Verkehr bringen, spurkos in den Sparstrümpfen der ganzen Wett verschwinden. Sie werden in der goldhungrigen Welt gewissermaßen versickern, ohne daß die Oeffentlichkeit überhaupt etwas von ihrem Vorhandensein weiß."
Wille schüttelte den Kops und machte ein ungläubiges Gesicht.
„Aber die Inflation, die Goldinslation", flog es ihm unwillkürlich heraus.
„Ist ein grundsävlicher Irrtum von Ihnen", fiel ihm Professor Eggerth ins Wort. „Sie dürfen die Papierinslationen der vergangenen Jahrzehnte nicht mit einer verstärkten Golderzeugung in einen Tops werfen. Eine papierne Banknote bleibt immer nur ein Zahlungsversprechen, das an Stelle der Zahlung genommen wird, so lange das allgemeine Vertrauen dazu bereit ist. Ein Goldstück dagegen bedeutet kein Zahlungsversprechen mehr, sondern eine wirkliche Zahlung."
Wille stürzte mit einem Ruck seine Bouillon herunter.
„Sie verkennen, Herr Kollege", sagte Reute, „daß wir es bei den heutigen Goldwährungen mit verkappten Energiewährungen zu tun haben. Zu 99,9% wird Gold heute nicht mehr gefunden, sondern erarbeitet. Praktisch ist der Goldvorrat in den südafrikanischen Goldminen unbegrenzt, jedenfalls viel größer als derjenige in unserem Bolidenkrater. Aber um es zu gewinnen, um die 10 bis 12 Gramm aus einem Kubikmeter härtesten Quarzgesteins herauszuholen, muß man Maschinenarbeit im Betrage vieler Pserdekrast- stunden leisten. Die Verhältnisse sind so, daß der heutige Goldpreis diese Unkosten deckt und den afrikanischen Minengesellschaften noch eine mäßige Verzinsung ihres Kapitals gewährt. Tatsächlich liegen die Dinge so, daß auf diese Weise der Preis der Pferdekraftstunde oder, wenn Sie elektrisch rechnen wollen, der Kilowattstunde einerseits und des Goldes andererseits auf das engste verbunden sind. Würde es plötzlich möglich, die Kilowattstunde zum zehnten Teil des bisherigen Preises zu erzeugen, io müßte logischerweise auch der Goldpreis aus etwa den zehnten Teil absinken. Dann könnten Sie vielleicht von einer Goldinslation reden, obwohl es im Grunde eine Energie- inslation wäre."
„Jetzt habe ich Sie gefangen, Herr Ministerlaldirektor", platzte Wille los. „Sie gewinnen hier das Gold mit dem hundertsten, dem tausendsten Teil — was weiß ich — derjenigen Energie, die man in den südafrikanischen Minen dafür braucht. Also--"
„— — müßte das Gold hundert- oder tausendmal billiger werden", führte Reute den Satz weiter, „wenn die übrige Welt das auch könnte. Aber sie kann es nicht, Herr Dr. Wille, und das ist der springende Punkt.
Zur Erläuterung will ich eine andere Möglichkeit heranziehen. Wie Sie wissen, hat die Zerlegung der chemischen Elemente mittels schneller Katho- denstrahlen in den letzten Jahren bemerkenswerte Fortschritte gemacht. Nehmen wir nun einmal an, es gelänge — was theoretisch durchaus denkbar ist — mit Hilfe dieser Strahlen von dem Quecksilberatom drei Wasserstoff- kerne abzuschlagen, so müßte ein Goldatom übrigbleiben. Nehmen wir weiter an, ein genialer Physiker entdeckte ein besonders günstiges Verfahren, bei dem sich die Umwandlung von einem Kilogramm Quecksilber in ein Kilogramm Gold mit dem Aufwande von nur einer Kilowattstunde bewerkstelligen läßt, dann könnte — ja dann müßte in der Tat das eintreten, was Sie jetzt zu Unrecht von unserm Vorgehen befürchten. Zwangsläufig müßte bann der Goldpreis bis auf den Preis des Quecksilbers hinab sinken, denn jedermann könnte sich ja dann Quecksilber kaufen und es mit ganz geringen Kosten in Gold verwandeln. Begreifen Sie jetzt den Unterschied zwischen einem solchen Zustand und unserer Lage, Herr Doktor Wille?"
„Ich glaube, ich verstehe Sie", sagte Wille nachdenklich. „Sie wollen sagen, daß nur Deutschland über dieses vorn Himmel gefallene Gold verfügt, daß aber für die übrigen Staaten nur die bisherige Art der Goldgewinnung in Frage kommt und daher auch der jetzige Weltpreis bestehen bleiben wird "
»So ist es, Herr Doktor", bestätigte Professor Eggerth. „Für die übrige Welt wird der Goldpreis immer mit dem jeweiligen Preis der Kilowattstunde verbunden bleiben, gleichgültig, ob wir zehn ober zwanzig Milliarden Gold in die Adern der Weltwirtschaft pumpen ober nicht. Wir müssen es mir, wie ich bereits betonte, vorsichtig tun. Nachrichten über die Größe bes Golbvorrates in bem Bolidenkrater hier dürfen nicht in die Oeffentlichkeit gelangen."
