Martin Luthers Osterpredigt (1529).
»eil wir vor uns haben ein herrliches Fest und von dem viel »rcdigen ist, wollen wir nicht alles auf einmal handeln, son- L, ich will zuerst um der Einfältigen willen, die sie nicht wissen, ie Geschichte lesen, die heute geschehen ist, damit sie wissen, wie sie Idingen ist •. >
Das Erste, was 5er Kenntnis dieser Geschichte folgen soll, ist, ..i man die Auferstehung Christi recht christlich verstehe und an- weil der größere Teil die Auferstehung Christi hört wie irgend andere Geschichte, als vom Türken, und lassen sie sein wie eine ckiclite an die Wand gemalt. Es muß aber etwas Besseres sein, n wir im Liede singen: „Des sollen wir alle froh sein, Christ will ir« Trost sein", daß man sie ansieht, daß sie unser sei, baß sie «L angehe und dich, daß wir nicht allein sehen, wie die Aust >i rhung geschehen ist, sondern, daß du erkenntest, sie geschehe dir, der Herr in den Worten spricht: „Gehet hin und verkündigt meinen Brüdern!" Da hören wir, was er mit seiner Auf-
>r ehung will.
Das ist die wahre Lehre, daß sich ein jeglicher der Auferstehung miehme als seines Gutes. Denn es ist ein großer Unterschied: »!nstus ist der Heiland, ein König, und: er ist mein Heiland. Das lsiaber schwer, und das ist angezeigt an den Jüngern, die schwerlich «lAben, daß Christus auferstandeu ist, geschweige denn ihnen. Die losen Leute, die uns verlachen, wenn wir den Glauben predigen, wien nicht, was er ist und wird. Es sind blinde Narren und sehen M Auferstehung an wie die Kuh ein neues Tor. So du aber dem Hauben seine Werke vorsetzest, so ist er ein solcher Mann, Riese „n Held, der gegen sich hat die Pforten der Hölle, alle Teufel mit tk<r List, den Tod mit all seinen Kräften. Wenn sie das sähen, würde! sie nicht also lachen.
Gewißlich müssen wir's aus Erfahrung lernen, daß niemand auf EDen, auch kein Kaiser, dem Tode widerstehen kann, und doch kann ei ein Christ. Also muh man die Auferstehung mit andern als lerb- li.en Augen ansehen, sonst hat man keinen Trost davon. Da mutz I'n die Augen des Herzens auftun ...
Predigt von Ostereier« (um 1700).
Ich möchte wohl wissen, vielgeliebter Zuhörer, was doch die eientltche Ursach sei, warum man anjetzo zur österlichen Zeit so e:>ße Freud hat mit den Eiern. Schier überall, wo man steht oder CiDt, zu Haus und auf der Gassen redet man von den Oster-Eiern.
Möcht einer vermeinen, man sollte sich vielmehr delektieren mit j( n Fleisch, und an die Eier gar nicht gedenken. Denn das uleild) ifi die ganze Fasten hindurch verboten gewesen, dahero ist es keinem fii- ließet zu halten, wenn er sich auf den Heiligen Oster-Tag freuet. T-nn heut, sagt man im Sprichwort, ist die erste Hochzeit, es Hetzen der Speck und das Kraut zusammen, und ist das Fleisch-Essen »eder erlaubt.
Was muß aber die Ursach sein, daß man sich eben so wohl mit tat Eiern delektiert? Ein ganzes Jahr geschieht den Eiern nicht Hel Ehr, als eben jetzt zur österlichen Zeit. Man verguldet, man mrsilberst man belegt's mit schönen Flecklein, und macht allerhand S auren darauf, man marmeliert's, man malt S auch und ziert » mit schönen erhebten Farben, man kratzet's aus, man wacher etwan eh Oster-Lämmlein, ein Pelikan, so seine Jungen mit eignem Blut h:iset, oder die Urständ*, oder was anderes darauf, man sieht s inn särbt's grün, rot, gelb, goldsarb usw. Man machte auch schon sprengt, und verehrt es hernach ein guter Freund dem andern. K man trägt's heut in großer Menge in die Kirche zu der Weihe md sind ihrer gar viel, welche hcunt vor allen anderen Spelten einen lind gesottenes Ei essen oder austrinken.
Wer kann mir dessen die Ursach geben? Antwort: Vorzeiten nie dann noch in vielen Orten, sonderlich in Welschland sind in 6 t Fastenzeit die Eier eben so wohl verboten gewesen, als da» s'leisch...
(Slug Andreas Strobl, Geistlicher Diseurs auf den Ostertag.j
Kriegsostern.
Ostermontag, den 24. April 1916.
Hoffentlich habt Ihr daheim das wunderbare Osterwetter wie nir. Die Zeit, wo wir nun hier liegen — und es ist setzt bolo et.t HUbes Jahr - haben wir noch nicht so herrliche Tage gehabt, rote ire beiden Osterfeiertage. Die Sonne hat innerhalb zwei bis drei Wochen bei uns direkt Wunder gerotrkt. War vorher alles zu Tod erfroren, so herrscht jetzt überall munteres Leben ...
Unser See wird von Tag zu Tag herrlicher und wenu nun gar de Bäume arittt werden, so wild s hier Mindestens so angenehm ncöftere Naturfreunde als mir sind, hat der Wechsel der Landschait s Blich nicht seinen Eindruck verfehlt. Hüben und drüben fallt ,ut ei niger Feit kein Schuß mehr, obgleich alles frei auf den L-eckungen ‘SSert o&« U seinen Mittaatzichlaf dort n.m^. Man gth gegenseitig auf sich acht, hält es aber für töricht, sich durch Be ch'essen z:r beunruhigen. Zieht der russische Posten auf, fo meint, er, a8 wibedingt sein vis-a-vis drüben wissen muffe. „Moraen,Au,Mst>r ruft er dann über den See rüber und verabschiedet sich auf öiefelöe
(Aus den „Kriegsbriefen gefallener Studenten .)
