Feindschaft mit- eine Fernsicht
An die Geliebte.
Von Eduard Mörike.
Wenn ich, von deinem Anschau'n tief gestillt, mich stumm an deinem hetl'gen Wert vergnüge, dann hör' ich recht die leisen Atemzüge des Engels, welcher sich in dir verhüllt.
Und ein erstaunt, ein fragend Lächeln quillt auf meinem Mund, ob mich kein Traum betrüge. Daß nun in dir, zu ewiger Genüge, mein kühnster Wunsch, mein einz'ger, sich erfüllt?
Bon Tiefe dann zu Tiefen stürzt mein Sinn, ich höre aus der Gottheit nächt'ger Ferne die Quellen des Geschicks melodisch rauschen.
Betäubt kehr' ich den Blick nach oben hin, zum Himmel auf — ba lächeln alle Sterne; ich kniee, ihrem Lichtgesang zu lauschen.
Der Liebesroman -er Kreiin Emilie von Münchhausen.
Bon Heinrich Gloöl*.
mahlin und wurde dieser immer langweMger und unleidlicher. Die lebenslustige und kokette Frau richtete ihr zärtliches Auge auf andere, z. B. auf Goethe und auf Karl Ludwig v o n K n e b e l, der ihr auch feine Huldigungen darbrachte. Das Benehmen der „kleinen Werthern" kam Goethe so merkwürdig vor, daß er am 2. Februar 1782 an Knebel schrieb: „Ich sehe ihr im Stillen zu, sie will mir gar nicht gefallen."
Endlich fand sie, was sie suchte, nämlich einen Mann, der ihr geeignet schien, ihre Sehnsucht nach Befreiung aus der unglücklichen Ehe zu stillen. Es war der Freiherr August von Einsiedel, der jüngere Bruder des Weimarer Kammerherrn Hildebrand von Einsiedel. Er war in der Tat ein außergewöhnlicher Mensch, kenntnisreich und unter- nehmend. Nachdem er Offizier gewesen war, studierte er in unersättlicher Wißbegierde selbständig vielerlei, besonders Naturwissenschaft, Chemie und Erdkunde, war eine Zeitlang Bergrat in Freiberg in Sachsen und kam von feinetp Schloß Lumpzig in Thüringen öfter nach Weimar, um feinen Bruder und namentlich Herder zu besuchen, der mit ihm eng befreundet war und von ihm für seine „3been zur Philosophie einer Geschichte der Menschheit" zahlreiche Aufzeichnungen über Natur, Völker und Menschen erhielt. Auch mit Goethe war er gut bekannt. Dieser verhandelte z. B. 1781 mit ihm wegen der großen Bibliothek des Göttmger Philosophieprofessors Büttner, durch deren Ankauf der Her- zog Karl August*** dem Bergrat zuvorkam, der nun eine Entschädigung für den Verlust verlangte. Vielleicht ist das Goethe zugeschriehene geistreiche Fragment „Die Natur" (Hempelsche Goethe-Ausgabe, Band 34, Seite 71 bis 74), durch die an Herder gesandten Aphorismen Einsiedels beeinflußt.
Für diesen Mann begeisterte sich Freifrau von Werthern. Und dl« Liebe machte sie erfinderisch. Emilie wird plötzlich krank, reift nach Halle Zu einem Arst, wird hier noch kränker und stirbt. So rasch es die damaligen Postverbindungen zulassen, fliegen die Todesanzeigen in alle Schlosser und Häuser der adligen Verwandten. Mit großem Prunk wird das Leichenbegängnis gefeiert. Auch der zum Witwer gewordene Ehemann ist zugegen, innerlich vielleicht ganz zufrieden, auf diese Weise nach etwa zehnjähriger Che die launenhafte Lebensgefährtin verloren S haben. In Leitzkau und in den umliegenden Münchhausen» en Patronatsdörfern werden vierzehn Tage hindurch täglich eine Stunde lang in drei Zügen die Glocken geläutet. Und wahrend dessen macht die für tot gehaltene und betrauerte Frau frlsch und gesund eine große Reise mit August von Einsiedel. Dieser hatte sich nämlich, einem abenteuerlichen Drange folgend, der französischen Regierung zur bergmännischen Durchforschung von Algier und Tunis erboten, um die hier in der Erde verborgenen edlen Metalle zu finden und Goldbergwerke zu eröffnen. Und nun trat er im Mai 1785 die Reise wirklich an, begleitet von zwei Brüdern und von der Geliebten. Weber Straßburg ging es nach Marseille und von da zu Schiff nach Tunis. In Straßburg wurde das Paar aber von jemand erkannt, der sofort den Herrn von Werthern benachrichtigte. Dieser ließ den Sarg offnen. Und was fand sich darin? — Statt einer Leiche eine große aus- gestopfte Puppe. Das Liebespaar hatte also durch eine schlau erlonnene Komodie alle Welt getäuscht.
