Ausgabe 
14.6.1935
 
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als

trinke sie gierig.

die

verantwortlich; Dr. Hans Thyriot. Druck uni) Verlag: Brüht'fche UniverjitätS.'Luch- und Steindrucleret. A. Lange, Gießen.

Em deutscher Schatzgräber.

Von Alfons v. Czibulka.

Petersburg. Dort gründete Schliemann nach kurzer Zeit seine weltumspannende Firma. .........

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Wieder zeigte sich das Kämpferische und zugleich Gründliche seiner Natur. Zwanzig lange Jahre rang er um die wirtschaftliche Stellung, die er für sein Troja brauchte, dann war er ein reicher Mann.

In der traumhaft schönen Inselwelt des Golfes von Patras, aus dessen veilchenblauer, silbrig schimmernder Fläche die homerischen Fel­seninseln Ithaka und Lenkas wie riesenhafte Vorwelttiere im Sonnen­glast schwimmen, begann Schliemanns Schatzgräbermärchen. Aus Ithaka griff er zum ersten Male zu Spaten und Spitzhacke. Und wie er einst an dasSilberschälchen", an die goldene Wiege, an Braden- kirls Eisenpfanne und Schätze glaubte, so glaubte er nun jedes Wort seines Dichters. Sein heißes Herz spürte die tiefere Wahrheit aller ^'^s^Heinrich Schliemann auf Ithaka kleine Aschenurnen sand und jubelnd schrieb:... vielleicht habe ich die Asche des Odysseus und der Penelope gefunden ...", da hielten sich die zünftigen Gelehrten den Bauch vor Lachen. Noch lauter wurde der Spott, als der ich-", grabende Kaufmann berichtete, er hätte auf dem Hügel von H'fsarllk, nahe den Dardanellen, Troja gefunden. Bis jener Maltag des Jahres 1873 kam, an dem er, nahe dem Skäischen Tor, das zu der Burg des Priamos geführt haben soll, in lockerem Gemäuer auf goldene Teller und Humpen, Diademe, Kannen und Armreifen stieß. Kein Zweifel: es war König Priamos' Schatz!

Immer noch zweifelte die gelehrte Welt. Da erbrachte Schliemann drei Jahre später abermals den Beweis für die Wahrheit feines Dich­ters. Wie ihn sein Glaube an Homer aller Wahrscheinlichkeit nach wirklich in König Priamos' Stadt und Burg geführt, so führte ihn Homer nun auch in die Gruft des Königsgeschlechtes von Mykenä. Planmäßig wie an den Dardanellen grub Schliemann auch auf jener die argolijche Ebene königlich beherrschenden Felskuppe, die den Wan­derer grüßt, der von Korinth nach Argos am zauberhaften Golfe von Nauplia zieht. .

Und eines Morgens, es war wirklich wie im Märchen, öffneten Schaufel und Spitzhacke an der vorbezeichneten Stelle, jenseits des be­rühmten Löwentors, eine Felsgrube, auf deren Grund fünfzehn könig­liche Tote tagen. Ein unvorstellbarer Goldschmuck schmückte sie. Goldene Masken bedeckten die Gesichter, goldene Panzer schützten die Brust Armreifen und Ohrringe, riesenhafte Diademe. Nadeln und Knöpfe aus Bergkristall, ein großer, silberner Stierkopf mit dem Doppelbeil, dem Symbol der Königsmacht, mit Silber und Gold ausgelegte Schwerter waren der Grabschmuck dieses Geschlechtes, das einst vor 4000 Jahren in märchenhafter Herrlichkeit von dieser Burghöhe von Mykenä ge­herrscht haben mag. Wer nun noch zweifelte, daß Schliemann wirklich Agamemnons Königsgeschlecht, ja vielleicht die unselige Klytä- m n e ft r a und Orest gefunden, dem konnte der goldene Humpen ein Beweis fein, der sich in den Gräbern sand, und dessen Henkel, genau wie Nestors Becher, den Homer beschreibt, aufflatternde goldene Tauben gierten.

Noch ein drittes Mal brach Schliemann eine Lanze für Homer. In Tiryns, am Argolifchen Golfe, fand er in gemeinsamer Arbeit mit dem heute achtgigjährigen Wilhelm D ö r p f e l d einen Herrscherpalast, der in jeder Einzelheit Homers Königssitzen ähnelte.