* Auferstehung.
Fahrt.
Wir Kinder gingen, Paar um Paar, Durch Wald und grünes Reut. Mit bunten Eierschalen war Der Saaten Rand bestreut.
Am Ufer hing das neue Boot.
Wir saßen flugs darin. Das Wimpel wehte weiß und rot, Die Strömung trug uns hin.
Das Land verschob sich von uns fort. Zu Felsen stieg der Strand.
Geschmückte Menschen gingen dort;
Sie winkten mit der Hand.
Und langsam schwanden Turm und Flur.
Nah rückte das Gestein.
Manchmal aus finstrer Hölle fuhr Ein heimlich starker Schein.
Die Zeit verschwebte wie ein Hauch.
Ein Korb ward ausgeleert Und nach geweihtem alten Brauch Das Ostermahl verzehrt.
Wir atzen Brot, wir tranken Wein. Sturm schlug uns ins Gesicht.
Die Woge griff nach uns herein.
Wir fürchteten uns nicht.
Von weitzen Vögeln weit umkreist, Zur Heimat ging die Fahrt.
Wir glaubten selig an den Geist, Der uns versprochen ward.
Hans C a r o s s a.
Die Schusterkugel.
Roman von Hans Franck.
(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
Zroei Jahre danach eröffnete Gust in dem Patrizierhaus Nummer 78 auf der Hohen Strahe einen Schuhladen.
Entgegen seiner Lebensgeroohnheit hatte er mit der Ausführung dieses Entschlusses gezaudert. Nicht weil er an der Einträglichkeit des neuen Unternehmens zweifelte, sondern weil fein Meistergewiflen ihn deswegen hart bedrängte.
Aber was kümmerte die Unvernunft der immer verschwenderischer werdenden Menschheit ihn? Man mußte mit dem Strom schwimmen. Ging nun die Schuhmacher zeit zu Ende, rote mit seinem Vater die Pantoffelmacherzeit zu Ende gegau i n war, dann wurde er eben Schuhhändler. Durch diese von den Verhältnissen erzwungene Geschäftsumstellung sicherte er sich nicht nur unabschätzbaren Verkaufsverdienst, sondern er hatte daneben auch noch den erhöhten Arbeitsverdienst. Nein, vermehrten Verdienst! Obwohl schon jetzt manchesmal die ledernen Invaliden zu Dutzenden rund um ihn lagen und er immer wieder Kunden trösten mutzte: „Morgen sind sie bestimmt fertig! Oder sagen rott lieber, damit es diesmal ganz geroitz wahr wird, übermorgen!
Der Schuhmachermeister August Mtcheelsen nahm also dw vier Blickschutzrahmen mit dem weißbemalten blauen Drahtgeflecht von den beiden Fenstern seiner bisherigen Werkstatt forst Einen neben den andern stellte er sorgsam schräg gegen die Wand. Einige Augenblicke sah er sie sinnend an. Und plötzlich, ehe Rikelchen es durch ihren Entsetzensschrei: „Gust!" hindern tonnte, zertrater ihnen mit dem hufeisenbeschlagenen Absatz seines Stiefe.ls das
Statt der beiden Lichtlöchlein ließ Gust ein Riefenloch, da» fast die ganze linksseitige Straßenwand des einstigen Patrizierhauses einnÄ vom Maurer ausbrechen. Die Erlaubnis dazu hatte er von der Senatorswitwe allerdings nur unter der vom Stadt- fekretär notariell beglaubigten Zusicherung erhalten, daß er Bet seinem Auszug den früheren Zustand auf eigene Kosten wieder Herstellen lassen werde. Das Mauerloch wurde durch eine Glasscheibe geschlossen, wie es in der Stadt keine zweite von gleicher Grösse gab nicht einmal bei Gusts Nachbar, dem Kausmann Markwardt dem reichsten Mann der Stadt. Goldbuchstaben verkündeten es den Vorübergehenden, daß August Micheelsen nicht nur wie bisher SatatureTunb Arbeiten nach Maß ausführe sondern Schuhwaren aller Art, in reichhaltigster Auswahl, von den fernsten bis au den hilligsten Sorten ständig auf 6ager habe.
Gust stellte zur Bekräftigung dieser Behauptung neben.einigen am Roden hockenden Schöpfungen eigner Arbeit za^lledrige ^abrikerzeugnisse zur Schau, die auf messinggestützten, geschliffenen Glasplatten ein Höhenöafein führten um das sie von den zum Nnkenbleiben Verdammten offensichtlich beneidet wurden.
" Damit für Verkaufstisch, Kasse, Stühle, Anprobterfchemel und vor allem für die Regale Platz wurde, die bis zu der Decke reichten und trotzdem keine handgroße Flache von den Wanden srei- aaben schob Gust seine Werkstatt hofivarts in den bisherigen Unterkunftsraum fÜr Frau und Kind ab. Er nahm e,neu Lehr- l na und mietete, daß Rikelchen nicht nötig hatte, mit Jupp in die Varacken zurückzukehren, von der Senatorswitwe die recht» von nVfenenen Räume. Daß die alte Frau, um Unterkunft in ifirem echenen Hause 7u ftnden, einem der beiden Bewohner de« Ersten Stockes hatte kündigen muffen, kummerte Gust nahst Seiiawrsch wurde das Treppensteigen schwer! Sollte sie: fünf statt zwei Minuten dransetzen, bis ste sich nach oben gepustet hatte. Z