, $n AstWa, wo die Flüchtigen am 30. Juli ankamen, hatte der Berg- rat freilich keinen Erfolg und fand kein Gold. Wenn er auch das Schiff nach langer Quarantäne schließlich verlassen konnte, so versperrte ihm bae an der Nordküste gerade wütende Pest alle Wege, so daß ihm das Durchforschen des Erdbodens unmöglich war. Die Unternehmungslustigen traten daher bald die Rückreise an und hielten sich bann eine Weile in Italien auf. Unb von hier brang von neuem ber Ruf nach Deutsch, laut», daß Frau von Werthern nicht tot sei, sonbern lebe, wirklich und wahrhaftig lebe. Die strenge Mutter Emiliens, Freifrau von Münch- hausen, war so empört, baß sie, mieses scheint, bie Tochter wegen ihres Leichtsinns enterben wollte. Darauf begab sich August von Einsiedel nach Leitzkau, um mit der Familie zu verhandeln. Darüber schreibt Goethe am 9. Juli 1786 an Frau von Stein: „Nun ein Wort von des Afrikaners Emsiedels Negottation. Er war bei ber Werthern Bruder und hat freundschaftlich mit ihm getrunken. Dieser edle Bruder ist des Morgens duster, nachmittags bettunken, und das Resultat der Unterhanb- lung ist sehr natürlich unb sehr sonderbar ausgefallen. Münchhausen er- W?rt: daß, wenn seine Schwester von ihrem Mann ordentlich geschieden, mit ihrem Liebhaber ordentlich getraut seyn werde, er sie für feine Sdjroefter erkennen und bet) ber Mutter ausroürten wolle, baß sie auch als Tochter anerkannt und ihr das Erbteil nicht entwendet werde Für
Trunkenen ein sehr nüchterner Vorschlag. Nun aber unsere Flllcht- hngel W,e abscheulich! Zu sterben! Nach Afrika zu gehen, den sonder- barsten Roman zu beginnen, um sich am Ende auf die gemeinste Weise scheiden unb kopulieren zu lassen." ' 1
Der folgende Ehescheibungsprozeß erregte ungeheures Aufsehen. Das rne^.m^n ?e,5 Paares fand aber bei ber sentimental gerichteten Gesellschaft auch Jubel unb Zustimmung. Cnblich 1788 erreichte Emilie Gr Ziel- Sie würbe m Leitzkau in aller Form mit August von Cinsiebel getraut. So enbete ihr Liebesroman. Der Stallmeister von Werthern aber tröstete sich durch Vermählung mit Zäzilie von Ziezesar aus Drarenoorf.
Der zweite Ehemann sagte Emilien doch immerhin mehr zu als der erste, wenngleich er ihr zu gelehrt unb zu unruhig war. Nach bem Tobe besJBergrats fetjrte sie oft zu ihrer alten Mutter in ihren Geburtsort ."elyknu zuruck, wo sie im Alter eine fromme Frau war, bem sonn- raschen Gottesdiensten in ber Schloßkirche beiwohnte, jcbesmal ein Goldstück in der, Klingelbeutel warf, bis 1827, wo sie wohl starb häufig auch den Patronatspastor Gloel besuchte und 1818 Pate des ältesten Sohnes und später noch einer Tochter dieses Pfarrers wurde.
