GietzMkZamilienblStter

Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

Nummer 34

Montag, den 4. Mai

Jahrgang 1936

lUfjl (IC? Dll

IJCIUUL JLUlieil,

Pfarryaus, auf allen Höhen brennen Feuer zu Ehren des Bischofs, aber David rührt das gar nicht mehr. Er hockt im Dunkeln auf dem Bett todesdüster find feine Gedanken, David fühlt ja schon, wie es mit ihm zu Ende geht, sicher ist das der Tod, was er in seinen Eingeweiden spürt. Lebt wohl alle, Mutter, Agnes! Agathe, du auch.

Berweint und hungrig schläft er ein.

Erwacht nun David nie mehr? Doch, mitten in der Nacht fahrt er aus dem Schlaf. Es ist stockdunkel, aber in seinem Kopf ist es merk­würdig hell geworden, augenblicklich faßt er einen guten Gedanken.

David steht auf und tappt im Finstern über die krachende Treppe hinunter. Leise schließt er die Tür auf, geht über den mondhellen Platz, das ist alles ganz einfach. Er steigt über den Zaun in den Pfarrgarten, weil das Tatter geschloffen ist, und steht vor dem Haus und horcht. Die Uhr schlägt eins, gleichviel, es ist keine Zeit zu versteren. David hebt ein Steinchen auf und wirft es gegen das Fenster des Gast­zimmers hinter dem Balkon.

Nichts, Stille.

Ein zweites, wieder nichts.

Noch eines, ein größeres, da regt sich etwas hinter der dunklen Scheibe.

rer seinen Gast in das Haus, da kniet Helene 1 Tür und Angel, und ihre Augen find so groß abrünstiger Gläubigkeit, daß der Bischof nicht hr besonders und noch einmal und ganz allein

10 11

weitem fein* Bischofsname zusammensetzen. Am Ende ersofft das ganze herrliche Gedicht in Tränen, wenn sich der graue Mann nicht rechtz^ttg niederbeugte und wenigstens den Blumenstrauß an sich nähme Er lächelt und nickt und legt der kleinen Agnes die Hand auf den Scheitel, mit dem Daumen zeichnet er sanft ein Kreuz über ihre Stirn.

So sagt er, das hast du aber brav gelernt! Das mochte ich wohl auch können dieses kleine Gebetchen. Wie heißt du denn? Agnes, siehst du Dann habe ich ja mein Schäfchen schon gefunden.

Ack und der Zettel? Die Ansprache? .

Pater Johannes stellt sich zurecht und öffnet den Mund aber der Bischof nickt auch ihm nur freundlich zu. Ja, sagt er in die Runde, meine Herren, da wollen wir uns weiter keine Muhe verursachen, gehen

gt der Pfarrer zur Entschuldigung.

ischof und macht plötzlich ein unsagbar pfiffiges veiß es noch gut, Helene!

zcken endlich schweigen, die Böller und die Trom- ull ein bißchen schlasen.

das Dorf und sucht den Vorstand. Es ist ihm it die entscheidende Frage immer wieder hinaus- > der Vorstand wahrscheinlich wenig Lust haben, e Patenschaft einzugehen. Weiß Gott, wird er ' einen Menschen verlassen kann, der sogar auf

____ . uch wirklich. Der Vorstand spricht gerade mit dem Schmieds das macht die Sache nicht besser. — Da bist du ja! ruft er schon von weitem. Dich schicke ich einmal um den Tod, sagt der Vor­stand. Er lacht zwar dabei, aber dem kleinen David bleibt doch das Wort in der Kehle stecken.

Was soll er nun tun? Morgen ist Firmungstag, alle werden in der Kirche stehen und ihre Paten hinter sich haben, wenigstens einen Tagelöhner, wenn schon keinen besseren, nur er allein wird überhaupt niemand haben. Wer ist das? wird der Bischof fragen. Ist es nicht David, der mich auf dem Eschenbaum verleugnet hat?

Ja, der! Kein Mensch mochte ihn nehmen.

