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Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger
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Mitternacht, die Gärten lauschen, Flüsterwort und Liebeskutz,
Schöne Zunitage.
Von Detlev von Liliencron.
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chter" vor. Er bot mir einen Sessel an, gen zurück und sagte kameradschaftlich: aal gemütlich etwas vertellen." Um des t Ort zu 'Ort verfrachtet, fragte er hier Barmen oder in Düsseldorf seien, und iseerlebnis von dieser qualvollen Brettl- raie Studentenschaft stehend angehört und ann verkündet habe, diese Ehrung gelte nicht dem Dichter, sondern dem Märtyrer. Dann schrieb er mir eine Anweisung für zwei Eintrittskarten — für zwei, denn, so bemerkte er, ein „teutscher Dichter" habe immer eine Geliebte. Ich aber brachte am Abend meine Schwester mit, vor der er sich tief verbeugte, und die ihm am Ausgang einen Blumenstrauß überreichte. Er hatte, wie er das ausdrückte, sein Gedicht von „Krischan Schmeer" ins Publikum „gebraust", zwischen lauter Kabarettnummern, klagte über seine unglückliche Rolle als „Commis voyageur en lyrique" und meinte, er würde sich besser dazu eignen, als Saaldiener von der Galerie zu schreien: „Dort unten tm Parkett sind noch zwei Plätze frei!" Als wir ihn nun durch Schneegestöber zum Hotel begleiteten und ihn ein Bursche anrannte, lachte er: „Schade, daß ich ihm nicht meinen Schirm entgegengehalten habe, dann hätte ich ihn aufgespießt." lieber den nächsten Mittag war ich wieder bei ihm, zusammen mit meinem Freund und Schulkameraden Will Vesper. Er lud uns zum Essen ein, und die Zigarre, die tch fünfzehnjähriger Knirps von ihm erhielt, hat, obwohl ich schon Raucher war, lange Zeit, mit einem Schildchen: „Geschenk von Detlev von Liliencron" beklebt, als Reliquie in meinem Schuler- schrank gelegen. c , , .
Es kamen meine Münchner Sturm- und Drangjahre in unserem jungen Dichterkreise. Wir verschonten Liliencron nicht mit unseren Werken, trotz seiner Rufe um Erbarmen, ferner irintafiirfu'ii Klaaeu über die Lalt seiner Korresvondertz: wober _er
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wieder in Elberfeld, diesmal mit dem n sich als „künstlerischen Leiter" gekauft Schule und trieb mich herum, bis ich in wurde. Roch sehe ich ihn, wie er nach t nicht hochblickte von einem Tierbuch, in cas aufgeschlagcn war, aber als ich mich er Stimme zu erkennen gab, da rief er: er Name!" und stellte mich seinem Jrn-
22. Juli sein 25. Todestag.
Mit zwölf oder dreizehn Jahren wechselte ich aus der Mondscheinpoesie des empfindsamen in diejenige des romantischen Zeitalters hinüber — von Hölty zu Eichendorfs. Aber ßchon ein Zahr später sprang ich unvermittelt mit beiden Füßen in die taghelle Welt Detlev von Liliencrons: „Klingling, bumbum und tschingdada!" Ja, es war dies Gedicht: „Die Musik kommt, das ich irgendwo fand und das mich mit Pauken und Trompeten in eine dichterische Wirklichkeit hinüberrtß. rer, . „ .
Kurz darauf las Liliencron in der Nachbarschaft Elberfel^ und ich erbettelte von meinen Eltern die Erlaubnis zum Besuch des Abends. Es trat kein Ritter ein, kein Hüne, dem man es ansah, daß er mit König Ringelhaar verkehrte, sondern etn kleiner, rundlich-zierlicher Herr im Gehrock mit kurzgeschorenem Haar und langem, blonden Schnurrbart. Er las Mit schnarrender _ • , w- z-x «- < ■ ■ t - /TI . < 1 J. k..-in->• rllAlt I t Hirt* ilrt«
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Und das Herz macht seinen ?