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anderen erloschen die schon erneuerten Kerzen, unruhig wehten die Schatten durch den Raum. Vor halbgefülltem Glas saß mancher, leise schwankend wie ein Tanzbär, ganz mit sich allein, murmelnd, Sieber- setzen fingenb ober mit zornigem Ausruf auf ben Tisch schlagenb. Anbere suchten noch Geselligkeit; immerfort entströmten ihnen Worte, unb ber erstaunte Ausbruck ihrer Augen ftanb bazu in fonberbarem Gegensatz, als rounberten sie sich, baß sie in Zungen sprechen konnten. Alle Charaktere lagen klar zutage. Jeber in seiner Eigenart, aber alle friedlich beieinander.
Die zähesten Jäger saßen in einer Ecke, klopften ihren Skat unb blinzelten mit listigen Augen burch ben blauen Pfeifenrauch einanber zu. Die Gewehre ftanben neben ihren Stühlen, bie Teckel schliefen in bem warmen Raum zwischen Stuhllehne unb Jägersrücken. So erwarteten sie bie Dämmerung.
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Anbern Tags vernahm ich manchen Schuß im Wald des Dorfes „Zeitlos". Als aber bie Jäger mittags zusammenkamen, hörte ich nicht, daß irgendein Wild erlegt worden fei.
Allbekannt ist burch feine Aufschneidereien und Lügenmärchen der Baron Hieronymus von Münchhausen (1720 bis 1797), und der ?^°""iche Minister Baron Gerlach Adolf von Münchhausen (1688 bis war von anerkannter Tüchtigkeit. Wir haben es aber hier mit den Münchhausens zu tun, die in Leitzkau bei Zerbst fett dem 16. Jahrhundert ihre Rittergüter als Allodialbesitz inne hatten.
An der Stelle des im 12. Jahrhundert vom Magdeburger Erzbischof Norbert im Wendenland gegründeten, später hochberühmt gewordenen Pramonstratenserttosters Laetitia Dei liegen die beiden herrschaftlichen Hauser oder Schlosser Atthaus- und Neuhaus-Leitzkau, durch einen etwa hundert Schritte breiten Hof getrennt, durch die stattliche Schloßkirche verbunden, von Schloßpark und Tiergarten umgeben. Neuhaus-Leitzkau
von ber abligen, Althaus von der sreiherrlichen Familie von Münchhausen bewohnt. Seit dem Mittelalter gab es eine weiße und eine schwarze Linie von Münchhausen. Beide Leitzkauer Familien gehörten zur letzteren, aber beide lebten seit langer Zeit in Feindschaft mit- hi«atfror\ ?°n benl hochgelegenen Leitzkau hat man eine Fernsicht Unterba9bC6Ur0 Unb bet beItem Weiter bis zum Brocken unb zum
hn..» Frei'n n ch h a u s e n wurde um 1755 in Alt-
Hhr Pater war der Freiherr Georg von Münch- hausen - ihre Mutter war eine Tochter des Pastors Petri in Braun- u^bCfflerWulhen5 8reif)crr Karl Adolf von Münchhausen, Erb-
maab® G$n? to h 2l"haus-Le,tzkau. verheiratete sich mit einer Vieh- ?Vre9ifraif non TO ^k blrC bürgerlich geborene, aber adelsstolze rountWaufen, geborene Petri, billigte die heimlich ge- Ö1831?' d°°r, s° lange sie lebte (sie starb hoch-
hiJ KAmiJn' lm Schlosse, sondern im Amtshause wohnen und soll die Schwiegertochter Niemals gesehen und gesprochen haben.
n. ^shone und talentvolle Emilie herangewachsen war wurde M b? be< Herzogin Anna Amalia von Weimar Die beteiligte L'ebenswürdigkeit an den Liebhaber-Aufführungen
sä « s j's-Ä-äB ®ro6oSrbeanu^ten ÖUe“en ^'"b mir bie Erinnerungen meine-
Dr' 8,1,8 ».MCI«. u„° »»„M,,,,.g. g.,„.


