liebe gnädige Frau, außer- die junge Bande da!" ihren Onko scharf'im Auge
und freundlich zu, wie ein
und streckte auch ihm die starke Hand hin.
Der erwachte. Hinter dem-brennenden Glanz der Augen glomm ein böser Schimmer auf, der den schwarzen Haarpelz mit der Dreieckspitze in der weißen, schönen Stirn noch knabenhafter wirken ließ. Er verneigte sich prinzlich. „Sehr erfreut, Herr Professor! Wir wollten alle das Bild besehen und bekamen Leben geschenkt!"
Till und Barby machten Gesichter wie feiner, fremder Besuch. Louis HMrlbrink warf keinen Blick auf das Bild.
VII.
„Ich habe leider wenig Zeit, lieber Junge", sagte der Professor zu seinem Neffen Dagobert. „Muß in eine wissenschaftliche Sitzung. Also: Was ist los?"
„Ich ivollte dir mitteilen, daß das Porträt von Frau Guger- nell fertig ist. Ich möchte dich bitten, Onkel Louis, es dir einmal anzusehen. Würde mich riesig freuen."
„Du willst es mir andrehen, alter Sohn? Mußt du der gnädigen Frau nicht das Bild verehren?"
,Sic ist großmütig einverstanden, daß ich dariiber verfüge. Kein rechter Platz bei Pfefferkorns dafür, und ich bin kein wohlhabender Mann. Ich werde ihr ein kleines Pastellbilü machen..."
Louis räusperte sich, ungnädig über die Absicht. „Ich kann es leider nicht brauchen. Habe bloß alte und ältere Bilder."
„Was sich jederzeit ändern ließe", warf Dagobert zart ein. „Ich müßte oder könnte das Bild auch dir verehren, aber dem stünde wieder Frau Gugernells größeres Recht im Weg. Etwas verzwickte und heikle Situation ... Und man muß doch was verdienen." Dagobert zwinkerte bescheiden. Gut gesagt! dachte er.
Onkel Louis hustete eine Weile locker; es klang wie ein Lachen. „Ich fürchte, sie wird etwas merkwürdig aussehen, deine Dame Gugernell... Kann mir nicht Helsen, Dag! Achnlich so, wie Till «den im Korridor zu ihrer Himmelsbude. .Einen Tag vor der
hatte.
Er nickte den Herrschaften kurz .... . .
jovialer hoher Herr, der nicht gewöhnt und willens ist, viel Umstünde zu machen. Das mutz anders werden! beschloß er im nächsten Augenblick. Die jungen Leute hatten mit dieser schwierigen und ernsten Sache nicht das mindeste zu tun. Das muß alles ganz anders werden! entschied er. „Herr von Gloö?" fragte er gnädig
Neuer Damenwechsel. „Na, Till, du scheues, kleines Wesen — ttU auch mal los mit uns zwei beiden!" enkschted Diez nach einer ^^Was^Till keineswegs kränkte. Sie ruhte angenehm weich und warm in seinen Armen. „Hüte dich vorn, Onko'/ jagte ste bloß.
''Unzweifelhaft ein Katarina-Komplex — ein tragischer Tiefenkomplex, in dem sich der Urmensch an dem geistigen Europäer rächt. Ich las einmal über die Liebe bei den Somalinegern ...
1 Da^am NUcchem Glod, schmal und herrisch, zu Katarina. „Ihr amüsiert euch", sagte Rikodem, „und Seine geschätzte Herrlichkeit Louis ist einverstanden?" , ,
„Ich gestatte dir nicht mehr, so zu sprechen! Du weißt es wünsche so etwas nicht zu hören!" antwortete sie ruhig. „Was ist
bist 'niemals, so schön gewesen, Katarina, wie diesmal.
,/5ei kein^ Narr''Niko! Dich lockt immer nur das Geheimnis. Alles zuviel und nichts genug ...Armer Niko!"
„So mutz es sein. Es läht sich manchmal gute Mustk daraus machen."
„Ich möchte nicht mehr tanzen."
Meister Dagobert aber, der die guten Stunden des Lebens liebte,' hatte jene erste Platte wieder aufgelegt, auf der ein melodisch rumvelnder Vauerntanz eingekratzt war. Nun ging er, Barby und Till am Arm, zu Katarina und streichelte ihre Hand.
