Ausgabe 
5.4.1935
 
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Nummer 27

Zreitag, den 5. April

Jahrgang 1935

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Drohung.

Bon Carl Spitteler.

Wenn du dich noch einmal unterstehst Und mir im Kopf herumgehst, Hol ich gleich nebenbei Die Stadtpolizei.

Die hängt dir jedenfalls

Einen Schandbrief um den Hals, Damit jeder es liest. Was für ein Spitzbub du bist.

Wenn du mir das noch einmal machst Und mich im Traum anlachst. Guckt aus der Münftertür Der Kapuziner herfür.

Der malefizt dich mit feinem Latein

Von Schwarzkunst so rein. Daß von dir Hexenweib Bloß das Apfelhäuschen bleibt.

Wenn du mir nur noch einmal kommst Und nicht gleich zu mir kommst. Hetz ich mein Hündlein nach dir.

Das beißt dich zu mir.

Dann sperr ich dich, Gott sei Dank, In einen gläsernen Schrank.

Ein Schlüssel hängt dran. Daß ich auch hineinkann.

Die Reise nach Venedig.

Von Görge Spervogel.

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Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

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einmal deinen kleinen Kosfer durch die Lust nach Venedig bringen. Das gelbe Heft stellt den Flugschein vor, dieses Geld mein Reisegeld und dein Koffer meinen Reisekofser. Auf diese Art soll ich nun nach Venedig fliegen, ohne Lust und Geld, nur weil mein Onkel auf die Idee kommt, mir plötzlich etwas Gutes antun zu wollen. Ach, Maleen, soll ich dir sagen, wie ich das Leben finde?"

Ja, freust du dich denn nicht?" fragte das Mädchen vor Staunen beinahe entrüstet.Du freust dich doch wohl, nicht? Oder was bist du für ein Kerl?" . ...

Freuen?" fragte Toon.So dumm bin ich schließlich doch noch nicht. Auch noch freuen?" murmelte er.510!"

So!" sagte Maleen.Willst du nun reifen ober nicht?

So eine Frage", sagte Toon.Natürlich will ich."

Und warum freust du dich dann nicht? Oder willst du mich ver- ^"sei artig, Maleen", bat Toon,sei still und höre zu. Da ist erstens kein Geld, zweitens kein anständiger Anzug, drittens kein Paß, viertens keine gewaschene Wäsche und fünftens ein verabredetes Mädchen ohne Telephon und ein junger Mann ohne Zeit zum Absagen. Und es ist ein schönes und wichtiges Mädchen. Stell dir nun bei den Hindernissen vor, ich würde mich auf diese Reise freuen ach du lieber Gott, dann käme sie ja ganz bestimmt nicht zustande."

Maleen kramte in allerlei Winkeln herum, überlegte halblaut, tele­phonierte ein wenig und erklärte bann, Toon solle augenblicklich begin­nen, sich zu freuen, benn nun nehme fie bie Sache in bie Hanb. Aber eins müsse er ,yr versprechen, unb zwar mitten in bie rechte Hanb hinein: mit ganz altmobischem, ganz großem Männerehrenwort müsse er versprechen, was sie nun sagen werbe.

Ist es auch nicht zu schwer?" fragte Toon ein wenig mißtrauisch. Du mußt wissen, ob ich es halten kann."

Du kannst es", sagte Maleen.Zwei Tage bleibst bu in Venebig, nicht? Unb da mußt du nun versprechen, daß baß bu ach, ich sage es, wenn du startest." Toon bettelte unb bat, aber Maleen ließ sich nicht erweichen.Morgen,früh wirst bu es erfahren", sagte sie, unb nun wollen wir losgehen."

Am Abenb besah Toon durch Maleens Hilse über dreißig Mark, dem schönen, wichtigen Mädchen war eine Postkarte geschrieben worben, bie Wäsche hing auf Maleens Balkon, eine wunberoolle Oxfordhofe lag bereit, daneben ein rostbrauner Sakko, unb der Paß Maleen hatte durch ihre Menschenkenntnis, und gerade die Kenntnis der wichtigsten Menschen, bewirkt, daß der Paß in den ersten Morgenstunden zum Ab­holen bereitlag. Toon hätte in dieser Nacht mithin beruhigt schlafen kön­nen, aber einmal bas Reisefieber, bann bie Freube unb ferner bas alt­modisch ehrliche, große Männerehrenwort quälten ihn sehr. Er war noch so jung, hatte noch nicht viel erfahren und war seiner Kräfte noch nicht sicher; er war ihrer vielleicht noch gar nicht bewußt.

