hauptsächlich ihres jungen Freundes wegen. Aber wo mochte die sein? I Nun die Elesonten würden ihr wenigstens kein Leid antun.
Die sind inzwischen wieder au» dem Wasser gekommen und schicken aus ihren Rüsseln ganze Sprühregen von Staub und Sand über ihre Rücken. Auch die Pallah kriegt ein paar Spritzer ab als sie herankomml, sie hat dabei aber ein unbehagliches Gefühl von Unsauberkeit, das Cnt- I zücken der Elefanten kann sie mit dem besten Willen nicht verstehen.
Jetzt machen sie sich langsam wieder an den Aufbruch. Eine Herde Kuhantilopen und ein paar Gazellen müssen vor ihnen weichen, als sie sich wieder auf die Fährte schieben, auf der sie hergekommen find. Kaum aber lieqt die freie Steppe wieder vor ihnen, als es die kleine Pallah in ihrer Mitte auch wieder mit der Angst bekommt. Der Gedanke, unter diesen riesigen Tieren wieder den weiten Weg durch die Steppe, über die breite Fährte mit dem himmelhohen Gras machen zu muffen, tft tijr unerträglich, mag sie auch noch so gut bei ihnen aufgehoben Jem. Dt), diese Sehnsucht nach den Ihren! Oder wenn sie doch nur eine Gazellenherde getroffen hätte — die wären ihr wenigstens naher verwandt! Selbst um den Preis, neuen Gefahren zu begegnen, mochte sie wieder laufen und springen können, wieder mit andern Tieren zusammen grasen, I behütet von ihren Wachen, möchte mit dem Gefühl sich schlafen legem I unter Freunden zu sein! Feinde sind es ja nicht, diese mächtigen Elefanten; aber sie schenken ihr auch nicht die geringste Beachtung. Hatten doch ogar die Paviane sich ihrer angenommen und darüber gewacht, daß sie nicht in Gefahr geriet. Aber den Elefanten fallt es Nicht ein, sich darum zu kümmern; sie sind nicht viel mehr als em wandelndes Bollwerk, hinter dem man sich verstecken kann. Ja, sie will fort! Und kann sie ihre eigene Herde auch nicht wiederfinden, dann wird sie sich em er Herde Kuhantilopen oder noch lieber an Gazellen anschlietzen. Da wird sie sich doch etwas heimischer fühlen!
So strebt sie denn seitwärts aus der Herde heraus, schlüpft durch den engen Spalt zwischen einer Elefantenmutter und ihrem Kleinen, trippelt unter dem hochgeschwungenen Rüssel eines alten Bullen hindurch, der gerade nach Blättern in eine Baumkrone hinauflangt, und stoßt bald aus die Nachhut einer Gazellenherde.
Wie sie nun so unter denen steht, wird's ihr so wohl — so wohl, wie in der ganzen Zeit noch nicht, seit sie die Ihren verloren hat.
Krokodileier.
Der Fluß sinkt. — Zwölf Krokodileier. — Der Waran. Gefühllose Eltern. — Die Babys.
Mit Vorrücken der heißen Jahreszeit ging der Wasserstand des Flusses mehr und mehr zurück, die bloßgelegten Uferränder wurden immer breiter und auch das Waffer des großen Beckens schwand nach und nach in einem Maße, daß die Sandbank immer mehr zutage trat. Während die Tiere sonst nur ein paar Meter vom Gebüsch entfernt hatten stehen und trinken können, mußten sie jetzt eine doppelt so lange Strecke überqueren und hegleN daher um so bänglichere Gefühle; denn was konnte da alles hinter ihrem Rücken auf sie lauern!
Aber verschaffte dies dem Riesenkrokodil auch einen entschiedenen Vorteil, insofern es seine Beule viel leichter packen konnte, ehe sie sich aus sicheres Gebiet gerettet hatte, so hatte es doch anderseits größere Schwierigkeiten, sich im Kanal hinter der Sandbank verborgen zu halten, denn auch dort war das Wasser seicht geworden. So oft der Riese jetzt hineinschwamm, immer spürte er schon den abschüssigen Sandboden unter sich, noch ehe er die zum Angriff günstige strategische Stellung eingenommen hatte. Dann zog er sich zurück, versuchte auf der andern Seite des Kanals näher heranzukommen oder schwamm auch wieder außen herum, um sein Glück an der Vorderseite der Sandbank zu versuchen.
