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Nummer 26
Freitag, den 6. April
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Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger
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Frische Fahrt.
Von Joseph Freiherr von Eichendorfs.
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Zugzeit, die müden Wanderer.
Die „Waldhexe" geht dahin, wohin schon so vieles gegangen — so Schönes, Sie geht dahin, wohin Märchen und Sagen gingen, Singen und Klingen und der gute Geist der Menschheit, dahin, wo bas Schöne und Edle hinqeht, um wiederzukehren, wenn in den Tagen die Götterdämmerung, die neue Gutendämmerung anbricht ...
Mählich sinkt die Sonne — goldroter Schein zittert auf den Spitzen der Fichten und Föhren, brennt in den Wipfeln borstiger Erlen und läßt die weiße Rinde schlanker Birken glühen. Brauner Schein ist im Filigran der schwankenden Zweige — ein erster Frühlingshauch. Am Westhimmel ziehen langsam violette Wolken, gelb gerandet und geheimnisvoll leuchtend,- die Lämmerwölkchen färben sich rosig, neben dem feurigen Vlutschetn im Abend, unter den das Licht des Tages sank, flimmert rot der Schnepfenstern. Enten streichen zischenden Fluges herüber, guakend jagen sich eifersüchtige Erpel, die Singdrossel flötet von der höchsten Spitze der Fichte, irgendwo meckert eine Bekassine.
Schwankender, eilender Schatten im rötlichen Licht — unter der bläulichen Wolke, dann im Gewirr der Birken und Erlen — Pi« KeikerüuMvfer Laut — ein feines Pfeifen und Bisten... Auf
Gchnepfenstrrch im Avawsruyi
Erzählung von Egon v o n K a p h e r r.
Der wilde West hatte das Eis des Waldsees-gebrochen und zusamntengetrieben am Schtlfufer. Doch knickte das gelbe Rohr^ kleine durchlöcherte Scholle» klimperten gegeneinander, lösten sich auf, sanken unter. Im Schilf aber plätscherten Hechte — breite, grünschwarze Rücken tauchten auf, Flossenschwänze schlugen, Wasser rauschte.
Eines Tages jedoch war alles still, und der See lag da, als wär's im trägen Mittag heißen Sommertages — spiegelblank und ruhig. Nur ein paar Enten schwammen weit draußen aus dem glatten Spiegel, nordische Wanderer, die hier rastetxn. Sonnenschein lag freundlich über See und Wald, und am lichtblauen Himmel zogen kleine, rundliche Schäfchenwolken.
Als der Jäger in den Wald zieht, kann er sich freuen: In den kleinen Schonungen sonnen sich Rehe, Hasen hoppeln hintereinander her, vor ihren Bauen wischen die niedlichen, nichtsnutzigen kleinen Kaninchen hin und her, Spechte trommeln, als wär's schon nach Ostern, und hier und da pfeift eure Drossel, zwitschert ein Meisenpaar. In der klaren, sonnigen Luft kreisen Bussarde und lassen ihren miauenden Pfiff hören, schwingen sich mit wuchtigen Flügelschlägen auf, schwenken im Bogen, überschlagen sich abwärts im Spiel, ein paar Häher assen den Bussard- pfiff nach und kreischen empört, als der Jäger vorttberptrscht, eine Elster schäckert aufgeregt, und der starke Rehbock, der gerade aus der Dickung wollte, um allmählich den Wintersaaten der Bauern -LUELleben. prallt erschreckt zurück und verschwindet schimpfend im
L>ang, schmunzelt vergnügt, als er den Schrei ziehender Kraniche über sich hört, und sieht einer Waldmaus zu, die emsig im Dürrlaube raschelt und nach irgend etwas sucht.
Dann kommt er auf die große Wiese, ärgert sich ein wenig oanes/X t, die der Moll, der sammetpelzige Wühler, r enkt, es werde wohl ein übles Ernten mit c werden, wenn die Heuzeit da und der : Leben. Der Jäger geht über die große nen Trittwege, den schon in uralter Zeit die Holzhauer, und der zum Dorfe hinter t und weiter zum Lanöstäötchen mit dem « aus Fachwerk und dem kleinen, schiefen n Bimmelglocken, die schon zur Feuersnot Walösteiner Stralsund belagerte und Tor- -öen plündernd durch Ländchen Pommern ß modert im Grabe oder ist gar schon ver- d Staub, der hier geschritten in alter und olfen, den Pfad immer tiefer und tiefer in esc, in den Sand der Heide zu drücken,- so nicht mehr in Freud' und Leid, das hier Jite Amsel sang und die frohe Singdrossel, ._„erte und fauchte, die Enten reihten und die Schnepfe zog. Die Schnepfe — der geheimnisvolle Vogel mit dem „langen Gesicht", die „Waldhexe", um die sich so manche Frühlingssage spinnt, manch schönes Märlein...
Sie waren einst zu vielen, sehr vielen hier im deutschen Lande, die Vögel mit den langen Stechschnäbeln, mit denen sie die Würmer aus alten Kuhfladen holen, aus sumpfigem Boden. Bis südländische Buben Netze zu Tausenden stellten, sie wegfingen zur
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lllllllllll11111111111111111111111111111111111111111111111111111 bezogenesGehörn ihn schützen vor Nachstellungen geretyrer tytrgvv. Gut hatte er auf, der Bursche — fast vereckt war das Bastgehorn schon, und wenn es auch „prahlte", wie der Jäger sagt, verriet es doch, daß der Bock durch den Winter kam und etn kapitales Gehörn zur Jagdzeit haben würde. Das Rehwild kam überhaupt aut durch den Winter. , ,, ,,
Ueber all das freut sich der Heger, und-das Pfeifchen schmeckt ihm doppelt gut, wenn er daran denkt, wie sich der schwache Wild- bestand gemehrt hat unter Hege und Schutz. Er sitzt auf den alten Baumstumpf nieder und sinnt vor sich hin, träumerisch alter Zeiten gedenkend. Spielend umkreisen ihn tanzende Fruhlingsmucken, harmlose, stachellose Tierchen. ,r.,
Als aber der Jäger mit Schauen, Sinnen und Rauchen endlich fertig geworden ist, steht das Licht schon tief hinter den alten Heideföhren. Da pfeift der Mann seinem Hunde, schultert den Drilling und geht eilig weiter. Er kommt durch den Buchenhorst, an Fichtenstangen vorüber, er überquert einen grogen Hau, steht gerade noch, wie ein paar Stück Rotwild im jungen Kiefernholz verschwinden, bewundert im Vorüberschreiten die weißen Anemonensterne im Laubholz und die kleinen blauen Leberblümchen am
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unten." Zornig 'kämpfen die Schnepfenhähne um trgenoein Weto-
chen, das tief unten im Laube harrt. —
Als der Jäger heimgeht, fällt ihm erst em, — daß er doch eigentlich eine Schnepfe schießen wollte.
O süßes Nichtstun.
Von.Theodor Strom.
O süßes Nichtstun, an der Liebsten Seite Zu ruhen auf des Bergs besonnter Kuppe,' Bald abwärts zu des Städtchens Häusergruppe Den Blick zu senden, bald in ferne Weite!
O süßes Nichtstun, lieblich so gebannt Zu atmen in den neubefreiten Düften,' Sich locken lassen von den Frühlingslüften, Hinabzuziehn in das beglänzte Land,- Rückkehren dann aus aller Wunder-Ferne In deiner Augen heimatliche Sterne.


