Ausgabe 
28.12.1936
 
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Gießener ZamilieMmer

Unterhattungsbeilage zum Gießener Anzeiger

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erstaunt an. , ,

Also: einverstanden. Ja. Sehen Sie, ich habe ihren Sohn unterrichtet. Sie hat einen Sohn, Poden, er stammt aus der ersten Ehe; sie ist natür­lich schon verheiratet gewesen, sie war Witwe. Ich habe mich also mit einer Witwe verheiratet. Sie können einwenden, dies sei nicht an meiner Wieae aeiunaen worden: aber id) verbeiratete mied also mit einer Witwe.

e da, Victoria und ihre Mutter seien auch ge- noch ein halbes Dutzend Gäste, nnes stehen und sagte:

i wieder umkehren.

m Dienstag, antwortete Camilla.

ine Hand und drückte sie aufrichtig.

den jungen Leute allein und glücklich ihres Weges.

XII.

nilla auf der Straße: sie ist in Gesellschaft ihrer and des jungen Richmond: sie lassen den Wagen freundlich mit ihm.

,m Arm und sagt:

is gekommen. Wir hatten ein großes Fest, wirk- < zuletzt aus dich, aber du kamst nicht.

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(eik Sie fronen Höchstverehrter, wo meine erste, einzige und ewige Liebe geblieben ist? Nahm sie nicht einen Kapitän der Artillerie? Uebrigens stelle ich Ihnen noch eine kleine Frage: Haben Sie jemals lemals tzesehen, dall ein Mann die bekommen hat, die er bekommen sollte? Ich nicht. E? acht die Sage von einem Mann, den Gott erhörte, er bekam seine erste und einzige Liebe. Aber das führte zu keiner weiteren Herrlichkeit für ihn Weshalb nicht? werden Sie wiederum fragen und sehen Sie ich antworte ihnen: Aus der kleinen Ursache, daß sie gleich danach starb gleich danach, hören Sie, hahaha, augenblicklich danach. So ist es immer. Natürlich bekommt man nicht die Frau, die man haben will, kommt es aber aus rein versluchtem Recht und billiger Gerechtigkeit ein einziges Mal vor, dann stirbt sie also gleich danach. Alles Spiegelfechterei. Da" ist also der Mann darauf angewiesen, sich eine andere Liebe, eine der bestmöglichen Art, zu verschaffen, und er braucht um dieser Verände­rung willen nicht zu sterben. Ich sage Jynen, es ist oon der NaturJo weise eingerichtet, daß er es ausgezeichnet aushalt. Sehen sie nur mich an.

Johannes sagte:

Ich sehe, daß es Ihnen gut geht.

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Ich war verhindert, antwortete er.

Entschuldige, daß ich seitdem nicht mehr bei dir oben war, fuhr sie fort. Ich komme jetzt in den nächsten Tagen, ganz bestimmt, wenn Rich­mond abgereist ist. Ach, wie schön unser Fest war! Victoria wurde krank, sie mußte heimgefahren werden, hast du es gehört? Jetzt besuche ich sie bald Es geht ihr gewiß viel beIer. Vielleicht ist sie schon wieder ganz gesund. Ich habe Richmond ein Medaillon geschenkt, fast das gleiche wie dir. Höre, Johannes, du mußt mir versprechen, besser auf deinen Ofen achtzugeben: du vergißt alles, wenn du schreibst, und es wird eiskalt bei dir. Du mußt dem Mädchen klingeln.

Ja, ich werde dem Mädchen klingeln, antwortete er.

Auch Frau Seier sprach mit ihm, fragte nach seiner Arbeit, nach dem Geschlecht: wie es damit ginge? Sie ertaarte schon mit Sehnsucht das nächste Buch von ihm. . r . s

Johannes gab die nötigen Antworten, grüßte sehr hef unbfag Den

Johannes gab die nötigen Antworten, grüßte sehr lies uno say oen Wagen fortfahren. Wie wenig ging ihn doch das Ganze an, dieser Wagen diese Menschen, dieses Geschwätz! Eine leere und kalte Stim­mung überkam ihn und verfolgte ihn auf dem ganzen Heimweg Auf der Straße vor seinem Haustor ging ein alter Bekannter auf und ab, der frühere Hauslehrer aus dem Schloß.

Johannes grüßte ihn.

