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Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger
Jahrgang 1936
Montag, den 3. Zebruar
Nummer JO
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Von Otto Folberth
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Endlich liegt Sero im Ziel. Es ist gerade der Augenblick, da es wieder dunkel um ihn wird, dunkel und unsichtig wie vorher. Nein, es wird viel dunkler noch. Und rasch schickt er noch fünf Granaten, mehr oder weniger aufs Geratewohl, den zehn ersten, gut gezielten, nach. Ihre Erdsontänen lassen sich aber schon nicht mehr einwandfrei beobachten. Dors und Brücke und Tal verschwimmen endgültig in Nebel, Nacht und Finsternis.
Und ein mühsamer Marsch auf verschlammten Feldwegen hebt an. Die Schritte der Menschen sind schwer und schwankend wie noch nie. Die Tritte der Pferde stoßen fesseltief durch den schlüpfrigen Grund. Die Räder der Fuhrwerke setzen das Erdreich der Wälder und Hügel in Bewegung.
Manchmal überholt der kleine Zug erdbraune Schlangen von Fußtruppen, hinter deren völliger Verkrustung das menschliche Licht erloschen erscheint.
Manchmal durchqueren sie Dörfer, deren Belegschaft fluchend die trockenen Quartiere räumt und sich zum Aufbruch zusammenschart.
Sie alle und ihre Trains und Sanitätswagen und Munitionskolonnen strömen ebenfalls nach Süden ab, nach Süden, wo es hinter der grauen Nebelwand dieses Tages unaufhörlich, bald lauter, bald dumpfer brodelt.
Es ist also doch nicht, wie Kadett-Offiziersstellvertreter d. R. Johannes Möß sich gerne eingebildet hätte, allein die Heeresgruppe Gerö (ein Geschütz, sechzehn Pferde, zwanzig Mann!) den Bedrängten dort zu Hilfe gerufen worden. Nein. Aber eine eigene, eine nadelscharf abgesteckte Aufgabe wurde ihr ganz ohne Zweifel diesmal doch zugewiesen. Vielleicht, wer weiß, sogar eine Aufgabe von strategischer Bedeutung! Der Begriff „strategisch" schmeichelt Möß ganz besonders. Morgen, morgen vielleicht schon kündet der Heeresbericht: „An einem besonders wichtigen Punkte der Ostfront..." _________
Freilich hing's nicht an der Serethbrücke bei Jwaczow-Sorny, sondern an dem großen Loch im Süden, das sich westlich Tarnopol zu gespenstischer Größe ausbauchte. Die Brücke lag längst in Schutt und Asche, das Brodeln im Kessel hielt aber nicht inne, eher steigerte es sich noch und — was das Dümmste'war — es wanderte unaufhörlich tiefer nach Westen. Serös Fernrohr auf dem Strohschober vollführte langsam, Tag für Tag um einige Grade mehr, eine Drehung nach rechts, um die Perlenschnur der Schrapnellwölkchen am südlichen Horizont zu verfolgen. Es blieb wundersam genug und gefiel Gerö im geringsten nicht, daß man das mit solcher Ruhe und Ungestörtheit von hier oben tun durfte.
Eines Abends kam dann, holterdiepolter, der Befehl zum Rückzug. Der russische Einbruch barst nun nach der Seite auf, wie Lava floß es von ihm randwärts ab. Der Arm, der sich nach Norden wälzte, bildete fast schon eine Zange. Sie hätte als ersten Happen bas Infanterieregiment geschnappt, das den Höhenrücken mit Serös Strohschober verteidigte, und dazu das Ssbirgsgeschütz. Beide befanden sich jetzt in der
। beobachtet den entfernten Einschlag. Jetzt hat er, Rote, einige Minuten lang herrlich klare Sicht, unten nehmen unerwartet rasch und in zauber- Runbung an. Sie erscheinen, infolge der feuchten i nahe. Fast konnte man die tiefen Radspuren iten ber Brücke zählen.
