SiehenerZamilienblötter
Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger
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Jahrgang (954
Freitag, den 5. August
Nummer 59
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oanesZx unger". Und wer da glaubt, Hamsun hatte, pTctäXQT" schrieb, nichts anderes verkündet als die
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Knut Hamsun, 1921.
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t. Irgendjemand hat einmal gesagt, Hamsun Dieses Urteil kommt ihm am nächsten. Aber Gewissen hat, und da die Masse ein ebenso ist wie „die Zeit", so wirkt Hamsun immer
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Wie wollten wir, die Kinder, die Wege verstehn? Seid demütig nur!
Mäßigkeit, „Mischrasse" nennt er es bei Kordon Tidemand in „Nach Jahr und Tag" ... .ohne starkes Gepräge, ohne Vollblütigkeit, nur eine -Mischung, unecht, von allem ein bißchen, ganz tüchtig im Lernen, aber zu nichts Großem fähig". Und da alle Normen der Moral oder der gesellschaftlichen Dogmen „Mischung" sind, so ist Hamsun weder ein Moralist noch ein Dogmatiker, ganz im Gegenteil: wie liebevoll ist
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Was wissen wir..
Von Knut Hamsun.
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Ginn« „August Weltumsegter" gezeichnet, wie liebevoll Inger im „Segen der
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mag, wenn man em paar ^ayre in einer tarmenoen etaot veroraiyr hat. Dann folgten Schauspiele: „An des Reiches Pforten", „Spiel des Lebens", „A b e n d r ö t e", die Trilogie um den Philosophen Kareno, dessen großes Werk über die Gerechtigkeit niemals fertig wird, der zum Schluß resigniert. Es folgten die Novellen, die Gedichte, die wir von Hamsun haben, die Liebesgeschichte „Victoria" und gleichsam als Abschluß eines gewissen Lebensabschnittes „Unter H e r b st st e r n e n" und „Gedämpftes S a 1 t e n s p l e l". In all diesen Jahren, also bis etwa 1909, bis zu seinem fünfzigsten Lebensjahre, hatte Hamsun nebenbei Vorträge über Zeit- und Streitfragen gehalten, von den Studenten in Oslo und Helsingfors, hatte in den Sprachenstreit eingegriffen und gegen die künstlich geschaffene Schriftsprache gewettert, hatte das Recht der Jugend gegen die „Weisheit des Alters" verteidigt, hatte Theologen und Redakteure, Literaturgeschichtler und Politiker herausgefordert, immer kämpferisch, immer jugendlich.
In der Dichtung forderte er psychologische Vert'efung: „Wie, wenn nur die Literatur sich überhaupt etwas mehr mit seelischen Zuständen,
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Zu seinem 75. Geburtstage am 4. August.
Von Johan Luzian.
„Ich habe vielleicht dann und wann mehr leisten wollen, als ich konnte, — aber ich habe nie weniger geleistet. So hebt
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ic Pah". Und dem alten Lehnsmann Geißler er die einzige Einnerung an (eine früheste in den Mund gelegt: „Ich weiß noch von Jahre war: ich stand auf der Scheunen- Lom und empfand einen bestimmten Ge- leruch noch ..." Und das ist es wohl auch, l m wird: daß alles aus einer starken, reinen I i bestimmten Geruch in der Welt nachspürt, y Glaube, natürliche Sittlichkeit, deren Gesetze >>»,,. uufiteiunieuen ...eiben brauchen, die jeder sittliche Mensch von selber keniit. Aber der Dichter ist trotzdem ein wurzelloser Mann, wenn er auch den Geruch seiner Heimat immer mit sich trägt, wenn er auch ein Dach über dem Kops, ein Haus, Kinder, einen ganzen Herrenhof besitzen mag. Er muß zu jeder Zelt dorthin aufbrechen können, wo das Menschliche sich offenbart, Er darf weder aus einem einseitigen Landschaftswinkel noch aus einer erstarrten Gesellschaftsschicht das Geben betrachten: er muß ungebunden in seinem Gewissen fein. Das ist jene schöpferische Unruhe, und es sind nicht die schlechtesten Menschen, denen Hamsun sie geweckt hat!