Drei Dinge verdanken wir Schliemann. Er hat wieder einmal die höhere Wahrheit aller echten Dichtung bewiesen. Er hat der Jugend, der er eine ßebensgeftattung aus eigener Kraft vorlebte, die Gesänge Homers neu geschenkt; denn durch Schliemanns Funde waren sie auf einmal nicht mehr verstaubte Sage, sondern blutwarmes Leben Wenn auch Wahrheit und Dichtung sich mengt: Diese Menschen Homers haben wirklich gelebt, diese Schicksale haben sich wirklich begeben, und diese Paläste und Mauern hat einstmals die Griechensonne vergoldet. Und dann: indem seine Grabungen erweisen, wie alle Sage im Kerne immer wahr ist, gewinnen auch unsere deutschen Heldensagen an Leben und Wahrheit. Wie es wirklich einmal die Urbilder Agamemnons, Nestors und Priamos' gegeben hat, so sind auch in irgendwelcher Ge­stalt und irgendwann einmal Gunther und Hagen, Siegfried und Kriem­hild über die deutsche Erde geschritten, .

Diesen Glauben hat uns Schliemann, der in seinem 68. Jahr aus einer Reise in Neapel starb, mit Troja, Mykenä und Tiryns geschenkt.

sehen. Er lernte, wenn er an den Schaltern der Postämter, vor den Kontoren warten mußte. Er lernte bis zum grauenden Morgen, wenn er spät abends todmüde in seine eiskalte Dachstube kam. Aber es lohnte ich: innerhalb eines Jahres beherrschte er die englische und sranzosische Sprache vollkvmmen. Seine Prinzipale wollten zwar von einem prachenlernenden Ausgeher nichts wissen. Sie kündigten ihm. In dem großen Amsterdamer Handelshause Schröder sand Schliemann eine neue Stellung. Immer noch war es ein Hundeleben, das er führte. Aber fein Jugendtraum hielt ihn aufrecht. Er wollte ja Troja aus grab en

Ader so viel wußte er nun schon, daß man eine versunkene Stadt nicht ausgraben könne, wenn man nicht über unbeschränkte Mittel ver- üge. So beschloß der kleine, ausgehungerte Buchhalter, um Troias willen reich zu werden. Kaum jemals ist ein junges Menschenkind aus einem so romantischen Beweggrund ein nüchterner Kaufmann geroorben.

Sehr rasch fand Schliemann die Brücke zu feinem Wolkenschloß Obwohl Schröder bedeutende Geschäftsverbindungen nach Rußland unterhielt gab es in dem großen Kontor seltsamerweise niemand, der auch nur einen russischen Buchstaben zu schreiben verstand. Diese Ge­legenheit ergriff Schliemann beim Schopf. Er begann, tm Geschwind- tempo Russisch zu lernen. Mit seinem ungemeinen toprarfjentalent brachte er es fertig, daß er sich schon zwei Monate später mit russischen Geschäftsfreunden ohne Schwierigkeit unterhalten konnte. Das impo­nierte Schröder. Er sandte den kleinen Buchhalter als Generalvertreter nach Petersburg. Dort gründete Schliemann nach kurzer Zeit feine

Als noch allein der Atem Gottes, der Wind, die Schiffe über fieben Meere trieb, war es von Hamburg nach Südamerika eine weite Fahrt. Das bekam auch die kleine BriggDorothea" zu spüren, die nach Venezuela bestimmt war. Nach zwei Wochen lag sie erst vor der Insel Texel in Holland. Womit für den alten Windjammer die Reise zu Ende war. Denn vor Topp und Takel, ohne Segel und Ruder trieb die Brigg hilflos über die in den Dezemberstürmen brüllende See, auf die der durch schwarze Wolkenfetzen jagende Mond seinen gespenstischen Schein warf. Nicht einmal ein Vaterunser hätte man beten können zwi­schen dem gellenden Ruf des Mannes im AusguckBrandung voraus und dem Augenblick, in dem dieDorothea" zerschellt auf den Bänken cor Texel lag. Es war noch ein Wunder, daß die Mannschaft nach einer furchtbaren Nacht heil die Küste erreichte.

Damit hatte auch der Kajütenjunge Heinrich Schliemann zum ersten Male ein bißchen Glück. Das war ihm nämlich bis dahin noch nicht widerfahren. Eine Kette von Mühfalen war feine Jugend gewesen; nur seine früheste Kindheit hatte ein wenig Freude gekannt. Ja, das mecklenburgische Dorf Ankershagen, wo der Vater Landpfarrer war, war für einen rechten Jungen sogar ein Paradies. In dem Hause, das Heinrichs Eltern bewohnten, konnte man das Gruseln lernen: der frühere Pfarrherr ging dort um. Dem kleinen Gartenteiche, der den märchenschönen, heimeligen Namendas Silberschälchen" trug, ent­stieg in Vollmondnächten eine gespenstische Jungfrau. Am Dorfrande erhob sich ein Hünengrab, in dem der Sage nach das Kind eines Rit­ters in einer Wiege aus purem Golde ruhte. Die verfallene Burg, um deren düstere Mauern die Fledermäuse flatterten, hatte einst dem Hen­ning Bradenkirl gehört, wie das Volk den Raubritter Henning von Holstein nannte, weil er einst einen Kuhhirten bei lebendigem Leibe in einer eisernen Pfanne gebraten haben soll.

