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Gießener ZamilienblStter

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Unterhaltungsbeilage zum Lietzener Anzeiger

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Nummer 17

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Zreitag, -en 2. Mürz

Jahrgang 1954

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Mönchletn ihn zum Narren hielt und auf eine ftnffitna an Wein geeicht war, wie man sie sonst in Polen und andcrswp landauf, landab veraeblich suchte. Polternd schmisi er seinen Stuhl zu Bo­den, riß dem Trinkenden den Kelch vom Munde, packte thn am Kraaen und setzte ihn eigenhändig vor die Tiir.

Als er noch zwischen Zorn und Lachen den Vorfall staunend bedachte, meldete ihm ein Diener zähneklappernd, der Mönch habe draußen am Brunnen einen ordentlichen Trunk Wasser geschöpft, sei dann festen Schrittes auf seinen Wagen gestiegen und halte nun auf der Landstraße stocknüchtern schnurgeraden Kurs. Der Kron­vorschneider schwang sich ans einen Gaul, preschte hinterdrein, holte den Mönch ein, sah ihm ein wenig scheu in das ernste, graue Gesicht und sagte:Traun, ich will Euch das Getreide geben, weil Ihr so brav geschluckt habt, wie ich es meiner Seel selbst nicht vermag: aber Ihr dürfet mir nimmer aufs Gnt kommen.

.Ist recht", sagte der Mönch, und wandte den Wagen.Ich will nimmer kommen, wenn Ihr mir versprechet, daß Ihr niemals mehr dieses Spiel treiben wollet: ist mir doch, als hält mir der heilige Bernhard geholfen, daß ich das Land von Enrer Plage sollte freisaufen." Wachte hernach streng darüber, daß man tfim im» rechte Maß gab, reichte Malachowski zur Bekräftigung des Ver­trages die Hand und zuckelte von dannen.

Der Kronvorschneider sah ikim nach, fluchte ein weniges, lachte ein weniges, ließ sich den Todeskelch füllen und begriff, als er ihn in den Händen wog, plötzlich den Humor der Sache alio baß er seinen borstigen Schnauzbart aufblies, bis seine scharlach- leuchtende Nase fast darin verschwand.

oanes/S. gg vergeblich auf Opfer.

pictä\QT eines Tages! Kam da ein klappriges ürren Klepperlein davor aus den Hof gesah- ein Mönch, der für das Benediktinerkloster a sammelte. War ein kleiner, hagerer, grauer geflickte Kutte, bot mit leiser Stimme be- Segeu und bat höflich um ein Weniges zu omme Gabe für sein Kloster. Des Kronvor- rt begann sich aufzurichten: er ließ dem ige Schüssel Vigos, was ein derbes Gericht Fleisch ist, und ein Glas Bier vorsetzen und lit dem Todeskelch zu Leibe: Er wolle ihm, n Getreide mitgeben, wenn es ihm gelinge,

Dieser Wein treibt weg alls Leid: Dieterlein, tu mir Bescheid! Er schon in den Zügen leit, Er gar ein guten Zecher geit: Trink's gar aus!

Oie Nagelprobe.

Eine fröhliche Anekdote von Karl Lerbs

Da lebte, muß man wissen, auf seinem Gute Bonkowa Gora, irgendwo tief in Polen, Adam Malachowski, der sich aus silbernen Humpen einen durch das ganze achtzehnte Jahrhundert klingenden Trinkerruhm ansoff und die Lustigkeit um so mehr liebte, je mehr sie lärmte. Er besaß Rang und Titel eines Kronvorschneiders: und bas war, muß man wissen, eine Würde, deren Bedeutung man sich in unseren respektlosen Zeiten kaum noch recht ausmalen kann. Doch war es kein Amt, das den ungebärdigen Kräften seines Trägers das ersehnte Tummelfeld bot, und es vermochte ihn auch niemals so zu vergnügen, daß er seinen borstigen Schnauz­bart anfblies, bis seine scharlachleuchtende Nase fast darin ver­schwand wie das in Augenblicken höchsten Entzückens feine anmutige Gewohnheit war. Da mußte er sich nun also das Re-

