GiehenerAmilienblätter

Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

^adraana 1956 Montag, den 2. MSrz tilllnlntr 18

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^uch" in "seinen Urnänem Er war' zu ehrlich, zu geradezu. Aber das -menschliche Beieinander ist ein Kunstwerk, und es kommt gar sehr aus die Form an und die Formen. ,

„Ich verspreche, mich zu bessern", sagte er leise, und ihm schien, als habe Frau v. Blinkburg ein bißchen gelächelt zu diesen Worten. Er räusperte sich grundlos, lediglich erfreut, und hob wieder an:

Sie haben den Pfenningshof ja auch sicher schon einmal von weitem gesehen Er liegt da wie eine kleine Burg. Ich näherte mich heute mor­gen von der Rückseite, da ist der Anblick nicht so imponierend. Eine Art Wall umgibt die Gebäude, aber er ist niedrig. Wege führen darüber hin­weg in die Scheunen und Ställe. Das Herrenhaus ist ein mächtiger, sicher sehr alter Backsteinbau: es leuchtet gelb; der Turm, in der Form eines nicht sehr hohen Obelisken, ist gemauert und weist die rote Ziegelfarbe; er wird neueren Datums sein, wahrscheinlich hat ihn erst der jetzige Be­sitzer des Gutes, Professor Pfenningshof aufsetzen lassen, um ihn als Observatorium zu benutzen, oder um Fallgesetze, und andere Mathematik zu erproben. Archimedes, nicht wahr, kletterte ja auch auf den Türmen und Wällen von Syrakus herum, bis ihn ein Soldat totschlug. Aber verzeihen Sie, das ist eine recht lieblose Art, zu erzählen.

„Sie kommen überhaupt langsam von der Stelle.' .

„Tatsächlich? Wie peinlich. Ich wollte hier gerade etwas vom Kriege einf'ügen aber dann will ich nur kurz erwähnen, daß ich den Feldzug

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wend an. Sie sagen die Wahrheit. Sie haben ochen, nicht wahr? Und als ich vorsichtig den lehr traurig; aber das wird vorübergehen; an ßcht mit achtzehn Jahren.

uk> ■v*yren, Herr Prosessor! orr~,;rtM

(Er knurrte wie ein alter Hund. Seine Lippen verzogen stch. Alwien bewarb sich um Glascha; ich hatte es natürlich bemerkt. Aber ich habe die direkte Anfrage zu verhindern gewußt. Wenn ich Glascha damit wehe tun mußte — ich habe andere Pläne mit meinem Kind.

Alwien war Ihnen unsympathisch?' r , . ,

Nicht gerade. Aber ich wollte ihn nicht als Schwiegersohn. Ich wollte niemanden! Jeder nimmt mir mein Kind! ,

Ich hütete mich, seine Rede stocken zu lassen. Es war la verwunderlich, daß er überhaupt so viel sprach. So wollte ich ihm weiterhelfen: Sie hatten eine Hilfe gehabt hier aus dem großen Gut. Glascha wird eines Tages nicht mehr allein fertig werden können. Sie sehen das nicht, Sie haben ihre Arbeiter. Glascha steht allein.

Sie hat Lilius, den Inspektor. Sie kann einen zweiten Verwalter engagieren; niemand verlangt, daß sie selber diese Rolle spielt. Es ist ihr freier Wunsch und Wille. Glauben Sie, ich wäre em Rabenvater, wie man io laat^ . .

Gewiß nicht. Obgleich es egoistisch gedacht ist, zu sagen, jeder Ncann nimmt mir die Tochter. Der Sinn des Lebens ist, daß aus der Tochter b’e Aft Vie^utunft Ihres Fräulein Tochter nicht in jedem Fall gesichert, Herr Professor! Dieser große Besitz — und ich beschrieb mit der Hand hur oimn-; Märhtiaes andeutete.---

oanesZx einzufallen. Es war, als nehme er sich zusam- pictäNg?" avisier Gesetze der Höflichkeit. Er senkte ferne ßchen und sagte ein paar bedauernde Worte, illwien war noch jung, n: Er war Ihr Freund?

shof energisch den Kopf. Alwien kam in unser kam nicht einmal selten. Aber — und seine t Satz und sagte nichts aus. Der Professor abler Schachspieler.

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uch kein Capablanca.

ein. Alwien kam wohl auch weniger, um mit (Serr Brnfellor.

