Ausgabe 
30.4.1934
 
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klugen Augen sichernd vor Gefahren. Auch hört man oft ein Knacken am Boden liegender, verdorrter Zweige, cm leichtes Pol­tern unfreiwillig bewegten Gerölls, dann zieht da ein unbeholfenes harmloses Tier langsam und gemächlich seine Bahn. Als Hermes, der Gott, seinen schwerfälligen Gang sah, da brach er in cm herz­liches Gelächter aus das Tier wurde ihm heilig gesprochen, es ist die uns allen bekannte und auch bei uns beliebte griechische ^"^Auch^in^Athen, in der Großstadt wird es Frühling, das Antlitz des Stadtmenschen ist freudiger gestimmt, seitdem es wieder be­glückende Frühlingsluft atmet. Und wie die Schwalben aus weiten Fernen wieder zurückkehren zu ihren Nestern, so kehren im Früh­ling die Ozeanriesen zurück nach Phaleron oder dem Piräus, wunderte von Automobilen bringen die Reisenden zur Stadt m die Ruinen und Museen, und wenn auf der langen, schnurgeraden Syngrosallee, die nach Phaleron führt, Auto auf Auto herauf zur Stadt oder hinab zum Meere sich drängt, eines hinter dem an­deren, dann kann man ganz beruhigt sein, dann ist die schöne Zeit wieder eingekehrt, dann ist der düstere Winter mit Regen und Kälte vorüber, dann ist wieder Frühling in Griechenland!

Nun will ich etwas versuchen. Ich lagere mich so, daß der Rucksack im Bereich meiner rechten Hand ist und tue, als schliefe ich. Lange Zeit vernehme ich nichts, dann ein leises Knistern, der Hund schleicht sich wie ein Fuchs an. Nun ist es wieder still, gewiß will er sich überzeugen, ob ich wirklich schlafe. Jetzt knistert es wieder ganz nahe, Papier raschelt neben mir, eine Schnalle klirrt blitzschnell werfe ich mich herum, ein Griff und ich habe den Hund beim Nacken. ' t, ,,

Ich halte ihn so, daß er nicht beißen kann- Der Hund schreit voll Todesangst, sucht sich zu befreien, doch kommt er nicht los. Ich spreche ruhig auf ihn ein, streichle ihn, er sträubt sich noch immer, doch sein Heulen wird schwächer, geht m ein Winseln über. Wie ich ihn dann hinter den Ohren kraule, wird er ganz still, doch merke ich, daß er nur aus die Lockerung meines Griffes lauert, um zu entwischen. _ ...

Ich nehme die Wurst und halte sie ihm vor. Er greift nicht danach, winselt nur ungeduldig. Bis ich ihm die Wurst zwischen die Zähne zwinge und langsam freigebe.

Der Hund bleibt noch immer auf den Boden gedruckt liegen, nun merkt er, daß er nicht mehr gehalten wird, in der geduckten Haltung kriecht er weiter, richtet sich langsam auf und schleicht davon, wie noch immer von der Angst gebannt, von der Meinung befangen, wieder zurückgeholt und festgehalten zu werden.

Doch der Hund verschwindet nicht im Gebüsch. Er schleich unschlüssig am Waldrand entlang, als wiffe er nicht, wohin er sich wenden soll, als sei ihm jede Orientierung verlorengegangen. Nun bleibt er auch eine Weile sitzen, schaut zu mir herunter, bellt am klagend ans, setzt seinen Kreis wieder fort, als suche er noch immer nach einem Weg, den er nicht finden kann. t

Der Hund ist verwirrt. Es ist, als wäre ihm ferne bisherige Weltanschauung genommen, als wären ihm all seine Erfahrungen mit den Menschen umgestürzt, habe er durch mein Streicheln, mein Füttern etwas Neues kennen gelernt, das so gewaltig auf ihn ein­wirkt, daß er es noch immer nicht erfassen kann.

Ich erhebe mich, um meinen Weg fortzusetzen. Ob mir der Hund folgen wird? Nein, er bleibt wieder sitzen, als habe er sich noch immer nicht zurechtgefunden, als sei es ihm noch immer un­gewiß, was ich für ein Wesen bin, das ihn m der Gewalt hatte und doch nicht schlug, ihm sogar noch Gutes tat. So lasse ich den Hund auf der Wiese zurück.

Nach einer halben Stunde komme ich zum ersten Dorf im Tale. An seinem Rande liegt eine Siedelung von Zigeunerzelten. Schon blicken mir Erwachsene und Kinder mißtrauisch nach, bellen mich einige Hunde an. Und unter diesen auch der Hund von der Waldwiesc, den ich fütterte, den ich streichelte. Aber er scheint mich nicht mehr zu kennen, gleich den anderen Kötern klafft er mir nach, der Hund hat sich wiedergefundcn, er hält wieder an seinen bisherigen Erfahrungen fest, ich bin ihm der Andervrassige, der Feind, mit dem er nichts gemein haben will, den er abwehrt, um ihm die trennende Linie zwischen sich und mir zu beweisen. Jene ficuüilti^c öle oitcf) feine Herren, öie Welnöerzigeuner,

stolz und zufrieden mit ihrer Welt sein läßt.

Oie Schufterkugel.

Roman von Hans Franck.

(Fortsetzung., (Nachdruck verboten.)

Gust aber legte Wert darauf, seinem Freunde die Hand zu geben. Herzlich streckte er sie dem Lesenden entgegen.

