Ausgabe 
22.10.1937
 
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Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

Jahrgang 1957

Hreitag, den 22. Oktober

Nummer 82

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Und was?" fragte Charles.

Und Ihre Pläne, die Notlvendigkeit für Sie, eine Summe ..

Liebe Cousine ..."

Scht! Scht! nicht so laut, wir Ivollen niemand aufwecken. Hier", sagte sie und öffnete ihre Börse,die Ersparnisse eines armen Mädchens, das nichts braucht. Charles, nehmen Sie sie an. Heut morgen wußte ich noch nicht, was Geld ist. Sie haben es mich gelehrt, es ist nichts als ein Mittel, das ist alles. Ein Vetter ist fast ein Bruder, Sie dürfen wohl von der Börse Ihrer Schwester borgen."

Eugenie, die ebenso Frau war wie junges Mädchen, hatte Weigerungen nicht vorhergesehen; aber ihr Vetter blieb stumm.

Ach Gott, Sie weisen es zurück?" fragte Eugenie, deren Herz hörbar klopfte mitten in diesem tiefen Schweigen.

Das Zögern ihres Vettern demütigte sie; aber die Notlage, in der er sich befand, kam ihr noch lebhafter zum Bewußtsein, und sie fiel aus die Knie.

Ich werde nicht eher wieder aufstehen, als bis Sie dies Gold genommen haben", sagte sie.Lieber Vetter, um Gottes willen, eine Antwort! womit ich weiß, ob Sie mich so achten, ob Sie hochherzig sind, ob ..."

Als er diesen Aufschrei einer edlen Verzweiflung vernahm, ließ Charles Tränen auf die Hände seiner Cousine fallen und umfaßte sie, um sie am Knien zu verhindern. Als sie diese heißen Tränen fühlte, sprang Eugenie nach ihrer Börse und schüttete sie ihm auf den Tisch aus.

Und nun, ja, nicht wahr?" sagte sie, weinend vor Freude.Seien Sie unbesorgt, Vetter, Sie werden reich werden. Dies Gold wird Ihnen Glück bringen; eines Tages werden Sie es mir zurückgeben; übrigens tun wir uns zusammen; mit einem Wort, ich will auf alle Bedingungen eingehen, die Sie mir auferlegen. Jedoch dürfen Sie dieser Gabe nicht zu viel Wert beimessen."

Charles konnte endlich seinen Gefühlen, Ausdruck geben.

Ja, Eugenie, ich müßte eine sehr kleine Seele sein, wenn ich es nicht annehmeu würde. Jedoch Gleiches für Gleiches, Vertrauen gegen Ver­trauen !"

Was meinen Sie?" sagte sie erschreckt.

Hören Sie, liebe Cousine, ich habe da ..."

Er unterbrach sich, um ihr einen viereckigen Kasten auf seiner Kommode zu zeigen, der in einer Lederhülle steckte.

Ich habe da, sehen Sie, einen Gegenstand, der mir so kostbar ist wie mein Leben. Dieser Kasten ist ein Geschenk meiner Mutter. Seit heute morgen dachte ich, daß sie, wenn !ie aus dem Grab heraufsteigen könnte, selbst das 'Gold verkaufen würde, das ihre Liebe an diesem Necessaire verschwenderisch anbringen ließ; aber wenn ich es täte, würde mir diese Handlung wie eine Entweihung vorkoinmen."

Eugenie drückte krampfhaft die Hand ihres Vetters bei diesen letzten Worten.

Nein", sagte er nach einer kurzen Pause, während der alle beide sich mit einem feuchten Blick ansahen,nein, ich will es weder zu Schaden noch in Gefahr bringen auf meinen Reisen. Liebe Eugenie, Sie sollen es ausheben. Niemals hat ein Freund eine heiligere Sache einem Freund anvertraut. Urteilen Sie selbst darüber."