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ein — oder er hatte mim ourcy eines (einer yernrogre icyon auf oem Felde im Gespräch mit Glascha bemerkt. Er sah aus — nun. Sie ken­nen ihn ja, Frau v. Bkinkburg, ein rundes, rotes Gesicht, bartlos, weiße, auffallend buschige Augenbrauen. Die Augen selbst hinter einer Brille. Ich stellte mich ihm als Reporter vor. Begann ein Loblied, bei der Haubitze anfangend, und bat ihn, mir einiges über leine jetzigen Ar­beiten und Versuche zu sagen. Ich beabsichtigte, eine Artikelserie über seine Mondrakete zu veröffentlichen. .

Ich hatte Erfolg. Pfenningshof schien geschmeichelt; er lud mich ein, Platz zu nehmen. Spricht man draußen von mir?, meinte er lächelnd, hat man den alten Pfenningshof doch noch auf der Rechnung?

War sein Gesicht zuerst verschlossen, ja, geradezu finster gewesen, so begann es sich jetzt aufzuhellen. Er wurde beinahe liebenswürdig. Freilich erzählte er van Tatsachen nur Spärliches; aber Plane, in Drei, vier Jahren reif zur Ausführung, enthüllte er mir gern. Es mar offen» sichtlich, er gedachte durch mich und meine Presse einem breiten Publikum Zukunftsmusik zu machen. Als ich ihn nach dem Stand seiner Berjuche im Augenblick fragte, lenkte er ziemlich plump ab. .

Ganz verdarb ich es für eine Weile, als ich ihn bat, mir feine Ar­beitsräume zu zeigen. Er zog sich in sich zurück und wurde sogar grob metterroenhifd) wie ein Turmhahn, anfallsweise em bissiger Choleriker. Ader fein Zorn verrauchte auch wieder, und wir plauderten weiter^

Leider konnte ich es nicht vermeiden, ihn später nochmals zur Explo­sion zu bringen. Ich war ja mit einem ganz bestimmten Plan hierher in den Pfenningshof gekommen. So erwähnte ich gegen den Schluß unserer Unterhaltung das tragische Ende des Herrn Alwien. Ob er davon ^Äin°Gesicht verfinsterte sich sofort. Natürlich knurrte er. Aine Brillengläser funkelten, als er mich unverwandt ansah. Aber bann schien

Es war ifjm nicht möglich — tote sagt man — Süßholz zu raspeln Alwien verstand das besser. Aber nun ist Alwien aus der Welt. Und wenn Glahn klug ist, gewinnt er das Spiel. Ich will ihm, wenn es denn schon einmal ein fremder Mann fein muß, gern bei der Sache helfen.

Wissen Sie, ob der Pächter Glahn Ihre Tochter liebt?

Der Professor neigte den Kops voll Stolz. Wer liebt dieses Madel nicht! Glahn hat mir gesagt, er sei in jeder Stunbe bereit.

Glahn hat Ihnen bas gesagt? - Ich war ein bißchen erschrocken.

Der Professor merkte bas. Er war sofort abgekuhlt. Er erhob sich. Sie entschulbigen, sagte er unb schien etwas abzuschütteln. Soviel gerebet zu haben, verwunderte ihn nachträglich. Ich muß nun wieder an die wirbelt

Als ich mich vor ihm verbeugte und zur Tür ging, äußerte er noch, und es klang fast, als riefe er mir das als wichtig nach: Glahn hat mir das natürlich schon vor dem Mord gesagt!

Ich konnte nicht antworten. Sie können es sich denken, Frau v. Blmk- burg, daß es mir den Atem verschlug. Der Professor sprach nicht von dem Unglücksfall, sondern Professor Pfenningshof sagte klar und deutlich das Wort Mord! „

Wie ich die Tür erreichte, weiß ich nicht. Ich lief davon.

Frau v. Blinkburg fand sich einfach nicht mehr zurecht. Sie saß diesem Mann gegenüber und konnte sich des Gefühls nicht erwehren: ich bin wieder ein kleines Mädchen. Ich habe einen Verdacht auf ihn gehabt, nun schäme lch mich fast. Natürlich habe ich Unsinn gemacht, als ich seinen Stock zersägen ließ, um den Griff der Chemischen Fabrik einzu- schicken. Zu ihm selber hätte ich hingehen sollen, ihm den Stock zeigen sollen, bann hätte er mir gewiß eine Erklärung geben können. Aber wir