Ausgabe 
4.1.1935
 
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%ÄÄÄÄ « * » ** ben Baum und erklärte ihm seine Absichten. Der sah sich den mächtigen Stamm an und warf Garrison einen mitleidigen Blick zu.

Den Riesenstamm wollen Sie mit unseren Werkzeugen umlegen? Ebensogut können Sie es mit Ihrem Taschenmesser versuchen unb dann noch ein Boot aus diesem Mordsbaum herausarbeiten unmöglich, was Sie sich da in den Kopf gesetzt haben."

In einem Punkt behielt Bolton recht. Es war eine schwere, lang­wierige Arbeit, den mächtigen Baum umzulegen, und zwar so umzu- leoen, daß er nach außen hin auf den Strand stürzte. Vom ersten Morgen­schein bis zum Untergang der Sanne arbeiteten sie daran. Mit schmerzen­dem Rücken, in Schweiß gebadet, die Hände voller Schwielen hieben sie unablässig Span um Span aus dem zähen Holz, bis am Abend des dritten Tages ein Schüttern durch den Riesen des Tropenwaldes ging, der gewaltige Baum sich langsam neigte und krachend auf den Strand niCGinen Iag gönnten sie sich Ruhe, dann kam ein zweites, kaum minder schweres Stück Arbeit. Die Krone mußte vom Stamm gekappt werden. Rur kurze Pausen machten sie für die Mahlzeit; längere, unwillkommene mußten sie einlegen, um die stumpf werdenden Aexte immer wieder zu schärfen Eine Woche war vergangen, seitdem Garrison den Baum ent­deckte, da lag der Stamm von allem Astwerk befreit auf dem Sand.

Was kommt setzt?", fragt« Bolton und besah sich seine zerschundenen Cyin^,

,Jetzt wird es viel leichter, Bolton. Jetzt soll das Feuer für uns arbeiten Sie werden es bald sehen", tröstete ihn Garrison.Brennholz brauchen wir jetzt, viel trockenes Brennholz, das müssen wir noch her­schaffen."

Als die zweite Woche zu Ende ging, sah das Bild ganz anders aus. Der ganzen Länge nach brannte auf dem mächtigen Stamm ein Feuer, sorgfältig genährt durch fortwährend neu aufgelegtes Brennholz, aber in genau vorgezeichneten Grenzen gehalten durch Wasser, das die beiden mit leeren Konservenbüchsen unablässig aus der See schöpsten und sofort aufgossen, wo das Feuer die Grenze überspringen wollte.

Mit Feuer sollten die Wilden Baumstämme aushöhlen und sich so ihre Boote herstellen. Oester als einmal hatte Garrison das gelesen, und als Physiker hatte er schnell begriffen, daß es nur möglich war, wenn man das Feuer durch Wasser im Zaume hielt und es nur da brennen und fressen ließ, wo es brennen sollte.

Anerkennend verfolgte Bolton den Fortschritt der Arbeit. Im Laufe zweier Tag« war die obere Hälfte des runden Stammes von dem Feuer restlos verzehrt, verascht und verschwunden. In den übrigbleibenden Halb­zylinder fraß die Glut jetzt eine Höhlung hinein, die durchaus der inneren Form eines Bootes entsprach. Wie Zunder brach das verkohlte Holz unter dem Stemmeisen fort. Rach nochmal achtundvierzig Stunden war die innere Höhlung sauber und glatt ausgearbeitet. Soviel hatte der Stamm durch diese Feuerarbeit an Gewicht verloren, daß sie ihn ohne allzu große Mühe mit Aeineren Stämmen umkanten konnten. Mit der Höhlung nach unten lag er jetzt auf dem Sand. Der letzte Teil des Werkes, die Aus­arbeitung der äußeren Form begann. Seufzend machte sich Bolton auf neue schwere Arbeit mit Beil und Axt gefaßt, aber vorsichtig, sehr vor- sichllg freilich, nahm Garrison auch hier das Feuer zu Hilfe. Geschickt brannte er so weit vor, daß die'Schneide der Axt keinen großen Wider­stand mehr fand.

An dem Tage, an dem Garrison den vierzigsten Strich in seinen Ka­lender kerbte, schoben sie das fertige Boot auf untergeschobenen Rund­hölzern die wenigen Meter über den Strand in das Wasser. Fast kamen ihnen die Tränen, als sie es schwimmen sahen, als es sie beide sicher trug. Sorgfältig zogen sie es nach dem ersten Versuch auf den Strand zurück, denn unfaßbar, untrüglich war ihnen der Gedanke, daß etwa ein auf- kommendes Wetter das Erzeugnis so langer und harter Arbeit auf das offene Meer entführen könnte.