Er nahm den Kasten, zog ihn aus seinem Lederbezug, öffnete ihn und zeigte traurig seiner staunenden Cousine ein Necessaire, bei dem die Arbeit dem Gold einen weit höheren Wert gab, als es seinem Gewicht nach hatte.

Was Sie bewundern, ist nichts", sagte er und drückte auf eine Feder, die einen doppelten Boden aufspringen ließ.Das ist es, was für mich die ganze Welt aufwiegt."

Er nahm zwei Porträts heraus, zwei Meisterloerke von Frau von Mirbel, in reichem Perlenrahmen.

Oh, die schöne Frau! Ist das nicht die Dame, der Sie geschrie ...

Nein", sagte er lächelnd.Diese Frau ist meine Mntter, und das bier ist mein Vater, die Ihre Tante und Ihr Onkel sind. Eugenie, ich möchte Sie auf den Knien anslehen, mir diesen Schatz zu hüten. Wenn ich um­kommen sollte un: Ihr kleines Vermögen verlieren, wird Sie dies Gold schadlos halten; und Ihnen allein kann ich diese beiden Bilder überlassen. Sie sind würdig, sie aufzuocwahren. Aber vernichten Sie sie, damit nach Ihnen sie nicht in andre Hände fallen."

Eugenie schwieg.

Nun ja, nicht wahr?" setzte er mit Anmut hinzu.

Als sie die Worte hörte, die ihr Vetter soeben gesagt hatte, warf sie ihm den ersten Blick der liebenden Frau zu, einen der Blicke, in denen fast ebensoviel Koketterie lvie Tiefe liegt; er ergriff ihre Hand und küßte sie.

Engel von Reinheit! zwischen uns, nicht wahr, sökl das Geld nie etwas bedeuten. Das Gefühl, das erst etwas daraus macht, soll von jetzt ab alles sein."

Sie ähneln Ihrer Mutter. Hatte sie auch eine so sanfte Stimme wie Sie?"

Oh, eine viel sanftere ..."

Ja, für Sie", sagte sie und schlug die Augen nieder.Jetzt, Charles, legen Sie sich schlafen, ich will es, Sie sind müde. Auf Morgen."

Sie befreite sanft ihre Hand aus denen ihres Vetters, der sie zurück-

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ugmre VJraniM ROMAN

von Honore de Balzac

11. Fortsetzung.

Dort zog sie, nicht ohne ein lebhaftes Gefühl der Freude, die Schublade eines alten Eichenmöbels auf, eines der schönsten Werke der sogenannten «enaissancezeit, auf dem noch, halb verwischt, der berühmte königliche Salamander zusehen war. Sie nahm ci te große Börse aus rotem Samt mit goldenen^luasten heraus, die mit stumpf gewordenen Goldfäden »estickt war, und aus dem Nachlaß ihrer Großmutter stammte. Und fie wog fehr stolz diese Börse in der Hand und freute sich, den vergessenen Betrag ihrer kleinen Barschaft festzustellen. Sie sonderte zuerst vierund- i wanzig noch neue Portugiesen heraus, unter der Regierung von Johann V. f 1725 geschlagen, die einen wirklichen Wechselwert von fünf Lissabonnern i'Utten, oder jede Münze von hundertachtundsechzig Frauken vierundsechzig Centimes, wie ihr Vater ihr sagte, aber deren Konventionswert hundert- l chzig Frauken betrug, in Anbetracht der Seltenheit und Schönheit besagter | Stücke, die wie Sonnen glänzten. Ferner fünf Genueser oder Stücke von i unbert Frauken von Genua, eine andre seltene Münze, die beim Wechseln nnen Wert von siebenundachtzig Franken hakte, aber von hundert Franken i iir Liebhaber von Goldmünzen. Sie hatte sie von dem alten Herrn de la | gertelliere bekommen. Ferner drei spanische Gold-Quadrupel von Philipp V., i ?729^geschlagen, Gaben von Frau Geukillek, die, wenn sie sie ihr schenkte, immer denselben Satz zu ihr sagte:Dieser liebe Kanarienvogel hier, dieser tone Gelbling, ist neunzig Franken wert. Hebe ihn gut auf, meine Kleine, « wird die Krone deines Schatzes sein." Ferner, was ihr Vater am meisten I 'Hatzte (das Gold dieser Stücke hatte dreiundzwanzig Karat und einen i Bruchteil), hundert holländische Dukaten, im Jahr 1756 geprägt, die jeder inst dreizehn Franken wert waren. Ferner eine große Seltenheit, eine Art Medaillen, Kostbarkeiten für die Geizhälse, nämlich drei Rupien mit dem I Z.eichen der Waage und fünf Rupien mit dem Zeichen der Jungfrau, alles "ines vierundzwanzigkarätiges Gold, das herrliche Geld des Groß-Moguls, ion dem jede Münze siebenunddreißig Franken vierzig Centimes dem I Gewicht nach werk war, aber mindestens fünfzig Franken für die Kenner, Ke gerne Goldstücke in der Hand fühlen. Ferner den Napoleon von vierzig 1 ranken, den sie am vorgestrigen Abend bekommen und achtlos in die rote Börse geworfen hatte.