Sie gab jedem einen Klaps auf die Backe, so gut wie einen Kuß. Aber dann schwebte und wackelte sie doch noch einmal den anmutigen „Kreisel"; stützte, nie Spielverderberin, die schönen, schmucklosen Hände über den Hüften ein und floß, komrsch wackelnd und beherrscht weich, dahin... ,
Im Hintergrund des luftigen Raums stand schon eine Toeile ein großer Herr im Cut. Er trug eine weiße Blume im Knopfloch, gelben, blitzenden Stock, weiße Gamaschen, hielt einen keck geschwungenen steifen Hut in der Hand und leuchtete, wie König Salomo am Sabbat. Er verfolgte statuarisch jede Bewegung der Tanzenden und schien nichts von den anderen Bewunderern zu
Hinrichtung', sagt Till. Nimm's nicht übel, mein guter Dagobert! Auch ich kann nicht aus meiner Pelle. Also — ich mutz in meine Sitzung, mein Junge. Entschuldige mich! Sonst noch was?
Dagobert klapperte mit den Lidern, wie ent Geschäftsmann von hohen Graden. So leicht war er nicht umzupusten. „Ich werde sie also ausstellen müssen..."
„Stell sie aus!" stimmte Louis zu. . ,
„ .Katarina Gugernell' oder einfach .Die Tänzerin. Es wird mächtig auffallen, denke ich. Sehr gut für mich!"
Louis betrachtete seinen in Nachdenklichkeit versunkenen Neffen mit runden Augen. . f;i,
„Diez oder Till müssen mir etn paar bezwingende Notizen für die Presse dichten: Die berühmte Meisterin des zärtlichen oder selig beschwingten Tanzes — Diez muß das formulieren — durch Heirat Mitglied des westlichen Patriziats... Diez mich seine Feder in Sachlichkeit und Nosenglut tauchen. Ich furchte, ich werde den Stürmischen zügeln müssen!" Dag rieb sich geschäftig die Hände. „Auch ein Künstler ißt sich gern mal satt und muß an die Zukunft denken. Es wäre bei dir in gute, verständnisvolle Hande gekommen, Onkel Louis. Woran einem natürlich am meisten gelegen ist. Kein hübscher Gedanke für unsereinen, wenn irgendein alter Knopfhändler, der sie mal ans dem Podium erlebt hat, sie sich ins Herrenzimmer hängte, beispielsweise." Ein Filouchen, das Dagobertchen! Ein Schlimmer! Mäzene müssen in Rotglut geschmiedet werden. Vivace fortissimo. Es geschah zu Onkos Borteil und Glück.
Louis saß wuchtig in seinem.großen Stuhl, sah schon wieder nach der Uhr. . , „ _ ,
Dagobert selbst hatte noch viel Zett. Tagelang.
Louis verübte einigen rauhen Lärm. Er erhob sich, straffte die Weste und ging an den Zigarrenschrank. „Was willst du eigentlich dafür haben?" , t ,
„Fünf Mille", antwortete Dagobert knapp.
„Du bist verrückt! Na, schön! Ich muß jetzt weg, mein Sohn. Wenn du mitkommen willst? Mir recht." Er griff zum Haustelephon, sprach mit seinem Fahrer Finke.
„Wieviel dachtest du, Onkel Louis?"
„Ich dachte gar nichts."
„Unbedingt zuwenig."
Louis blieb vor Dagobert stehen. „Um die liebenswürdige Frau Gugernell vor deiner gewitzten Reklame zu bewahren — für tausend kannst du es mir schicken! Aeußerst! Die reine Erpressung. Ein toller Preis!" Louis schloß krachend den Zigarrenschrank ab.
„Ich verkaufe meine Seele damit: Kind, Haus, Hof und alles, was mein ist. Zum ersten, zum zweiten — also: drei Mille!" Er erhob sich auch, straffte die Weste, stand schlank, nicht ganz so hoch wie Onkel Louis. „
Der gab ihm einen richtigen derben Katzenkopf. „Keinen Sechser mehr, du Gauner! Werde übrigens keinen Winkel dafür finden. Vielleicht bei Till oben?"
„Unten im Gartenzimmer, zwischen Blumen. Farbe, Farbe! Also: zweieinhalb, mit Rahmen, gratis und franko!" flüsterte Dag gebrochen. „Mein letztes Wort!"