Kein einziger Mensch im ganzen Dorf. David geht von Tür zu Tür, es ist ihm schon alles gleichgültig. Auch den Schuster fragt er durch das Fenster, haarscharf fliegt ein Leisten an seinem Kopf vorbei. David sagt nichts, er dreht sich um und holt den Leisten von der Straße und legt ihn wieder auf das Fensterbrett zurück.

Und überall klopft er vergebens an. Jetzt kommst du? fragen die

Leute. Bist du närrisch — am allerletzten Tag?

Niemand, niemand, auch Peter nicht. Der ist vollständig betrunken und versteht kein Wort.

David läuft nach Hause, er zieht wenigstens fein Festgewand hervor und breitet die ganze Herrlichkeit auf das Bett, einen anderen Trost hat er nicht mehr. Ja, wenn die Mutter da wäre, die würde ihm helfen, sie würde einfach einen Paten kaufen und bar bezahlen, irgendwie brächte sie es zustande. Agathe kann leicht reden und sagen, er müsse sich selber helfen^ — wie denn? Sie lachen ibn ia blök ans keine Seele---—--

Der'Vo'r'stand, erklärt" David großartig. Ich mähe dafür bei ihm. Was, der Vorstand? Darauf hat der Pfarrer nichts mehr zu erwidern.

*

Am Samstag nach Mariä Heimsuchung kommt der Bischof an. Man wartet vor dem Dorf auf den Wagen, Rersiggewinde sind über die Straße gespannt, der Pfarrer ist da, der Vorstand und wer sonst die Gemeinde in Ehren vertreten kann, der Lehrer und der Wachtmeister. Pater Johannes hat die wachsbleiche Agnes vor sich an den Zaun ge­lehnt damit sie noch einmal seinen Vers aufsage, er zahlt ihr die Silben mit den Fingern her, aber sie bringt kein Wort tjeraus, ihre Augen sind schon ganz gläsern vor Angst und Verwirrung. David hin­gegen hockt im Eschenwipfel und starrt unverwandt auf die Straße hinaus Sobald der Krummstab hinter den Buschen austaucht, nur em Schimmer vom Gold der Bischofsmütze, wird er ein weißes Tuch flattern lassen, und dann schlagen die Glocken zusammen und die Ehrenschusse donnern auf dem 5)ugel.^as * vorbereitet, jetzt rollt auch endlich ein Wagen heran, aber es ist noch nicht der richtige. Zwe, alte Banner fihen darin, der eine ist barhaupt, der andere tragt einen runden Hut, den er dann und wann ein bißchen lüftet. Der Hausmeister wird es sein denkt David, zwei vom Gesinde. Allein nun steigt dieser Rundhut aus' der Pfarrer tritt hinzu, der Pater Johannes, beide sinken ins Knie, und David traut den Augn nicht, sie kusftn wahrhaftig den Ring an seiner Hand. Wie wird man erst den Bischof begrüßen, denkt er, wenn schon seinem Hausknecht^so geschiehst ______ ____

__Tier Barltand äuat ' ‘

^^inh sRnfer Johannes macht den Mund wieder zu.

Wie nun der greise Mann durch die Straße schreitet, voll Wurde und unb7greifllcher Höhest in seinem schwarzen Gewand, wie er re Hand vor das faltige Gesicht hebt, um alle Leute zu segnen, die '«den Türen knien, da glaubt auch David, daß es der wahre Bischof »st. Rührung

Green

Grey 2

Yellow

Grey 3

Blue White

Cyan

Grey 1

Das Jahr des Herrn '

9?nman von Karl Äeinricl) Waggerl

Colour & Grey Control Chart

kommt ihn an, schmerzliche Reue. Oh, gewiß kränkt es den Bischof bitter, daß David so an ihm gezweifelt hat. Vielleicht kann er gar nicht mehr mit Stab und Mütze reifen, er ist schon zu alt und müde für eine so schwere Last, und nun erkannte ihn David nicht und versagte ihm schmählich das Geläute! Er würde gern hingehen und den Saum seines Kleides tragen, die Leute brauchten nicht zu wissen, warum er es tut. g&e-Ab- wohl einmal hinter sich und verziehe ihm.

Red_______Magenta

Grey 4 Black

9

8

2

9

8

6

12 13 14 15 16 17