Dieser Schatz bestand aus neuen, jungfräulichen Stücken, wirklichen unftgegenftänben, nach denen sich der Vater manchmal erkundigte und :üe er wieder ansehen Ivollte, um seiner Tochter die wesentlichen Vorzüge | Imran im einzelnen zu erklären,' wie die Schönheit des Münzrandes, den st Schimmer der Fläche, die reiche Ausschmückung der Buchstaben, deren IJiatfe Kanten noch nicht zerritzt waren. Aber sie dachte nicht an diese I Seltenheitswerte, nicht an das Steckenpferd ihres Vaters, noch an die U kefahr, die sie lief, wenn sie sich von einem Schatz entblößte, der ihrem l| '»ter teuer war; nein, fie dachte nur an ihren Vetter, und kam schließlich, | wch einigen Rechenfehlern, zu dem Resultat, daß sie ungefähr fünftausend- I achthundert Franken dem nominellen Wert nach besaß, die aber nach dem II iwnventionswert sich für nahezu zweitausend Taler verkaufen ließen, i beim Anblick ihrer Reichtümer klatschte sie vor Begeisterung in die Hände | i»e ein Kind, das seinem Uebermaß von Freude in naiven Körperbcwe- S fangen Luft machen muß. So hatten Vater wie Tochter ihr Vermögen | kchählt: Grandek, um fein Gold zu verkaufen, Eugenie, um ihres m ein || --ßet von Liebe zu werfen. Sie legte die Stücke in die alte Börse zurück, sie und ging ohne zu zögern nach oben. Die heimliche Not ihres Otters ließ sie die Nacht und die Schicklichkeit vergessen und fte war stark ö ihr Gewissen, durch ihre Opferfreudigkeit und ihr Glück. Iw Augen- I M, als fie auf der Türschwelle erschien, in der einen Hand das Licht, m ß andern ihre Börse, erwachte Charles, sah seine Cousine und blieb sprach- t vor Ueberraschung. Eugenie kam heran, setzte den Leuchter auf den ff Ich und sagte mit bewegter Stimme:

Lieber Vetter, ich muß Sie um Verzeihung bitten für ein großes I knrecht, das ich gegen Sie begangen habe; aber Gott wird mir die isunbe I rrrgeben, wenn Sie sie vergessen wollen."

Was ist's denn?" sagte Charles und rieb sich die Augen.

»Ich habe diese beiden Briefe gelesen."

Charles wurde röt.

, »Wie das zugeaanaen ist?" fuhr fie fort.Warum ich heraufgekommen : Wahrhaftig? jetzt weiß ich es selbst nicht mehr. Aber iühle mich versuch^

I allzusehr zu bereuen, daß ich diese Briefe gelesen habe, weil sie mich

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