»Was um so leichter ist, als wir selbst nicht Genaues darüber wissen", fiel Professor Eggerth ein. „Es wäre möglich, daß der Bolide in seiner ganzen Ausdehnung mit Goldadern durchsetzt ist. Es ist aber eben io gut möglich, daß fie sich nur bis zu einer geringen Tiefe erstrecken, und bann wäre der Vorrat gar nicht so überwältigend groß. Dann könnten wir mit zwanzig Milliarden überhaupt am Ende unserer Kunst fein. Ich hoffe, Herr Dr. Wille, baß Sie nach dieser Mitteilung den Alpdruck einer Goldinflation los werden."---
Das Mahl war beendet.
„Bevor ,St 11' Sie zu Ihrer Station znrückbringt, Herr Kollege", lagte ineute, „wollen wir Ihnen nun auch noch das Letzte zeigen."
Die Herren warfen ii* ihre Pelze über und traten wieder ins Freie. Reute 8tng geradenwegs auf ,St 11‘ zu.
»Ich denke, ich soll noch etwas sehen?" fragte Wille.
„Sehr richtig, Herr Doktor. Sie sollen die goldenen Eier sehen, die unsere Henne hier legt. S (bauen Sie dorthin."
Sille blickte sich um, erst ,eyt fiel ihm aus, daß ,St 11 (einen Liegeplatz rnzwnchen gewechselt hatte. Es lag unmittelbar neben einem kleineren Gebäude, dessen hohem Schornstein ein weißlicher Rauch entquoll.
„Hier steht bet Schmelzofen, in bem bas elektrolytisch gewonnene Golb in Barren umgeichmolzen wirb", gab Reute bie Erklärung. „Es jinb Barren ÄJl’eIj,n’ans’? Kilo. 2000 Stück bavon, bie Ausbeute von zwei Tagen, nimmt ,St l l'heute nach Deutschlanb mit."
.St IT lag in einer kleinen Mulbe bicht neben bem Gießhaus, etwas tiefer als bteies. Zu einet Labeluke in bet hinteren Hälfte seines Rumpfes hwrte eine Alumimumbrucke, bie infolge dieses Höhenunterschiebes waage- recht lag. In kurzen Ab'tanben kamen Elektrokarren mit stumpfgelben Guß bnrren beloben aus dem Hans unb rollten über bie Brücke in ba« Schiff
Die brei Herren tarnen gleichfalls ben Weg über die Brücke unb gingen m ben Laderaum, der sich im Unterteil bes Rumpfes bort besanb, wo an befett Cbetteil die Schwingen ansepten. Eine Weile ftanben sie hier unb “I’e" *us die Werkleute Barren um Barten von den Sorten hoben
nr te1 Achs" des Lagerraumes dicht nebeneinander schichteten.
Dr. Wille schwieg. Er schien in allerlei Gedanken versunken zu fein.
„Warum auf einmal so tiefsinnig, Herr Kollege?" fragte ihn Reute.
Wille lachte. „Ich mutzte eben an das Märchen au8 .Tausend unb eine Nacht' benten, wo der Kalif einem Günstling erlaubt, io viel Golb aus seiner Schatzkammer mitzunehmen, wie et zu tragen vermag."
„Doch ein ganz anständiger Vorschlag", meinte Reute.
„3a, aber allzuviel kommt nicht dabei heraus. Rehmen mit einmal an, baß dieser Günstling ein Athlet war unb mit einem runden Zentner abziehen konnte. Dann wären das immer nur 125000 Mark. Gewiß ein recht nobles Geschenk, aber nach den Worten des Kalifen hätte ich, offen gesagt, mehr erwartet.“
„Tia, Gold hat sein Gewicht, lieber Doktor", warf der Professor ein. „Ein Scheck läßt »ich in der Brieftasche viel bequemet mitnehmen. Aber wir dürfen nicht vergessen, daß er nur Wert hat, wenn Deckung für ihn vorhanden ist, unb letzten Enbes wirb biese Deckung burch bas Golb bärgefteUt, bas in ben Kellern ber Bank liegt, bei ber er präsentiert wirb."
„An, unb für sich ist es unsinnig Milliarben unb aber Milliarben von Pferdekraftstunben aufzuwenben, um bamit ein bestimmtes gelbes Metall (das Golb) aus bem Quarzgestein herauszuarbeiten unb als Währungsunterlage in bie Keller ber Banken einzulagern", meinte abschließend» Reute, „denn das Vertrauen ber Oeffentlichkeit zu ber gesunden Wirtschaft eines Volkes unb seiner Regierung ist bie beste Unterlage für seine Währung. Weil aber andere Staaten ben Golbfimmel haben, so wollen wir auf einen Schelmen anberthalbe setzen unb mit bem Golde, bas ber Himmel uns in ben Schoß warf, zum Besten unseres Lanbes wirtschaften."
Der letzte Karren hatte seine wertvolle Labung abgegeben unb rollte über bie Brücke ins Freie. In einer Länge von zehn Metern unb einer fast ebenso großen Breite war der Boden des Schiffsraumes jetzt mit einer Decke gediegenen Goldes belegt.