Und zum Kinde wird der Held — Flußüberwäris singt eine Nachtigall.
Erinnerungen an Liliencron.
Von Hans Brandenburg.
Am 3. Juni ist Liliencrons 90. Geburtstag,
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dem Baron und ritterlichen Sänger nur eine Nolle verräucherten Pergamentes angemessen. Doch da ich dieses nicht hatte, schrieb tch meine Stanzen aus große Papierbogen, deren Ränder von mir im Zickzack abgerissen und mit Streichhölzern angesengelt worden waren, so daß dem Empfänger aus dem Umschlag zunächst eine ~ " ' den Schoß schneien mußte. Allein er ver-
keinem Wort, sondern zollte dem Funf-
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jene Stimme aus dem Grabe beschwören rann. .
In den nächsten Wochen schrieb tch mtr im halbdunklen Lager eines Buchhändlers Liliencronsche Gedichte ab. Und etn halbes Jahr später wandte ich mich an den Meister -m® eigenen Versen, sondern mit der Bitte um Rat und Hilfe tn religiösen Zweifeln. Postlagernd kam dte Antwort, ein Wisch mit den beühmien „Krähenfüßen", derenSieroglyphen ich nur langsam entzifferte: „Tausend Dank, hochverehrter Herr Brandenburg, für Ihren interessanten Brief. Aehnliche bekomme ich unendlich viele. So daß ich nur den kleinsten Teil beantworten kann oder mein Tag müßte 100 Stunden haben. Darf ich Ihnen deshalb nur eins schreiben: Immer fix weiterdichten! Ihr Dettev Liltencron. Ich ließ indcffen nicht locker und erhob meine Stimme zum Schrei. Da traf ein etwas längerer Trostbrief etn: Unglücklich muffe ück jeder in diesem Jugendalter fühlen: am besten sei positiver ilaube, wer aber nicht glauben könne, der glaube dann eben Nicht nuo finde auch darin seinen Frieden. „Sie sollen mal sehen, mein Poet, so etwas gibt sich mit den Jahren." Und dann wieder der Schluß: „Immer mein Rat: Dem Leben fest tns Auge sehn! Und — weiter dichten. Mut und vorwärts!!!" Q.,.
Durch diese Aufforderung zum Wetterdichtcn »°g sich Liliencron schließlich doch meine erste Verssendung zu. Und mir schien
„Welch ein stiller, himmlischer Mensch ist unser Vesper. Wie ein Paradies sehe ich oft vor mir liegen seine „Freude, etn Hausbuch deutscher Art'. Wie Friede weht es draus her. Ich habe noch kaum hineinsehn können." Er half mir mit seinen Empfehlungen bei meiner ersten Verleqersuche, richtete mich auf, als sie ntchts fruchteten, und fragte nach einiger Zeit bei mir an, ob und wie er mit weiterhin dienlich sein könne. Mein Lichtbild stehe vor Hm auf dem Schreibtisch, so schrieb er mir. Und als wir in die Oeffentlich- keit drangen, begrüßte er in uns „eine neue Aera" und rief uns, ein@ierocti e$tt freigebig mit Lobsprüchen, als daß ich diejenigen, öie er mir spendete, allzu hoch einczeschä^t hätte. Aber niemals hat er mich wie so manchen meiner Bekannten behandelt-.
„Ihr Gedicht ist himmlisch", schrieb er an einen dichtenden Buchhändler, „ein wahrer Mörike. Leihen Sie mir doch sofort 100 Mark." Und auf das Vcrsbuch einer Dichterin, das in verschnörkelter Schrift den Namen des Märchenlandes Jahana als Titel trug, hatte er gar zu flüchtig htngeblickt, wenn er antwortete: Tausend Dank, hochverebrtes, gnädiges Fräulein, für wundervolles Gedichtbuch .Havanna'" Vieles an seiner Liebenswürdigkeit, mit der er zu Tode lobte, war Maske und Selbsttchutz.


