»eranttoortticb; Dr. HanS Tdvrtot. - Druck und Derlag: lLrühl sche UniverNtätS.Duch. und Steindruckerei, R. Lange, Sieben.

Kummer der anderen nicht teilnahm, als die Sudslawen in das Land 1 i einbrachen. Sie hatte ihre paar Blumentöpfe, einen Platz an der Sonne die Hoffnung auf den baldigen Tod: sie lebte kaum noch auf dieser Welt.

fümmerte fie cilfo bie f elt|ame Unruhe Manschen? I

Aber da trat eines Tages eben der Mann, bei dem sie monatlich eben das wenige Geld in Empfang zu nehmen hatte, und der die Gabe nicht jedesmal durch ein freundliches Gesicht, durch ein aufmunterndes Wort vermehrte der eben auch ein kleiner, beladener, leidender Mensch war, n die dumpfe Greisenwohnung ein, und er brachte einen vollen Korb, und das Weiblein sah plötzlich auf dem Tische Dmge ausgebreitet von denen es längst kaum mehr träumte: Schmalz, gebrannten Kaffee, Zichorie, Mehl, Zucker, und der Mann sagte, auch die Armen sollten Sonntag haben, und alles gehöre ihr, der Miadl, jawohl, ihr allein.

Da berührte sie denn in der Furcht, es wäre nur em schöner Traum, die Dinge mit ihren zitternden Händen, unter deren wächserner Haut die dünnen, blauen Adern hinliefen, sie zog den starken Geruch des ge­brannten Kaffees ein, und sie wurde ein wenig schwindlig davon, sie legte ein Stück Zucker auf die Zunge, nahm es zwischen die Fmger, be­trachtete es und schob es wieder in den Mund. Dann weinte sie em wenig.

Es vergingen ein paar Tage in dem Glücke des neuen^Besitzes, da kam ein anderer Mann, einer von den Fremden, die jetzt im Dorfe waren, und auch er brachte Kaffee, Petroleum - die Miadl kicherhroas braucht sie Petroleum, sie hat ja keine Lampe, sie brennt kem Licht, sie geht mit den Hühnern schlafen und er brachte sogar ein Stuck -Blau- druck. Das ist etwas Anderes, ist man auch alt, eine Schurze arw Blau­druck kann man immer haben, und sie wendete den Blaudruck nach beiden Seiten und legte ihn an den Leib.

Wie gut sind auf einmal die Menschen geworden, sie kommen von selber -ur alten Miadl, sie bringen ihr Geschenke, mehr als sie brauchen kann, und sie muh nicht mehr Not leiden. Sie bittet den Menschen alles Bittere ab das sie manchmal gedacht hatte. Wie schön ist das Leben, jetzt wachte sie nicht sterben, nein. Und es kommt bald der eine zu ihr bald der andere manchmal reden sie etwas, was sie nur halb versteht. Was wollen die Leute nur, sie ist zufrieden mit der Zeit, niemals war sie sorgloser und heiterer als jetzt, manche wollen sie sogar leise singen gehört haben, wenn sie in der Sonne sah und die Augen geschlossen hielt.

Die Nachbarn sehen natürlich wohl, wie man auch um diese al e Seele und rührende Einfalt wirbt. Sind diese Hände auch schon wächsern, sie werden doch noch einen Stimmzettel halten. Die Stimme einer vertrock­neten Greisin gilt gleich jener eines jungen, saftigen Leibes. Unb Den Nachbarn bleibt es natürlich nicht verborgen, dah die alte Frau von ueiden Seiten die Gaben nimmt, mit denen man Anhang zu werben hofft, von den Deutschen und von den Südslawen.

Es hätte nun sein können, dah irgendein Wohlmeinender und Gütiger, dem es von Natur aus glückte, andere leicht und schmerzlos zu überzeugen, dazu bestimmt war, der Greisin die halbblinden Augen zu öffnen und ihr den Sinn der plötzlichen Wohltaten zu deuten. Doch das boshafte Schicksal wollte es anders. Es bediente sich einiger Hämischer und Schadensroher, die das Weiblein an einem Sonntagnachmittag in die Zange nahmen.

Ob sie" denn nicht wisse, daß man mit den guten und schonen Dingen ihre Stimme kaufen möchte?

Was für eine Stimme? ,

Am 10. Oktober werde sie doch abstimmen wie alle Kärntner.

Ja, ja, das werde sie.

Dann werde sie es aber nicht leicht haben.

Warum? . , , .

Sie habe doch von den Deutschen genommen und habe von den Slawen genommen.

Ach so, ja. , , ,

Nun dämmert in ihrem alten Kopf der Zwiespalt empor, sie sieht von | einem zum andern, die da auf ihre Kosten am langweiligen Sonntag- nachrnittaq sich eine kleine Unterhaltung schaffen wollen. Sie sitzen rote das leibhaftige Gericht um sie und find zufrieden, wenn dieser jemand auch nur die alte, arme Miadl ist.