Das Geheimnis, das um versunkene Mauern und Schätze webte, hatte es schon dem Buben angetan. Begeistert hörte er dem Vater zu, wenn dieser von Herkulanum und Pompeji sprach ober von der mäch­tigen, blühenden Königstadt Troja erzählte, von der nun kein Stein mehr künde. Und eines Tages tat der Zehnjährige einen Ausspruch, dessen Wahrheit er freilich erst 40 Jahre später beweise sollte:Vater, das kann doch nicht sein, daß dieses Troja verschwunden ist. Solche Mauern können nicht untergehen. Sie sind wohl nur unter Schutt und Staub begraben." Der Pastor lachte und versuchte, dem Buben zu erklären, daß Troja und seine Helden doch nur Erfindungen des großen Dichters Homer wären. Doch das wollte-der Junge nicht glau­ben. Da meinte der Vater schließlich:Schön, mein Junge, wenn du also einmal groß sein wirst, wirst du Troja ausgraben." Selten ist eine ungewollte Weissagung so seltsam in Erfüllung gegangen.

Vorerst aber brach alles Unheil über Schliemanns Jugend herein Die Mutier starb. Der Vater geriet in Not. Er mußte den Buben zu einem Bruder geben, der in einem anderen Orte Pfarrer war. Aber das half nur wenig. Schliemann konnte nur wenige Jahre die Mittel­schule besuchen, dann mußte er sich selber sein Brot verdienen. Ader gerade er hat bewiesen, daß ein rechter Junge es auch bann aus eigener Kraft zu Ruhm und Größe zu bringen vermag, wenn alle Wege ihm verschlossen erscheinen.

In dem Orte Fürstenberg verbrachte Schliemann -als Lehrling zwischen Schmierseifen- und Heringstonnen, zwischen Fliegenpapier, Zuckerhüten und Petroleumkannen eine freudlose Jugend. Von mor­gens fünf bis abends elf stand er in dem ärmlichen Krämerladen. Aber fein Troja hatte er auch damals nicht vergessen.

Nach sechs Jahren dieses harten Lebens verlor er wegen eines Blut- sturzes seinen Posten. Er pries sich noch glücklich, daß er in Hamburg eine Stellung fand, die ihm ganze 50 Pfennige im Tag eintrug. Da warf ihn auch fein neuer Prinzipal auf die Straße, weil er ebenfalls einen bluthusienden Gehilfen nicht brauchen konnte. Nun beschloß Schlie­mann, aus der Heimat zu gehen.

Er bekam Heuer als Kajütenjunge auf dem SeglerDorothea". Das war aber auch alles. Vor der Ausfahrt mußte Schliemann feinen einzigen Rock verkaufen, um sich eine wollene Decke anschaffen zu kön­nen. Am 28. November 1841 trat bann bieDorothea" ihre weite Reise an. Zwei Wochen später bonnerten bie Wogen ber Nordsee über ihren zerborstenen Leib. Mittellos kam Schliemann nach Amsterbam, wo ihm ber mecklenburgische Konsul ben Posten einesAusgehers" verschaffte. Sein Monatslohn betrug 50 Mark.

Dennoch brachte es Schliemann fertig, bamit nicht nur fein Leben zu bestreiten, fonbern auch noch Französisch unb Englisch zu lernen. Das erforderte Entbehrungen, die nur ein stählerner Wille ertragen ließ. Für feine Hauptmahlzeit gab er nie mehr als 16 Pfennige aus.

Auch fein Studium erforderte beispielhafte Energie. Mit 20 Jahren mußte er ja von vorne beginnen. So konnte man ben Geschäftsbiener mit einem aufgefrfjlagenen Buche vor ber Nase burch bie Straßen laufen

aber nicht so weh wie der Knöchel; ber Arm war wohl nur verstaucht °Öe2)er blaue^GoföaM)atte auf bas Unerwartete hin, bas ihm zugestoßen war sich boch noch einmal Bier bestellt. Der Tisch, an bem er saß an dem er jetzt zu bem im Gras liegenben Abgestürzten hin sein G as erhob, ihm freundlich zublinzelnd unter dem Helmrand her ihm aufmunternb autrintenb der Tisch war mit Glockenblumen ganz uberfat, daß es aus­sah als fei da ein Fest gefeiert worden, wie man ja bei freudigen An­lässen Blumen zwischen die Gläser zu streuen pflegt Und eine der Glocken lag wie mit offenem Munde über eine Bierlache geneigt,