Nummer §9
Freitag, den 28. Juni
Jahrgang 1955
Garten davon-
das
hätte
ihn
wollte
und
nie
davon hast?"
ut, daß Du da bist
ROMAN VON FRIEDRICH EISENLOHR
Copyright 1933 by August Scherl E>. m. b. ’5-1- Äertin
(Fortsetzung.)
SietzenerKimilieMätter
Unterhaltungsbeilage zum Eichener Anzeiger
Steinlen empfing sie sofort im Direktionszimmer des Deutschen Botts- theaters. „Sie sehen so vergnügt aus, liebe Frau Thiele, daß ich hoffe..."
„Nächsten Monat ist Ludwig hier."
„Wann trifft er ein?" , ,
„Er ist am Zwölften drüben fertig und fahrt sofort ab^ Steinleins Gesicht verfinsterte sich, und er stand auf. „Das ist zu spat.
mch, d°. erste- .
„Nein, das kann ich nicht und würde es auch nicht tun, wenn ich es könnte!" . c„„
„Warum nicht, wenn ich fragen darf? ^„„tiHnnen
Weil ich keine Lust mehr habe, mir von Thiele alle Dispositionen umwerfen zu lassen — ganz abgesehen davon, daß es diesmal gar nicht geht. Ich habe noch andere Verpflichtungen s. mn(
„Er kommt nicht früher los. Es ist ,a nicht feine Schuld diesmal "'^Zugegeben. Aber es darf auch nicht immer mein Schaden fein "
„Sie sprechen so, Herr Steinlen, als ob Sie aus einmal Ludwigs Geaner wären." . „
„Das bin ich nicht. Aber ich muß jetzt auf ihn verzichten
„Sie werden doch das neue Stück nicht mit einem anderen besetzen ?
"Könnten Sie nicht vorher ein anderes Stück geben? Und dann die
,Verräter' am ersten Oktober? Als erste große Premiere?
",Und ^wen'n °üh^Sie bitte, in Ludwigs Namen bitte, alles zu oer- hin gebunden, Frau Thiele. Es hängt nicht nur von mir ab.
,',Das ist nicht wahr!" rief Elisabeth unwillkürlich.
^Ver"zechen"Ne?Herr Steinlen!" begann sie nach einer Pause ruhiger Ich hatte den Eindruck, daß Sie aus einem berechtigten Aerger über die Schwierigkeiten, die Ludwig Ihnen diesmal ohne ferne reiten muß, meiner Bitte allzu schroff entgegenstellem S-Kstv er strich baden Sie andere Verpflichtungen, von denen ich nicht weih, wie wett sie reichen. Aber könnte man nicht versuchen, etwa rn einer sachlichen Mitteilung an die Presse die Verschiebung des Termins zu begründen?
®". A bi» w
Sie geben ein anderes Stück. _
"äluf vierzehn Tage! Wissen Sie, was mich das kosten kann? Was ich dabei riskiere? Sie wissen es natürlich nicht, und Ludwig denkt uber- ""^Er"ist^ganz°dam^t einverstanden, daß Sie den Wallenstein bis nach ■teS "Kmmsch. „s.?- 31t -r M - R-m. M. Stau Ifiiele. Ich kann nicht mehr warten. Am fünfzehnten September eröffne ich mit den .Verrätern' — of)ne ßubroig!"
Elisabeth stand auf. „Ist das Ihr letztes Wort?
Elisabeth reichte ihm nicht die Hand, als sie hinausging. Sie war überzeugt daß Steinlen ihr nicht die Wahrheit g«: agt, sondern nur seinen guten Willen Ludwig gegenüber verloren hatte, und war über fCn?“nächsten^Tag ’erschien Tn der ganzen Presse eine Notiz über die Eröffnung des Deutschen Volkstheaters am fünfzehnten September —
Eniil Ianninas in der tragenden Rolle. , , ,
Der anqekllndigte Brief Ludwigs, der nach einer Woche eintraf, enthielt die Nachricht, daß er am fünfundzwanzigsten September Mit der Bremen" eintreff-, sowie Vorschläge für Steinlen d,e «edoch von den Tatsachen schon überholt waren. Außerdem einen Scheck über fünftausend Dollar Elisabeth brachte ihn zur Bank und ließ sich damit ein besonderes Konto eröffnen. Aus welchem Grunde sie das tat, wurde ihr im Augenblick nicht ganz klar. Sie sagte sich nur, daß sie nicht daran ruhrem wolle, bevor Luw.?zurück war! Obgleich sie wußte, daß in der nächsten Z-.t allerband finanzielle Schwierigkeiten auf sie warteten.