Diese aber, von einem feinen Sinn beraten, der solchen Halb ent­schwebten manchmal eigen ist, entwindet sich der Klammer mit einer fast beiläufig hingeworsenen Antwort, die sie zu einem jener kleinen köstlichen Helden machte und sie um viele Jahre Überlebte.

Ich werde", sagte sie einfach, beinahe demütig,für die Slawen beten und für die Deutschen stimmen."

Sprache und Mundart.

Bon R. A. Dietrich.

Ausdrucksmittel von Gedanken und Gefühlen, Verständigungsmittel unter den Menschen wurde die Sprache. Dichtung und Wissenschaft wuchsen aus ihr empor. Wir können sie nicht aus der Geschichte der Menschheit hinwegdenken: die Geschichte der Menschheit entstammt der Sprache wie alle Sagen, Legenden und Völkerdichtungen, die durch die Sprache von Generation zu Generation weitererzählt wurden. Wie die Sprache aus dem Saut, bildete sich die Schrift aus Zeichen, Bildern, die zu einer Hand­lungsfolge aneinandergereiht wurden, wie in den Hieroglyphen Aegyptens, oder zu bestimmten Charakteren wie im Chinesischen, oder zu Buchstaben wie in der abendländischen Kultur. Die Schrift bildete die bedeutendste Etappe in der großen Eroberung der Welt, der Materie durch die Intelli­genz. Aber zugleich mit der Möglichkeit, das Wort zu bannen, die alten Sagen und Weltgeschichten festzulegen, wurde auch die Sprache selbst fefb gelegt: es bildeten fich Uebereintünfte, erst der bestimmteren Begriffs­formung, bann einer Rechtschreibung, die der Sprache an Beweglichkeit und Eiaenleben nahmen. Wäbrend noch bei den Naturvölkern oft im Laufe weniger Generationen die Sprache sich verwandelte, kam man foäter Neuerungen und Modulationen immer weniger gern entgegen. Als mit der Bedeutung und Festigkeit die Schrift eine erhöhte Bedeutung

und Festigkeit erhielt, war der Veränderungstrieb der Sprache, ihr For­menleben einigermaßen eingeschränkt. Um so reicher freilich entfalteten sich jetzt Um chreibungen, die verschwenderisch alle Möglichkeiten der Gedanken­bilder auskosteten und zahllose Stilblüten und Stilfrüchte trugen. Dieses war der Ersatz der Schriftsprache für den Verlust, den ihre Ordnung der Natursprache gegenüber mit sich brachte. Die Schriftsprache gewann Macht in der Weitz' vor allem der der Gebildeten. Sie wurde zwar nicht völlig zur Volks-, aber dafür zur Landessprache der Nationen, sie wurde zur Staatssprache.

So entwickelte sie sich von Rom aus über die alten italienischen Sprachen und Dialekte hinweg zur italienischen Sprache, so konnte sie im Norden mit dem obersächsischenHochdeutsch" der Lutherschen Bibelüber­setzung eine so große Sprachgemeinschaft wie das Niederdeutsche ver­drängen. Die Sprache des Volkes an sich blieb freilich neben der Schrift­sprache erhalten und lebt fort in den Mundarten. Diese bilden den immer lebendigen Unterstrom aller großen Schriftsprachen, den Lebensstrom, der auch die strengsten Sprachen vor der Erstarrung bewahrt. Sie zeigen die Ursachen regional verschiedener Modulationen, und sie bilden oft, besonders zwischen den einander verwandten germanischen Schriftsprachen fliehende Uebergänge. was man in Grenzgebieten wie zwischen Ostfrieslanbund der holländischen Provinz Grooningen ober in Nordschleswig ohne Weiteres feststellen kann. Während der Däne den Deutschen und der Deutsche den Dänen in der Schriftsprache nicht leicht versteht, ohne die Sprache des Nachbarngelernt" zu haben, versteht derplatt" sprechende Nordschles- teiger die sudjütländische Mundart ohne Weiteres. Einen Oberbayern aber würde der Schleswiger kaum verstehen, wenn sie sich nicht aus die Schrift­sprache einigten. Doch wandert man vom Norden zum Süden Deutschlands, kann man lückenlos die Wandlung der deutschen Sprache in ihren Volks- munbarten verfolgen. Die Aussprache ändert sich nicht nur, derDialekt und mit ihm der Tonfall, die Klangfarbe, sondern auch die Bilbervorstel- lungen die in den einzelnen Gegenden zu Sprachbegriffen wurden und bann teils auch in bis Schriftsprache eingingen. Denn bie Umwelt bes Nor­dens verlieh auch der Volkssprache ebenso wie dem Gemüt mer andere Eindrücke als etwa die Umwelt bes Südens der Sprache des Süddeutschen. Diese regional unterschiedlichen Eindrücke der Gegenden und Gaue er­halten immer wieder die Lebendigkeit der Schriftsprache. Und wenn in der höchsten Form der Schriftsprache, in der Dichtung, gewissermaßen das Bilderbuch der Sprache aufgeschlagen wirb, so verbichtet sich in allen Wer­ken ber Lyrik unb Prosa boch auch bie Seele unb bas Umwelterlebnis ber Landschaft der der Dichter entstammt. Die Werke der Dichter des Rheins, des Erzgebirges, der Weichsel werden, auch wo es sich nicht um Munbart- bicfitung handelt, doch stets mehr ober weniger mit Ausbruck ber jeweiligen Heimaten sein Stil unb Wesen behalten baburch immer roieber zwischen be.i gebilbeten Gesetzen ber Schriftsprache einen gewissen Spielraum.

