bei feinem Anblick auf die Füße und bringen sich schleunigst in Sicherheit. .

Sonst um diese Stunde denkt der Leopard nur an eines. Mord! heute aber das weiß er nur zu gut würde er kläglich versagen; wollte er es mit Springen oder Anschleichen versuchen; zu gar nichts anöerrn taugt er, als langsam und mühselig durch Wald und Steppe bis 3U ber Felsenqruppe zu humpeln, wo er haust. Einmal erscheint ihm em noch nicht voll ausgewachsener Asse, der hinter den anderen zurückge­blieben und dann bei ihrem plötzlichen Ausbruch von ihnen abgeschnitten ist doch gar zu verlockend, um so ohne weiteres auf ihn zu verzichten; aber als er sich zum Sprunge duckt und dabei die Krallen in die Erde gräbt, mahnt ja, zwingt ihn geradezu der Schmerz, noch einmal Rast zu machen, ehe er feinen Weg fortfetzt. .

Sobald er den Waldstreifen hinter sich hat, wird die Sache etwas ein­facher für ihn; denn das Gras ist jetzt weicher unb ohne die Stöckchen und Steinchen, bie ihm vorher noch fo weh getan haben. Dennoch kommt er nur langsam vorwärts, und es ist schon Nacht, bevor er am Fug des Hügels anlangt, wo er [einen Bau hat. Unten angekommen, zögert er eine Sekunde lang, um ben bequemeren ber beiden Psade zu wvhlen- die zwischen den Felsblöcken nach oben sichren. Kurz ehe er den Gipfel der Anhohe erreicht, stößt er ein langgezogenes Brummen aus, em Not­signal für seine Gesährtin

(Fortsetzung folgt.)