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Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger
Jahrgang (953 H
Freitag, den 5. Januar
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Horch, Herz, in die einsame Nacht hinein, Es gehn viele Füße, laß offen die Tür, Es werden vielleicht die drei Könige sein.
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Oreikönige.
Von Hans L e t f h e l m.
Brief standen zwei Buchstaben: N. Z.
sizier ritz zwei Blätter von seinem Block und
Oie Liebesgabe.
Eine Geschichte von Paul E r n st.
Bei einer der großen Schlachten, welche im Weltkrieg sich wochenlang htnzogen, lag ein junger Leutnant mit seiner Truppe in einem Schützengraben. Die Leute hatten sich den Aufenthalt so behaglich wie möglich gemacht,- sie hatten sich einen Raum von der Größe einer kleinen Stube im Boden ausgcgraben: aus dem nahen Dorf, das längst von den unglücklichen Einwohnern verlassen war, hatten sie Stroh und sogar einige Matratzen geholt,- ein Mann besaß eine Ziehharmonika und spielte oft, indessen die andern, behaglich rauchend, ihm zuhörten, und der Posten mit dem
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>andtschast, bet fremden Leuten bin ich erzogem meiner Freundin zu Besuch. Wenn ich sie ver- ich wieder in meine einsame Wohnung zurück. :iner Freundin steht im Feld. Sie wartet herz- : Post, studiert weinend die Verlustlisten. Ich nach, herzklopfend auf die Post zu warten, ich Kränen der Besorgnis um einen Menschen, den
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i Brief hat ein Mann erhalten, der einsam ist e meine Eltern nicht gekannt, habe meine ersten m Oheim gelebt und wurde dann in das Ka-! w id)t. Wenn meine Kameraden in den Ferien In die Heimat reksten, mnßte ich bleiben: ich hatte keine Heimat. Ich bin ärmer als Sie, ich habe noch nicht einmal einen Freund. Ich sende diesen Bries auf Geratewohl, wie Sie den Ihren Ihrer Gabe betgefügt hatten."
Diesen Worten fügte er seinen vollen Namen mit Anschrift bei. Dann erknndigte er sich bei den Leuten nach dem Herkunftsort des Pakets. Es war aus Berlin gekommen. Er schrieb aus den Briefumschlag die beiden Buchstaben R. Z. und richtete ihn postlagernd Berlin, Hauptpostamt.
„Weshalb hatte sie nicht ihren Namen unterschrieben?" dachte er in der Nacht. „Was habe ich für einen Unsinn begangen, einen solchen Brief abzusenden!" dachte er weiter. Er lachte für sich und dachte: „Er wird einige Wochen auf der Post in Berlin liegen, dann wird man ihn mit andern alten Briefen verbrennen — oder wird man ihn öffnen, um den Absender zu erfahren?" Es war ihm ein unangenehmer Gedanke, daß man den Brief vielleicht ösfpete, __________________________________—----------
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„Dieser Jacke, die ich gestrickt habe unter den herzlichsten Wünschen für den Mann, der sie einmal tragen soll, füge ich einen Brief bet. 3ch weiß nicht, in welche Hände beides fällt,- aber tch möchte dem Unbekannten einen Gruß senden.
^rh hnhi> feinen anderen Menschen, dem ich einen Gruß senden Danes/X rzliches wünschen darf. Meine Eltern sind tot, pictayy nie besessen, meine Eltern waren einsame
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Der Leutnant saß etwas abseits von den Leuten auf einer Matratze. Er freute sich über die Fröhlichkeit der Leute, über den heiteren und selbstverständlichen Willen, die Mühsale und Schädigungen des Aufenthaltes nicht Herr über den frischen Mut werden zu lasten: er fühlte auch, daß er zusammcugehörte mit seinen Untergebenen, daß kein Mißtrauen und keine Feindlelig- keit bei ihnen gegen ihn war, sondern Zuneigung und kameradschaftliches Gefühl: dennoch spürte er sich ausgeschlossen von der allgemeinen Heiterkeit. Die Achtung vor dem Vorgesetzten lag über den Lenken, und ein lachendes Gesicht änderte sich plötzlich dienstlich, wenn die Augen zufällig nach seiner Richtung fielen Es war das ja nötig wegen der Manneszucht, und es bedeutete nichts Uevles: aber der junge Mann hatte doch plötzlich das Gefühl einer grenzenlosen Vereinsamnng.
Die Mannschaft batte leise miteinander gesprochen, dann trat der Unteroffizier auf ibn zu, brachte ihm die gestrickte Jacke und sagte, sie hätten bemerkt, daß 6er Herr Leutnant nur seidenes Unterzeug habe, das bei der nunmehr einsetzenden Kälte nicht genüge: sie selber seien mit dem Nötigen versehen und bäten ihn, daß er die warme frorfe nehmen möge. Einen Augenblick darbte der Offizier, das, er die Gabe abweisen müsse, dann überkam ibn die Freude über die vielevolle Gnsinnuna, er nabm das Dargebotene und dankte allen. Wie eine beiße Glückswelle strömte ihm die Freude über die liebevolle Gesinnung, er nahm das Dargebotene werde schon nervös", dachte er. , ,,
Wie er nun die Jacke aiiseinanderleate, um ste zu betrachten, fühlte er Papier: er schlug sie um und fand inwendig, mit Garn festgebeftet, einen Brief. In dem mit zierlicher Frauenhand geschriebenen Brief stand folgendes zu lesen:
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achtzehn Jabre alt. lieber Ihren Brief staben wir den ganzen Tag geweint. Weil ich allein den Mut gehabt hatte, ihn abzubolen. so darf ich ihn auch allein beantworten, aber die andern lasten Sie wenigstens grüßen." Dann folgte der volle Name des Mädchens.
Der junge Offizier sah wobl, daß fein Brief durch irgendeine Verwicklung in ganz andere Hände geraten war, als er ihn bestimmt hatte: aber er freute sich doch über den zierlich goldgeränderten Bogen die mädchenhaften Schriftzüge, und in den langen Stunden der Muße, welche er jetzt hatte, versuchte er sich ein jugendliches Gesicht vorznstellen. das der Briefschreiberin angehören mochte. Er antwortete auch, einen längeren Brief, wie der erste gewesen war, bekam wieder Antwort zurück: und es folgte dann ein heiterer: neckischer Briefwechsel: es war, als hätten sich beide Teile das Wort gegeben, nichts von dem Ernsten und Schweren des Krieges sich merken zu lasten: der Vater und zwei Brüder des jungen Mädchens waren gleichiallS Offiziere und standen im Feld, und der junge Mann lag den feindlichen Kanonen und Gewehren gegenüber, und jeden Augenblick konnte ihn eine der Kugeln treffen
Und es traf ibn auch eine Kuael. Er hatte mit dem Glas fpäbend die feindliche Stellung beobachtet und war dabei wohl etwas zu sichtbar aeworden: plötzlich füblte er einen Schlag aegen die Unke Schulter Die Berwnndnng mar n*t fefir schwer: der Arzt bestimmte, daß er eine weitere Reife machen konnte und so schickte man jbn denn nach Berlin Ans dem Lazarett schrieb er seinen ersten Bries wieder an die Unbekannte erzählte alles, und wenn er auch bescheiden nicht ausdrücklich bat. daß sie ibn besuchen möae. fo stand doch d-ntlich zwilchen den Zeilen zu lesen, wie sehr er sich über einen Besuch freuen würde.


