!6 bet Wut Ölebicj fit bit nbetis intens Sau. >uch«u Sölttr - Äb. n Den uni at got l>, bes Ma«, gl alt al gt. ! XIII, tfabril laniaf ■spfdji ie ein.
MehenerZMilienbMer
Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger
Zahrgang 193^ Montag, den 29. Oktober Nummer 84
ßbas Stals 6and /
ROMAN
VON FRANK F. BRAUN
MM
(Fortsetzung.)
auf", ganz
sdjroif ' Gifte, ijroanli chlichii Man«, ürbe je fleiiigi 'otiftei Eberl eitpuntt ter btt ie 2Iuf‘ 2e|h a, N e M
Sätet sein könnte!"
Zurrhelm zuckte die Achseln. Er setzte sich an seinen Schreibtisch. Be- »chtig schob er einige Briese weg und zog das gerahmte Bild Barba- Ls, das dort stand, sich näher. Er sah sie an, lange und eindringlich, ks war, als halte er eine letzte Zwiesprache mit der Geflohenen Sein Besicht blieb beherrscht. Es war zuviel auf ihn eingestürmt in dieser 5ad)t; nun waren die Nerven gelähmt. Seine Lippen bewegten sich tnb seine Hände strichen über den Rahmen des Bildes.
Da begriff Assessor Luzius, daß er hier überflüssig war. Er schritt zur Siir, sagte: „Gute Nacht, Zurrhelm", und wartete die Antwort nicht ab. Sam eine Antwort? Zurrhelm saß und sah das vertraute Bild an und
labal. o roiri Xabat ieweit, cheine« e 8e«. >l niete mürbe, Dorigei Ernftes Ion io nur im >. 3al)n
Zurrhelm schüttelte den Kopf. „Vater Berlebach macht nicht :gte er. „Ich weiß es ganz bestimmt. Er ist ein alter Mann und dein im Hause. Er macht nachts nicht auf. Es find zu viele Ketten,
6 V eile "j njmW iir *
n"51 (
ror sehr fern.
Wie ein sorgsamer Hausvater schloß Luzius alle Türen hinter sich. Sann trat er hinaus, schritt die Treppe hinab, kam auf die Straße; er (teilte den Kragen hoch und schritt rasch davon. .
Der Regen war stärker geworden. Ein Rauschen war in der Luft, luzius dachte: Der Himmel verwischt die letzten Spuren im Garten des tunfuls. Wir werden morgen früh keine Fußtapfen mehr in der Erde tuden. Der Mann, der dort stand und den Schmuck in das offene Schlaf- ftnmer warf, hat wirklich Glück. Wie lange schon? Wie lange noch? Inb dann dachte er noch einmal an Reginald Zurrhelm, der dort oben im Zimmer saß und Abschied nahm. Es war besser so, Barbara hatte lcht. Sie vergriff sich nur in der Form. Sie zerbrach diese Ehe mutig, <tie sie an ihr zerbrochen sein würde. Reginald Zurrhelm würde das trirnal einsehen, später, wenn Schmerz und Zorn nicht mehr den Buck tobten. Es ist alles eine Frage der Zeit. Wir wandeln uns, selbst wenn tir uns sträuben und zu beharren wünschen. Reginald Zurrhelm würde tine Ausnahme fein, dessen war Luzius ganz sicher.
Aber der Perlendiebstahl im Hause des Konsuls! Wer war der Dieb? tob es überhaupt einen Dieb? Wen würde der alte Berlebach morgen t schreiben, so daß man ihn erkennen konnte?
Der Regen schlug ihm ins Gesicht; er kühlte. Luzius fäntt öem Hotel $l Fern leuchtete schon der große erhellte Platz. Er dachte: Wenn dies rrrklich ein Kriminalroman ist, dann geschieht heute nacht die letzte, uilbeste Steigerung; das ist immer so in Kriminalromanen; dann wirb h ute nacht der Vater Berlebach, der einzige, der Auskunft geben kann, «mordet ober stirbt an Herzschlag. Zurrhelm und ich finden nur noch einen Toten.
Achtes Kapitel.