„Anderthalb — und nun Schluß! Mach, daß du rauskommst!
Dagoberts Herz hüpfte. Auch anderthalbtausend waren heutzutage kein Aeppelstiel. , „ , . ,
„Klüter!" rief Onkel Louis in den Hausapparat. „Uebrigens noch ein Wort mein Sohn: Es wäre mir lieb, wenn ihr von jetzt ab etwas mehr Abstand hieltet ... Verstehst du mich? Soweit das das Selbstgefühl eurer Generation zuläßt. Abstand und Respekt! Und Bemühung um die eigene verehrte Nase! Verstehst du mich? Ich meine auch Diez — besonders den kühlen Lebensspötter Diez. Barby ist wirklich ein hübsches, langes braunes Mädchen, so alt wie Till. Grüße sie von mir!"
„Sie wird sich freuen. Werde ihr gern deinen Gruß bestellen, Onkel Louis."
So pfiff der Wind? strich es Dagobert durch den geschorenen Schädel. Louis hatte es nicht nötig, jedenfalls war es nicht seine Art, um die Ecke zu säuseln: Klärung der Situation und des tzamilienensembles; Ablehnung jeder Konkurrenz sozusagen ober- Einmischung mit allzu fröhlicher Unbefangenheit. Ei, ei, ei! Der Diezemann war in letzter Zeit in ber Tat ein bißchen keck geworben, hatte bie Dame Gugernell auf Rebaktionskarten ber „Leuchtkugeln" ein paarmal ins Kino unb sonstwohin mitgenommen, wo bie Lira Carum unb bie Lara Lirurn, bie sie beibe vorn Konservatorium her kannte, gesungen hatten Unb sie war in ihrer unbesorgten Art gefolgt: War doch ber nette, gescheite Diez, ein kleiner, liebenswerter Hasselbrink! — Wünschte allein zu sein, ber Ohm, mit [einen jugenblichen Konflikten unb jebenfalls mit ber reizenben Dame Gugernell? War längst fällig gewesen; Dag würde noch heute Familienrat abhalten. Jammerschade, daß Till das nicht mit angehört hatte! Die würde empört mit dem Köpfchen gezittert und Diez würde, vor höhnischer Qual, mit der Pseife geröchelt haben.
Dagobert blickte haNnlos, wie ein Veilchen auf der Wiese, unb nahm Abschieb fürs Leben. „Darf ich mir noch eine Zigarre anstecken? Tausenb Dank! Also: Ich schicke morgen bas Bild. Zwei Mille! Scheck!" „Anderthalb — zum Donnerwetter! Raus, du Obergauner! Nimm die Kiste da mit! Laß sie dir von Klüter einpacken! Wiedersehn!"
Entlassen ... Dag stieg rauchend die pfirsichrote Treppe hinab, streifte Klüter mit den Pupillen; es gab immer mal wieder einen Augenblick, der ihn an den nutzlos verflossenen Taler erinnerte. Oller, fetter Mulla! „Würden Sie mir das Kistchen da nett einwickeln, mein guter Klüter?"
„Gern, Herr Hasselbrink!"
(Fortsetzung folgt.)
bemerken. , , . , , ,
Der große Herr hatte sie noch niemals tanzen sehen, kannte bloß einige der Bilder in ihrem Studio; das mußte gewissenhaft ausgenommen werden. Er hatte manchmal an eine Art wilden Sciltanzens und schlimmere Verlegenheiten gedacht. Eine unverzeihliche Verleumdung und Entweihung dieser lebensnahen, vollendeten Menschlichkeit!
Nun erblickte sie ihn. Aber es war mogltch, daß sie rhn schon 'vorher bemerkt hatte. Sie errötete belustigt und ließ Arme und beredte Hände schlaff sinken. „Ist es schon spät?"
„Ich kam zu früh", entschuldigte sich der stattliche Herr.
„Unzweifelhaft!" stimmte der Hausherr Dagobert zu. „Wir machten gerade erschöpft eine Pause in der Arbeit."
„Hab' ich schlecht, getanzt?"
Er schüttelte den Kopf. „Nein, ordentlich hübsch. Viel zu hübsch für „Oho! Oho!" Das war Till, die
Per antwortlich: vr. Hans Thyriot. — Druck und Derlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.