„Ein kostbarer Teppich. Es gibt keinen kostbareren in ber Welt“, sagte Professor Eggerth nachbenklich, während er über bie gelbschimmernde Fläche zu einer Treppe hinging.
Die .City of Boston', welche die Andrewsche Expedition nach der Antarktis brachte, hatte bas Glück, im Roß-Meer erträgliche Eisverhältnisse zu finben. Schon war bie Felsküste von Viktoria-Land deutlich am Horizont erkennbar, als sich ihr bie ersten Eisschollen in ben Weg schoben. Krachend zerbarsten iie, wenn ber scharfe Bug des Schiffes sie traf. Vorsichtig, mit halber Maschineukraft vermochte bas Schiff seinen Weg fortzusetzen. Vorläufig war es immer noch lockeres Treibeis.
Dem Kapitän Lewis war nicht wohl bei bieser Fahrt. Sprang etwa ber Winb um, trieb er bie Schollen gegen bie Küste hin, bann mußten sie sich ja zu bem gefürchteten Packeis zusammenschieben, würben fein Schiss umklammern, einschließen — für lange Zeit, vielleicht für immer. Alles tarn barauf an, baß ber Lanbwinb anbielt, solange bas Schiff sich in bieiem gefährlichen Gebiet befanb. Er atmete auf, als bas Ziel enblich erreicht war unb bie .City of Boston' unmittelbar neben einem Felsplateau ihre Anker in zwanzig Faben Wassertiese niebertaffeln ließ, unb gab Befehl, sofort mit ber Ausschiffung ber Expebition zu beginnen.
Eine schwere Laufbrücke würbe von zwei Schissskränen zu bem Plateau hinausgelegt, unb ber mächtige Raupenwagen glitt über iie hin an Lanb. Der Treibstoff folgte. Eiserne Fässer, jebe? hunbert Kilo entljaltenb, würben über bie Brücke gerollt unb von ber Mannschaft auf bem Plateau aufgestapelt.
Mr. Bolton hatte aus seinem früheren Unfall eine Lehre gezogen unb biesmal ein tief siebenbes Benzin gewählt, bas auch bei ber strengsten Külte nicht erstarrte. Zweihunbert solcher Fässer würben an Lanb gebracht. Sie bebeuteten einen Treibstoffvorrat von zwanzig Tonnen, ausreichend für eine Fahrtstrecke von weit mehr als 10000 Kilometern. Hier hatte Bolton nicht gespart, denn Treibstoff bedeutete ja Bewegungsmöglichkeit, Bewegungsfreiheit für die Expedition, bedeutete Wärme unb Licht Währenb ber langen Fahrten burch bie eisige Einöbe.
Proviant kam nach bem Treibstoff ans Lanb. Konierven aller Art, die Büchsen in Kisten zu handlichen Gepäckstücken vereinigt, eine hinreichende Menge, um den Nahrungsbedars ber fünf Teilnehmer ber Expedition auf viele Monate sicherzustetten. Danach Pelze und Bekleidungsstücke in beträchtlicher Zahl, obwohl der mächtige Raupenwagen ja einen sicheren .Schutz vor allen Unbilden des polaren Klimas bot.
Kaum war das letzte Stück an Land, als bie Brücke zurückgenommen mürbe. Dumpf heulte bie Sirene ber .City of Boston' auf, grollenb kam bas Echo von ben Felswänben zurück. — Die Schrauben begannen zu arbeiten. Langsam beschrieb ber graue Rumps in bem engen Fahrwasser einen kurzen Bogen, vorsichtig entfernte sich das Schiff von ber Küste unb suchte ben Weg zum freien Meer zu gewinnen. Zusehenbs waren bie offenen Rinnen in ber kurzen Zeit, die es hier gelegen hatte, schmaler geworben, benn der Wind hatte »ich derweil gedreht. Mit Mühe glückte es Lewis noch, das offene Meer zu gewinnen.
Bolton unb Garrison ftanben mit Captain Anbrew am Raube des Pia- teaus unb schauten ber .City of Boston' nach, bis ihre Schornsteine am Horizont verschwanben.
„Wir haben Glück gehabt, Mr. Bolton", tagte Captain Anbrew. „Wenn wir eine Stunbe später tarnen, hätten wir lange nach einer Lanbungs« Möglichkeit suchen können. Möge uns bas Glück auch weiterhin günstig sein."
Garrison fröstelte in bem eiligen Sturm.
„Gehen wir in unfern Wagen", schlug er vor, „unb fassen wir bort unsere Entschlüsse für bie nächste Zukunft."
Der Wagen, nach ben Entwürfen von Anbrew gebaut, war wesentlich größer als bie Fahrzeuge ber Willeschen Station. Gut fünfzehn Meter lang unb über brei Meter breit enthielt er reichlichen Raum nicht nur für Bolton, Garryon unb Andrew, fonbern auch für ben Wagenführer Parlett unb für den Funker Sowjet unb vermochte außerdem noch eine bedeutende Nutzlast mitzunehmen.
(Fortsetzung folgt.)