Der Hauslehrer trug einen langen, warmen und sorgfältig gebürsteten Mantel und hatte einen kecken und sicheren Gesichtsausdruck.

Hier sehen Sie Ihren Freund und Kollegen vor sich, sagte er. Reichen Sie mir die Hand, junger Mann. Gott hat meine Wege seit dem letzten­mal wunderbar geführt, ich bin verheiratet, habe ein Heim, einen kleinen Garten eine Frau. Es geschehen noch Wunder im Leben. Haben Sie zu dieker meiner letzten Bemerkung etwas zu äußern? Johannes sieht ,hn

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draußen jemand auf mich, vielleicht geht jemand auf und ab und wartet. Ich glaube es fast ... Plötzlich bricht sie in Tränen aus und stammelt: Ich nannte ihn einen Lügner, das wollte ich nicht. Es tut mir weh, daß ich es getan habe. Er hat mich nicht angelogen, im Gegenteil, er war die ganze Zeit ... Wir werden am Dienstag Gäste bei uns haben, aber er soll nicht kommen, doch du sollst kommen, hörst du. Versprichst du mir das? Aber trotzdem wollte ich nicht schlecht von ihm sprechen. Ich weiß nicht, was du von mir hältst ...

Er antwortete:

Ich fange an, dich zu verstehen.

Sie wirft sich ihm an den Hals, verbirgt ihr Gesicht an seiner Brust, zitternd und verstört.

Ja, aber dich habe ich auch lieb, bricht sie aus. Das mußt du mir glauben. Ich liebe nicht nur ihn, so schlimm ist es nicht. Als du mich voriges Jahr fragtest, wurde ich so froh: aber jetzt kam er. Ich verstehe es nicht. Ist es so schrecklich von mir, Johannes? Ich liebe ihn vielleicht ein ganz klein wenig mehr als dich: ich kann nichts dafür, es ist über mich gekommen. Ach Gott, viele Nächte habe ich nicht mehr geschlafen, eit ich ihn gesehen habe, und ich liebe ihn immer mehr. Was soll ich tun? Du bist so viel älter, du sollst es sagen. Nun hak er mich hierher be­gleitet, er steht unten und wartet auf mich, um mich wieder heimzube­gleiten, und jetzt friert er vielleicht. Verachtest du mich, Johannes? Ich habe ihn nicht geküßt, nein, das habe ich nicht, glaube mir; ich habe ihm nur meine Rose gegeben. Warum antwortest du nicht, Johannes? Du mußt sagen, was ich tun soll, denn ich halte es nicht mehr aus.

Johannes saß ganz still da und hörte ihr zu. Er sagte:

Ich habe nichts darauf zu antworten.

Dank, Dank, lieber Johannes, es ist so lieb von dir, daß du nicht wütend auf mich bist, sagte sie unb trocknete ihre Tranen. Aber du soll nicht glauben, daß ich dich nicht auch lieb habe. Du lieber Gott, ich will jetzt viel öfter zu dir kommen als früher und alles tun, was du willst. Aber es ist eben nur das eine, daß ich ihn lieber habe. Ich habe es nicht

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Entschuldige, daß ich nicht auch dich fragte, ob du frierft. Du Zogst keinen Mantel an; soll ich hinaufgehen, um ihn zu holen? Nicht? Ja, aber knöpfe auf jeden Fall deine Jacke zu.

Sie knöpfte feine Jacke zu.

Johannes reichte Richmond die Hand. Er war in einem merkwürdig abwesenden Zustand, als ginge das, was hier geschah, ihn eigentlich gar nichts an. Er lächelte unsicher, halb und halb, und murmelte:

Freut mich, Sie wieder einmal zu treffen.

Richmond war keine Schuld anzusehen und keine Verstellung. Als er grüßte, flog die Freude des Wiedererkennens über fein Gesicht, unb er

Ich "^"kürzlich eines Ihrer Bücher in einem Buchlaben in London, sagte er. Es ist übersetzt. Es war so nett, es bort zu sehen, mte ein Gruß aus der Heimat.

Camilla ging in der Mitte und sah abwechselnd zu beiden auf. Schließ- lld)Dann kommst du also am Dienstag, Johannes. Ja, entschilldige, daß ich nur an meine Angelegenheiten denke, fügte sie hmzu und lochte. Gleich darauf wandte sie sich reuig an Richmond und bat auch ihn zu kommen.