Was noch weiter z utun war, wurde schnell erledigt. Ein Mastbaum erhob sich im vorderen Drittel des Bootes, aus Decken wurde ein Segel genäht, Ruder wurden mehr zweckmäßig als schön aus jungen Palmen­stämmen zugehauen. Proviant und Trinkwasser, soviel die leeren Kon­servenbüchsen zu fassen vermochten, trugen sie hinein.

Dann kam ein sonnenklarer strahlender Morgen, an dem das Boot von der Insel abstieß. Wenige Ruderschläge nur, dann fing sich eine frische Brise in seinem Segel und ließ die Flut vor seinem Bug auf­rauschen. Am Heck saß Garrison, das Steuer in der Rechten, die Uhr in der Linken, die ihm bei dieser Seefahrt den Kompaß ersetzen mußte. Neben dem Mast hatte sich Bolton niedergelassen und zündete sich eine Zigarre an, die letzte ihres Vorrats, die er zufällig noch kurz vor der Ab­fahrt entdeckt hatte.

Leise atmend wogte die See auf und nieder, frisch wehte die Brise. Weithin am Horizont sah Bolton di« Insel langsam versinken. Himmel und Meer nur umgab die einsamen Seefahrer in ihrem selbstgezimmerten Boot.

,St 8 kreuzte über der Insel. Berkoff war in dem Schiff. Wie der heilige Nikolaus ungesehen kommt und geht, sollte er für die Amerikaner Lebensmittel und andere wünschenswerte Dinge bringen. Er kam zu spät, die Insel war verlassen. Vergeblich durchsuchte er sie mit der Mannschaft des Schisses. Nur ein paar Feuerstellen verrieten, daß hier vor nicht allzu langer Zeit Menschen gehaust hatten. Er stand vor einem Rätsel, und er fühlte wohl, daß die Lösung dieses Rätsels recht unangenehm werden könnte.

Eine deutsche Kolonie in der Antarktis.

Ein« Stunde und eine zweite fast noch vergingen, aber noch immer war die Unterredung zwischen Reute und den beiden Doktoren nicht beendet. Mit glänzenden Augen folgte Wille den Worten, die aus Reutes Mund kamen. Mit unbewegter Miene, hölzern und steif wie immer hörte Schmidt

sie cm. Mek schwerer äks Wille sieß er sich davon überzeugen, daß die reine Wissenschaft sich hier dem gemeinen Wohl unterordnen und ein Opfer bringen müsse. Langsam nur schmolz sein Widerstand. Die enorme Eisenmasse, die da unten in dem Krater steckte und die erdmagnetischen Kraftlinien in Unordnung brachte, war dem braven Schmidt immer noch viel wichtiger als die Goldmengen, die man aus diesem Erz gewonnen und nach Deutschland schaffen wollte. Erst als Reute ihm versicherte, daß er seinem Forscherdrang auch in Zukunft keine Zügel anzulegen brauche, daß man die feste Station des antarktischen Instituts nur in der Nähe des Kraters haben wolle, um das Unternehmen der Regie­rung für das Ausland zu tarnen, gab er feine Zustimmung zu allem, was von ihm verlangt wurde.

Dann, meine Herren", sagte Reute, während er nach einem Schrist- tllck griff,habe ich die Ehre und das Vergnügen, Ihnen Herr, Dr. Wille, die Bestallung als Reichskommissar zu überreichen."

Er zog eine Karte der Antarktis heran, aus der ein Gebiet von etwa dreihundert Kilometern im Durchmesser rot schraffiert war.Sie sehen hier das zukünftige deutsche Gebiet, dessen Erwerbung durch das Reich die Regierung in den nächsten Tagen öffentlich verkündigen und den anderen Regierungen notifizieren wird. Ihnen, Herr Reichskommissar untersteht die Verwaltung dieses Gebietes, für die Sie dem Reich ver­antwortlich sind."

Trotz seiner gehobenen Stimmung konnte Dr. Wille bei den letzten Worten ein leichtes Lächeln nicht unterdrücken.

Ich glaube, Herr Ministerialdirektor", warf er ein,es wird in dieser Eiswüste nicht viel zu verwalten geben. Meine Station ... nun, ich glaube, ich habe sie ohne besondere Anstrengung bisher ganz gut ver­waltet. Und außerdem ..."

Außerdem", unterbrach ihn Reute,unterstehen Ihnen m Ihrer Eigenschaft als Kommissar alle Personen, die in unsere neue Kolonie einwandern, und alle Unternehmungen, die sich in ihr auftun. Sie haben ie zu beaufsichtigen und ihnen erforderlichenfalls den Schutz des Reiches zu gewähren."