Wie bie Landschaft die Sprache formt, tut es auch die Zeit. Die Sprachen Luthers, Goethes, Nietzsches und Rilkes find nicht nur ver­schieden durch die Persönlichkeiten, sondern auch durch die Zeitunterschiede. Die Vergleichsbilder allein sind einem ständigen Wechsel unterworfen. Die Hauptereignisse, die Hauptprobleme, die entstehen, prägen auch in der Schriftsprache immer neue Bezeichnungen und Begriffsbilder, wahrend frühere uergefien werden und aus dem Sprachschatz verschwinden. So ift der Wandlungsprozeß der Schriftsprache nur durch die Materie der Schrift belastet langsamer geworden als in den Sprachen der Natur­völker abhängiger von Festgelegtem als in den Mundarten. Aber so lange eine Sprache gesprochen wird im Gegensatz zu dentoten" Sprachen roirb sie immer allen Formgesetzen trotzenb, alle Rechtschreibungen von Zeit zu Zeit erneuerungsbebürftig machen unb eine gewisse ßebenbigteit behalten: in Dichtung unb Wissenschaft werben immer neue Worte unb Begriffs-Komplexe auftauchen. So gewann bas WortRaffe" erst seit G o b i n e a u bestimmte Prägung unb würbe zu bem heute allgemein­verständlichen Begriff. Das WortWeltanschauung" erhielt erst um die letzte Jahrhundertwende seine heutige Bedeutung. .

Zu b»n merkwürdigsten Erscheinungen ber Schriftsprache, in ben Munb- arten ursprünglich nicht vorhanben, gehören bie Fremdwörter. Man könnte sie als Meteore ber Sprache bezeichnen. Ehebem befonbers aus bem Grie­chischen bann aus bem Lateinischen unb zuletzt aus bem Französischen be­zogen geben sie auch in ber Entwicklung der deutschen Sprache einen Widerschein ber abenblönbischen allgemeinen Kulturenlwicklung. Im 19 Iahrhunbert wurden sie befonbers von ber Technik roieber benutzt unb bei Neubilbungen entstauben sogar einige bizarre griechisch-lateiwsch- deutsche Bastarbe. Das Schicksal ber meisten Frembwörter ift, baß sie halb ihren Sinn verlieren ober daß biefer sich rasch oeranbert. Wahrend auch andere Worte allmählich eine übertragene Bedeutung erhalten können, (bei , Erfahrung" denkt niemand mehr anFahrt"), verlieren Fremd­wörter oft überraschend schnell ihren Sinn. JenesVehikel", das als

Omnibus" bezeichnet,für alle" dienen sollte, wurde mit dem Auskommen bes Automobils zum recht bizarrenAutobus", von bem bie Cnglänber unb Amerikaner nur noch die Enbung übrig ließen, bie sie nun alsbus ^Immerhin?bebeuteten die Fremdwörter für die Wissenschaft unb Tech­nik mit ihren internationalen Voraussetzungen notroenbige Brücken zwischen ben Sprachen unb haben hierin ihre Bebeutung, die nichts mit jenem Trieb zu tun hat, ben gewisse Leute an ben Tag legen, inbem sie durch bie Häufung von Frembroörtern ihre Halbbilbung als Bilbung er­scheinen lassen. Wer natürlich empsinbet, wirb auch bie Grenzen für bie Benutzung von Fremdwörtern beachten unb roeber bogmatifch alle aus- merzen wollen, noch eine Ueber-Schristsprache konstruieren. Zeiten wie die I ber Napoleonischen Kriege, Inseln fremder Sprachen rote bie in der Lau- I sitz, haben natürlich die Sprache mit beeinflußt und Fremdkörper in bar I Deutsche getragen, bie aber größtenteils wieder abgeschliffen und ver­deutscht wurden. Um so mehr kann man die Förderung und Pflege der I Mundarten wünschen, die sich aus sich selbst und der heimatlichen Umweit wandeln und immer wieder als reinigende und erneuernde Quellen auch | auf die Schriftsprache ihren Einfluß haben.