Willem sah die wartende Rechte sehr wohl. Aber er nahm die seine nicht von der Zeitung fort. Er nickte nur und sagte:Bün gliek farrig. Sett di man."

Der Abgewiesene beschloß, sich nicht an den schlechten Ma­nieren des Jugendfreundes, der nicht wie er rn der Welt herum- gekommen war, zu ärgern. Er nahm auf dem Stuhl am Fenster Platz und begann von dem Schneetreiben draußen zu sprechen. So groß und dicht seien die Flocken auf dem Herweg gewesen, daß er keine zwei Schritt weit hätte sehen können.

Stör mi nich bi't läsen!" rief Willem ärgerlich vom Ofen zum Fenster hinüber.

Wenig^^Mnuten später kam die Frau des Maurerpoliers in die Stube. Sie schlug die Hände über dem Kopf zusammen und schalt ihren Mann: Wie er die Zeitung weiterlesen könne wenn Besuch da sei? Und noch dazu nut den Fußen am Ofen! Ob er sich denn gar nicht schäme?

Vor den'n dor? Nee!" entschied Willem. ,

Ja, er sei, im Gegensatz zu seinem Freund, immer em Flegel gewesen und werde es bis zu seinem letzten Puster bleiben! keifte die Frau. Deswegen wohnten sie auch in den Baracken und wür­den bis zu ihrem Lebensende in den Baracken wohnen müssen. Denn ohne gebildete Benehmigungkäm man heut nicht durch die Welt. Das sehe man deutlich an Micheelsen. Der halt lange Jahre auf der Hohen Straße gewohnt. Und jetzt sei er sogar ...

Häringsbaron!" warf Willem dazwischen.

... sogar Rentier, wohin sie es niemals bringen wurden.

Gust begann mit der Frau des Maurerpoliers, damit die ehe­liche Auseinandersetzung sich nicht auswüchse, em Gespräch über ^"L^ehrfack)"rief Willem, ohne von seiner Zeitung aufzusehen:

Dann dämpften die Besitzerin des Hauses und der zu Besuch ^^Als^ WUlem^endlich ^seine Zeitung ausgelesen batte, faltete er sic sorgfältig zusammen. Nun erst nahm er seine Fuße vom Ofen xmö zog die Holzpantoffel an. Mit lautem Geklapper schlurfte er

Oer Zjgeunerhund.

Von Otto Alscher.

Die Ahornbäumc, oberhalb der Quelle, geben nur ein kleines Fleckchen Schatten. Die abfallende Wiese flimmert vor Sonne, darüber hinaus aber Täler, Wald, in die Tiefe steigende Berg­rücken und ferne Felder an Hängen mit kleinen Blockhütten.

Ich esse und lausche in das mittagsstille Land. Von unten kommt der tiefe volle Klang von Herdenglocken, nun Stimmen links, dann tauchen sie auf, eine Reihe holztragender Stflcuner, Weiber und Burschen, gebückt unter der Last Fallholz. Es sind nicht die ansässigen Dorfzigeuner, sondern wandernde Zeltzigeuner, an den Silbermünzen in den Haaren, den bunten Kiewern der Weiber erkennbar. Sie blicken herauf, sehen mich, grüßen aber nicht, sic sind ja niemanden untertan, ihr freies, ungebundenes Wandern läßt sie die Seßhaften verachten und gibt ihrer frei­willigen Verfehmung Stolz und Abweisung. r .

Hinter den Zigeunern schleicht einer ihrer Hunde nach. Ein magerer, langbeiniger Köter, das weiße Fell struppig und

^Zigeuner verschwinden rechts den Weg weiter in dem Wald. Der Hund aber hat einen Augenblick angehalten, nur zögernd schleicht er weiter, wittert gierig herauf, nun halt er wieder, dann, statt seinen Besitzern zu folgen, wendet er sich oberhalb des Weges ins Gebüsch. , , t ,

Sogleich weiß ich, was der Hund vorhat. Und richtig, nach einer Weile höre ich über mir cm leichtes Rascheln, dort, tm Gebüschrand steht der Hund und lugt herüber.

Ich rühre mich nicht. Dann merke ich, daß der Hund bis zu den Ahornbäumen herangeschlichen ist, wo er hinter

lauert. Obwohl er sehr hungrig fern mag, wagt er es doch Nicht,

ist, ausnehmend, schleudere ich diesen bis in die Nähe de» Tieres. Mit erschrecktem Knurren fährt der Hund davon, doch macht er eine Schwenkung, erfaßt den Knochen und verschwindet damit im Erdauert nicht lange, so ist der Hund wieder da. Nun ist er etwas mutiger geworden, versteckt sich nicht mehr, umkreist mich von weitem, sobald ich aber eine Bewegung mache, halt er miß-

^"^cki^nehme einen der Knochen, zeige ihn dem Hunde und pseife. (V-r hneft sich zu raschem Sprung und Zugreifen bereit, wedelt nicht, bleibt weiter fremd und wartet nur. Ich werfe den Knochen

^E r st is'ich mick/wieder abwende, schleicht der Hund hin, nimmt ^^"O^"s^"de"r"^Hund" sorveÄ^heranivagen"Mrd^um sich die in meiner Nähe liegenden Mahlzeitrestc zu holen? Ich zünde mrr eine Vfeife an und warte ruhig: der Sucher.meiner -ramm» kamera ermöglicht es zu sehen, was hrnter mir vorgeht, ohne, &af®c? Ä^ftroSe" da. Vorsichtig pürscht er sich näher immer ÄuÄÄ Ä Lm nnd Ä Ä Schon SWWZSW verboten zu be-

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