Ich gratuliere als erster, Herr Reichskommissar", sagte der lange Schmidt und schüttelte Wille die Hand.

Danke, lieber Schmidt, Sie bleiben nach wie vor mein bester Mitarbeiter. Was sollen wir jetzt tun, Herr Ministerialdirektor?"

Ich möchte Ihnen die Arbeiten hier zeigen und Sie darüber ins Bild bringen, was hier entstehen wird."

Gemeinsam traten sie ins Freie. Suchend blickte sich Schmidt um­her. So scharf er auch nach allen Seiten hin ausschaute, er konnte nur noch zwei Stratosphärenschifse sehen.

,-,Sie vermissen die sechs anderen Schiffe, Kollege Schmidt", sagt« Reute, der seine Gedanken erriet,die sind schon wieder auf dem Wege nach Deutschland, um neues Material und neue Menschen zu holen."

Menschen?" Es wird also doch Ansiedler in der antarktischen Kolonie geben?" warf Wille ein.

Wir brauchen Hände für die Arbeiten, die hier geleistet werden sollen", erwiderte ihm Reute.Hände und Köpfe. Absolut zuverlässige Leute, die wir auf das sorgfältigste ausgewählt haben. Zweihundert Menschen werden hier tätig fein. Verschwiegene opferwillige Männer, die den Staatsgedanken über alles stellen, die nur von dem einzigen Wunsch beseelt sind, ihrem Vaterlande zu dienen. Dom einfachen Ar­beiter bis zum Chefingenieur ist jeder von ihnen von dieser Idee erfüllt. Schwierigkeiten mit der Verwaltung werden Sie hier nicht haben, Herr Doktor."

lieber den Bergkamm schritten sie einer Stelle des Kraterrandes zu, an der sich ein blinkender Metallbau erhob. Ein Fahrstuhl nahm sie auf und glitt mit ihnen in die Tiefe. Dunkel wurde es über eine Strecke

und bann roieber heller, als der Liftkasten sich dem Kratergrunde näherte.

Ein leichter Druck, der Kasten stand still. Reute öffnete die Tür und

trat als erster hinaus; die andern folgten ihm. Warme trockene Luft

schlug ihnen beim Verlassen des Fahrstuhls entgegen.

Obgleich nun schon ein rundes Jahr vergangen war, seitdem der Bolide aus Weltraumfernen kommend in die Erdkruste einschlug, strahlte die Erzmeng« noch immer eine Wärme aus, die für die drei aus der Kälte der Polarnacht Kommenden doppelt stark fühlbar war.

Das lassen wir besser hier", meinte Reute, während er seinen Pelz ablegte unb in ben Fahrstuhl wars. Wille und Schmidt folgten feinem Beispiel.

Gehen Sie vorsichtig, meine Herren", warnte Reute,der Boden hier greift das Schuhzeug scharf an. Schade, Herr Schmidt, daß Sie keine Magnetnadel mit haben. Hier würde sie senkrecht nach unten zeigen. Sie könnten hier den magnetischen Südpol damit feststellen.

Schmidt murmelte etwas Unverständliches. Nach seiner persönlichen Meinung war diesenr Bolide lediglich deshalb aus dem Weltraum hier­hergekommen, um ihn bei feinen Arbeiten unb Messungen unabsehbare Schwierigkeiten zu bereiten.

Weitergehend stießen sie auf ein Feldbahngleis und folgten ihm ein Stück. Es endete bei einer Arbeitsstelle. Bohrmaschinen waren hier auf- gebaut.

Zitternd und knirschend fraßen sich die Drehbohrer schräg in das Erz hinein, fast armstarke Spiralbohrer, aus höchstwertigem härtesten Spe­zialstahl gefertigt.

Reute stellte eine kurze Frage an den Schachtmeister der Kolonne und wandte sich bann an Wille.

Es wirb noch eine halbe Stunbe bauern, bis hier gesprengt werben kann. Wir wollen zu einer anbern Stelle gehen, an der die Sprengung in wenigen Minuten fällig fein dürste."

Beim Weiterschreiten sahen sie plötzlich in weiter Entfernung ein rotes Licht aufflammen. Reute blieb stehen.

Nicht weiter, meine Herren. Rotlicht heißt Sprengung. Nehmen wir auf alle Fälle Deckung." Er zog die beiden Gelehrten mit sich zu einem gewaltigen Löffelbagger, der in der Nähe stand.Hier hinein! In dem schweren stählernen Löffel sind wir vor Sprengstücken sicher."

(Fortsetzung folgt.)