Maleen, bie wie alle guten unb liebenswerten Frauen sehr viel Müt­terliches unb damit Erzieherisches hatte, war in ihrer Klugheit und Tatkraft fchon längst über diesen Mangel Toons klar geworden. Sie brachte den Jungen also zum Flugplatz, wo sie sogleich nach allerlei tech­nischen Dingen zu fragen begann, unb Toon, versteht sich, wußte ihr eine Menge zu erklären und auseinanberzusetzen. Die Eme-Million- Kilometer-Piloten spazieren nicht selbstsicherer, großartiger und allmäch­tiger auf den Flugplätzen einher als Toon hier neben Maleen. Als nun bie brei Motoren ber gewaltigen Maschine zu bonnern begannen, sagte fie- Jetzt mußt bu mir versprechen, alle brei Stunben ein Abenteuer zu erleben Horst du? Alle brei Stunben eines. Natürlich nicht in ber Zeit, bie bu mit Schlafen unb Fliegen verbringst, aber irotzbem mm- bestens zwanzig. Hast bu oerftanben?" . ... 4

Bitte einsteigen!" rief eine Stimme, b>e Propeller dröhnten, die Kabinentür wurde geschlossen, unb Toon merkte vor Grübelei und Ueberraschung nicht, daß nun der große Augenblick gekommen war da er zum ersten Male in einem sich bewegenden Flugzeug saß. Die Ma­schine rumpelte über das Flugseld, sie fuhr und fuhr für mindestens eine Mark fünfzig Taxe fuhr Toon in dem Flugzeug dahin. Dann tarn ein Bogen, die Motoren zeigten sich von ihrer wahren Seite unb Toon wußte nicht, ob er das Rad besehen sollte, das über den Rasen fegte, oder ob er Maleen zu beachten hatte, die dahinten stand und winkte. Ehe er aber zu überlegen begann, hatte er sich schon für das Rad entschieden. Er hatte es wirklich nicht kommen sehen, aber nun geschah es daß trotz aller Gröhe, Schwere und Dicke dieses Rad nur eben noch bie Spitzen ber Grashalme streifte, unb bann konnte von Gras unb berartiaem überhaupt keine Rebe mehr fein, benn bas alles war schon Diel zu weit weg. Es hanbelte sich noch um Laubenkolonien und Baume, bis sich herausftellte, daß die Laubenkolonien nichts anderes als aus- gewachsene Stadthäuser bedeuteten mit winzigen Autos und Straßen­bahnen dazwischenher. Grünflächen schoben sich ein. errangen bie Ober- honb und endlich war nichts von Bestand als die Geometrie ber Aecker,

In alle Freube hinein melbete sich ber Onkel, unb Toon hatte ganz vergessen zu überlegen, was er nun eigentlich sagen wollte. Er raufperte sich und sagte mit leiser, tiefer Stimme:Hier ist em Freund von Toon. Ich suche Toon und kann ihn nirgends smden. Er wollte m den nächsten Tagen mit einigen von uns eine kleine Reise unternehmen. Vielleicht 'Ä"»1*. d« OnM.. MW -°- er noch zu Hause. Und in den nächsten Tagen wird er übrigens ver­reisen Weit fort, ja. Mit dem Flugzeug sogar. Ja, em vornehmer Jung' sing. Wissen Sie, er soll sich mal die Welt ansehen. Em bißchen wenig­stens. Na, da habe ich ihmeinen Flugschein nach Venedig geschenkt. ^^Ver^ammtz'bachte" Toon°"unter Kopfschütteln, also ist es wahr. Da tlingdte bas Teleph Woher wissen beine Freunbe meine Tele­phonnummer unb bah ich bein Onkel bin? orhmina

Wissen sie bas benn?" murmelte Toon. Ich hatte keine Ahnung, dah sie es nicht wissen. Sei nicht böse, Onkel. Mock,

Warst du schon im Reisebüro, um bemen Flugschein abzuholen. Mach schnell", sagte ber Onkel,sonst ist ba geschlossen. Viel Vergnügen.

-- «wt °.° 7- *

Scheinen barin. Er ging zu Maleen, legte bas gelbe Äeft_unbi ferne ®eIb- börfe vor sie hin und fragte, ob sie einen kleinen Koffer habe, unb ob sie ihn wohl für eine Woche entbehren könne. Ja? Vielen Dank Darauf legte er sich in einen Sessel unb stöhnte.Was ist denn> eigentlich los fragte Maleen unb begann in dem gelben Heft zu blättern.Dasi tft ja wunderbar", flüsterte sie plötzlich. Da (prang Toon auf und schüttete den Inhalt feiner Börse auf den Tisch.Zwei vierzig 'sagte Maleen.Ja, und? Was ist denn nun eigentlich los? wiederholte fie- -'Z°on(n^? ? ±

Ach" sagte er,meinem Onkel ist es eingefallen, ich sollte doch

Ist es möglich? fragte sich Toon. Nein, es kann nicht möglich sein. Möglicherweise ist es aber doch möglich? Nein, von allen Möglichkeiten ist das hier bie unmöglichste. Toon überlegte nach allen Seiten, backte oor sich hin unb grübelte in sich hinein, aber es kam nichts habet heraus. Endlich beschloß er zu telephonieren.

Maleen", sagte er im ersten Gespräch, vielleicht habe 'ch getraumt vielleicht aber auch nicht. In aller Früh so träumte ich, rief wem Onkel an. Er sagte etwas, das nicht wahr sein kann. Sage bu, ob ich es glauben soll ober nicht."

Was hat er benn gesagt?" fragte Maleen

Das kann ich so schnell nicht sagen", erwiberte Toon.

Dann frage boch deinen Onkel", sagte Maleen. ,,

Teufel!" schrie Toon. Maleen bezog bas auf sich und hängte ab. Toon wählte des Onkels Nummer, Je, dachte er, was man doch für kluge

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