Ausgabe 
2.8.1937
 
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GiehMrZamilienblätter

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Unterhaltungsbeilage zum Eichener Anzeiger

Jahrgang 1957

Montag, den 2. August

Nummer 59

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Sine Stunde später waren wir auf dem Weg. Meine Ausrüstung var in Eile zusammengebracht, Siebold übernahm es, Josepha Nach­richt zu geben.

Aus der Wiese warteten drei Pferde, bewacht von zwei Kerlen, die mubermäszia verwegen und zerlumpt genug aussahen. Bei Tage sah ich «ann, daß sie grüne Tuchlappen auf die Achseln ihrer zerfetzten Jacken «enäht hatten und damit als Miquelets bezeichnet waren, als Leute «us der Truppe der Gebirgsjäger, die bei den Franzosen besonders «esürchtet war.

Wir warten nur noch auf ein Pferd", sagte Fuentes,dieser Sennor dmmt mit uns."

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GOYA

UND DAS LÖWENGESICHT

ROMAN VON KARL HANS STROBL

14. Fortsetzung.

Aber Siebold schüttelte den Kops.Rede keinen Unsinn! Du würdest letzt den Kürzeren ziehen. Früher hast du den Hof hinter dir gehabt und Godoy. Der hat, was immer man ihm nachsagen mag, keine Ueber- gnffe der geistlichen Herren geduldet. Und als die Franzosen da waren, md sie ganz klein gewesen, das war des Uebels gute Seite. Oh, sie ist schon so schlau, die Gelegenheit abzupassen. Jetzt ist die Inquisition wieder obenauf. Nein, Francesco, du mußt dich ihnen entziehen! Du mußt fort!

Er mochte recht haben. Gegen Napoleon hätte ich einen Kampf wagen können, ein ebenbürtiger Gegner, ich hatte Europa hinter mir der Inquisition war ich nicht gewachsen.

Siebold wandte sich an Fuentes:Was ist Ihre Absicht, Gras?"

Bei Calatayud haben sich etwa zweitausend Mann Freiwillige aus Aragonien gesammelt. Ich soll sie nach Zaragossa führen. Palafox braucht dringend Verstärkung."

Nehmen Sie Goya mit!"

Willst du mitkommen, Francesco?" zögerte Miguel.

Er kannte die Blätter, auf denen ich meine Anklage gegen die Greuel des Krieges erhob. Aber er wußte nicht, daß ich längst eingesehen hatte, diese Greuel seien ebenso unvermeidlich, wie irgendein Naturereignis, wie Erdbeben, wie Wirbelstürme, wie Springfluten. Was für eine Dummheit, irgendeinem Mann ober einem Volk die Schuld an einem Krieg beizumessen! Nicht Menschen machten die Kriege, auch darin hatte Siebold recht, es waren bluttrunkene Teufel, glotzäugige, rüsseltragende, säbelzähnige Dämonen, die über die Menschheit herfielen, um sie zum Krieg untereinander zu Hetzen.

Du mußt ja nicht kämpfen", meinte Siebold.Du brauchst nur die Waffen zu ergreifen. Aber du mußt fort von hier. Und einem Mann, "r gegen Frankreich die Waffen trägt, wird auch die Inquisition nichts mhaben können. Jeder Freiheitskämpser hat einen Anspruch auf einen vollkommenen Ablaß aller Sünden. Die Kirche erläßt ihm alle Ver­brechen, Ehebruch, Betrug, Mord auch das deine."

Abgemacht!" sagte ich,ich begleite dich, Miguel!"

SBranb hatte die halbe Stadt vernichtet, des Marschalls eigene Pferde waren fast mitverbrannt, die (Befangenen, die man vorher bet einem Gefecht gemacht hatte, waren in den Flammen umgekommen.

Es sind auch einige von den Franzosen mit in die Luft geflogen, gfjre ebenen Offiziere haben vor den Bestien fliehen müssen", sagte der Mann der uns dies alles erzählte. Er kam hinter der geschwärzten und geborstenen Mauer einer Brandruine hervorgekrochen Um den Kopf trug er ein blutiges Tuch.

Ich hatte gemeint, die Greuel des Krieges durch meine Einbilbungs- ä^t erreichen und erschöpfen zu können, aber ich sah mich von der Wirklichkeit übertroffen, alles was ich zu erdenken vermocht hatte war zahm gegen die grausige Wildheit des Lebens. Und es geschah, daß in mir, obzwar ich klarer als irgendein anderer die naturhafte Unoer- metdltchkett des Krieges erkannte, über die Gestalt, die ihm die Men­schen gaben, em Entsetzen entstand. Aus dem Entsetzen wurde eine dumpfe Wut. Ich vergaß, daß ich die Menschen von der Verant­wortung freigesprochen hatte, und begann Recht und Unrecht zu ver­teilen und meinen Landsleuten jenes allein zuzugestehen.

Niemand war in all den Ortschaften, durch die wir kamen um die Trümmer wegzuräumen und die Toten zu bergen. Einige verlassene kwd'fche Greise hockten in den Schutthaufen, nur ab und zu schlich ein Sauer, der in den Ruinen herumgestöbert hatte, hervor und schloß Mons an, nachdem er einige Worte mit unseren Miquelets gewechselt hatte. Unser kleines Häuflein wuchs an, und wir waren etwa zwanzig Mann stark, als wir das Schloß des Grafen Don Caspar Mercador unweit Calatayud erreichten.