Auch biefe Nacht ging zu Ende. Reginald Zurrhelm war nicht zu tott gegangen. Der Morgen überraschte ihn an seinem Schreibtisch. Die jsnstervorhänge waren nicht zugezogen. Das Licch des neuen Tages uiirbe schon jetzt stärker als jenes der grünen Tischlampe. Reginald Zurrhelm drehte sie aus. Die Stube war grau angefuUt »on «ebe n Ulb die Fenster sogen dies fahle Licht starker in das Zimmer, Eine trübe Etunbe, der Nacht nicht mehr gehörend und vom Tag nochi nicht voll mrtannt. Die Stunde der müden Entschlüsse, der Verzichte. Die meisten felbftmorbe geschehen im Morgengrauen .
Zurrhelm bachte baran; er wußte mcht, wie es kam, aberbii Idee M ihm durch den Kopf. Doch sie verwirrte ihn nicht, noch^verlock^ sie Um Mit tiefer Dankbarkeit dachte er an Luzius und an dessen Wertz 2er Tod ist etwas Unwiderrusliches. Hatte er sich gestern abend wwkl ch w errumpelt, säße er heute nicht hier; leidlich gefaßt, em bißchen refigme r|nb, aber bereits mit den Verhältnissen rechnend. ffnnb
, Gr las den Brief nicht noch einmal durch. Wasbaan°; tote so bleiben. Barbara mochte es lesen, wie er " gesuhlt batte t befer Nackt Er batte sie freiqeqeben; ja; am Ende stand das ja wo ) l^er wenn sie je enttäuscht fein würde, wenn s'^^ünschte zuruckzukehren Inöqe sie nickt toaern Die kleine Lilly ließ er ihr. Das Kind gehört zur I utter Und wenn du nun nicht wiederkommst, Barbara, wenn statt dssen der Anwalt deines Freundes mirschreibt.dann sei gew'ß-daßch i>c keine Schwierigkeiten bereiten werde. Du warst ein fremdes !
eftigftit
mte. 3« hseuchl' :als btt ofopf)i(
MI schM in bunt e Stielt " Wer lalob l; ti tönig’ in btt
s
je g*1 ipW aiiiW loer btt glM ti*1
jftetlÄ , VL ! ult 1® denn t>
iiege! und Sicherungen, wissen Sie. Aber kommen Sie gleich morgen lüh. Versprechen Sie es mir! Ich will, daß auch der leiseste Verdacht an mir genommen ist."
„Fangen Sie doch nicht wieder davon an. Sie beschämen mich. Ich :mme morgen früh und hole Sie ab. Gemeinschaftlich wollen wir den torschen ausfindig machen. Ich muß Ihnen sagen, ich tappe jetzt völlig n Finstern. Ich habe nicht einmal mehr eine Mutmaßung, wer der
Haftes Glück in meinem Leben. Ich habe dich nicht zu halten vermocht. Das schmerzt bitter. Aber ich kenne dich, du warst nie leichtfertig. Dein Entschluß wird dir Kämpfe gekostet haben, und ich respektiere deine Entscheidung, auch da sie gegen mich ausfiel."
Er schob den Bries zurück. Wie kalt, wie sachlich machte sich das auf dem Papier, und hatte Herzblut gekostet Das Bild stand noch da, er sah in Barbaras Augen. Sie waren selbst auf dieser Photographie dunkel und unergründlich.
„Ich habe dich nie besessen, Barbara, aber erfahren habe ich das erst heute", sprach er für sich. Er nahm den Federhalter wieder auf und zog den Brief nochmals heran. Bedächtig setzte er die letzte Zeile hinzu und schrieb seinen Namen. Dann machte er sich an die Adresse. Wohin? Wo war Barbara? Er zögerte nicht. Wo Jan Strombeck weilte, würden auch Barbara und das Kind sein. Als er zu dem großen B ansetzte, wußte er mit ahnender Gewißheit, daß er zum letzten Male den Namen Barbara mit dem seinen verband.
Er stand auf. An der Erde lag noch das Bündel Scheine. Er schob es mit dem Fuß beiseite, dann hob er es auf. „Unsinn", murmelte er halblaut, faltete bas Selb unb steckte es zu sich, „was gehen mich bes Hollänbers Grünbe an. Ich habe ihm ein Bilb verkauft. Damit genug!"