Wahre Größe eines Menschen zeigt sich niemals in der Einseitigkeit, mit der ein schnurgerader Weg bis zum letzten Ziel vorgetrieben wird, es wird eher die Vielfalt, das nach allen Selten Ausftrahlende fein, hinter dem wir Gröhe und Genialität zu sehen geneigt sind. Hamsun begann 1890 mit dem Roman „H u n g e r" an die Oessentllch- feit zu treten. Was in diesen Hungerphantasien gestaltet ist, das war in seinen wesentlichen Teilen wirklich erlebt, 1886 und 1888 hatte er als Journalist zu leben versucht und war fast verhungert dabei. Ein Jahrzehnt der Not, der Vagabondage und der Abenteuer wurde mit diesem Buche abgeschlossen, in dem ein Mensch geschildert wird, der ein Königreich des Geistes in seinem Schädel herunstchleppt, der aus dem Wege ist, etwas Großes zu schaffen, der nur noch nicht recht weiß, womit er beginnen soll. Wer erinnert sich nicht immer wieder jener phantastischen Szene im Obdachlosenasyl, in der das Wort „Kudoaa" erfunden wird! Ein neues Wort, dem die absonderlichsten Begrisse beigegeben werden! Hamsun streut in diesem Buche Einfälle, Bilder, witzige und tiefgründige Episoden in einer Fülle aus, wie sie kaum ein anderes Erstlingswerk auhutDCiien bat. Sein zweites Buch war „M y st e r i e n", und fein
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In einer kleinen westfälischen Stadt lernte ich einmal einen jungen Menschen, einen Buchhandlungsgehilfen, kennen. Er zeigte mir eine Photographie aus feiner Wohnung daheim, die einen blumengeschmückten Tisch mit vielen schön gruppierten Büchern darstellte,und an die Blumen- vase gelehnt war bas Bild von Knut Hamsun zu sehen, bas von 1927 mit dem Jägerhut und dem aristokratischen Ausdruck, welches wohl jeder kennt. Hamsun war damals 70 Jahre alt geworden, und hier feierte ein junger, einfacher Mensch auf eine ganz besonders schöne Weise den Geburtstag des von ihm wie ein Abgott geliebten Dichters. Der junge Mensch besah nicht nur sämtliche Werke Hamsuns in der schönen grünen Langen-Ausgabe mit dem Einband von Tiemann, dazu die Biographien von Berendsohn, ßanbquift, Markus, er hatte sich auch von seinem kleinen Gehalt die norwegische Ausgabe und die Biographie von Skaolan gekauft. Aber noch mehr: er hatte vollkommen Norwegisch gelernt, um Hamsun in seiner Ursprache lesen und um den Dichter einen Bries schreiben zu können. Und Hamsum hatte ihm in freundlicher Weise geantwortet und ihn damit glücklich gemacht. Er zeigte mir die fein- «enen schönen Schriftzüge des Dichters, über die mein Blick mit erer Andacht glitt.
In einer schwäbischen Stadt waren es ein Schulrektor, in Norddeutschland ein Professor, ein Fabrikarbeiter, in Westdeutschland
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Grund. Albert C n g st r ö m schrieb an Hamsun einmal foigenoen wrug: „Ich danke Dir für zwanzigjährige Freundschaft und für jenes Aufleuchten in Deinem linken Auge! ..." Diesem Aufleuchten in feinem linken Auge, diesem Wissen um die Hintergründe, diesem Blick aus Ironie und Verzeihen gemischt, wer könnte sich ihm entziehen?
Wer Hamfun ganz verstehen will, der muß erfaßt fein von einer schöpferischen Unruhe, der darf sich nicht mit dieser oder jener praktischen Lebensweisheit zufrieden geben, sondern der muß spüren, daß der Teufel niemals mehr um die Seelen der Menschen gerungen hat als in dem Europa der letzten fünfzig Jahre. Der Teufel: das ist nicht der poetbische Geist, der stets verneint, der das Böse will und das Gute schafft, nein, der ist ein unprogrammatischer Widersacher eigener Art. Gr wird mit jedem MerUchen geboren, und gehört als Negation .ui allem Positiven, er tritt als Älter, Charakterschwäche, Lüge, Leidenschaft der Liebe, des Ehrgeizes, der Eitelkeit auf, kurz, er ist das Unoolltommene •m Menschen und am Menschen, ist das Unkraut und die allzu üvvige -Blüte. Aber nichts ist für Hamfun anderseits verächtlicher als Mittel- ‘
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