Neuerdings fiel ihm auf, daß alle Tiere, die zum Trinken herkamen, größere Scheu als sonst verrieten. Was mochte der Grund sein? Ach, was ging's ihn an! Beute wollte er machen — Beute! Und wenn ihm das eine Tier durch die Lappen ging, ehe er noch nah genug herangekommen war, nun — dann wartete er eben einfach auf das nächste oder er schwamm zu einer andern Stelle der Sandbank und schaute, ob dort nicht mehr zu holen war.
Inzwischen hatte das Krokodilweibchen, das der Riese sich vor Monaten zur Gattin erkiest hatte, zwölf Eier gelegt — jedes davon ein bißchen größer als ein Hühnerei — und sie in dem Sand vergraben, der den Userrand auf der einen Seite ihrer Bucht bedeckte. Mit dem Geschäft des Ausbrütens brauchte sie sich nicht zu befassen; das würde schon die Sonne besorgen. Sie selber konnte ruhig mit ihrem Herrn und Gebieter auf Jagd gehen, sich in seiner Gesellschaft schwimmend im Flußbecken verlustieren und faul im seichten Wasser ihrer Bucht oder neben ihren Eiern auf der sandig-schlammigen Uferböschung liegen. .
Eines Tages aber, als das Paar gerade bei der Sandbank auf Beute lauert, kriecht ein Waran mit breitem Rücken und langem dünnen Hals und Kopf langfam, aber sicher den schrägen Stamm eines Baumes herab auf die Stelle zu, wo die Eier im Sand vergraben liegen. Den Leib flach gegen die Baumrinde gedrückt, arbeitet er sich mit feinen Krallen bedächtig vorwärts. Er zieht einen langen Schwanz hinter sich her, den er manchmal herumschleudert und der in seiner Art etwas an einen Krokodilschwanz erinnert. Ganz langsam kommt er näher, immer näher — jetzt hat er die Stelle im Sand erreicht und fängt mit feinen Vorderkrallen an zu buddeln, und bald ist ein Ci bloßgelegt. Ins Maul damit und gleich heim mit der Beute! Minutenlcktzg bleibt er verschwunden — aber jetzt taucht er wieder auf. Ei Numero zwei wird ausgegraben und in derselben Weise verschleppt, mit aller Sorgfalt, daß die Zähne nur ja die Schale nicht versehren, ehe alles zum Mahle bereitet ist.
Auf diese Art und Weise werden vier Eier entwendet. Jetzt erscheint der Waran ein fünftes Mal und klettert bereits den Stamm herab, als
er plötzlich den Kopf hebt, ein langes Zischen ausstotzt, wendet und zuruck, kriecht" denn soeben bahnt sich der Riese, gefolgt von seiner Gemahlin, seinen Weg durch das Gitter von hängendem Grün, das den Eingang 3UrDer1jtütf3ug des Warans, der seinem Merger über die Störung durch- vernehmliches Zischen Luft gemacht hat, erfolgt nicht mit ungebührlicher Eile- das hat die Echse gar nicht nötig. Die Krokodile, die sich inzwischen ans Ufer heraufgearbeitet haben, erblicken den ousgefcharrien Sand, wo ihre Eier vergraben gewesen sind, und ohne Zeichen von Ausregung oder Kummer kehren sie ins seichte Wasser ihrer Bucht zurück, wo sie sich friedlich niederlegen, um sich von der Glut der Sonne schmoren zu lassen.
Eine Woche später suchte der Waran die Bucht abermals heim und konnte sich weitere fünf Eier aneignen, ohne bei der Arbeit gestört zu werden Danach aber war er anderweitig beschäftigt: er hatte nämlich selbst Eier zu legen, die er — ganz nach dem Muster der Krokodile — im Sande vergrub. Endlich kam der Tag, an dem die noch von dem Dutzend übrig gebliebenen drei Krokodilseier ausgebrutet waren unö Srct kleine Geschöpfe, die in ihrer unglaublichen Winzigkeit das genaue Ebenbild ihrer Eltern waren, das Licht der Welt erblickten.
Acht Tage nach ihrer Ankunft auf dieser Erden waren die Krokodil, babys noch keine zwanzig Zentimeter lang; aber sie wuchsen schnell, krabbelten am Rand des Ufers herum, tummelten sich in der Bucht, fingen winzige Fischchen und spielten oder balgten sich zuweilen auf der Schlammbank. Ihre Eltern kümmerten sich wenig oder gar nicht um sie, ließen sie selber für ihr Futter sorgen und, als sie großer wurden aus eigene Faust in der Bucht und ihrer Umgebung Beutezüge aussuhren. Aber um einmal ins große Flußbecken auf Fischjagd mitgenommen zu werden, mußten sie erst noch viele Monate älter und noch mehr ihren Eltern nachgefchlagen sein als jetzt.
