Frauen in der
terer und sauberer Tätigkeit.
jungen Kinder- selber noch zu
eine, die konnte der Amtsrichter
Von Borries Frei Herrn von Münchhausen.
Dies wird eine ganz belanglose Geschichte, und wenn ihr euch aus bedeutende Menschen oder große Geschehnisse spitzt, so rate ich euch von vornherein: Lest sie nicht, es lohnt nicht! Sie handelt von einem k.einen Jungen und einer alten Frau, und ich verrate — um der Sache selbst diese bescheidene Zuspitzung gleich eingangs abzubrechen- —, daß die alt.e Frau zum Schlüsse stirbt und begraben wird. Ihr seht: Da ist mch.s irgendwie Bemerkenswertes dabei. — .
Es war einmal ein kleiner Junge, ein ganz kleiner Junge. Sem Vater sagte er wäre schon acht Wochen alt und man mußte sehen, wie man ihn allmählich abhärte. Aber seine Mutter meint«, er wäre erst zwei Monate: denn sie konnte ihn gar nicht klein und hilfsbedürftig genug haben, chr schien, daß er so noch fast in ihrem warmen Inneren unterm Herzen lebte und sie ihn ganz allein für sich befaße
Aber sie hatte noch ältere Kinder und außerdem m Haus und Garten, in Hof und Feldern ziemlich viel zu tun. So muhte der Junge also eine Kinderfrau haben, so eine alte Muhme, wie diese h»r
Familie hießen. Denn man hielt da nicht viel von den mädchen in seidenen Fähnchen. Man glaubte, daß sie kindisch wären, um Kinder zu leiten.
So suchte also die Mutter eine Kinderfrau. Da war über einige Jahre keine Zeugnisse beibringen, und wenn in Frohburg nicht zufällig hätte Auskunft geben können, fo hatte man dreist glauben können, sie hätte, wie der Jüngling aus Elvershoh, sieben Jahre bei den Unterirdischen gelebt. Es war aber da, wo sie war, nicht so sauber zugegangen, wie ich es mir dort denke — Und eine andere war eine Witfrau, die acht eigene kleine Kinder begraben hatte — da» war eigentlich auch keine Empfehlung für ihre Pflege. — Und eine dritte hatte als Kohlenträgerin in Leipzig gearbeitet und sehnte sich nach leid)’
dem frei zu sein er sich eingebildet hatte, sich allmählich in ihm zu regen begann. Jeder neue Tag rief ihm zu: „Die Scholle daheim, die dir die Freiheit gibt, ist doch das Beste." So reichte er.denn seine Demission em. Man sah ihn ungern scheiden, denn er war nicht bloß wohlgelttten an der Stelle, wo er stand, sondern überhaupt beliebt Man gab ihm, als sein Scheiden unmittelbar beoorstand, ein Abschiedsfest, und der ihm besonders wohlwollende Kommandeur des Regiments sprach m seiner Rede von den „schönen, gemeinschaftlich durchlebten Tagen in London und
All die Zeit über waren natürlich auch die von einer Uebersiedlung aufs Land unzertrennlichen kleinen Mühen und Sorgen an das junge Paar herangetreten. Unter diesen Sorgen — Lizzi hatte abgelehnt, weil sie die große Stadt und die „Bildung" mcht missen mochte — war m erster Reihe das Aussindigmachen einer geeigneten Kommeriungfer gewesen. Es traf sich aber so glücklich, daß Portier Hartwigs hübsche Nichte mal wieder außer Stellung war, und so wurde diese denn engagiert. Melusine leitete die Verhandlungen mit ihr. „Ich weiß freilich nicht, Hedwig, ob es Ihnen da draußen gefallen wird. Ich hoff es aber. Und Sie werden jedenfalls zweierlei nicht haben: keinen Hängeboden und keinen .Ankratz', wie die Leute hier fagen. Oder wenigstens nicht mehr davon, als Ihnen schließlich doch vielleicht lieb ist."
„Ach, das ist nicht viel", versicherte Hedwig halb fcham-, halb schalk
21. September wollte das junge Paar in Stechlin einziehen, und alle Vorbereitungen dazu waren getrüffen: Schulze Kluckhuhn trorw melte sämtliche Kriegeroereine zusammen (die Duppelsturmer natürlich am rechten Flügel), während Krippenstapel sich mit Tucheband über ein Beqrüßungsgedicht einigte, das von Rolf Krakes ältester Tochter gesprochen werden sollte. Die Globsower gingen noch einen Schritt netter und bereiteten eine Rede vor, darin der neue junge Herr als einer der Ihrigen begrüßt werden sollte.
