Ausgabe 
7.11.1938
 
Einzelbild herunterladen

Eichener LamilieMätter

Nummer 87

________Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

Zahkgang Mittag, dm r November

r it n :|

Mi net lich >-r- ten ben

um d)'.; gut

(tut' unb

öle

urm

(inn sich h^i er|t ati«, das lnb,t iiuir * un

ar uf NV nb di­en, ei )lb en. mb Er

i h ch )* t. in m n, >st in 18 ch> te­ilt m

'S

,üen. . ein

ein

2Iber Hans, t>u mußt doch wirklich nichts sagen oder erklären! Cs alles^" 9CnU9, ba& ld) bld) abt)0(e- Wir wollen heiterer sein, das

Und

ist

es

m ]te zu büß Sen langen traße zum Bahnhof. Um

Wenn du mein Herz nimmst, Christine,

Vornan von Rolf Brandt Lopyrkght by August Scherl Nachfolger, Berlin

14. Fortsetzung.

Und legst es^ auf hölzernen Schrein Und schlägst es mit Dornen und Ruten, Wie du tust, Christine.

du tust, Christine, Das Herz wird weinen Und bluten U..d sagen: Ich bin dein!"

I. "^.^ine, es ist gar nicht langweilig bei uns, aber wenn man so seine wieder stugt, und dann sitzt man noch da ein bißchen herum es ist ."KJ-* <" to* »»-> 5

Christine hatte sich einmal vorgenommen, die Sache durchzusetzen Sie kam durch die vielen Vorzimmer bis zum Minister. Ihre Augen flammten den Mann an, sie flehte förmlich um den Besuch.

Der Minister sah auf ihre schönen, lange Beine, die im Sessel wippten, er sah auf die grauen Augen und diesen sprechenden Mund er hörte auch ein Wort von innerer Pflicht, dieses Werk zu sehen' Er versprach, zu kommen, aber drei Tage später war er nickt mehr Minister.

kmitber Hand leicht über das Haar, wie sie liebte, aber sie schob den Arm nicht unter den seinen wie sie es beiff rritnf p In nfa nh stsd, wie die Zeit vor-

/h, trS' l°, als ob man am Ufer eines Flusses stände, sehr breit und $ Ja? b dos Wasser war nicht sonderlich klar. Wenn man den

Fluß schwimmend kreuzen wollte, dann kam die Strömung, und wenn ^u stch e-n Zeichen gestellt hatte, dann zerbrach das Zeichen in Ihm Oh sie wußte sehr gut: Draußen war das Meer, und draußen war unter der purpurnen Sonne eine furchtbare Angst. ö

Christine beschloß die kleinen Sorgen einfach nicht mehr zu glauben. 8» 2«' if,rer a(ten Mitschüler und bat Rottenbach um

Run lebte Christine von Milotti viele Jahre wie in einem Traum, r-£41e fer£ft mit< Erstatten bevölkerte. Da war der Kollege Heinrich Schuttewald aus der Zeit, als man noch am Sakrower See9 malte Er ging letzt mit selbstgemalten Postkarten von Tisch zu Tisch: den hatte sie ausgelesen, und er bei ihnen und steckte ihr zuweilen traurige Ge- oicyte zu: ö

af«^irOtiidQn%^n\eiebcr .3ur ^ute. Cs war eine bessere Bezahlung als für edes Bild, das er je gemalt hatte. Er fang noch keine halbe Stunde lang, durfte die halbe Stunde laut Vertrag gar nickt über, hrif» hm Unbrr 2166116 für ^bend zwölf Mark.9 Der Herr Hann

er vielleicht sogar zwanzig Mark für den Abend verschafft, wenn

er unter seinem Namen ausgetreten wäre und wenn man hätte ver- erCnf*r °nnlnVes'! £.e5 der Enkelin von Rucktafch'. Das wollte er nicht, ep hatte mit Christine gar nicht darüber gesprochen

d-« »uweilen um zwölf Uhr an dem hinteren Ausgang

6 ne me 69alLen Kabaretts ab. Dann gingen sie zu Fuß den lam 8 2öeg am Ufer entlang durch die Potsdamer Straße zum Bahnhof L em Uhr ging der letzte Zug. Aber einmal trat Milotti mit einer Kollegin zusammen aus dem Eingang. Christine hörte sein Lacken die llinp° Tänzerin mußte einen Scherz gemacht haben. Als Milotti Chri-

^änjerin, sehr elegant, stutzte einen Augenblick, winkte dann

firn Unb( rief: "B.uena nottel 24 sehe. Sie sind in guter

f)ut. Achten Sie auf ihn, er sammelt Herzen, gnädige Frau!" 6 - "Ei"- ^bsche Person" sagte Christine.Ich kann dich so verstehen,

Hans, es ist auch langweilig bei uns." '

au Christine, was soll man darüber sprechen^ Ihr Herr Grosi- ?u^verli°ehpnb'^ E'genturnlichkeit, sich in fast jedes Modell, das er malte, h/tr m»ren Jcr er könne sonst gar nicht malen. Sie wissen ja

ke.?denn er lüm!- Sn°'wt"- 6a\ü6ri9e können Sie sich schon dem reu, denn.er liebte den Wein, er liebte den Tanz, und er lieble den ftroh- ln"' &e b wrtrtente er eine Zeitlang, soviel er wollte. Ader bleiben von bin^nrn6ltlC " b^^6b^L^'1 Ewigkeit der Malerei bleiben wer­den seine großen preußischen Bilder, die Schlachtenbilder und die Reai- kommt'' hilf! roi6sbiee2),:l'tärrnufif DOm Tempelhofer Feld zurück- ko mnii, diese Farben, die Kraft, man hört ja förmlich die Trompeten öatw £ n wir doch alles andere, Frau Christine! Als Ihr Groß- p Sie müssen so ein zwölfjähriges Kind gewesen fein, in den