.. Wir staunten nicht wenig, es in einigermaßen gutem Zustand zu fmöen. Einige zersplitterte Türen hingen schief in den Angeln, Fenster waren eingeschlagen, zwei oder drei Zimmer waren ausgebrannt, und eines der Hofgebäude lag ganz in Trümmern. Aber immerhin: diesen Besitz hatte der Krieg nur gestreift.

Im Hof kam uns der Schloßherr entgegen. Hinter ihm standen die Gräfin und feine Tochter, und bas Mädchen trug einen Teller auf dem Brot und Salz lagen. Der Graf sprach mit gemessener Höflichkeit einige Worte der Begrüßung, dann brach er ein Stück des Brotes, tauchte es in Salz und reichte es Fuentes. Miguel drei Bissen, brach bann selbst von bem Brot und gab es in Salz getaucht dem Grasen.

Dann tauschten sie ihre Messer gegeneinanber aus unb küßten einanber schließlich auf beibe Wangen. x

Es ist eine uralte Feindschaft zwischen den Fuentes und den Grafen Mercador", sagte Miguel, als wir in bem Zimmer allein waren bas man uns angewiesen hatte.Einer ber Ahnen bes Grafen, ein wüster Mensch, hat einst in den Straßen. Valencias einen armen Narren einen Blödsinnigen, der nicht rasch genug ausweichen konnte, nieder- gestochen. Und einer meiner Ahnen hat sich des Mannes angenommen Hundertfunfzig Jahre war Haß zwischen seinem Geschlecht unb bem meinen, unb wir haben einanber so viel Uebles angetan, als wir nur konnten. Nun hat bie gemeinsame Not bes Vaterlanbes die alte Feind- schaft ausgelöscht unb uns versöhnt."

Man ließ uns eine Stunbe Zeit, uns vom Reisestaub in einem mofaifgetäfelten Bab aus ber arabischen Zeit zu reinigen. Dann holte uns ein buckliger und hinkender Majordomo zum Speisen. Die waffen­fähigen Diener standen wohl alle irgendwo gegen den Feind

Der Graf selbst war verurteilt, daheim zu bleiben. Er zeigte uns seine verstümmelte rechte Hand, sie war ihm auf der Jagd durch einen Unfall zerschmettert worden.Wie beneide ich Sie, Graf", sagte er daß es den Fuentes vergönnt ist, ihren Namen neuerdings in das Buch der Geschichte unseres Landes einzuschreiben. Wie gern hätte ich neben Ihnen gegen diesen niederträchtigen Feind gekämpft."

Obzwar es auch unter ihm Männer gibt, die man achten muß" fuhr er nach einer Weile nachdenklich fortKeine Franzosen freilich, sondern Deutsche. Es sind Deutsche gewesen, denen wir es verdanken, daß wir so glimpflich davongekommen sind."

Ich war neugierig, mehr darüber zu hören, aber der Graf Mercador lenkte ab, als ob er in Gegenwart seiner Damen ungern davon spräche Erst als uns die Frauen verlassen hatten, und wir allein beim Wein saßen, begann er zu erzählen.

Ja, ich verdanke es Deutschen, wenn ich Ihnen ein Dach über dem Kopf anbieten und wenn ich Ihnen etwas zum Essen und ein Glas Wein vorsetzen kann. Ich verdanke ihnen sogar noch viel mehr."

Ein deutsches Regimen, hatte auf dem Durchmarsch nach Zaragossa in dem Schloß Quartier genommen. Es hielt strenge Manneszucht, und die Offiziere baten von allem Anfang an, ihnen die geringste Verletzung der Gastfreundschaft und jede Unzukömmlichkeit anzuzeigen.

Freilich, Krieg ist Krieg", sagte der Graf,damit muß man sich abfinden, und der Leutnant, der als Platzadjutant für die Aufbringung der Lebensrnittel und des Pferdefutters zu sorgen hatte, mußte seinem Befehl nachkommen unb ein Verzeichnis der Vorräte aufnehmen.

Nach einer kleinen Welle kam Gabriel mit meinem Cid, den er in­zwischen aus dem Stall in der Stadt geholt hatte.

Wir saßen auf und beim Anbruch des Tages hatten wir schon die viadt umritten und ein tüchtiges Stück der Straße nach Gundalajara Mrüifgelegt. Es war nicht nötig, Vorsichtsmaßregeln anzuwenden, die Umgebung Madrids war frei von Franzosen. Sie hatten sich nach den nördlichen Provinzen zurückgezogen, aber der Weg, den sie genommen Wten, war eine breite Bahn der Zerstörung, der Greuel und des Todes.

Die Bäume waren niedergehauen, die Weingärten verwüstet. Es diuert ein Menschenalter, bis ein Delbaum heranwächst, in einigen etunben ist sein Holz vom Lagerfeuer verzehrt. Die Dörfer waren Wummerhaufen, unter verkohlten Balken tagen Menschenleichen, bie ®(er toter Tiere verpesteten bie Luft.

Gundalajara lag zur Hälfte in Schutt. In den Kellern schwammen l(fire zerschlagene Fässer auf dem ausgelaufenen Wein. Zertrümmertes tyiusgerät versperrte die Straßen, tote Hühner und Schweine stanken We Verwesung zum Himmel.

® -Ir Gorregidor der Stadt, ber mit seinem Stab, bem Zeichen ber Mrichtsbarkeit, den Franzosen entgegengetreten war, hatte ein Pariser ®aroift ohne Umstände mit einem Schuh niebergeftrerft. Dann hatten betrunkenen Mordbrenner bie Pulverfässer, bie auf bem Marktplatz rinben, entzünbet. Die Häuser um ben Platz waren eingestürzt, ber

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