Das alles galt dem Einundzwanzigsten. . „
Am Tage vorher aber traf ein Brief Melusinens bei Lorenzen ein, an dessen jtor, n0(f) einmal das eine. Morgen früh zieht
das' junae Paar in das alte Herrenhaus ein, meine Schwester und mein Schwager. Erinnern Sie sich bei der Gelegenheit unsres 'N den Wech- nachtstagen geschlossenen Paktes: es ist nicht notig, daß tue Stechlme weiterleben, aber es lebe
der Stechlin."
Garten im Juni.
Von Hermann Stahl.
Die rötliche Libelle stößt gegen Stachelbeeren, die ihre Süße mehren in satter Sonnenhelle.
Der Wind dreht Flatterbänder aus jungen Erbsenranken, Tomatenbüsche schwanken an schmalem Drahtgeländer.
Rhabarberstöcke spreiten sich stolz in ihrer Hülle, um grüner Beete Fülle zwei Kohlweißlinge gleiten.' Bei leuchtenden Rabatten wölbt sich die Regentonne, von Wolkensahrt und Sonne träumt sie im Abendschatten.
Oie Muhme.
rück So kam man denn überein, die Rückreise langsam, in Etappen über Rom, Mailand und München machen, aber an jedem Orte (denn beide lehnten sich beim) nicht länger als einen Tag verweilen zu wollen. Von Capri nahm Woldemar ein einziges Andenken mit, einen Kranz von Lorbeer und Oliven. „Den hat er sich verdient."
Die letzte Station war Dresden, und von hier aus war es denn auch, daß Woldemar ein paar kurze Zeilen an Lorenzen richtete.
Lieber Lorenzen.
Seit einer halben Stunde sind wir in Dresden, und ich schreibe diele Zeilen angesichts des immer wieder schönen Bildes von der Terrasse aus, das auch auf den Verwöhntesten noch roirtt. Wir wollen morgen in aller Frühe von hier fort, sind um zehn m Berlin und um zwölf m Gransee. Denn ich will zunächst unser altes Stechlin Wiedersehen und einen Kranz am Sarge niederlegen. Bitte, sorgen Sie, daß mich ein Wagen auf der Station erwartet. Wenn ich Sie auch per* änlich träfe, so märe mir das das Erwünschteste. Es plaudert sich unterwegs fo gut. Unb von wem könnt ich mehr unb zugleich Zuverlässigeres erfahren als von Ihnen, ber Sie bie letzten Tage mit durchlebt haben werden. Meine Frau grüßt herzlichst. Wie immer Ihr alter treu und dankbar ergebenster
Woldemar v. St.
Um zwölf Uhr hielt der Zug auf Bahnhof Gransee. Woldemar sah schon vpm Coupe aus den Wagen; aber statt Lorenzen war Krippenstapel da. Das war ihm zunächst nicht angenehm, aber er nahm es bald von der guten Seite. „Krippenstapel ist am Ende noch besser, weil er unbefangener ist und mit manchem weniger zurückhält. Lorenzen, wenn er dies Wort auch belächeln würde, hat einen diplomatischen Zug."
In diesem Augenblick erfolgte die Begrüßung mit dem inzwischen herangetretenen „Bienenvater", und alle drei bestiegen den Wagen, dessen Verdeck zurückgeschlagen war. Krippenstapel entschuldigte Lorenzen, „der wegen einer Trauung behindert sei", und so wäre denn alles in bester Ordnung gewesen, wenn unser trefflicher alter Museumsdirektor nur vor Antritt feiner Fahrt nach Gransee von einer Herausbesferung feines äußeren Menschen Abstand genommen hätte. Das mar ihm aber unzulässig erschienen, und so saß er denn jetzt dem jungen Paare gegenüber, angetan mit einem Schlipsstreifen und einem großen Chemisettevorbau. Der Schlips mar so schmal, daß nicht bloß der zur Befestigung der Vatermörder dienende Hemdkragenrand in halber Höhe sichtbar mürbe, sondern leider auch der aus einem teilartigen Ausschnitt hervorlugende Adamsapfel, der sich nun, roie ein Ding für sich, beständig hin und her bemegte. Die Verlegenheit Armgards, deren Auge sich — natürlich ganz gegen ihren Willen — unausgesetzt auf das Raturfpiel richten mußte, wäre denn auch von Moment zu Moment immer größer geworden, wenn nicht Krippenstapels unbefangene Haltung schließlich über alles wieder hinweggeholfen hätte.