( 5 präsentierten ste alle oben das Gewehr, die preußische Mn-n l"'kken sich - oh, es muß ein herrlicher Tag da oben im Blauen gewesen sein, als Ihr lieber Großvater einzog!" Christine schwieg. Sie sah das Selbstbildnis des Großvaters vor sich ^.der Hamburger großen Galerie hing, sie sah die grauen, frn.mh* h ben 2tu0en- die mächtige Stirn und hen großen, herrischen Mund. Ja, es muhte wohl nicht leicht gewesen sein, der Sohn dieses Mannes zu sein! Wahrscheinlich ebenso schwer wie seine Frau! Der Baier hatte ja nicht mehr davon gesprochen ..

Ich muß mir Mühe geben, bei Milotti zu bleiben. Cs ist etwas Tolles m uns, da hoben die anderen schon recht. Mein Kind soll es anders haben roir alke-ol- der Vater und ich. Es soll glücklich werden, glücklich UNS mannha)! 7

Aus ihren Gedanken heraus sah sie Rottenbach dann aufmerksam an- rate sie es gewohnt war, nahm sie jede Falte seines Gesichts in sich auf, , , Zermürbten Anzugstoff, die Schuhe, denen man ansah, daß sie viel Zu lange getragen wurden. Ihr brauchte der Professor nichts zu sauen' Wo wohnen Sie, Professor?" fragte sie.

Ich habe mir eben ein Zimmer in Potsdam angesehen, deshalb war ich dort. Aber es ist auch recht teuer. Es waren alte Bekannte ein 'Seirr<H' a6er wel haben sie auch nicht, um abzugeben."

Christine beugte sich vor:Professor, reden wir nicht lange, wenn ich lemandem etwas zu danken habe, so Ihnen! Wir haben eine Villa, ^tige Villa im richtigen Garten. Da ist eine sehr hübsche Kammer, die ieyt frei, sie ist sogar möbliert mit alten Möbeln, von denen wir ja genug haben. Ziehen Sie dort ein und seien Sie bei uns!"

ürau Christine", begann Rottenbach,das ist sehr nett, aber ..." Christine unterbrach ihn, streckte ihm die Hand hin und sagte:Am ist es. Sie kommen noch heute abend! Es wäre unsinnig, wenn sie absagen, denn wir haben auch kein Geld. Deshalb müssen Sie kom- fen. Ich verkaufe heute die Palette meines Großvaters ..."

,, Sie zögerte einen Augenblick, ob sie weitersprechen sollte. Sie sah !le Sorgen im Gesicht dieses Mannes, der schon einmal geglaubt hatte, 5n .M&enstampf gut überstanden zu haben. Was sollte sie ihn mit Ge- I ; QP, 'Ifen belasten! Ich werde auch mit Milotti nicht mehr sprechen, nchte sie. Schön, es ist unrecht, vielleicht, ich empfinde es nicht so, und ck werden nach meinem Empfinden handeln. Man muß mit sich selbst i-rtig werden. Milotti kann einem im Grunde nicht helfen.

Wahrend schon die Häuser der nahen westlichen Vororte vorbekzogen, ar es Christine, als stände draußen in dem Sonnengeflimmer, das er den häßlichen Dächern lag, Milotti, so, wie sie ihn damals gesehen nram Neuen See im Tiergarten, in einer losen Jacke, ohne Hut, « Augen unbekümmert und lustig.

.r ist schuld, ich bin schuld, nun hat er Frau und Kind, nun wird . sticht damit fertig. Sie grüßte mit der Hand zum Fenster hinaus " eine unbestimmte Ferne. Ach, Milotti ..

Grüßen Sie Ihr Schicksal?" fragte Rottenbach.Oder gehören Sie netien Sekte an, die der Abendsonne zuwinken muß?"

n' 'ch winke keiner Abendsonne zu. Es ist vielleicht ganz gut iit Professor, ich grüße ein Schicksal, so sagten Sie ja wohi. Oh *PeiB: Als ich mich verlobte, haben Sie schöne Verse zitiert vom -erden unb Werden ... Ich werde wohl danach (eben müssen."

Christine las dann die Verse und sagte:Schüttewald, nicht solche Dinge von .Herzen. Ich bin sehr nett zu Ihnen, Schllttewald ich bin zu . niemandem anders, nehmt euch zusammen, ich tue es auch."

war die Erika Helmann, die hatte das Malen aufgegeben und mar Verkäuferin einer kleinen Kunsthandlung, mit einem Gehalt, das ste auf Abzahlung erhielt.

Da blieb vor allein der Professor Rottenbach, der malte wie ein Serbiffener an einem Riesengemälde, das die Wand einer zukünftigen deutschen Ruhmeshalle schmücken sollte,Die Armee ziehf heim". Das Grausen und die Glorie des Krieges gingen von den marschierenden Soldaten aus. Ihre Gesichter leuchteten in Größe und In Verlassenheit. Est war das heimmarschierende Heer. Aber kein Minister, kein Ge­heimrat sah sich das große Bild an, das die eine Hälfte des Ateliers in Kohlhasenbrück fast vollständig einnahm.