। allem, trotz Seros Ruhe, trotz Dömners Sicher- inten abenblichen Helligkeit bes Himmels hat ber
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alles, einfach alles zuschanden machen. Ein Trost für jedermann, daß Vormeister Domner, der kleine stämmige Sachse, an der Richtmaschine sitzt. Jeder weiß, daß er Nerven wie Seile hat, daß er in diesem Augenblick nichts anderes mehr ist, er selber mit Haut und Haaren nichts anderes mehr als Arm und Rad und Zahn und Züngel ber erzenen Maschine.
In ebenso langsamen, gemessenen Zeitabstänben rauschen die abge- "‘"‘oanesZC &en Höhenrücken der Beobachtung hinüber. Dort pictäw" hlucke, wartet jedesmal mit zusammengebissenen rn der Luft über ihm verhallt ist, hebt dann das
t getroffen. Noch steht die Brücke unversehrt da, die Trichter klaffen. Dafür haben die Sranaten fun$' Jwaczow-Sorny, das Dorf, dessen ts ber Brücke beginnt, in Aufruhr gerät. Deut- 'bie Verzweiflung ber Bevölkerung, benn sie sitzt erkennen. Flüchtende Weiber und Kinder, auf-
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»wu«, meyr roeruen s NUYI. Zeyn Mann, oyne Ausrüstung, oazu eine rauchende Fahrküche, das ist alles, was in dieser Zeitspanne die Brücke überschritt. Damit bestätigt sich schrecklich wahr, was das Studium der Karten ihm längst schon verriet: diese Brücke ist unwichtig. Für die 2Ibro?hr des Angriffes aus dem Raume von Tarnopol hat sie sozusagen kett" Bedeutung. Besser freilich, ei freilich, man schaffe sie überhaupt aus ber Welt. Wer kann im Krieg jemals wissen...?
Und er beginnt mit bem Einschießen.
llnb siehe, siehe, ein rötlicher Schein ergießt sich gerade jetzt von Westen her über die Landschaft, die voll Wassers ist wie ein angesogener Schwamm. Will die Sonne doch noch zu guter Letzt, wenn auch aus der verkehrten Richtung, über diesem Tage aufgehen? Oh, das wird sie wohl bleiben lassen. Aber ist diese abendliche Helligkeit in der entscheidenden Stunde nicht schon Beweis genug dafür, daß sie es eigentlich recht gut mit dem Fähnlein des Sebirgsgeschützes meint?
In langsamen Abständen verlassen unten auf dem schwarzen Acker die Granaten den hüpfenden Bronzeleib bes Rohres. Den Richtkanonieren, den Telephonisten, sich selber hat Sero ruhiges, wohlüberlegtes Tun befohlen, genauesten Blick unb Griff. In ber Kette ihres zusammenhängenden Hanbelns kann die Verwirrung eines einzigen ungeschickten Fingers
los einem nuyransau preisgegeven jag?
Der Wind rüttelte an der Zeltbahn. Sestern, dachte er, gestern dürfte die Krankheit ihren Höhepunkt erreicht haben. Heute hatte ich kein Blut mehr im Stuhl. Diese Nacht noch Ruhe und Wärme und Schlaf und ich hab's geschafft! Wenn bloß Mütterchen mir die Decke im Rücken mal gut einfteden könnte. Irgendwo zieht's doch immer noch herein.
Und doch kann man nicht sagen, daß Möß die Zelte auf dem feuchten Acker nicht schleunigst abbrechen ließ, als der Befehl dazu eintraf. Der Ort hatte ihm zu viele Enttäufchungen bereitet, als daß er sich durch irgend etwas an ihn gefesselt fühlte — außer durch seine augenblickliche körperliche Schwäche. Allein, diese wurde bald an der frischen, bewegten Nachtluft überwunden. Und bann setzte bas Reiten ein. Unb das Reiten in ber Dunkelheit und die ewige Sorge um die nachfolgende Karawane und die unruhigen Sedanken an Sero, der sich bei diesem Rückzug mehr um die Ordnung der sich vom Feind lösenden Infanterie kümmerte als um fein fliehendes Seschützlein, hielten wach und ruhig, hielten in Atem und gespannt.
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In den ersten Dörfern, durch die sie kamen, herrschte bereits ungeheure Verwirrung. Flüchtende Sanitäter, galoppierende Brigadehusaren,