Dazu kam noch, daß feiner Unbefangenheit feine Mitteilsamkeit entsprach. Er erzählte von dem Begräbnis und wer vom Grafschaftsadel alles bagemefen sei. Dann kam Thormeyer an bie Reihe, bann bie Domina unb zuletzt auch „lütt Agnes".
„Des Kinbes müssen wir uns annehmen", sagte Armgard.
„Wenn du daraus dringst, gewiß. Aber es liegt schwieriger damit als du denkst. Solche Kinder, ganz im Gegensatz zur Pädagogenschablone, muß man sich selbst überlassen. Der gefährlichere Weg, wenn überhaupt was Gutes in ihnen steckt, ist jedesmal der bessere. Dann bekehren sie sich aus sich selbst heraus. Wenn aber irgendein Zwang diese Bekehrung schassen will, so wird meist nichts braus. Da werben nur Heuchelei unb Ziererei geboren. Eigner freier Entschluß wiegt hundert Erziehungsmaximen auf."
Armgard stimmte zu. Krip^enstapel aber fuhr in feinem Berichte fort und erzählte von Kluckhuhn, von linde, von Elfriede; Spanholz werde in der nächsten Woche zurückerwartet, und Koseleger und die Prinzessin seien ein Herz und eine Seele, ganz besonders — und das sei das Allerneueste — seit man für ein Rettungshaus sammle. Seitens des Adels werde fleißig dazu beigefteuert; nur Molchow habe sich geweigert: „So was schaffe bloß Konfusion."
Um zwei Uhr traf man in Schloß Stechlin ein. Woldemar durchschritt die verödeten Räume, verweilte kurze Zeit in dem Sterbezimmer und ging dann in die Kirchengruft, um da den Kranz an des Vaters Sarge niederzulegen.
Am späten Nachmittag erschien auch Lorenzen und sprach zunächst sein Bedauern aus, daß er einer Amtshandlung halber (Kossät Zschoike habe sich wieder verheiratet) nicht habe kommen können. Er blieb dann noch den Abend über und erzählte vielerlei, zuletzt auch von dem, was er dem Alten feierlich habe versprechen müssen.
Woldemar lächelte dabei. „Die Zukunft liegt also bei bir." Unter biefen Worten reichte er Armgard die Hand.
46. Kapitel.
Armgard hatte sich von ber im Stechliner Hause herrschenden Welt- abgewandtheit angeheimelt gesühlt. Aber der Gedanke, hier ihre Tag« zu verbringen, lag ihr doch vorderhand noch fern, und so kehrte sie denn kurz nach Ablauf einer Woche nach Berlin zurück, wo mittlerweile Melusine für alles gesorgt und eine ganz in der Nähe von Woldemars Kaserne gelegene Wohnung gemietet und eingerichtet hatte.
Das war am Belle-Allianeeplatz. Als das junge Paar diese Wohnung bezog, ging die Saison bereits auf die Neige. Die Frühjahrsparaben nahmen ihren Anfang unb gleich danach auch bie Wettrennen, an denen Armgard voller Interesse teilnahm. Aber ihre Freude war daran doch geringer, als sie geglaubt hatte. Weder das Großstädtische noch das Militärische, weder Sport noch Kunst behaupteten dauernd den Reiz, den sie anfänglich davon versprochen, unb ehe der Hochsommer heran war, sagte sie: „Laß mich's dir gestehn, Woldemar, ich sehne mich einigermaßen nach Schloß Stechlin."
Er hätte nichts Lieberes hören können. Was Armgard da sagte, war ihm aus ber eignen Seele gesprochen, ßiebensroürbig und bescheiden wie er war, stand ihm längst fest, daß er nicht berufen fei, jemals eine Generalstabsgröße zu werden, während das alte märkische Junkertum, von