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gekrümmten Beinen stand wie zuvor. In otefernMetsterstuike tats ihm keiner gleich: ihm aber war es eine unerschöpfliche Quelle der Heiterkeit und des Stolzes, dies immer wieder zu erweisen. Wenn ein Gast aus Bonkowa Gora erschien, so mußte er, ob er wollte oder nicht, dem Hausherrn aus dem berühmten Kelch ^nhetd tun bis zum letzten Tropfen und trockenen Daumens die Nagelprobe machen Blieb auch nur ein einziger Tropfen im Kelche hangen, so mußte der Gast den Versuch wiederholen, bis er das Kunststück zuwege brachte: wollte er nicht, so packten 'bn Malachow,ti» . ducken und hielten ihn fest: lag er hernach schwer trunken am Boden, so blies Malachowski voll Entzücken semen borstigen Schnauzbart ans, bis seine scharlachleuchtende Nase snst darin ver. schwand. Nun ist das aber ein Spaß, den Et jeder vertragt, mancher schied vom Gute mit schrecklichem Schaiwlweh, raunte sich im Lande zu, daß mehr als einem 6ei ^^öe1 nimmer wehgetan habe, weil er eben einfach aus dem Rausche nimmer "Äannte man bald das prächtige Gemäß mit angstvollem Schauder denTodeskelch": Reisende mieden Bmikmva Gora und wollten lieber im Morast der Landwege als an des Kiw * , bers Humpen ersticken: große Herren ließen sichirwn Malachowski einen Geleitbrief schreiben, in dem er bei allen Machten de» - mt- mels und der Erde, bei feinen Ahnen und seinem Bestehen vor dem Jüngsten Gericht schwor, den Todeskelch im Schranre zu lassen, wenn sie ihn besuchten: mancher wagte °s auch daraufhin noch nicht und schickte feine Diener, wenn es etwas zu bestellen gab wobei es dann oft genug vorkam, daß er eine zweite

___einen Zug zu leeren und trockenen Daumens W ichen. Ach nein, wehrte sich der Mönch ehrer-

Beines gar ungewohnt und wolle lieber um

W .X/1W. . oder dünnen Bieres gebeten haben. Dabei ,uy U)m tu. ^ujuu-z/uicheln in den Mund- und Augenwinkeln, aber das sah Malachowski nicht. Er brüllte nach seinen Heiducken, ließ den Kelch füllen und fuchtelte drohend mit der Hetzpeitsche. Seufzte also das Mönchlein, schlug ein Kreuz über den Kelch, faßte ihn mit beiden Händen, trank und trank: ließ aber ein paar Tropfen drinnen. Holla, schrie Malachowski, so sei es nicht gewettet: noch einmal füllen! Der Mönch*bat zitternd, mau möge ihn um Gottes­willen in Frieden ziehen lassen aber es half ihm nichts: er mußte abermals heran. Sprach er also ein kräftig Stoßgebetlein, holte tief Atem, trank und trank ließ aber wieder ein paar Tropfen drinnen. Der Kronvorschneider sah mit Staunen, daß der Gast die Farbe des Gesichts kaum verändert hatte und noch immer fest auf feinen Beinen stand: mit aufsteigendem Zorn befahl er die dritte Füllung. Das sei ein gar grausam Stück, sagte der Mönch, und wenns nicht um seines Klosters willen wäre, so möchte er lieber gar den Hunden vorgeworfen werden, als so lästerlich sausen: lockerte hierauf ein weniges den Strick, den er um den Leib trug, schnaufte ein paarmal, trank und trank und ließ zum drittenmal etwas im Kelch. Der Herr Kronvorschneider möge ihm verzeihen, sagte er dann aber es muß wohl an der mangelnden Nebung liegen: doch habe erst nun wohl recht geprobt und hoffe es beim vierten oder fünften Male endlich zu können. Damit griff er, als die Heiducken in abergläubischer Furcht zurück-

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Trinffioh I Mannschaft entsenden mußte, um die erste aus irgendeinem

| Straßenaraben auflesen zu lassen. Der Kronvorschneider aber

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