Ob der Riese wohl die Gabe hatte, schon so weit in die Zukunst vorauszublicken? Dann mußte ihn das Nahen der Regenzeit sorgenvoll stimmen: der Wasferstand in Fluß und Flußbecken wurde zwar wieder steigen, aber gleichzeitig füllten sich dann auch wieder die vielen lumfel in der Steppe mit frischem Wasser und würden - leichter erreichbar und ungefährdeter wie sie waren — viele Tiere vom Erscheinen am Fluß abhalten. Doch nachher winkte wieder die trockene Zeit wo die Tiere zu Haus auf 'die Sandbank kamen, und dann gab cs wieder gute Zeiten ^^Aber^s°Eah, daß der Riese diese Zeiten nicht mehr erleben sollte.
Pavianrivalen.
Ein alter König. — Angriff auf d i e Führerfchaft. Heißer Kampf. — Niederlage der Rebellen.
Paviane am Fluß.
Im Verlauf mehrerer Wochen war für die Paviane das Leben auf ihrem Felshügel immer gefährlicher geworden. Tag für Tag unii ’Jladjt für Nacht erlitten sie Verluste durch die regelmäßigen Angriffe der Leoparden, die jetzt leichteres Spiel hatten, da der alte Leitpavlan fein Wächteramt immer sorgloser und fahrlässiger versah.
Schon seit Jahren stand er nun an ihrer Spitze, schlichtete ihre Meinungsverschiedenheiten und Streitigkeiten und schützte sie vor Gefahr. Im Anfang war er fehr rührig gewesen; hurtig jagte er die Bäume hinaus, um nach allen Windrichtungen hin das Gelände zwischen den Büschen nach Fetzen gelben Fells abzusuchen, ebenso hurtig schwang er sich wieder von feiner Beobachtungsstelle auf dem Gipfel des pelle” herunter, um einzufchreiten, wenn die Jungen sich wieder einmal in die Haare geraten waren. Neuerdings aber hatte (eine Tatkraft nachge* lassen Ost suß er halb eingenickt mit zwischen den Knien herabhangen, den Händen, und nur wenn das Gezänk gar zu laut wurde, kam Leben in ihn. Manchmal trübten sich, wenn er Wache hielt, feine alten Augen, und daher kam es, daß er dann wohl eine Sekunde, eine verhängnisvolle Sekunde zu spät die Gefahr erkannte; und dann hatte der Schrei eines halbwüchsigen Pavians, dem die Krallen des Leoparden im Fell aßen, das Affenvolk schon in Schrecken gestürzt, ehe der Alte noch feinen Warnruf ausstoßen konnte.
Eines Nachts fuchte der Leopard wieder den Hügel heim, schleppte einen jungen Pavian in den Zähnen davon und erschien dann abermals, um sich noch ein zweites Opfer zu holen; und das gelang ihm auch, ohne daß vorher auch nur bas leiseste Warnzeichen ertönt wäre Da kehrte sich die Volkswut nicht so sehr gegen den Räuber als gegen den eigenen Anführer. Den ganzen Rest der Nacht hindurch schrie und keifte die Menge, während der Alte abgesondert auf einer Felsnase hockte, als einziges stummes Wesen auf dem ganzen Hügel. Er wußte, daß »t« Empörung oller gegen ihn gerichtet war, aber er war immer noch tyr Haupt und Führer; wie ein König war er, der von der Hohe feines Thrones auf den aufrührerischen Pöbel hinabblickt. An Abdanken oder gar Flucht dachte er nicht. Später, wenn sie sich etwas beruhigt Hoven sollten, dann wollte er hinabklettern und ein paar von den Jüngeren züchtigen; di« sollten es spüren, daß er immer noch der Herr war, mächtig und stark, und daß es an ihnen war, sich seinem Willen unterzuordnen.
Aber plötzlich, stüh am Morgen, kommt ein andrer Pavian, jung, beinah voll ausgewachsen, außerordentlich kräftig, auf den Gipfel ge- flettert und bleibt mit zurückgezogenen Lippen und gefletfchten Zahnen in kaum einem Meter Entfernung vor dem Alten stehen.
Der weiß, was das zu bedeuten hat: das ist der Angriff auf stine Führerschaft! Er erhebt sich, bleckt die Zähne, kommt aus allen Vieren in leichtem Wiegeschritt nach vorn. Hier gilt kein Zaudern; er weitz, daß er seine Stellung nur seiner Körperhaft verdankt und daß &ev jenige, der ihn zum Kampf herausfordert und ihn besiegt, sofort fein Nachsolger werden wird.
1 (Fortsetzung folgt.)