Sie überwand sich und ging nochmals zu Steinlen. Obgleich er mitten in der Arbeit" war — er führte wiederum selbst Regie m dem neuen Stück — empfing er sie höflich, hörte auch bereitwillig an, was sie aus Ludwigs Brief zitierte, und plauderte liebenswürdig, gab aber keine Antwort mehr darauf. Man werde sehen, was sich machen hefte. Vor- läuich käme das neue Stück. Aber das sei ja kein Unglück. Man werde eine ändere Rolle für Thiele finden, so bald wie möglich. Und dann, nach Weihnachten, eventuell der Wallenstein ...
Eliiabetb begriff, haft sie bei ihm nichts mehr erreichen konnte. Da mußte Ludwig selbst eingreifen. Er wurde mit seinem alten Direktor fertig werden.^ Erst nach diesem zweiten Besuch schrieb sie das negative
schickt?"
„Machst du dir Sorgen, Billy?
„Du nicht?"
,'.Dann sind auch meine ganz überflüssig. Uebrigens brauchen^wir sitzt im Haushalt so wenig, daft wir noch eine Weile rch . , ^te
mit Gläubigern fertig wird, hab ich von Doktor Hartl gelernt, lach Billy.
„Ich auch!"
„Dann sollen sie nur kommen! , @r.mm «inni
„Lieber wäre mir allerdings, wenn Ludwig kam-. - K°7 oussäbr- Wir gehen hinüber aufs Postamt und schicken ihm ein langes, aussuyr liches Telegramm." u
fflÄTÄMM. d°,ilb-r wirft bu ,h-2 «-n ’S Steinlen präfentaen. Mepgn. »«I *
„Mit dem grötzten Vergnügen! - Jetzt darf das Kabel fo lang werden wie ein Roman."
Ludwigs Antwort aus Hollywood lautete: baft feine Arbeit am zwölften September beendet fei, worauf er sich I f gegen Ende des Monats in Berlin emtreffe Er bat Elisabeth, alles daranzusetzen, um Steinlen zu beroegen, nut fe L aenaueren Premiere auf ihn zu warten. Ein ausführlicher Br f g ^'Ä'S.rÄ Sonftanlln Er M.fl.nul
dem schnellsten Wege in die Stadt. Erst unterwegs s ich , Nachricht, die sie brachte, für Steinlen keine gute war. Sie felb|t gatte sich darüber gefreut wie ein Kind.
„Wen heiraten Sie denn, um Gottes willen?"
„Unseren Doktor Kern." . ~ „ ,,
Steinlen schüttelte verzweifelt den Kopf. „Der toare der Letzte gewesen, dem ich so etwas zugetraut hätte. Das richtet sich nicht gegen Sie persönlich, Billy. Gott bewahre! Nur gegen das Heiraten trn allgemeinen. Aber es gibt keinen zuverlässigen Mann mehr, wie es scheint.
„Ssi sind ja$schon verheiratet — mit Ihrem Theater!" sagte Villip
In diesem Fall: Gott sei Dank! — Auf Wiedersehen, liebe grau Thiele! Lassen Sie bald von sich hören. Adieu, Billy! Grüften Sie Ihren Doktor! Er hat mich bitter enttäuscht. Ich hielt ihn für unverwundbar. Sber alle Achtung vor Ihrer Kriegskunst!"
Billy zuckte die Achseln und ließ ihn allem durch den gehen zu seinem Auto, das vor dem Tor wartete.
„Jetzt muß ich an Ludwig kabeln!" sagte Elisabeth. „Ich gern vermieden."
„Warum denn?" fragte Billy verwundert.
„Es könnte fo aussehen, als verstünde ich ihn nicht drängen, wie ein törichtes, eifersüchtiges Madel."
„Bist du denn nie eifersüchtig, Lisa?"
„Doch und sehr! Aber das ist meine Sache. Er braucht mehr etwas zu wissen." . ......
„Und du kannst dabei lächeln, wie du ,-tzt eben gelächelt
„Hab' ich das? Ich hab' es nicht bemerkt."
„Glaubst du nicht, daß es ganz gut für dich wäre, wenn Ludwig einmal wirkliche Angst haben müßte, dich zu verlieren?
„Nein, Billy, das glaube ich nicht."
„Aber es war doch vor kurzem fo!'
Elisabeth sah ihr überrascht in die Augen. Billy setzte sich schnell neben sie und ergriff schüchtern und verlegen ihre Hand. „Verzeih, wen ich etwas sehr Dummes gesagt habe! Es suhr nur heraus gegen meinen Willen. Außerdem ist es sicher falsch." . ,.
Elisabeth schüttelte leicht den Kops, und Billh wußte nicht ob^ sie damit ihren letzten Ausruf verneinen oder nur einem Erstaunen Aus druck geben wollte. Aber sie war nicht neugierig, da sie sich auf ihren gefunden Instinkt verließ, und fo lenkte sie rasch ab
rc. Ist nickt mehr viel Geld IM Haufe. Was machen wir, wenn Ludwig nicht bald kommt ober nicht bald eine vernünftige Summe