Die Zigarettenfchachtel war leer, bie Aschenschale über ben Ranb gehäuft voll; aber als er sich in ben letzten Sessel hinter den kleinen Rauchtisch setzte, fand er eine übersehene Zigarre. Die zündete er an. Er spürte keine Müdigkeit; er würde aufbleiben, bis Luzius kam. Das mochte ja nun wohl bald geschehen. Er horchte nach innen und nach außen. Fern schlug eine Turmuhr sechsmal. Die Konturen der Möbel begannen sich stärker abzuzeichnen. Das Glas über Barbaras Bild sprühte auf. Der Tag war gekommen.
Wie lange er so gesessen, hatte er nicht beachtet. Die Zigarre war längst verglüht. Als die Klingel anschlug, erhob er sich und ging zur Tür.
Ein Mann stand da; er legte zwei Finger an die Mütze und grüßte. Zurrhelm las verwundert an diesem Mützenstreifen „Hotel Europa". Der Bote sprach: „Herr Jan Strombeck ist gestern abend abgereift und hat dieses Bild im Hotelzimmer stehen lassen. Es lag ein Zettel mit Ihrer Adresse dabei, das Bild trägt Ihr Signum. Der Herr Geschäftsführer meinte, daß Sie unserem Gast das Bild zur Ansicht schicken, und daß Herr Strombeck in der Hast der Abreise vergaß, es Ihnen wieder zuzustellen."
Zurrhelm lächelte bitter. „So ist es", sagte er. „Lassen Sie das Gemälde hier. Herr Strombeck wird sich melden, wenn er es doch noch haben will."
Der Bote reichte bas Bilb hinein, grüßte unb ging weiter. Zurrhelm nahm seine Arbeit, er sah bas Bilb nicht an; er lehnte es gegen bie Wand. Er ballte die Fäuste, die Nägel drangen schmerzhaft ins Fleisch. Dann löste sich der Krampf. Er drehte sich auf dem Absatz herum und sagte: „Aus eine Ohrfeige mehr oder weniger kommt es nun nicht mehr an, Reginald Zurrhelm." Geladen mit Selbstironie, ging er in das Zimmer zurück. Auf dem Schreibtisch sah ihn Barbara mit großen Augen an Auch dein Werk!? rief er. Barbara lächelte ein bißchen und antwortete nicht. Da ließ er sie und wandte sich ab.
Aber diesmal blieb er nicht lange mit sich allein. Luzius, sonst kein Frühaufsteher, hatte eine schlechte Nacht hinter sich unb war froh gewesen, sie beizeiten beenben zu können. Oerabe als Zurrhelm in einen neuen Aerger verfallen wollte, langte er in ber Platanenallee 9 an.
„Haben Sie schon gefrühstückt, komme ich zu zeitig?"
Reginalb Zurrhelm überhörte bie erste Frage. Er war bereit. „Gehen wir", sagte er, „ich warte auf Sie."
Die Welt war jung unb neu. Es begegneten ihnen nicht viele Menschen. Das Gängeviertel, dem Hafen zu, lag friedlich und licht. Wo waren die dunklen Gassen, die trüben Winkel zwischen ben Häusern? Dies waren enge, aber in keiner Weise ungewöhnliche Straßen In ben Fenstern ftanben Frauen unb putzten bie Scheiben. Ein Schutzmann patrouillierte in unbesorgter Ruhe Auf ben Stufen zu ben Kellerlokalen waren hembs- ärmelige Wirte beschäftigt, bie Steinfliesen zu scheuern.
Vater Berlebach war gerabe dabei, seine sieben Riegel von der Tür zu nehmen. Er sah bie beiden Männer herankommen, aber er beachtete sie nicht. Als er die Tür freigab. traten sie in fein Lokal ein.
Luzius erkannte ben Raum sofort wieder; ben Tisch, den Geldschrank an ber Wanb — das alles hatte er gestern aus anberer Perspektive schon einmal gesehen.
Vater Berlebach legte einen Abstand von mehreren Schritten zwischen sich unb die Fremden. „Sie wünschen?" fragte er
Zurrhelm nahm seinen Hut ab. „Erkennen Sie mich?" meinte er.


